Klimaschutz und Waldstilllegung: Warum die Holzwirtschaft das neue Klimaschutzprogramm kritisch sieht

Am 30. September 2025 kritisiert der Deutsche Holzwirtschaftsrat das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz des Bundesumweltministeriums als widersprüchlich, weil es einerseits die Kohlenstoffbindung in Holzprodukten und den öffentlichen Holzbau stärken, andererseits aber großflächige Waldstilllegungen vorsehen will. Der Verband warnt, dass dadurch dem Bausektor der wichtige Rohstoff für klimafreundliches Bauen entzogen und Klimaschutzpotenziale verschenkt werden. Er fordert daher ein sofortiges Ende der Waldstilllegungen und stattdessen Maßnahmen wie einen 30-Prozent-Holzbauanteil bei öffentlichen Gebäuden sowie einen Holzanteilbonus in Förderprogrammen.
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– DHWR kritisiert Widerspruch zwischen Treibhausgasbindung in Holzprodukten und Waldstillegungen
– Verband fordert Stopp von Waldstillegungen und zielführende Maßnahmen zur Kohlenstoffbindung
– DHWR fordert 30%-Holzbauanteil bei öffentlichen Projekten und ausreichende Fördermittel

Deutsche Holzwirtschaft kritisiert Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz scharf

Am 30. September 2025 hat der Deutsche Holzwirtschaftsrat (DHWR) deutliche Kritik am aktuellen Entwurf des Bundesumweltministeriums zum Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz geäußert. Das Ministerium hatte am Vortag insgesamt 41 Maßnahmen vorgestellt, die den Klimaschutz im sogenannten LULUCF-Sektor (Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft) vorantreiben sollen. Unter anderem sieht das Programm vor, die jährliche Bindung von Treibhausgasen in Holzprodukten von aktuell etwa -3 Millionen Tonnen im Jahr 2030 auf -18 Millionen Tonnen bis 2045 zu steigern.

Der DHWR lobt zwar die Absicht, Klimagasbindungen im Holzbau zu erhöhen und den öffentlichen Bausektor stärker auf nachhaltige Holzprodukte auszurichten. Doch gleichzeitig wirft der Verband dem Umweltministerium vor, mit geplanten Stilllegungen von Waldflächen diese Ziele zu unterlaufen. Nach Angaben des Ministeriums sollen bis zu 250.000 Hektar Laubwald in Privat- und Kommunalbesitz im Rahmen des Programms KWMPlus gefördert werden, außerdem strebt der Wissenschaftliche Beirat für Natürlichen Klimaschutz weitere 100.000 Hektar Stilllegungen bei öffentlichen Wäldern an.

Erwin Taglieber, Präsident des Deutschen Holzwirtschaftsrates, kommentiert: „Die geplanten Maßnahmen des Bundesumweltministeriums konterkarieren sich gegenseitig. Eigentlich ist es zu begrüßen, dass das Umweltministerium mehr Treibhausgase in Holzprodukten binden lassen möchte. Ebenfalls positiv ist die Idee, den Holzbau im öffentlichen Bauwesen zu fördern, denn der Bausektor ist immer noch einer der CO2-Hauptverursacher in Deutschland. Somit kommt der Minister dem Wunsch der Menschen nach, nachhaltiger und klimafreundlicher zu bauen. Aber im gleichen Atemzug möchte Minister Schneider hunderttausende Hektar Waldfläche stilllegen. Damit wird wiederum der Gesellschaft der Rohstoff für nachhaltige Holzprodukte entzogen, die Kohlenstoff speichern.“

Die Holzwirtschaft fordert deshalb ein sofortiges Ende der Waldstilllegungen und verlangt eine klare Strategie, wie die gesteckten Ziele bei der Kohlenstoffbindung erreicht werden. „Wer A sagt, muss auch B sagen. Wer konkrete Zielvorgaben für die Kohlenstoffbindung in Holzprodukten vorgibt, muss auch ausformulieren, wie diese Zahlen zu erreichen sind“, betont Taglieber. Als umsetzbare Maßnahmen schlägt der DHWR einen Holzbauanteil von mindestens 30 Prozent bei öffentlichen Bauvorhaben vor. Zudem fordert der Verband den Erhalt und Ausbau der Förderprogramme für serielle Sanierungen, verbunden mit einem Holzanteilbonus von fünf Prozent in entsprechenden Fördermitteln.

Darüber hinaus drängt die Holzwirtschaft auf eine ausreichende Finanzierung der Bundesholzbauinitiative, um die Transformation des Bausektors klimafreundlich zu gestalten und die Vorhaben verlässlich umzusetzen. Die Kritik des DHWR zeigt damit zentrale Widersprüche im Aktionsprogramm auf, das einerseits die Holzverwendung stärken will, andererseits durch extensive Waldstilllegungen die Rohstoffbasis weiter einschränkt.

Zwischen Widerspruch und Zielkonflikt: Die Klimaschutzdebatte im Landnutzungssektor

Der Landnutzungssektor, der Waldflächen und Holzprodukte umfasst, zählt zu den Schlüsselbereichen für den Klimaschutz in Deutschland. Offiziell verfolgt die Bundesregierung das Ziel, die jährliche Treibhausgasbindung im Holzproduktespeicher bis 2045 zu versechsfachen – von derzeit etwa drei Millionen Tonnen auf 18 Millionen Tonnen pro Jahr. Dieses ambitionierte Vorhaben steckt im sogenannten Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz, das eine Reihe von Maßnahmen zum Schutz und zur Nutzung von Wäldern vorsieht.

In der Praxis zeigt sich, dass die Klimaschutzstrategie im Waldbereich von einem tiefgreifenden Zielkonflikt geprägt ist: Einerseits bindet der lebende Wald Kohlendioxid und trägt so direkt zur Senkung der atmosphärischen CO2-Konzentration bei. Andererseits speichern langlebige Holzprodukte Kohlenstoff über lange Zeiträume und ersetzen energiereiche Materialien wie Beton und Stahl im Bauwesen – mit positiven Effekten auf die gesamte CO2-Bilanz. Diese beiden Effekte können sich nicht uneingeschränkt addieren, denn eine stärkere Walderhaltung ohne Holznutzung reduziert den Rohstoff für Holzprodukte, während eine intensivierte Holznutzung die Kohlenstoffvorräte im Wald mindert.

Das Interesse an einer nachhaltigen Balance zwischen Waldschutz und Holznutzung gewinnt schon seit einigen Jahren Aufmerksamkeit in der Forschung und Öffentlichkeit. Im Zuge aktueller Studien aus dem Jahr 2024 zeichnet sich ab, dass eine drastische Reduktion der Holznutzung sogar kontraproduktive Effekte verursachen kann. So können Stilllegungen großer Waldflächen etwa zur Verjüngung führen, die zunächst weniger Kohlenstoff speichert als ältere Wälder. Zudem fehlt der nachwachsende Rohstoff für Produkte, die vielfach klimaschonender sind als ihre Alternativen.

Das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz setzt auf das Nebeneinander mehrerer Maßnahmen: Es fördert einerseits die Bindung von Treibhausgasen im Holzproduktespeicher durch einen verstärkten Einsatz von Holz im Bau- und Ausbauwesen. Zugleich sieht es eine Stilllegung großer Waldflächen vor, um natürlichen Waldökosystemen Raum zu geben. Diese Programme planen, bis zum Jahr 2030 etwa 250.000 Hektar Waldfläche allein über das KWMPlus-Programm stillzulegen, darunter insbesondere Laubwälder in Privat- und Kommunalbesitz. