– Bundesregierung einigte sich auf Einführung eines Industriestrompreises.
– Industriestrompreis soll Unternehmen schnell und bürokratiearm entlasten.
– Er ist nur ein Baustein, weitere Reformen für Standortoffensive nötig.
Industriestrompreis: Chemieverband fordert sofortige Breitenentlastung
Die deutsche Chemie- und Pharmaindustrie steht unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Mit einem Umsatz von 240 Milliarden Euro im Jahr 2024 und mehr als 560.000 Beschäftigten* gehört die Branche zu den wichtigsten Wirtschaftsmotoren des Landes – und sieht sich aktuell mit massiven Standortnachteilen konfrontiert. Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) als Europas größter Branchenverband bringt diese Herausforderungen auf den Punkt.
Wolfgang Große Entrup, Hauptgeschäftsführer des VCI, formuliert in der Presseinformation vom 13. November 2025 klare Erwartungen an die Politik: "Ziel der deutschen Wirtschaftspolitik kann aktuell nur sein: Entlasten, entlasten, entlasten – und zwar sofort." Die Einigung der Bundesregierung auf einen Industriestrompreis bewertet er als Schritt in die richtige Richtung, betont aber zugleich dessen Grenzen: "Der Industriestrompreis ist ein nützlicher Baustein, ersetzt aber keine echte Standortoffensive."
Sofortige Umsetzung ohne bürokratische Hürden
Bei der konkreten Ausgestaltung des Industriestrompreises mahnt der VCI zur Eile und Praxistauglichkeit. Große Entrup fordert: "Der Industriestrompreis muss jetzt schnell und wirksam bei den Unternehmen ankommen." Dabei sollen die von der EU-Kommission gesetzten Rahmenbedingungen vollständig genutzt werden. Besonders wichtig ist dem Verband, "dass es keinen typisch deutschen Sonderballast in Form von zusätzlichen Anforderungen gibt" – eine klare Warnung vor übermäßiger Bürokratie.
Energiepolitik muss grundlegend nachjustieren
Neben der kurzfristigen Entlastung durch den Industriestrompreis sieht der VCI-Hauptgeschäftsführer auch langfristigen Handlungsbedarf. Er betont, dass "Industriestrompreis, Zuschuss zu den Netzentgelten und Erweiterung der Strompreiskompensation sehr wichtige Nothilfen" seien. Gleichzeitig müsse die Energiewende deutlich nachjustiert werden, "um die Energiepreise so schnell wie möglich wieder auf ein international wettbewerbsfähiges Niveau zu drücken – und die Versorgungssicherheit zu bewahren."
Die Dringlichkeit der Situation unterstreicht Große Entrup mit den Worten: "Aktuell sehen wir, wie sich die Situation in den Unternehmen jeden Tag weiter zuspitzt." Sein Appell an die Politik lautet: "Brüssel und Berlin müssen im Eiltempo den riesigen Reformstau auflösen, bevor die wirtschaftliche Substanz unseres Landes weiter erodiert."
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Industriestrompreis: Zwischen Entlastung und EU-Grenzen
Der neue Industriestrompreis soll energieintensive Betriebe entlasten – doch wie funktioniert das Instrument genau, und welche praktischen Grenzen setzt die EU? Die Entwicklung der Stromkosten verdeutlicht den Handlungsdruck.
Funktionsweise und Begrenzungen des Instruments
Ende Juli 2025 bewilligte die EU-Kommission die deutschen Pläne grundsätzlich. Der staatlich geförderte Preis liegt bei 5 Cent pro Kilowattstunde, und die Subvention deckt maximal 50 Prozent des Jahresverbrauchs eines Betriebes ab*. Diese Obergrenze soll Wettbewerbsverzerrungen innerhalb des EU-Binnenmarktes vermeiden. Von der Förderung ausgeschlossen bleiben typischerweise Branchen, die nicht als „energieintensiv“ eingestuft werden – also Unternehmen mit vergleichsweise geringem Stromverbrauch im Verhältnis zur Wertschöpfung.
Bundeskanzler Friedrich Merz kündigte für die Jahre 2026 bis 2028 einen staatlich subventionierten Industriestrompreis mit einem Zielpreis von 5 Cent pro Kilowattstunde an*.
Entwicklung der Industriestrompreise (alt → neu)
Die Chronologie der Stromkosten zeigt eine allmähliche, aber volatile Preisentwicklung:
Trotz der leichten Entspannung blieben die Preise für viele Betriebe deutlich über dem international wettbewerbsfähigen Niveau. Der politische Fahrplan sieht nun vor, diese Lücke durch den subventionierten Industriestrompreis zu schließen – innerhalb der engen Grenzen, die Brüssel vorgegeben hat.
