– 90 % der Befragten sehen Künstliche Intelligenz als Schlüsseltechnologie der nächsten fünf Jahre.
– 71 % bewerten Data Lifecycle Management als relevant, 61 % wollen es strategisch integrieren.
– 82 % der Immobilienunternehmen bevorzugen Cloud-Lösungen, Integrationsprobleme bleiben zentrale Herausforderung.
Digitalisierungsstudie 2025: Immobilienwirtschaft zwischen Fortschritt und Herausforderungen
Die aktuelle Ausgabe der Digitalisierungsstudie des Zentralen Immobilien Ausschuss (ZIA) und EY Parthenon, veröffentlicht am 9. September 2025, zeichnet ein differenziertes Bild der Digitalisierung in der Immobilienbranche. Nach zehn Jahren intensiver Entwicklung zeigt sich: Die Branche ist auf einem guten Weg, steht aber weiterhin vor bedeutenden Hürden. Dabei rückt vor allem der umfassende Umgang mit Daten – das sogenannte Data Lifecycle Management (DLM) – in den Fokus.
Künstliche Intelligenz (KI) gilt als zentraler Treiber der kommenden Jahre: 90 % der befragten Unternehmen sehen KI als Schlüsseltechnologie für die nächsten fünf Jahre. Diese Einschätzung unterstreicht den Trend, den die Branche in den letzten Jahren verfolgt hat – von ersten Pilotprojekten bis hin zur Etablierung digitaler Standards und dem vermehrten Einsatz von KI-Anwendungen. Dennoch sind die Investitionen in die Digitalisierung meist moderat: 62 % der Unternehmen geben 1 bis 5 Prozent ihres Umsatzes für digitale Maßnahmen aus, während nur 9 % mehr als 20 Prozent investieren.
Die Studie benennt auch die größten Bremsklötze für digitale Fortschritte: Personalmangel (79 %), unzureichende Datenqualität (68 %) sowie veraltete IT-Systeme und hohe Kosten hemmen die weitere Umsetzung. Zugleich erlebt die Cloud-Technologie einen starken Auftrieb: 82 % favorisieren Cloud-Lösungen, doch die fehlende Integration verschiedener Systeme bleibt eine wesentliche Herausforderung.
Im Mittelpunkt der Studie steht erstmals das Thema Data Lifecycle Management (DLM). Dieses Konzept umfasst den gesamten Umgang mit Daten während des Lebenszyklus einer Immobilie – von der Planung über Bau und Betrieb bis zum Verkauf. Ziel ist es, Daten systematisch zu erfassen, zu nutzen und effizient auszuwerten, um fundierte Entscheidungen zu ermöglichen und Transparenz zu schaffen. 71 % der Unternehmen betrachten DLM als relevant, und 61 % planen, es aktiv in ihre Strategien aufzunehmen.
Allerdings zeigt die Praxis, dass die Umsetzung noch in den Anfängen steckt. Hohe Kosten (70 %), technologische Einschränkungen (66 %) und Fachkräftemangel (62 %) stehen als Haupthemmnisse im Weg. Außerdem besteht eine Diskrepanz zwischen angestrebter und tatsächlich erreichter Datenqualität: Zwar streben viele Firmen 100 % perfekte Daten an, doch in der Praxis genügen meist geringere Werte, da überhöhte Erwartungen zu ineffizienten Prozessen und „Datenmüll“ führen können. Organisatorisch existieren in über der Hälfte aller Unternehmen eigene Abteilungen für Datenmanagement, doch kontrolliert nur gut ein Drittel diese Praktiken regelmäßig im Sinne von DLM.
Zu diesem Thema betont Dr. Lars Scheidecker, Partner bei EY Parthenon: „Daten sind der Rohstoff unserer Zeit – ohne sie bleibt jede KI wirkungslos. Wer seine Daten nicht professionell managt, verliert Effizienz, Transparenz und am Ende Wettbewerbsfähigkeit.“ Er unterstreicht die Notwendigkeit einer schrittweisen, aber konsequenten Professionalisierung des Datenmanagements.
Auch Aygül Özkan, Hauptgeschäftsführerin des ZIA, appelliert an die Branche: „Die Digitalisierung der Immobilienwirtschaft ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Die letzten zehn Jahre haben gezeigt, dass wir viel erreicht haben. Aber wir müssen uns eingestehen: Wir sind noch nicht am Ziel. Gerade jetzt ist der Moment, entschlossen weiterzugehen.“ Für Unternehmen bedeute das sowohl mutige erste Schritte als auch die Skalierung bereits gemachter Erfahrungen. Jede Verbesserung im Datenmanagement und jeder digitale Fortschritt seien entscheidend für die Zukunftsfähigkeit der Branche.
