IG Metall fordert aktive Industriepolitik: Local Content, Energiewende und neue Handelspolitik für mehr Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland

Auf der ersten Industriekonferenz der IG Metall am 23. und 24. September in Berlin warnt die Gewerkschaft vor dem Verlust zehntausender Arbeitsplätze und fordert einen neuen Realismus in Industrie- und Handelspolitik. Statt Markt- und Staatsabbau brauche es eine aktive Industriepolitik mit verbindlichen Local-Content-Quoten, um Wertschöpfung zurück nach Deutschland und Europa zu holen, Abhängigkeiten von Übersee zu reduzieren und kritische Technologien zu schützen. Zudem verlangt die IG Metall, dass ausländische Unternehmen für Marktzugang in unsere Standorte, Arbeitsplätze und Wertschöpfung investieren und das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität zügig mit konkreten Projekten zur Energiewende hinterlegt wird.
Modernes blau beleuchtetes News-Studio mit runden LED-Podesten und großem Bildschirm mit Schriftzug ‚Verbands‑Monitor eins zu eins‘.

Inhaltsverzeichnis

Über uns:
Seit über 20 Jahren sind wir im Bereich Marketing und Kommunikation tätig und unterstützen Verbände, Organisationen und Institutionen mit fundierter Praxis- und Branchenexpertise. Unsere Arbeit wird durchweg positiv bewertet – unter anderem auf Trustpilot, ProvenExpert und in Google Bewertungen.

Weitere Themen die Sie interessieren könnten: |

– IG Metall fordert aktiven Staat für industrie- und handelspolitischen Realismus.
– Verbindliche Local-Content-Quoten und Investitionspflichten sollen heimische Wertschöpfung stärken.
– Massiver Netzausbau, mehr Speicher und 5-Cent-Industriestrompreis für Energiewende gefordert.

IG Metall fordert Neuausrichtung von Industrie- und Handelspolitik

Am 23. und 24. September 2024 versammeln sich rund 250 Betriebsräte in Berlin zur ersten Industriekonferenz der IG Metall. Ziel ist es, die aktuelle Lage industrieller Produktion und Handelspolitik zu analysieren und mit Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zu diskutieren. Die Gewerkschaft setzt dabei klare Schwerpunkte und Forderungen, mit denen sie einer veränderten globalen Wirtschaftsrealität begegnen will.

Die IG Metall konstatiert einen drastischen Wandel: Zehntausende Arbeitsplätze gingen bereits verloren, weil bisherige global abgestimmte Handelssysteme an Effektivität eingebüßt haben. „Die Welt der regelbasierten Handelsordnung ist implodiert. Die USA und China haben sich vom fairen Wettbewerb verabschiedet“, erklärt die Erste Vorsitzende Christiane Benner. Vor diesem Hintergrund wendet sich die IG Metall gegen die bisherigen Vorstellungen von reduzierter staatlicher Rolle. „Weniger Staat ist der falsche Weg, aktiver Staat muss das Leitbild sein. Wir brauchen eine aktive Industriepolitik mit Gestaltungsanspruch. Der Markt allein wird es nicht richten.“

Ein zentrales Instrument für mehr wirtschaftliche Resilienz sind verbindliche Local-Content-Vorgaben, also die Pflicht zum lokalen Wertschöpfungsanteil bei Produkten und Dienstleistungen. Jürgen Kerner, Zweiter Vorsitzender, nennt Local Content „die logische Antwort auf eine Welt, in der Zölle, Subventionen und unfaire Handelspraktiken längst den Alltag bestimmen“. Die IG Metall fordert daher verbindliche Quoten, Pflichten und Auflagen, um mehr Wertschöpfung in Deutschland und Europa sicherzustellen. „Marktzugang gibt es nicht zum Nulltarif. Wer auf unsere Märkte will, muss auch hier investieren – in Standorte, Arbeitsplätze und Wertschöpfung.“ Ohne diese Regelungen drohe Abhängigkeit von ausländischen Zulieferern und die Offenlegung kritischer Infrastrukturen, während heimische Werkshallen leer blieben.

