– Am Internationalen Tag des Waldes am 21. März steht 2026 das Motto „Wälder und Wirtschaft“ im Fokus.
– Wälder sind ökonomisch zentral und liefern Rohstoffe wie Holz, das CO2-intensive Materialien ersetzen kann.
– In Deutschland arbeiten etwa eine Million Menschen im Cluster Forst und Holz mit hohem Umsatz.
Wälder und Wirtschaft
Am 21. März rückt der Internationale Tag des Waldes wieder die Bedeutung der Wälder in den Mittelpunkt. 2026 steht der Aktionstag unter dem Motto „Wälder und Wirtschaft“ – vor dem Hintergrund einer Entwicklung, die den Anlass besonders dringlich macht: „Etwa acht Millionen Hektar Naturwald wurden 2024 insbesondere in den Tropen zerstört.“ Darauf weist die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald hin. Die Kernbotschaft dahinter ist klar: Wälder sind zugleich Lebensraum und Erholungsort, sie reinigen die Luft, speichern Kohlenstoff, liefern den nachwachsenden Rohstoff Holz und sichern Arbeitsplätze.
Seit den 1970er Jahren wird der Internationale Tag des Waldes jedes Jahr am 21. März begangen. Nach Darstellung der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald hat die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen den diesjährigen Schwerpunkt bewusst auf die wirtschaftliche Seite gelegt. Denn Wälder sind nicht nur Naturraum und Klimafaktor, sondern auch ökonomische Grundlage. Die Mitteilung verweist dabei auch auf einen globalen Zusammenhang: Mehr als die Hälfte des weltweiten Bruttoinlandsprodukts hängt demnach direkt oder indirekt von funktionierenden Ökosystemen ab. Für Deutschland nennt sie eine Bruttowertschöpfung der Forstwirtschaft von 57 Milliarden Euro im Jahr 2020.
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Wie stark Deutschlands Wirtschaft am Wald hängt
Wie groß die wirtschaftliche Rolle des Waldes in Deutschland ist, zeigen auch amtliche Daten – allerdings mit teils anderen Größenordnungen als in der Mitteilung. Laut Umweltbundesamt beträgt die Waldfläche in Deutschland nach der Bundeswaldinventur 2022 11,54 Millionen Hektar. Das Cluster Forst und Holz bildet demnach die Grundlage für die Beschäftigung von rund 738.000 Menschen und für eine Bruttowertschöpfung von circa 34 Milliarden Euro; der Stand dieser Angaben liegt bei 2022/2023.
Die Pressemitteilung nennt demgegenüber rund eine Million Beschäftigte im Cluster Forst und Holz sowie einen Umsatz von 180 Milliarden Euro im Jahr 2020. Solche Abweichungen lassen sich transparent nebeneinanderstellen, ohne dass sich daraus automatisch ein Widerspruch ergeben muss: Je nach Abgrenzung des Clusters, einbezogenen Teilbranchen und Kennzahlen können Beschäftigung, Umsatz und Bruttowertschöpfung unterschiedlich ausgewiesen werden. Die Mitteilung zählt zu diesem Wirtschaftsbereich unter anderem Forstbetriebe, Waldbesitzende, Sägewerke, die Papier- und Möbelindustrie sowie innovative Anwendungen im Holzbau.
Auch beim Holzeinschlag zeigt sich, wie eng Wald und Wirtschaft miteinander verbunden sind. Laut Umweltbundesamt wurden 2024 insgesamt 61,2 Millionen Kubikmeter Holz ohne Rinde eingeschlagen. Das waren 13 Prozent weniger als 2023 und 26 Prozent weniger als beim Rekordniveau 2021. Die Entwicklung verläuft damit klar von einem sehr hohen Einschlag im Jahr 2021 über ein weiterhin höheres Niveau 2023 hin zu einem Rückgang 2024.
Wälder als Ökosystemleistung mit ökonomischem Wert
Die wirtschaftliche Bedeutung des Waldes erschöpft sich allerdings nicht in Holz, Papier, Möbeln oder Bauprodukten. Wälder leisten auch vieles, was sich im Alltag direkt auswirkt, aber oft nicht über klassische Marktpreise sichtbar wird: Sie filtern Trinkwasser, speichern CO2, regulieren das Klima und können Hochwasser- und Erosionsrisiken mindern. Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald argumentiert deshalb, dass solche Waldfunktionen in wirtschaftlichen Entscheidungen bislang zu selten berücksichtigt werden, und setzt sich für eine Honorierung dieser Leistungen ein.