Die vollständigen Ergebnisse der Digitalisierungsstudie 2025 sind ab sofort verfügbar und können hier als PDF heruntergeladen werden:
Digitalisierungsstudie 2025 – ZIA und EY
Digitalisierung in der Immobilienbranche: Zwischen Fortschritt und Realität
Die Digitalisierung prägt zunehmend alle Lebensbereiche und Industrien. Auch die Immobilienwirtschaft steht im Zentrum dieses Wandels – als bedeutender Wirtschaftszweig mit direktem Einfluss auf das Wohnen und Arbeiten der Gesellschaft. Für Eigentümer, Mieter und Unternehmen birgt die digitale Transformation das Potenzial, Prozesse transparenter und effizienter zu gestalten sowie nachhaltige Konzepte umzusetzen. Dennoch zeigt der Blick auf die aktuellen Entwicklungen einen Zwiespalt: Während neue Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI) als zukunftsweisend gelten, stockt die Umsetzung an erheblichen Herausforderungen.
Die langwierige und komplexe Digitalisierung der Immobilienbranche lässt sich mit einem Marathon vergleichen, bei dem schon viel Strecke zurückgelegt ist, das Ziel aber noch nicht in Reichweite liegt. Kernpunkte sind dabei das sogenannte Data Lifecycle Management (DLM) – also der ganzheitliche Umgang mit Daten über den gesamten Lebenszyklus einer Immobilie – sowie der wachsende Einfluss der KI. Beide Themenfelder gehen weit über die Immobilienwirtschaft hinaus und spiegeln grundlegende digitale Herausforderungen anderer Branchen wider, etwa aus dem Finanzwesen oder der Fertigungsindustrie.
Die Bedeutung eines professionellen Datenmanagements ist dabei nicht zu unterschätzen. Daten fungieren als Rohstoff der digitalen Ära: Nur mit thematisch durchdachten und qualitativ hochwertigen Informationen werden Technologien wie KI wirkungsvoll einsetzbar. Das wiederum ermöglicht nicht nur eine bessere Steuerung von Kosten und Energieverbrauch, sondern kann auch zur Förderung von Transparenz und sozialer Verantwortung beitragen. In einer Zeit, in der bezahlbarer Wohnraum knapp ist, bietet eine konsequente Digitalisierung Chancen, Prozesse effizienter zu gestalten und bessere Dienstleistungen für Mieter anzubieten.
Künstliche Intelligenz als Wendepunkt
Ein zentraler Trend in der Immobilienbranche ist die zunehmende Verbreitung von Künstlicher Intelligenz. Laut der aktuellen Digitalisierungsstudie von ZIA und EY sehen 90 % der Branchenvertreter KI als Schlüsseltechnologie für die kommenden fünf Jahre. KI kann etwa bei der Analyse großer Datenmengen helfen, um Betriebskosten zu senken, Wartungszyklen vorherzusagen oder individuelle Bedürfnisse von Mietern besser zu erkennen.
Im Vergleich zu anderen Sektoren hinkt die Immobilienwirtschaft aber teilweise hinterher. Branchen wie der Finanzsektor oder die Industrie haben bereits umfassend automatisierte Prozesse etabliert und investieren stärker in KI-Lösungen. Die Immobilienwirtschaft steht vor der Aufgabe, nicht nur einzelne innovative Projekte zu starten, sondern digitale Innovationen als festen Bestandteil des Geschäftsmodells zu verankern. Dabei können erfolgreiche Vorbilder aus anderen Branchen als Orientierung dienen.
Datennutzung und strategische Weichenstellungen
Data Lifecycle Management steht im Mittelpunkt, wenn es darum geht, Daten systematisch zu erfassen, zu verknüpfen und gewinnbringend auszuwerten – von der Planung über Bau, Betrieb und Instandhaltung bis hin zur Veräußerung von Immobilien. Die Studie zeigt, dass 71 % der Unternehmen dieses Thema als relevant ansehen und 61 % es in ihre strategische Ausrichtung einbinden wollen. In der praktischen Umsetzung steckt die Branche aber noch in den Anfängen.
Die entscheidenden Hürden liegen vor allem im Fachkräftemangel, den hohen Kosten sowie technischen Einschränkungen. Die fragmentierte Struktur mit zahlreichen unterschiedlichen IT-Systemen und fehlender Integration erschwert ein durchgängiges Datenmanagement zusätzlich. Diese Defizite verhindern bislang, dass Datenqualität und -nutzung das volle Potenzial entfalten können – etwa für realistisches Energiemanagement, automatisierte Wartungsplanung oder verbesserte Nutzererfahrungen.