Ein weiteres zentrales Thema der Konferenz ist die Energiewende. Die IG Metall weist auf die Herausforderungen durch steigenden Strombedarf hin, etwa durch Elektromobilität, Wärmepumpen und Industrieelektrifizierung. Jürgen Kerner warnt: „Der Bericht darf nicht als Begründung für eine Vollbremsung bei der Energiewende herhalten“. Die Gewerkschaft setzt sich für einen beschleunigten Ausbau von Stromnetzen, Speicherkapazitäten und die Priorisierung von Genehmigungen für Industrieareale ein und fordert die Einführung eines wettbewerbsfähigen Industriestrompreises von 5 Cent pro Kilowattstunde. Dieser soll als Brücke dienen, bis ausreichend günstiger Strom aus erneuerbaren Quellen verfügbar ist.

Schließlich fordert die IG Metall eine zügige Umsetzung und vollständige Verausgabung des Sondervermögens Infrastruktur und Klimaneutralität. Investitionen aus dem regulären Haushalt dürfen nicht einfach in dieses Sondervermögen verschoben werden; das betont Christiane Benner mit Blick auf die Förderpolitik. Zudem verlangt die Gewerkschaft die schnelle Einrichtung eines sogenannten Deutschlandfonds. Damit sollen Finanzierungslücken, besonders bei mittelständischen Unternehmen der Automobilzulieferindustrie, geschlossen werden. Benner kritisiert, dass „oft genug“ gute Ideen derzeit scheiterten, weil es an Finanzierungen für zukunftsfähige Geschäftsmodelle mangele.

Mit der Industriekonferenz setzt die IG Metall einen Impuls, der Industrie- und Handelspolitik neu zu denken: mehr staatliche Steuerung, klare Auflagen für lokale Wertschöpfung, verlässliche Rahmenbedingungen für die Energiewende sowie gezielte Investitionsprogramme, die Arbeitsplätze und Innovationskraft in Deutschland sichern sollen.

Industrie unter Druck: Ursachen und Hintergründe der aktuellen Krise

Die deutsche Industrie steht vor einem tiefgreifenden Umbruch, der durch ein komplexes Geflecht aus wirtschaftlichen, politischen und globalen Einflüssen verstärkt wird. In dieser Situation erscheinen die Forderungen der IG Metall nach einem neuen Realismus in der Industrie- und Handelspolitik besonders dringlich. Zu viele Arbeitsplätze gingen in den vergangenen Jahren verloren, die Unsicherheiten durch eine implodierende regelbasierte Handelsordnung haben sich deutlich verschärft. Dies macht einen klaren Strategiewechsel notwendig, bei dem der Staat nicht nur regulierend eingreift, sondern eine aktive Gestaltungsrolle übernimmt.

Historisch betrachtet basierte der globale Handel nach dem Zweiten Weltkrieg lange auf einem System verbindlicher Regeln, die Fairness und Transparenz gewährleisten sollten. Doch diese Ordnung gerät zunehmend ins Wanken, seit die beiden größten Wirtschaftsmächte, USA und China, verstärkt auf protektionistische Maßnahmen setzen. Zölle, umfangreiche Subventionen und gezielte staatliche Eingriffe verzerren heute den Handel und beeinträchtigen damit die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen deutlich.

Der Alltag vieler Betriebe ist geprägt von den Folgen dieser Entwicklungen: Lieferketten werden fragiler, Investitionen unsicherer und das Risiko für Arbeitsplätze steigt. In dieser Lage fordert die IG Metall verbindliche Local-Content-Regeln als Reaktion auf die aktuellen geo-ökonomischen Verwerfungen. Solche Vorgaben bestimmen, dass Unternehmen, die Zugang zu lukrativen Märkten suchen, auch vor Ort investieren und Arbeitsplätze schaffen. Dieser Weg erhöht die Resilienz der Industrie, schützt kritische Technologien und verringert Abhängigkeiten von ausländischen Zulieferern – ein Anspruch, der angesichts zunehmender globaler Spannungen kaum noch vermeidbar erscheint.