Zugleich verweist die Mitteilung darauf, dass Holzprodukte CO2-intensive Materialien wie Beton, Stahl und Kunststoffe ersetzen können. Forschung versucht seit einigen Jahren zudem, den schwer greifbaren Nutzen der Wälder zumindest näherungsweise sichtbar zu machen. So beziffert eine Untersuchung des Thünen-Instituts den jährlichen Nutzen der Klimaschutzleistung der deutschen Wälder auf Basis des Netto-Zuwachses im Status quo auf 2,1 Milliarden Euro pro Jahr. Solche Werte sind keine einfache Preisliste für Natur. Sie zeigen vielmehr, welchen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Stellenwert Leistungen haben können, die bislang oft nur unzureichend vergütet werden.
Zwischen Nutzung und Krise: der Zustand der Wälder
Gerade dieser ökonomische Wert steht jedoch unter Druck, weil sich der Zustand der Wälder verschlechtert. Die Debatte über nachhaltige Nutzung, Holz als nachwachsenden Rohstoff und eine Bioökonomie, die fossile Rohstoffe ersetzen soll, trifft auf einen Wald, der selbst stark belastet ist. In der Pressemitteilung heißt es, Wälder seien heute weit mehr als ein Rohstoffreservoir und spielten eine Schlüsselrolle für eine nachhaltige globale Bioökonomie. Zugleich stabilisierten sie Wassereinzugsgebiete, schützten vor klimabedingten Extremereignissen und stärkten besonders ländliche Regionen. Der Blick auf die aktuellen Belastungsdaten zeigt aber, wie schwierig diese Rolle geworden ist.
Das Umweltbundesamt verweist darauf, dass der Wald in Deutschland laut der vierten Bundeswaldinventur mit Stand 2022 seit der Kohlenstoffinventur 2017 von einer Kohlenstoffsenke zu einer Kohlenstoffquelle geworden ist. Hinzu kommt der hohe Anteil geschädigten Holzes: 2024 lag der Schadholzanteil bei rund 44,7 Prozent beziehungsweise 27,3 Millionen Kubikmetern.
Parallel dazu ist der Wiederbewaldungsbedarf erheblich. Für die Jahre 2019 bis 2024 wurde laut Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe ein Bedarf von etwa 525.000 Hektar gemeldet. Seit 2022 investierten Bund und Länder demnach über 200 Millionen Euro in Wiederbewaldung und Waldumbau auf knapp 50.000 Hektar. Die Zahlen machen deutlich: Der Wald soll wirtschaftlich viel leisten, befindet sich aber zugleich selbst in einer ökologischen Stresslage.
Was am Tag des Waldes vor Ort passiert
Der Internationale Tag des Waldes bleibt dennoch nicht bei Grundsatzdebatten stehen. Weltweit sind Länder dazu aufgerufen, auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene Aktionen rund um Wälder und Bäume zu veranstalten. In mehreren Regionen sind rund um den 21. März konkrete Aktionen geplant, die den Zusammenhang von Waldschutz, Nutzung und gesellschaftlicher Beteiligung sichtbar machen:
- 20. März 2026, 10:00–13:00 Uhr, Forstamt Poggendorf: In Mecklenburg-Vorpommern läuft die Aktion „Wald zum Wohl“ mit Bäume pflanzen, Naturcoaching und sportlichen Gesundheitsübungen, begleitet von Livemusik.
- 21. März 2026, 10:00–12:30 Uhr, Duvenstedt: In Hamburg ist eine gemeinsame Pflanzaktion mit der Revierförsterei Duvenstedter Brook angekündigt, bei der eine neue Waldgeneration entstehen soll.
- 21. März 2026, 10:00–13:00 Uhr, Eberswalder Stadtwald: In Brandenburg verbindet „Wald für alle“ einen Waldputztag mit einer Baumpflanzaktion und einem waldpädagogischen Angebot.
- In Mannheim ist eine „Waldinsel“ geplant, also die Pflanzung eines Miniaturwaldes im urbanen Raum in Kooperation mit BAUHAUS.
- Bei Gohrau in Sachsen-Anhalt ist die Wiederherstellung eines Waldgebietes durch eine gemeinsame Aufforstung vorgesehen.
Damit spannt der Aktionstag den Bogen vom globalen Problem der Entwaldung bis zur lokalen Pflanzaktion. Die zentrale Botschaft bleibt dabei dieselbe: Waldschutz ist nicht nur eine Frage des Naturschutzes, sondern auch ein Wirtschafts- und Gesellschaftsthema.
Die nachfolgenden Informationen stammen aus einer Pressemitteilung der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Bundesverband e. V. (SDW).