Industriestrompreis: Zahlen und Einsparpotenziale im Überblick
Der Industriestrompreis soll deutschen Unternehmen spürbare Entlastung bringen.* Laut Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft könnten energieintensive Betriebe durch die Vergünstigung bis 2027 insgesamt rund 4 Milliarden Euro einsparen. Die Aufschlüsselung zeigt: 2025 stehen 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung, 2026 folgen 1,4 Milliarden Euro und 2027 weitere 1,1 Milliarden Euro (Stand: Berechnung für 2025–2027).*
Mögliche Tabelle: Entwicklung ausgewählter Industriestrompreise und Förderkonditionen
| Jahr | Preis ohne Vergünstigung (ct/kWh) | Preis mit Vergünstigung (ct/kWh) | Förderkondition (Kurztext) | Quelle/Stand |
|---|---|---|---|---|
| Jan 2025 | 17,99 | 11,69 | – | Januar 2025 (smard)* |
| Apr 2025 | 16,20 | 9,9 | – | April 2025 (vattenfall)* |
| geplante Förderung | – | – | 5 ct/kWh für bis zu 50 % Jahresverbrauch | Ende Juli 2025* |
Diese Zahlen unterstreichen die Dringlichkeit von Entlastungsmaßnahmen. Wolfgang Große Entrup, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Chemischen Industrie, betont: "Ziel der deutschen Wirtschaftspolitik kann aktuell nur sein: Entlasten, entlasten, entlasten – und zwar sofort."
Industriestrompreis: Entlastung mit offenen Fragen
Die Einführung des Industriestrompreises verspricht spürbare wirtschaftliche Erleichterungen, wirft jedoch gleichzeitig zentrale Fragen zur praktischen Umsetzung auf. Für energieintensive Betriebe zeichnen sich konkrete Entlastungen ab: Ab dem 1. Januar 2026 sinkt die Stromsteuer für produzierendes Gewerbe sowie Land- und Forstwirtschaft von 2,05 Cent pro Kilowattstunde auf nur noch 0,05 Cent*. Parallel dazu sieht der staatlich subventionierte Industriestrompreis einen gedeckelten Preis von bis zu 5 Cent pro Kilowattstunde für die Hälfte des Jahresverbrauchs vor – befristet auf drei Jahre.
Laut Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft summieren sich die Einsparungen durch diese Maßnahmen auf 1,5 Milliarden Euro im Jahr 2025*, gefolgt von 1,4 Milliarden Euro 2026* und 1,1 Milliarden Euro 2027*. Diese Entlastung kommt allerdings nicht allen Unternehmen gleichermaßen zugute: Nur Betriebe mit hohem Strombedarf und eindeutigem Wettbewerbsdruck erfüllen die Voraussetzungen für den subventionierten Strompreis. Diese selektive Ausrichtung schafft zwar gezielte Unterstützung für besonders betroffene Branchen, lässt jedoch mittelständische Unternehmen mit moderaterem Energieverbrauch außen vor.
Trotz der milliardenschweren Entlastungspakete bleiben wesentliche Unsicherheitsfaktoren für die praktische Umsetzung:
- Der bürokratische Aufwand für Nachweispflichten und Abrechnungsverfahren, die zeitliche Begrenzung auf drei Jahre sowie die regionale Verteilung der Entlastungseffekte sind noch nicht abschließend geklärt.
Die befristete Natur der Maßnahme wirft die Frage auf, wie Unternehmen nach 2027 planungssicher investieren können. Zudem müssen die engen Grenzen, die die EU-Kommission für die Beihilferegeln gesetzt hat, vollständig ausgeschöpft werden, ohne dass zusätzliche nationale bürokratische Hürden den Zugang erschweren.
Für die Jahre 2026 bis 2028 wird sich zeigen, ob die politische Umsetzung tatsächlich "schnell und wirksam" bei den Unternehmen ankommt. Die Marktreaktionen auf die veränderten Stromkosten, die praktische Handhabung der EU-Vorgaben und die langfristige Entwicklung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit deutscher Industrieunternehmen werden den tatsächlichen Erfolg des Industriestrompreises bestimmen. Letztlich bleibt die Maßnahme ein Baustein, der strukturelle Wettbewerbsnachteile zwar mildern, aber nicht vollständig beheben kann.
Die nachfolgenden Daten und Stellungnahmen beruhen auf einer Pressemitteilung des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI).