Die internationale Praxis bei Local-Content-Regeln zeigt dabei ein unterschiedliches Bild: Während die USA strikt auf lokale Wertschöpfung drängen und dies etwa im Bereich der Elektromobilität durchsetzen, verfolgt China eine noch umfassendere Strategie staatlicher Kontrolle über Produktionsketten und technologische Entwicklung. Europa steht hier vor der Aufgabe, ein vergleichbares Regelwerk zu schaffen, um Marktabschottungen anderer Länder nicht schutzlos gegenüberzustehen. Andernfalls läuft die deutsche Industrie Gefahr, entscheidende Standorte und Know-how zu verlieren.

Aktuell verschärft die Kombination aus Handelskonflikten, protektionistischen Maßnahmen und geopolitischen Unsicherheiten den Druck auf die Industrie. Die IG Metall warnt eindringlich vor einer Unterlassung aktiver Industriepolitik: „Die Welt der regelbasierten Handelsordnung ist implodiert. Die USA und China haben sich vom fairen Wettbewerb verabschiedet“, bringt es Christiane Benner, Erste Vorsitzende der IG Metall, auf den Punkt. Die Gewerkschaft sieht die Lösung nicht in einer Zurückhaltung des Staates, sondern in einem umsichtigen Eingreifen, das gezielt Industrie und Arbeitsplätze sichert.

Diese Lage verlangt eine Neuorientierung, die auch energetische und finanzielle Aspekte miteinbezieht. So rückt neben dem Handelsdruck die Energiewende mit ihrem wachsenden Strombedarf und der Sicherung wettbewerbsfähiger Industriestrompreise in den Fokus. Nur durch koordinierte Maßnahmen lassen sich langfristige Investitionen fördern und technologische Zukunftsfähigkeit sichern.

Die Rückbesinnung auf eine aktive Industrie- und Handelspolitik markiert eine entscheidende Weichenstellung. Sie überwindet starre Marktmechanismen und greift auf Instrumente zurück, die den Wandel sozial und wirtschaftlich tragfähig gestalten. Angesichts der komplexen internationalen Entwicklungen wird deutlich: Die Industrie braucht heute mehr denn je ein klares staatliches Bekenntnis zum Standort Deutschland – für nachhaltige Wertschöpfung und stabile Arbeitsplätze.

Faktencheck: Zahlen, Entwicklungen und Expertenmeinungen zur deutschen Industrie

Die deutsche Industrie steht vor gravierenden Herausforderungen, die nicht nur nationale wirtschaftliche Strukturen betreffen, sondern auch durch internationale Handelskonflikte und technologische Umbrüche geprägt sind. Während die Industrie weiterhin eine zentrale Säule der Wirtschaft bildet, wächst der Druck durch globale Wettbewerber, geopolitische Veränderungen und die Notwendigkeit, Innovationen mit nachhaltiger Produktion zu verbinden. Die IG Metall fordert deshalb einen „neuen Realismus“ in Industrie- und Handelspolitik, um den Erhalt von Arbeitsplätzen, Wertschöpfung und technologischem Vorsprung zu sichern.

Mit einem Anteil von etwa 20 Prozent an der Bruttowertschöpfung – Stand 2022 laut Statistischem Bundesamt – prägt die Industrie maßgeblich die deutsche Wirtschaft. Die Fertigung schafft zugleich rund 6 Millionen Arbeitsplätze, bleibt aber zunehmend von internationalen Handelspraktiken betroffen, die den Wettbewerb verzerren. So kritisiert die IG Metall, dass sich Länder wie die USA oder China „vom fairen Wettbewerb verabschiedet“ hätten. Dies zeigt sich in Subventionen, Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen, die Unternehmen in Deutschland vor zusätzliche Hürden stellen.

Deutsche Industrie im internationalen Vergleich

Die Forschungsausgaben in Deutschland bleiben stabil hoch und gelten als einer der wichtigsten Triebfedern für Innovation. Im Jahr 2021 betrug der Anteil der Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen am Bruttoinlandsprodukt 3,2 Prozent laut Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK). Damit liegt Deutschland im oberen Bereich der OECD-Länder, allerdings investieren Länder wie Südkorea oder die USA prozentual zum Teil noch deutlich mehr.

Gleichzeitig erfährt die deutsche Industrie wachsenden Wettbewerb durch digitale und vernetzte Technologien. Das weltweite Handelsvolumen von Industrieprodukten ist zwischen 2015 und 2023 um rund 15 Prozent gewachsen, zeigt Daten der Welthandelsorganisation (WTO). Besonders Industrien mit hoher digitaler Vernetzung, etwa im Bereich Internet of Things (IoT) oder Digitalhandel, verzeichnen steigende Umsätze und Innovationsdruck. Laut Experten wie Christiane Benner (IG Metall) ist ein aktiver Staat gefordert, der diese technologische Transformation mit einer zukunftsgerichteten Industriepolitik begleitet.

Die Auseinandersetzungen um lokale Wertschöpfung – sogenannte Local-Content-Regelungen – gewinnen an Bedeutung. Die IG Metall fordert verbindliche Quoten und Vorschriften, um „wieder mehr Wertschöpfung in Deutschland und Europa zu verwirklichen“. Dies soll die Abhängigkeit von internationalen Zulieferketten reduzieren und Produktionsstandorte in Deutschland stärken.

Kennzahl / Thema Wert/Zahl Jahr/Quelle
Anteil der Industrie an Bruttowertschöpfung ca. 20 % 2022, Statistisches Bundesamt
Beschäftigte in der Industrie rund 6 Millionen 2022, Statistisches Bundesamt
Forschungsinvestitionen am BIP 3,2 % 2021, BMWK
Wachstum des weltweiten Industriehandels +15 % 2015–2023, WTO
Empfohlener Industriestrompreis 5 Cent/kWh IG Metall Position, 2023
Hauptthemen internationaler Handelsstreitigkeiten Subventionen, Zölle, unfaire Wettbewerbspraktiken Laufend, IG Metall, WTO
Bedeutung von IoT und Digitalhandel Steigend 2022–2023, Branchenanalysen

Die Forderung nach einem Industrienetz mit moderner Infrastruktur spiegelt die Notwendigkeit wider, Versorgungssicherheit bei wachsendem Strombedarf durch E-Mobilität, Wärmepumpen und Industrieprozesse sicherzustellen. Der Ausbau erneuerbarer Energien sowie ein wettbewerbsfähiger Industriestrompreis spielen dabei eine mitentscheidende Rolle.

Vertreter aus Wirtschaft und Verbänden weisen darauf hin, dass eine längere Zurückhaltung bei Investitionen die Wettbewerbsfähigkeit untergräbt. So äußert Jürgen Kerner, Zweiter Vorsitzender der IG Metall, die dringende Notwendigkeit verbindlicher Regeln, um wertvolle Produktionskapazitäten zu erhalten: „Marktzugang gibt es nicht zum Nulltarif. Wer auf unsere Märkte will, muss auch hier investieren – in Standorte, Arbeitsplätze und Wertschöpfung.“ Diese Position unterstreicht die Bedeutung einer aktiven Industriepolitik als Antwort auf Protektionismus und geopolitische Herausforderungen.

Die Faktenlage zeigt, dass Investitionen in Forschung, Standortqualität und Infrastruktur für die Sicherung der deutschen Industrie essenziell sind. Nur so lässt sich im globalen Wettbewerb eine Balance zwischen technologischer Innovation, ökonomischer Resilienz und sozialen Aufgaben herstellen.

Gesellschaftliche Auswirkungen der IG Metall-Forderungen und mögliche Entwicklungspfade

Die Forderungen der IG Metall nach einer aktiveren Industriepolitik zielen auf eine tiefgreifende Neuausrichtung wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen. Vor dem Hintergrund eines globalen Handelsumfelds, das von wachsenden Spannungen zwischen den USA, China und Europa geprägt ist, stellt sich die Frage, wie sich verbindliche Local-Content-Regelungen, gesteuerte Wertschöpfung und eine konsequente Klimapolitik auf verschiedene gesellschaftliche Gruppen auswirken könnten – aber auch, welche Chancen und Risiken damit verbunden sind.

Die Gewerkschaft fordert, dass Unternehmen Zugang zu Märkten nicht mehr ohne Gegenleistung erhalten. Investitionen in deutsche und europäische Standorte, Arbeitsplätze sowie lokale Wertschöpfung sollen Voraussetzung werden. Dieses Konzept könnte Beschäftigten Sicherheit geben, indem es die Abwanderung von Produktionskapazitäten ins Ausland eindämmt. Gleichzeitig stärkt ein Fokus auf lokale Wertschöpfungsketten die Resilienz gegenüber globalen Lieferkettenstörungen, die in Krisenzeiten bereits zu deutlichen Engpässen geführt haben.

Für Unternehmen bedeutet dies jedoch einen erheblichen Anpassungsdruck. Die Einführung verbindlicher Quoten kann Investitionen und Kosten erhöhen und Maßnahmen erschweren, die bislang auf globale Kostenoptimierung ausgelegt waren. Kritiker warnen, dass solche Local-Content-Vorgaben die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Betriebe untergraben könnten. Insbesondere international agierende Unternehmen befürchten Selbsteinschränkungen bei Flexibilität und Innovation, was langfristig auch Arbeitsplätze gefährden kann.

Aus gesellschaftlicher Perspektive liegt der Brennpunkt auf den Folgen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, aber auch für Verbraucherinnen und Verbraucher. Stärker regional verankerte Industrien können Arbeitsplätze sichern und zur Stabilisierung ganzer Regionen beitragen. Zugleich besteht die Gefahr, dass durch steigende Produktionskosten höhere Preise auf Konsumentenseite entstehen. Auch die Frage, wie stark solche Politiken tatsächlich neue Jobs schaffen und ob diese in zukunftsfähigen Branchen verankert sind, wird intensiv debattiert.

Der Aspekt der Standortpolitik spielt eine wesentliche Rolle im Kontext des Klimaschutzes. Die IG Metall drängt auf einen "Kurs halten bei der Energiewende" und fordert den massiven Ausbau von Stromnetzen, Speichern und Elektrolysekapazitäten sowie einen wettbewerbsfähigen Industriestrompreis. Diese Maßnahmen sollen die Elektrifizierung der Industrie vorantreiben und gleichzeitig Umweltschutzziele erfüllbar machen. Doch die Umsetzung finanzieller und technischer Neuerungen könnte die wirtschaftliche Belastung von Unternehmen erhöhen, was gerade kleine und mittlere Betriebe vor Herausforderungen stellt.

Die öffentliche Hand steht vor der Aufgabe, Investitionsmittel zielgerichtet einzusetzen, um zugleich Industrie zu stärken und Klimaziele nicht aus den Augen zu verlieren. Die IG Metall betont, dass geplante Investitionen nicht lediglich im Haushalt verschoben werden dürfen, sondern zusätzliches Geld für einen solchen Wandel bereitstehen muss. In diesem Zusammenhang fordert sie die zügige Auflegung des Deutschlandfonds, der Finanzierungslücken im Mittelstand schließen soll. Branchenkenner weisen darauf hin, dass gerade in Bereichen wie der Automobilzulieferindustrie viele innovative Geschäftsideen auf Finanzierungsmöglichkeiten angewiesen bleiben.

Mögliche Szenarien der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung weisen auf eine gespannte Balance zwischen staatlicher Steuerung und unternehmerischer Freiheit hin. Einseitige Eingriffe könnten etwa zu Handelskonflikten oder höheren Produktionskosten führen. Andererseits könnte die Neuausrichtung der Industriepolitik der Schlüssel sein, um Deutschland in globalen Technologiefeldern zu behaupten, Arbeitsplätze zu sichern und die gesellschaftliche Teilhabe zu stärken.

In der öffentlichen Diskussion finden sich verschiedene Stimmen: Während Befürworter die Stärkung lokaler Wertschöpfung als Beitrag zu nachhaltiger Beschäftigung und Sicherheit loben, warnen Gegner vor einer möglichen Abschottung und Wettbewerbsnachteilen. Die Frage bleibt, wie der Spagat gelingt zwischen Offenheit für internationalen Handel und dem Schutz strategisch wichtiger Industrien. Diese Debatte wird in den kommenden Jahren maßgeblich Einfluss auf die Wirtschaftsstruktur und die soziale Landschaft haben.

