– Drei Viertel internationaler Studierender wählen Deutschland als erste Wahl für Auslandsstudium.
– Internationale Studierende berichten hohe Studienzufriedenheit, aber auch Alltagsdiskriminierung.
– 60 % deutscher Studierender interessiert an Auslandsaufenthalten, Finanzierung bleibt Haupthindernis.
BintHo-Studie bestätigt: Deutschland zählt zu den Top-Standorten für internationale Studierende
Deutschland gehört weltweit zu den beliebtesten Zielen für ein Studium. Das zeigt die aktuelle „BintHo“-Studie des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD). Für diese umfangreiche Befragung im Wintersemester 2023/24 wurden mehr als 115.000 Studierende an 132 Hochschulen, darunter rund 20.900 internationale Studierende, befragt – damit ist „BintHo“ die größte Studie zur internationalen Mobilität an deutschen Hochschulen. Drei Viertel der internationalen Befragten gaben an, Deutschland sei ihre erste Wahl als Studienort gewesen. Dieses Vertrauen spiegelt sich in der hohen Studienzufriedenheit wider: Ebenfalls drei Viertel sagen, sie seien mit ihrem Studium zufrieden und würden es weiterempfehlen.
Als Gründe für die Attraktivität Deutschlands nennen die Studierenden vor allem die Technologieführerschaft des Landes in zahlreichen Bereichen, das vielfältige Angebot an englischsprachigen Studiengängen, gute Berufsperspektiven und vergleichsweise niedrige Studien- und Lebenshaltungskosten. Bei der Auswahl ihrer Hochschule sind entscheidend: die Studieninhalte, vorhandene englischsprachige Lehrangebote, der Ruf der Hochschule sowie die Kosten. Nach dem Abschluss planen rund zwei Drittel, zunächst in Deutschland zu bleiben, etwa die Hälfte strebt eine langfristige Berufstätigkeit an, viele denken sogar an eine Unternehmensgründung.
Trotz dieser positiven Perspektiven berichten internationale Studierende von Herausforderungen im Alltag: Während sich auf dem Campus 75 Prozent willkommen fühlen, treten bei der Wohnungssuche, im Umgang mit Bürokratie oder im Kontakt mit deutschen Kommilitonen Schwierigkeiten auf. Insbesondere hinsichtlich Diskriminierung zeigt die Studie ein differenziertes Bild. Im Hochschulkontext gaben 80 Prozent der internationalen Studierenden und der Studierenden mit Migrationsgeschichte an, noch nie Diskriminierung erfahren zu haben. Außerhalb des Campus berichten jedoch rund die Hälfte der Befragten vereinzelt von diskriminierenden Vorfällen, 13 Prozent sogar von häufigen. Besonders betroffen sind Studierende aus Afrika, Nahost und dem Asien-Pazifik-Raum.
Auch deutsche Studierende zeigen großes Interesse an Auslandsaufenthalten: 60 Prozent jener ohne Auslandserfahrung befürworten ein Studium oder Semester im Ausland. Doch nur etwa ein Viertel setzt diese Pläne tatsächlich um, vor allem wegen finanzieller Hürden, Trennung von Familie und Freundeskreis sowie möglichem Zeitverlust im Studium. Als Erleichterung erweisen sich Auslandsaufenthalte an internationalen Partnerhochschulen, an denen fast zwei Drittel aller Mobilitäten stattfinden. Zudem kann die Nutzung digitaler Angebote, etwa Online-Prüfungen oder hybride Studienformate, die internationale Mobilität weiter fördern. Nach einem Auslandsaufenthalt berichten Studierende vor allem von einem gestärkten Selbstbewusstsein, verbesserten Fremdsprachenkenntnissen und erweiterten interkulturellen Fähigkeiten.
DAAD-Präsident Prof. Dr. Joybrato Mukherjee fasst die Bedeutung der Ergebnisse zusammen: „Die BintHo-Studie verdeutlicht: Deutschland und seine Hochschulen werden als exzellenter Studien- und Arbeitsstandort bei internationalen Studierenden geschätzt. Dies ist eine große Chance, um dringend benötigte Talente aus aller Welt langfristig für unser Land zu gewinnen.“ Zugleich mahnt er: „**Berichte über Diskriminierung müssen uns deutlich machen, dass Weltoffenheit und Toleranz unerlässliche Voraussetzungen sind, wenn wir herausragende junge Menschen davon überzeugen wollen, bei uns als Ärztin, Ingenieur oder KI-Expertin zu arbeiten. Hier sind wir alle gefordert, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung entgegenzutreten.**“
Die nächste bundesweite Befragung im Rahmen der BintHo-Studie ist für das Wintersemester 2026/27 geplant, um die Entwicklungen in der internationalen Studierendenmobilität weiter zu beobachten.
Internationale Mobilität zwischen Integration und Alltagsherausforderungen
Die globale Vernetzung der Hochschulen ermöglicht Studierenden heute vielfältige Chancen – doch sie bringt auch komplexe gesellschaftliche Herausforderungen mit sich. Deutschland hat sich als einer der attraktiven Studienstandorte weltweit etabliert: Über 75 Prozent der internationalen Studierenden nennen das Land als ihre erste Wahl. Die gute Reputation deutscher Hochschulen, die Kombination aus technisch fokussierten Studienangeboten und vergleichsweise geringen Kosten bilden die Basis für diese Beliebtheit. Dabei zeigt sich, dass Internationale Mobilität nicht nur akademische Weiterbildung, sondern auch ein wichtiger Impuls für den Arbeitsmarkt und die Innovationskraft Deutschlands ist.
