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Julius Hirsch Preis 2026: Drei Projekte zeigen, wie Fußball Haltung verbindet

135 Bewerbungen, drei Auszeichnungen und ein deutliches Signal: Der Julius Hirsch Preis 2026 rückt Projekte in den Mittelpunkt, die Fußball mit Teilhabe, Erinnerungskultur und dem Einsatz gegen Antisemitismus und Rassismus verbinden.
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Drei Jugendliche beim Fußballtraining auf einem Platz, der Ball im Vordergrund, im Hintergrund Schule und Bäume.
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Das Wichtigste in Kürze

  • Der Julius Hirsch Preis 2026 zeichnet drei Projekte für Einsatz gegen Antisemitismus, Rassismus und für Erinnerungskultur aus.
  • Streetbolzer e.V. fördert mit Straßenfußball und Bildungsarbeit jährlich bis zu 15.000 Kinder und Jugendliche.
  • SV Borussia Leer verbindet Fußball mit Engagement gegen Diskriminierung und bietet inklusive sowie bildende Programme an.
  • Die Deutsch-Tschechische Fußballschule organisiert grenzüberschreitende Holocaust-Gedenkturniere mit internationaler Jugendbeteiligung.

135 Bewerbungen und am Ende nur drei Auszeichnungen: Der Julius Hirsch Preis 2026 macht sichtbar, wie unterschiedlich Fußballvereine gesellschaftliche Verantwortung ausfüllen. Prämiert wurden Projekte, die Teilhabe, Erinnerungskultur sowie den Einsatz gegen Antisemitismus und Rassismus miteinander verbinden.

Die Preisverleihung ist für den 23. November in der Weststadthalle in Essen vorgesehen. Insgesamt ist die Auszeichnung mit 21.000 Euro dotiert, jedes der drei Projekte erhält 7.000 Euro. Die Ausschreibung lief bis zum 30. Juni 2026.

Warum der Preis im Fußball Gewicht hat

Der Deutsche Fußball-Bund vergibt den Julius Hirsch Preis in diesem Jahr zum 22. Mal. Seit 2005 erinnert die Auszeichnung an Julius Hirsch, den deutsch-jüdischen Nationalspieler, der 1943 in Auschwitz ermordet wurde. Damit steht der Preis nicht nur für Engagement im Sport, sondern auch für Erinnerung an das Unrecht des Nationalsozialismus und für Widerspruch gegen Ausgrenzung im Alltag.

Über die Vergabe entschied eine elfköpfige Jury unter Vorsitz von DFB-Präsident Bernd Neuendorf. Zu ihr gehören unter anderem DOSB-Präsident Thomas Weikert, Journalistin Dunja Hayali, DFB-Vizepräsidentin Celia Šašić, Julia Hirsch und Otto Addo. Aus 135 Bewerbungen wählte die Jury zunächst zwölf Projekte aus; nur dreimal war die Zahl in der Geschichte des Preises noch höher, und zwar in den Jahren der sogenannten Flüchtlingskrise.

Streetbolzer: Straßenfußball als offener Zugang

Den ersten Preis erhält Streetbolzer e.V. aus Kassel. Der Verein setzt auf Straßenfußball und auf kostenlose, niedrigschwellige Angebote in Sport, Bildung und Kultur. Vor allem Kinder und Jugendliche aus benachteiligten Verhältnissen sollen dort Fairness, Toleranz und Eigenverantwortung erleben.

Die Arbeit des Vereins geht jedoch deutlich über den Sport hinaus. Streetbolzer richtet den Blick gezielt auf Mädchen und junge Frauen, bietet inklusive Formate an und verbindet die praktische Arbeit mit politischer Bildung und Erinnerungskultur. Das Turnier „Kick Rechts weg“ läuft seit 18 Jahren. Der #SayTheirNames-Cup erinnert seit 2022 an die Opfer des rassistischen Anschlags von Hanau; außerdem beteiligt sich der Verein seit 2020 an Gedenkveranstaltungen für die Opfer von Hanau sowie für Walter Lübcke und Halit Yozgat.

Nach Angaben des DFB erreicht Streetbolzer jährlich bis zu 15.000 Kinder und Jugendliche. Bei der inhaltlichen Arbeit und der Ansprache junger Menschen kooperiert der Verein unter anderem mit dem Sportamt Kassel, dem Kulturzentrum Schlachthof, Jugendhilfeeinrichtungen für unbegleitete minderjährige Geflüchtete sowie mit Partnern in Schytomyr in der Ukraine. Solche Projekte zeigen, wie wichtig belastbare Netzwerke sind, wenn Fußball soziale Wirkung entfalten soll.

Ein Amateurverein mit klarer Linie

Der zweite Preis geht an den SV Borussia Leer e.V.. Der Amateurverein verbindet Fußball mit einer klaren Haltung gegen Rechtsextremismus, Rassismus, Antisemitismus und andere Formen der Diskriminierung. Sichtbar wird das in Bildungsveranstaltungen, Ausstellungen und Erinnerungsarbeit.

Dazu kommen ein Inklusionsteam, Angebote für Geflüchtete und Menschen mit Migrationsgeschichte sowie die neue Selbsthilfegruppe Ankerplatz für Menschen mit psychischen Erkrankungen und ihre Angehörigen. Borussia Leer arbeitet außerdem mit regionalen und überregionalen Initiativen aus den Bereichen Menschenrechte, Seenotrettung und Erinnerungskultur zusammen. Im vergangenen Jahr setzte der Verein sein gesellschaftliches Engagement unter anderem mit Lesungen, Vorträgen, einer Ausstellung zur Geschichte der Sinti und Roma, einem Inklusionsturnier und öffentlich sichtbaren Zeichen für Solidarität und Vielfalt fort.

Julia Zeyn von der Koordinationsstelle Fanprojekte lobte die Verbindung von Ehrenamt, Fußballkultur und Bürgerengagement vor Ort. Ihre Einschätzung macht deutlich, worauf die Jury offenbar besonders achtet: auf konkrete Angebote, die im Vereins- und Stadtleben tatsächlich ankommen und nicht nur als Haltungserklärung bestehen bleiben.

Erinnerungskultur über Landesgrenzen hinweg

Den dritten Preis erhält die Deutsch-Tschechische Fußballschule e.V. mit Sitz in Rehau in Bayern. Die Initiative bringt seit 2002 Kinder und Jugendliche aus verschiedenen europäischen Ländern durch Fußball zusammen. Trainingseinheiten, Turniere und Lerncamps verbinden sportliche Förderung mit sprachlichem und kulturellem Lernen sowie historisch-politischer Bildung.

Besonders gewürdigt wurde das viertägige Internationale Holocaust-Gedenkturnier im April 2026. Daran nahmen 20 U15-Mannschaften aus neun Nationen teil. Die Teams setzten sich im Vorfeld mit der Geschichte ihrer Vereine und Städte während des Holocaust und des Zweiten Weltkriegs auseinander, präsentierten ihre Ergebnisse beim Turnier und besuchten gemeinsam die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau.

„Es ist wichtig, dass der Name Julius Hirsch mit Leben gefüllt bleibt und der Preis insbesondere die Erinnerung wachhält und das Engagement gegen Antisemitismus würdigt.“

Peter Guttmann, ehemaliger Präsident von Makkabi Deutschland

Gerade bei diesem Projekt wird deutlich, dass Erinnerungskultur nicht an nationale Grenzen gebunden ist. Fußball dient hier nicht als Selbstzweck, sondern als gemeinsamer Rahmen, in dem sich junge Menschen mit Geschichte, Verantwortung und Gegenwart auseinandersetzen.

Was andere Vereine aus den Projekten mitnehmen können

Die drei ausgezeichneten Projekte unterscheiden sich deutlich, folgen aber einer ähnlichen Logik. Sie setzen auf offene Zugänge, Kooperationen und einen klaren Bezug zur Lebensrealität der Menschen vor Ort. Fußball ist dabei der Ausgangspunkt, nicht das Endziel.

Für Vereine, Ehrenamtliche und Verbände liegt darin die eigentliche Botschaft des Preises. Haltung wird erst dann sichtbar, wenn sie im Alltag ankommt: beim kostenlosen Training, in Bildungsformaten, in der Zusammenarbeit mit Schulen, Jugendhilfe oder lokalen Initiativen und in der Bereitschaft, Diskriminierung nicht hinzunehmen. Ob solche Projekte dauerhaft wirken, hängt allerdings davon ab, ob sie langfristig getragen werden.

Was von der Auszeichnung im Alltag ankommt

Mit der Preisverleihung am 23. November in Essen setzt der DFB ein sichtbares Zeichen, doch die Wirkung solcher Ehrungen entscheidet sich im Alltag der Vereine. Die Projekte aus Kassel, Leer und Rehau zeigen, dass Fußballvereine gesellschaftliche Verantwortung sehr unterschiedlich ausfüllen können – über soziale Öffnung, Bildungsarbeit und Erinnerungskultur.

Die Auszeichnung ersetzt keine dauerhafte Finanzierung und keine stabile ehrenamtliche Struktur. Aber sie macht sichtbar, welche Formen von Engagement im Fußball gebraucht werden, wenn Vielfalt, Menschenwürde und Teilhabe mehr sein sollen als bloße Schlagworte.

Quellen

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