Industriepolitik zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Wo die Debatten ansetzen und die Politik jetzt gefragt ist

Die aktuellen Herausforderungen für die Industriepolitik zahlen sich nicht allein durch Absichtserklärungen aus, sondern verlangen nach konkreten Handlungsschritten. Die Auflösung bewährter Handelsordnungen, wie die IG Metall es beschreibt, zwingt dazu, die traditionellen Denkmodelle zu überdenken. Die Loslösung von fairen Wettbewerbskriterien durch globale Akteure wie die USA und China verschärft den Druck auf Europa, insbesondere Deutschland, eine aktivere Rolle in der Gestaltung seiner industriellen Zukunft einzunehmen. Statt auf eine marktgetriebene Lösung zu vertrauen, fordert die Gewerkschaft zunehmend eine Politik, die mit einem starken Gestaltungsanspruch Chancen und Risiken abwägt – ein Ansatz, der sich im Verlauf der jüngsten IG Metall-Konferenz deutlich abzeichnete und als Startpunkt weiterer Diskussionen gelten darf.

Auf europäischer Ebene und auch national stehen Finanzierungsinstrumente im Fokus, um bestehende Lücken in der Infrastrukturentwicklung und im Klimaschutz anzugehen. Das sogenannte Sondervermögen, das der Bundesregierung zur Verfügung steht, muss zügig mit Projekten gefüllt werden, die über bisherige Haushaltspläne hinausgehen. Genau hier warnt die IG Metall davor, bereits geplante Investitionen einfach ins Sondervermögen zu verschieben, um die Wirkung der Mittel zu verwässern. Parallel dazu wird die Einrichtung eines Deutschlandfonds als dringend erachtet, um mittelständischen Unternehmen, vor allem in der Automobilzulieferbranche, den Zugang zu Krediten und Kapital zu erleichtern. So sollen Innovationsprojekte nicht an Finanzierungsproblemen scheitern, sondern die deutsche Industrie gerade auch im wettbewerbsfähigen Mittelstand gestärkt werden.

Ganz wesentlich bleibt dabei die Diskussion um eine verbindliche Regulierung von Local-Content-Quoten. Die Forderung steht für mehr Wertschöpfung in Deutschland und Europa, indem ausländische Marktteilnehmer beim Marktzugang stärker in die eigene Produktionsregion investieren müssen. Diese Maßnahme reagiert direkt auf geänderte geopolitische Rahmenbedingungen, in denen Zölle, Subventionen und protektionistische Strategien Alltag sind. Die Konsequenz daraus: Eine solide Industriebasis schützt vor Abhängigkeiten und sichert kritische Technologien, was in politischen Debatten zunehmend eine zentrale Rolle spielt.

Energiewende und Industriepolitik verflechten sich nach wie vor eng. Die Kritik an jüngsten Berichten des Bundeswirtschaftsministeriums verweist auf die Gefahr, die Energiewende abzubremsen, obwohl der Strombedarf durch Elektromobilität und Digitalisierung wächst. Die IG Metall appelliert an die Politik, den Ausbau von Stromnetzen, Speichern und Elektrolysekapazitäten zu forcieren. Dabei darf es keine Konkurrenz zwischen fossilen Brückentechnologien und erneuerbaren Energien geben, sondern nur ein zielgerichtetes Zusammenspiel, das den Übergang zur Klimaneutralität begleitet. Mit Blick auf die Industrie verlangt die Gewerkschaft zudem die rasche Einführung eines wettbewerbsfähigen Industriestrompreises, um die Transformation wirtschaftlich tragfähig zu gestalten.

Die Debatten rund um die Industriepolitik offenbaren vielfältige Standpunkte unter den beteiligten Akteuren: Während Vertreter aus Gewerkschaften, Wissenschaft und Unternehmen einerseits die Dringlichkeit betonen, sieht die Politik sich herausgefordert, zwischen langfristiger Planung, pragmatischer Umsetzung und dem Umgang mit globalen Dynamiken auszubalancieren. Die IG Metall-Konferenz markiert erst den Anfang eines umfangreichen Dialogs, der sich vor allem um die Frage drehen wird, wie deutsche Industriepolitik ihre Ziele erreichen und gleichzeitig auf reale Markt- und Wettbewerbsbedingungen reagieren kann. Die Zukunft wird von der gemeinsamen Kraft der Akteure abhängen, die ihre Ansprüche mit der Wirklichkeit verbinden.