Weiterführende Quellen:
- „Die Waldfläche in Deutschland beträgt nach der letzten Bundeswaldinventur 2022 (BWI-4) rund 11,54 Millionen Hektar, was etwa einem Drittel der Gesamtfläche entspricht (Stand: 2022).“ – Quelle: https://www.umweltbundesamt.de/daten/land-forstwirtschaft/forstwirtschaft
- „Wälder bilden die Grundlage für die Beschäftigung von rund 738.000 Menschen und eine Bruttowertschöpfung von circa 34 Mrd. Euro im Cluster ‚Forst und Holz‘ (ohne Druck und Verlage) (Stand: 2022/2023).“ – Quelle: https://www.umweltbundesamt.de/daten/land-forstwirtschaft/forstwirtschaft
- „Im Jahr 2024 wurden insgesamt 61,2 Millionen Kubikmeter Holz (ohne Rinde) eingeschlagen, 13 % geringer als 2023 und 26 % niedriger als 2021-Rekord (Stand: 2024).“ – Quelle: https://www.umweltbundesamt.de/daten/land-forstwirtschaft/forstwirtschaft
- „Der Schadholzanteil lag im Jahr 2024 bei rund 44,7 % oder 27,3 Mio. m³ (Stand: 2024).“ – Quelle: https://www.umweltbundesamt.de/daten/land-forstwirtschaft/forstwirtschaft
- „Laut Daten der BWI-4 ist der Wald in Deutschland seit der Kohlenstoffinventur 2017 von einer Kohlenstoffsenke zu einer Kohlenstoffquelle geworden (Stand: 2022).“ – Quelle: https://www.umweltbundesamt.de/daten/land-forstwirtschaft/forstwirtschaft
- „Für die Jahre 2019 bis 2024 wurde ein Wiederbewaldungsbedarf von etwa 525.000 Hektar gemeldet; seit 2022 investierten Bund und Länder über 200 Mio. Euro in Wiederbewaldung und Waldumbau auf knapp 50.000 Hektar (Stand: 2024).“ – Quelle: https://www.fnr.de/presse/pressemitteilungen/archiv/archiv-nachricht/waldzustandserhebung-2024-ist-ein-erneuter-weckruf
- „Der jährliche Nutzen der Klimaschutzleistung der deutschen Wälder auf Basis des Netto-Zuwachses im Status Quo beträgt 2,1 Mrd. €/a (Stand: ca. 2022).“ – Quelle: https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn062592.pdf
Update: Warum das Thema wichtig bleibt
Wälder sind weit mehr als Kulisse für Naturschutz oder eine Holzquelle. Der Beitrag zeigt: Sie tragen durch CO2-Speicherung, Trinkwasserfiltration und die Minderung von Risiken wie Hochwasser- und Erosionsgefahr direkt zum wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Nutzen bei – während gleichzeitig die Belastung der Wälder zunimmt (u. a. von der Kohlenstoffsenke zur Kohlenstoffquelle und ein hoher Schadholzanteil).
Daraus folgt für Politik und Verwaltung, Organisationen und Unternehmen vor allem eines: Entscheidungen über Nutzung, Wiederbewaldung und Waldumbau müssen die Ökosystemleistungen stärker mitdenken. Für die Praxis vor Ort heißt das zudem: Beschäftigung, Holzproduktion und Klimaschutz können nicht getrennt betrachtet werden, wenn der Wald selbst unter Stress steht.
Was Leserinnen und Leser jetzt wissen sollten
Warum betont der Tag des Waldes „Wälder und Wirtschaft“?
Weil der Beitrag zeigt, dass Wälder sowohl Arbeitsplätze und Wertschöpfung schaffen als auch wichtige Umweltfunktionen leisten – und diese zugleich unter Druck geraten.
Was sagt der Beitrag zum Zustand der Wälder in Deutschland?
Er nennt u. a., dass der Wald seit 2017 von einer Kohlenstoffsenke zur Kohlenstoffquelle geworden ist und 2024 viel Schadholz anfiel.
Welche Rolle spielen Wiederbewaldung und Waldumbau?
Der Beitrag beschreibt einen erheblichen Wiederbewaldungsbedarf und dass Bund und Länder seit 2022 investieren.
Wie kann ich mich an Aktionen rund um den 21. März beteiligen?
Der Beitrag nennt lokale Pflanz-, Aufräum- und waldpädagogische Formate. Eine passende Anlaufstelle können Fachstellen, Beratungsstellen oder die jeweils genannten örtlichen Veranstalter sein.





