– Julius Hirsch Preis 2025 im Jubiläumsjahr an drei Projekte in Pfinztal, Dortmund, München
– Ludwig-Marum-Gymnasium Pfinztal entwickelt „Event-Box“ gegen Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung
– Nordstadtliga Dortmund und FC Mainaustrasse München fördern Integration via selbstorganisiertem Fußball
Julius Hirsch Preis 2025: Engagierte Preisträger setzen Zeichen gegen Rassismus und Diskriminierung
Im Jubiläumsjahr der Auszeichnung feiert der Deutsche Fußball-Bund (DFB) 20 Jahre Julius Hirsch Preis. Mit dem seit 2005 verliehenen Preis erinnert der DFB an den jüdischen Nationalspieler Julius Hirsch, der im KZ Auschwitz ermordet wurde. In diesem Jahr würdigt die Jury unter Leitung von DFB-Präsident Bernd Neuendorf drei besonders engagierte Projekte aus Pfinztal, Dortmund und München, die sich mutig gegen Rassismus, Antisemitismus und Ausgrenzung einsetzen.
Den ersten Preis erhält der Seminarkurs der 11. Klasse des Ludwig-Marum-Gymnasiums im baden-württembergischen Pfinztal für die Entwicklung der „Julius-Hirsch-Event-Box“. Dieses innovative Projekt bietet eine Sammlung erprobter Veranstaltungsformate wie Fußballturniere, Theaterprojekte und öffentliche Präsentationen. Verbunden mit der Lebensgeschichte von Julius Hirsch liefert die Box praktische Anregungen, wie Schulen aktiv gegen Diskriminierung vorgehen können. DFB-Präsident Neuendorf betont dazu: „Das Engagement der Schülerinnen und Schüler setzt Impulse und schafft Angebote, die auch andere Schulen inspirieren können. Im Jubiläumsjahr des Preises ist das ein starkes Signal: Erinnerung braucht Initiative.“
Der zweite Preis ehrt das Kooperationsprojekt „Nordstadtliga Dortmund“ – ein Zusammenschluss von Jugendamt, AWO Streetwork und Fan-Projekt. Seit mehr als 20 Jahren ermöglicht diese selbstorganisierte Straßenfußballliga im sozialen Brennpunkt der Dortmunder Nordstadt mehr als 4000 Kindern und Jugendlichen, die von klassischen Bildungs- und Vereinsstrukturen oft ausgeschlossen sind, Teilhabe am Sport. Jurymitglied und DFB-Vizepräsidentin für Gleichstellung und Diversität Celia Šašić hebt hervor: „In der Nordstadtliga werden Menschen gesehen und gehört, die von der Gesellschaft oft vernachlässigt werden. Das Konzept der Selbstorganisation schult ihre Werte auf besondere Art und führt dazu, dass die jungen Menschen Demokratie direkt erleben.“ Besonderes Zeichen der Erinnerung setzt der jährliche „Mehmet-Kubaşık-Cup“ – benannt nach dem 2006 vom NSU ermordeten Dortmunder Kioskbesitzer.
Der dritte Preis geht an den FC Mainaustrasse aus München, der ursprünglich in einer Geflüchteteneinrichtung entstand und heute als eingetragener Fußballverein im Bayerischen Fußball-Verband aktiv ist. Der Club bietet Menschen verschiedener Herkunft nicht nur Zugang zum organisierten Sport, sondern unterstützt sie auch bei Behördengängen, Wohnungssuche, Ausbildung und Integration ins Ehrenamt. Neuendorf lobt: „Der Verein zeigt, wie Vereinsleben zu Zugehörigkeit und Teilhabe beitragen kann.“
Die Jury würdigt mit diesen Preisträgern Menschen und Projekte, die „mutig voran gehen, sich Diskriminierung entgegenstellen und Räume schaffen, in denen Demokratie gelebt wird: im Schulalltag, auf Bolzplätzen oder in Vereinsstrukturen.“ Neben Neuendorf beteiligen sich prominente Stimmen wie Dr. h.c. mult. Charlotte Knobloch, ehemalige Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, die betont: „Gegen Vergessen, Rassismus und Diskriminierung, das heute stärker denn je gebraucht wird – hier zeigt der Fußball seine große gesellschaftliche Bindekraft.“ Ebenso hebt Eberhard Schulz, Gründer der Initiative „!NieWieder“, das Engagement aller Bewerber hervor: „Alle engagierten Personen setzen sich jeden Tag für die Gemeinschaft ein und tragen dazu bei, dass Auschwitz 'Nie wieder' sei.“
Zum ersten Mal nahmen an der Jurysitzung auch die neuen Mitglieder Otto Addo, ghanaischer Nationaltrainer und Mitgründer der Anti-Rassismus-Initiative „Roots“, Angelika Ribler, Ehrenpreisträgerin von 2010, sowie DOSB-Präsident Thomas Weikert teil. Zudem ist mit Julia Hirsch die Ur-Enkelin und Vertreterin der Familie des Namensgebers in der Jury vertreten.
Die Preisverleihung zum 20-jährigen Jubiläum findet am 27. November 2025 im Kulturzentrum FABRIK in Hamburg-Ottensen statt. Hier wird erneut die wichtige gesellschaftliche Botschaft des Julius Hirsch Preises unterstrichen: Engagement für Vielfalt, Menschenwürde und ein respektvolles Miteinander bleibt unverzichtbar.
Wie Fußball Engagement, Erinnerung und Integration verbindet
Fußballvereine leisten mehr als sportliche Wettbewerbe – sie sind wichtige Orte gesellschaftlichen Zusammenhalts und der Integration. In einer zunehmend vielfältigen Gesellschaft fungiert der Fußball als Brückenbauer, der unterschiedliche Menschen zusammenbringt und gemeinsam Werte vermittelt. Dabei spielt das Ehrenamt eine zentrale Rolle: Ehrenamtliche setzen sich vor Ort mit großem Engagement dafür ein, Gemeinschaft zu schaffen und Diskriminierung aktiv entgegenzuwirken.
Der Julius Hirsch Preis würdigt genau dieses Engagement. Er erinnert an Julius Hirsch, den ersten jüdischen Nationalspieler, der 1943 im KZ Auschwitz ermordet wurde. Nach seinem Vorbild fördern die ausgezeichneten Projekte nicht nur Sport, sondern auch Erinnerungskultur und gesellschaftliche Verantwortung. Sie setzen wichtige Impulse im Kampf gegen Antisemitismus, Rassismus und Ausgrenzung.
Fußball als Brückenbauer in einer vielfältigen Gesellschaft
Fußball lebt von Vielfalt – und diese Vielfalt braucht Räume, in denen sie sich entfalten kann. Projekte wie die „Nordstadtliga Dortmund“ zeigen, wie über den Sport sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche angesprochen und eingebunden werden. Dort erleben mehr als 4000 junge Menschen Demokratie direkt, indem sie sich selbst organisieren und zusammen spielen. Neben der sportlichen Förderung steht hier die Stärkung sozialer Werte im Vordergrund. Der jährlich stattfindende „Mehmet-Kubaşık-Cup“ ist ein herausragendes Beispiel für gelebte Erinnerung an Opfer rechter Gewalt und ein klares Bekenntnis gegen Intoleranz.
Auch der FC Mainaustrasse München demonstriert eindrücklich, wie Fußball Integration leben kann. Ursprünglich in einer Geflüchteteneinrichtung gegründet, bietet der Verein heute Menschen aus verschiedenen Herkunftsländern nicht nur Sportmöglichkeiten, sondern auch praktische Unterstützung bei Behördengängen, Ausbildung und Ehrenamt. So wird Fußball zum Dreh- und Angelpunkt für Teilhabe und Zugehörigkeit.
Nachhaltige Wirkung von Erinnerungsarbeit im Sport
Erinnerung ist mehr als Gedenken – sie ist ein aktives Engagement, das Verantwortung erzeugt. Das Ludwig-Marum-Gymnasium Pfinztal entwickelte mit der „Julius-Hirsch-Event-Box“ ein innovatives Werkzeug, das schulische Erinnerungskultur mit vielfältigen, praxisnahen Veranstaltungsformaten verbindet. Von Theaterprojekten bis zu Fußballturnieren bieten die Materialien konkrete Anregungen, um vor Ort gegen Rassismus und Diskriminierung aktiv zu werden. DFB-Präsident Bernd Neuendorf betont: „Erinnerung braucht Initiative“ – der Preis setzt damit ein wichtiges Signal für nachhaltige Bildungsarbeit im Sport.
Das Beispiel zeigt, wie Erinnerung im Sport wirksam gestaltet werden kann: als lebendige Kultur, die Jugendliche erreicht und motiviert, Zivilcourage zu zeigen und gesellschaftliche Werte zu leben. Die Tatsache, dass über 80 Prozent der Bewerbungen aus Amateurvereinen kamen, unterstreicht die breite Verankerung solcher Initiativen in der lokalen Gemeinschaft.
Beispiele für engagierte Fußballprojekte
- „Nordstadtliga Dortmund“ – Selbstorganisation und Demokratielernen im sozial benachteiligten Stadtteil
- FC Mainaustrasse München – Integration und praktische Unterstützung für Geflüchtete im Vereinsumfeld
- Julius-Hirsch-Event-Box des Ludwig-Marum-Gymnasiums – Schulisches Engagement für Erinnerungskultur und Antidiskriminierung
Diese Projekte zeigen, wie Fußball als Plattform gesellschaftliche Herausforderungen adressiert, aufklärende Erinnerung lebendig hält und Räume für Teilhabe schafft.
Der Impuls vom Julius Hirsch Preis zielt darauf ab, dass Sportvereine und Initiativen weit über den Platz hinauswirken. Sie stärken Gemeinschaften, fördern Vielfalt und setzen sich konsequent gegen Ausgrenzung und Vorurteile ein. In Zeiten, in denen Antisemitismus und Diskriminierung nach wie vor präsent sind, ist dieses Engagement unverzichtbar für eine solidarische Gesellschaft.
Die Informationen und Zitate in diesem Beitrag basieren auf einer Pressemitteilung von Deutscher Fußball-Bund e.V. (DFB).
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9 Kommentare
„Erinnerung braucht Initiative“ – dieser Satz bleibt hängen! Projekte wie die Event-Box zeigen uns, wie wichtig Bildung ist im Kampf gegen Diskriminierung. Wie könnten wir das Thema noch präsenter machen?
„Man könnte Workshops in Schulen organisieren oder lokale Events machen, um das Bewusstsein zu stärken! Was haltet ihr davon?“
„Integration durch Fußball“ ist ein sehr gutes Konzept! Ich finde es wichtig, dass Vereine wie der FC Mainaustrasse nicht nur Sport anbieten, sondern auch Unterstützung im Alltag leisten. Wie können wir mehr solcher Initiativen unterstützen?
Wir sollten mehr auf die Bedeutung von Ehrenamt hinweisen! Viele Menschen wissen gar nicht, wie viel Positives solche Vereine bewirken können.
„Die Unterstützung bei Behördengängen ist echt hilfreich! Man sollte die Geschichten dieser Vereine mehr verbreiten – vielleicht gibt es dann mehr Spenden oder Helfer.“
Der Nordstadtliga Dortmund ist echt beeindruckend! Es ist wichtig, dass Kinder einen Platz haben, wo sie sich sicher fühlen und spielen können. Was haltet ihr von der Rolle des Fußballs bei der Integration?
Ich denke auch, dass Fußball eine große Rolle spielt! Es bringt Leute zusammen und hilft beim Verständnis füreinander. Solche Ligen sind echt wichtig für unsere Gesellschaft.
Ich finde es toll, dass der DFB den Julius Hirsch Preis vergibt. Die Projekte wie die Event-Box sind wichtig, um junge Menschen über Rassismus aufzuklären. Wie denkt ihr über den Einfluss solcher Initiativen in Schulen?
Ich stimme zu, Swetlana! Die Event-Box könnte ein guter Startpunkt sein für Diskussionen in Schulen. Ich hoffe, dass viele Schulen diese Idee aufgreifen und umsetzen.