Die in diesem Artikel verwendeten Inhalte stammen aus einer Pressemitteilung der IG Metall.

Weiterführende Quellen:

  • „Die deutsche Industrie hat im Jahr 2021 3,13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Forschung und Entwicklung investiert.“ – Quelle: https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Schlaglichter-der-Wirtschaftspolitik/2023/12/03-neue-industriestrategie.html
  • „Im Jahr 2022 betrug der Anteil der Industrie an der deutschen Bruttowertschöpfung 20,4 Prozent.“ – Quelle: https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Schlaglichter-der-Wirtschaftspolitik/2023/12/03-neue-industriestrategie.html
  • „Laut einer Umfrage des ifo Instituts aus dem Juni 2025 sind über 60% der befragten deutschen Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes negativ von den neuen US-Zöllen betroffen.“ – Quelle: https://www.ifo.de/en/publications/2025/article-journal/die-deutsche-industrie-im-strudel-der-us-handelspolitik
  • „Rund 30% der Unternehmen mit Investitionsplänen haben ihre US-Investitionen aufgrund der US-Handelspolitik zeitlich verschoben.“ – Quelle: https://www.ifo.de/en/publications/2025/article-journal/die-deutsche-industrie-im-strudel-der-us-handelspolitik
  • „Die EU hat im Jahr 2022 ein Handelsvolumen von 1,3 Milliarden Euro mit digitalen Dienstleistungen erzielt.“ – Quelle: https://www.bmwk.de/Redaktion/DE/Dossier/handelspolitik.html
  • „Die EU plant, bis 2030 die weltweite Nutzung von IoT-Geräten zu verdoppeln und dabei Einnahmen von circa 12,6 Milliarden Euro zu generieren.“ – Quelle: https://www.bmwk.de/Redaktion/DE/Dossier/handelspolitik.html
  • „Die EU hat im Juli 2024 ein plurilaterales Abkommen über den elektronischen und digitalen Handel innerhalb der WTO abgeschlossen.“ – Quelle: https://www.bmwk.de/Redaktion/DE/Dossier/handelspolitik.html
  • „Die EU hat im Dezember 2024 die Zwangsarbeitsverordnung verabschiedet, die am 13. Dezember 2024 in Kraft trat und ab dem 14. Dezember 2027 für alle Wirtschaftsakteure gilt.“ – Quelle: https://wirtschaft-entwicklung.de/wirtschaft-menschenrechte/aktuelle-entwicklungen
  • „Die EU-Verordnung zur Sorgfaltspflicht in der Lieferkette von Metallen aus Konflikt- und Hochrisikogebieten trat am 1. Januar 2021 in Kraft.“ – Quelle: https://wirtschaft-entwicklung.de/wirtschaft-menschenrechte/aktuelle-entwicklungen
NACHRICHTEN ZUM THEMA
Weitere aktuelle Themen aus anderen Kategorien

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Bild von Über das Autor:innen-Netzwerk von verbandsbuero.de

Über das Autor:innen-Netzwerk von verbandsbuero.de

Die Beiträge auf verbandsbuero.de entstehen in einem redaktionellen Netzwerk aus festangestellten und freien Redakteurinnen und Redakteuren mit langjähriger Erfahrung in Marketing, Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit. Unser Team ist seit vielen Jahren eng in der Vereins- und Verbandswelt vernetzt und arbeitet kontinuierlich mit Organisationen, Verbänden und Institutionen aus unterschiedlichen Bereichen zusammen.

Viele Inhalte werden gemeinschaftlich recherchiert, geschrieben und redaktionell überarbeitet. Dieses kollaborative Vorgehen stellt sicher, dass fachliche Tiefe, Praxisnähe und unterschiedliche Perspektiven in jeden Beitrag einfließen. Aus diesem Grund veröffentlichen wir unsere Inhalte bewusst als Netzwerk-Arbeit und nicht immer unter dem Namen einzelner Autor:innen.

Die redaktionelle Verantwortung liegt beim Netzwerk von verbandsbuero.de. Alle Beiträge basieren auf fundierter Praxiserfahrung, aktuellem Fachwissen und einem klaren Fokus auf die Anforderungen von Vereinen, Verbänden und Non-Profit-Organisationen.

Alle Beiträge