Gleichzeitig ist die Integration der internationalen Studierenden keine Selbstverständlichkeit. Der Campus gilt zwar vielfach als Ort der Willkommenskultur: Rund drei Viertel der Studierenden fühlen sich hier willkommen. Über ihre Erfahrungen im Alltag berichten viele jedoch von Herausforderungen – etwa bei der Wohnungssuche, bürokratischen Hürden oder im persönlichen Miteinander. Diskriminierung bleibt ein ernstzunehmendes Problem, insbesondere außerhalb der Hochschulen: Etwa die Hälfte der internationalen Studierenden wurde zumindest gelegentlich damit konfrontiert. Die Reports aus verschiedenen Regionen der Welt, insbesondere Afrika, Nahost und Asien-Pazifik, verdeutlichen die oft ungleiche Behandlung, mit der viele junge Talente umgehen müssen.
Die gesellschaftliche Bedeutung dieser Mobilität erstreckt sich weit über den Bildungssektor hinaus. Internationale Studierende sind potentielle Fachkräfte, die Deutschland für den wachsenden Bedarf in Schlüsselbereichen wie Medizin, Ingenieurwesen oder Künstlicher Intelligenz dringend braucht. Über die Hälfte der befragten internationalen Absolventen plant, langfristig in Deutschland zu arbeiten oder sogar ein Unternehmen zu gründen. Damit stellen Studium und Netzwerke an deutschen Hochschulen einen entscheidenden Schritt zur Fachkräftesicherung dar – eine strategische Chance für Wirtschaft und Innovation.
Auch die Mobilität deutscher Studierender ins Ausland ist ein wichtiger Aspekt. Trotz großem Interesse setzen nur etwa ein Viertel ihre Auslandspläne um, wobei finanzielle Hürden, Trennung von sozialen Bindungen und Bedenken hinsichtlich des Studienverlaufs Auswirkungen haben. Internationale Kooperationen der Hochschulen und digitale beziehungsweise hybride Lernformate können die Mobilität hier fördern und erweitern. Ein Auslandsaufenthalt steigert nachweislich Kompetenzen wie Sprachfähigkeit, interkulturelle Sensibilität und persönliches Selbstbewusstsein – Fähigkeiten, die in einer globalisierten Arbeitswelt immer unverzichtbarer werden.
Mögliche Konsequenzen und Maßnahmen zur Förderung internationaler Mobilität und Integration umfassen unter anderem:
- Ausbau von Stipendien und finanzieller Unterstützung gerade für Studierende mit geringeren Ressourcen
- Vereinfachung bürokratischer Prozesse – etwa bei Visa, Anmeldung oder Wohnungssuche
- Sensibilisierungskampagnen an Hochschulen gegen Diskriminierung und für interkulturelle Offenheit
- Förderung von hybriden Studienmodellen und digitaler Mobilität
- Verstärkte Vernetzung zwischen internationalen und deutschen Studierenden zur Förderung sozialer Integration
Die internationale Studierendenmobilität verbindet in Deutschland also Chancen mit ganz konkreten Alltagsproblemen. Der erfolgreiche Umgang mit diesen Facetten wird maßgeblich darüber entscheiden, wie gut Deutschland im globalen Wettbewerb um Talente bestehen kann – und wie nachhaltig Integration in Hochschule und Gesellschaft gelingt.
Die hier wiedergegebenen Informationen und Zitate beruhen auf einer Pressemitteilung des DAAD – Deutscher Akademischer Austauschdienst e.V.
10 Kommentare
Ich finde es wichtig, über diese Themen zu sprechen und Lösungen zu finden. Integration muss besser werden und das betrifft uns alle.
Genau! Es liegt an uns allen zusammenzuarbeiten und eine offene Gesellschaft zu fördern.
Die BintHo-Studie zeigt echt gute Ansätze zur Verbesserung der internationalen Mobilität in Deutschland. Welche konkreten Maßnahmen würdet ihr empfehlen?
Interessant ist auch die Perspektive deutscher Studierender auf Auslandsaufenthalte! Was denkt ihr über die finanziellen Hürden? Ich denke, wenn wir mehr Stipendien hätten, würden mehr Leute ins Ausland gehen.
Stipendien wären wirklich eine gute Idee! Es wäre schön zu sehen, dass mehr Leute diese Chance nutzen können.
Ja genau! Ich finde auch, dass finanzieller Druck oft viele davon abhält, international zu studieren.
Die hohe Zufriedenheit unter internationalen Studierenden ist bemerkenswert. Aber ich frage mich, wie viele von ihnen tatsächlich in Deutschland bleiben. Gibt es Studien dazu? Diskriminierung ist ein ernstes Thema, das wir nicht ignorieren sollten.
Ich glaube, dass die Diskriminierung ein großes Problem ist. Vielleicht sollten Universitäten mehr für Integration tun? Es gibt sicher viel zu besprechen.
Das Thema Diskriminierung finde ich auch sehr wichtig! Ich hoffe, dass die Hochschulen bald mehr Maßnahmen ergreifen, um das zu verbessern.
Ich finde es spannend, dass Deutschland so viele internationale Studierende anzieht. Was denkt ihr, was sind die besten Gründe dafür? Mich interessiert vor allem, wie die Studienbedingungen hier wirklich sind.