Im Vergleich zu stärker digitalisierten Branchen bei der Nutzung von systemübergreifenden Cloud-Diensten, die 82 % der befragten Immobilienunternehmen favorisieren, zeigt sich ein Ausbaubedarf bei der Integration und Verbindung dieser Systeme. Ohne eine solide Datenbasis bleiben Investitionen in digitale Technologien oft wirkungslos oder ineffizient.
Die architektonisch komplexen Strukturen vieler Immobilienunternehmen und die regulatorischen Anforderungen verstärken diesen Nachholbedarf. Gleichwohl besteht die Chance, durch gezielte Investitionen in Datenqualität und digitalen Fachkräften langfristig Kosten zu senken, zugleich den Kundenservice zu verbessern und nachhaltige Strategien zu fördern.
Gesellschaftliche Bedeutung und Ausblick
Die digitale Transformation in der Immobilienwirtschaft wirkt sich nicht nur auf die Branche selbst aus, sondern berührt zentrale gesellschaftliche Themen. Verbesserte Daten- und Prozessqualität trägt zu mehr Transparenz bei und kann dazu beitragen, nachhaltigere und sozial ausgewogenere Wohn- und Lebensräume zu schaffen. Angesichts der Regulierungsentwicklung, etwa verschärfter Energieeffizienzvorgaben oder der Offenlegungspflichten, wird die Digitalisierung zunehmend zur Notwendigkeit, um den vielfältigen Anforderungen gerecht zu werden.
Zukunftsweisende Technologien und organisatorische Professionalisierung eröffnen Chancen, die Branche neu aufzustellen – mit einem besseren Verständnis der Lebenszyklusdaten, intelligenten Services und angepasster Personalentwicklung. Dafür bedarf es jedoch mutiger Investitionen und einer klaren digitalen Strategie. Der Wettlauf um die effiziente Nutzung von Daten und KI wird auch maßgeblich darüber entscheiden, wie Eigentümer, Unternehmen und letztlich auch Mieter von der Digitalisierung profitieren.
Die kommenden Jahre werden zeigen, wie sich die Immobilienwirtschaft auf diese Herausforderungen einstellt und ob sie die Chance ergreift, eine Vorreiterrolle in der Digitalisierung einzunehmen – nicht nur für sich selbst, sondern auch als Gesellschaftstreiber für nachhaltiges und bezahlbares Wohnen.
Die Inhalte dieses Beitrags basieren auf einer Pressemitteilung des Zentralen Immobilien Ausschuss (ZIA).
10 Kommentare
Es ist erstaunlich zu sehen, wie viele Unternehmen KI als Schlüsseltechnologie betrachten. Ich frage mich jedoch, ob sie wissen, wie man sie effektiv implementiert! Was denkt ihr über Schulungen für Mitarbeiter? Könnte das helfen?
Ja! Schulungen sind wichtig! Aber auch klare Strategien müssen da sein. Ohne Plan wird das nichts!
Ich finde den Ansatz des Data Lifecycle Managements sehr wichtig. Aber wie kann man sicherstellen, dass die Datenqualität wirklich hoch ist? Gibt es Best Practices aus anderen Branchen, die wir übernehmen könnten?
Das wäre interessant! Wenn wir von anderen Sektoren lernen können, könnte das vielleicht helfen, die Herausforderungen in der Immobilienwirtschaft besser zu bewältigen.
Ich denke auch, dass eine enge Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen nötig ist. Nur so können wir voneinander lernen und Fortschritte erzielen.
Die Investitionen in digitale Maßnahmen scheinen mir zu niedrig zu sein. Nur 9 % investieren mehr als 20 % ihres Umsatzes! Wie können wir Unternehmen motivieren, mehr zu investieren? Vielleicht durch Anreize oder staatliche Unterstützung?
Das ist ein guter Punkt! Wenn der Staat Anreize schafft, könnten mehr Unternehmen bereit sein, Risiken einzugehen und in neue Technologien zu investieren.
Ich habe auch festgestellt, dass Personalmangel eine große Hürde darstellt. Vielleicht sollten Unternehmen mehr in Schulungen investieren, um Fachkräfte zu gewinnen und zu halten? Was haltet ihr davon?
Die Studie über die Digitalisierung in der Immobilienwirtschaft bringt interessante Punkte zur Sprache. Besonders die Rolle von Künstlicher Intelligenz und Data Lifecycle Management ist wichtig. Wie können wir sicherstellen, dass die Kosten für diese Technologien nicht zu hoch sind?
Ich finde es auch spannend, wie 82% der Immobilienunternehmen Cloud-Lösungen bevorzugen! Was denkt ihr über die Integration verschiedener Systeme? Ist das nicht eine große Herausforderung?