Weiterführende Quellen:
- „Im Januar 2025 betrug der Industriestrompreis für Betriebe ohne Vergünstigungen 17,99 ct/kWh und für Betriebe mit Vergünstigungen 11,69 ct/kWh.“ – Quelle: https://www.smard.de/page/home/topic-article/444/215830/entwicklung-der-industriestrompreise
- „Im April 2025 zahlten Unternehmen ohne Vergünstigungen durchschnittlich 16,20 ct/kWh, mit Vergünstigungen 9,9 ct/kWh.“ – Quelle: https://www.vattenfall.de/geschaeftskunden/ves/magazin/energie/industriestrompreis
- „Geplante Konditionen: Der Industriestrompreis wird staatlich subventioniert auf bis zu 5 Cent pro kWh für 50 % des Jahresverbrauchs, befristet auf drei Jahre (spätestens bis 2030). Nur Unternehmen mit hohem Strombedarf und eindeutigem Wettbewerbsdruck sind berechtigt.“ – Quelle: https://www.evm.de/geschaeftskunden/blog-fuer-geschaeftskunden/industriestrompreis-als-chance-kurzfristige-entlastung-fuer-energieintensive-unternehmen/
- „Durch den Industriestrompreis könnten Unternehmen laut Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) bis 2027 insgesamt rund 4 Milliarden Euro sparen (2025: 1,5 Mrd. €, 2026: 1,4 Mrd. €, 2027: 1,1 Mrd. €).“ – Quelle: https://www.evm.de/geschaeftskunden/blog-fuer-geschaeftskunden/industriestrompreis-als-chance-kurzfristige-entlastung-fuer-energieintensive-unternehmen/
- „Bundeskanzler Friedrich Merz kündigte für 2026 bis 2028 einen staatlich subventionierten Industriestrompreis an, Zielpreis: 5 Cent pro kWh; Umsetzung mit EU-Kommission nahezu abgestimmt.“ – Quelle: https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/industriestrompreis-kraftwerke-ticketsteuer-koalitionsausschuss-100.html
- „Die EU-Kommission hat Ende Juli 2025 die Pläne für den Industriestrompreis grundsätzlich bewilligt, unter der Bedingung, dass der Förderpreis bei 5 ct/kWh liegt und maximal 50 % des Jahresverbrauchs pro Betrieb abgedeckt werden.“ – Quelle: https://www.evm.de/geschaeftskunden/blog-fuer-geschaeftskunden/industriestrompreis-als-chance-kurzfristige-entlastung-fuer-energieintensive-unternehmen/
- „Die Stromsteuer wird ab 1. Januar 2026 für das produzierende Gewerbe sowie Land- und Forstwirtschaft von 2,05 ct/kWh auf den Mindestwert 0,05 ct/kWh gesenkt, Netzentgelte werden ebenfalls aus dem Klima- und Transformationsfonds gefördert. Maßnahme zunächst auf drei Jahre begrenzt.“ – Quelle: https://www.vattenfall.de/geschaeftskunden/ves/magazin/energie/industriestrompreis
- „Laut Internationaler Energieagentur (IEA) zahlt die deutsche Industrie etwa ein Viertel mehr für Strom als Konkurrenten in Frankreich (Stand: 2024).“ – Quelle: https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/industriestrompreis-nutzen-vorteile-nachteile-li.3334434
- „Eine ifo-Studie zeigt, dass die energieintensive Industrie 2023 rund 22 % des Umsatzes des gesamten Verarbeitenden Gewerbes erwirtschaftete.“ – Quelle: https://www.ifo.de/DocDL/sd-2024-06-schaller-schasching-energieintensive-industrie.pdf
10 Antworten
„Die Zahlen zur Einsparung durch den neuen Preis klingen ja vielversprechend! Aber wie sieht’s mit der Umsetzung aus? Bleibt es bei diesem einen Preis oder wird er angepasst?“
„Ich finde es wichtig zu wissen ob dieser Preis wirklich dauerhaft bleibt oder ob wir uns auf steigende Kosten einstellen müssen.“
‚Der Industriestrompreis ist ein Baustein‘, sagt man ja oft. Aber reicht das wirklich aus? Ich denke wir sollten mehr darüber diskutieren! Welche anderen Reformen könnten noch helfen?
…und wie sieht’s mit den EU-Vorgaben aus? Muss der Industriestrompreis nicht flexibler gestaltet werden? Das könnte doch mehr Betriebe ansprechen.
„Entlasten, entlasten, entlasten“ – klingt super, aber was ist mit den kleinen Unternehmen? Die profitieren doch oft nicht von solchen Maßnahmen. Hat jemand Vorschläge für bessere Lösungen?
Der Ansatz mit dem Strompreis könnte sinnvoll sein, aber wir brauchen auch eine echte Standortoffensive! Ich hoffe echt, dass die Regierung das bald angeht und nicht nur beim Strompreis bleibt.
Genau! Und ich mache mir Sorgen um die langfristigen Auswirkungen auf unsere Umwelt. Wie können wir sicherstellen, dass es auch nachhaltig ist?
Ich finde die Idee vom Industriestrompreis ganz gut, aber wie genau wird das den kleinen Firmen helfen? Oft sind die Bürokratiehürden so hoch, dass sie nicht mal davon profitieren können. Wer denkt da mal an die Kleinen?
Das stimmt, vor allem wenn man an die vielen Auflagen denkt. Aber vielleicht gibt es ja Möglichkeiten, wie man diese Hürden senken kann? Was denkt ihr darüber?
Ich habe auch gehört, dass einige Betriebe nicht einmal für den Zuschuss qualifiziert sind. Ist das wirklich gerecht? Wo bleibt da die Chancengleichheit?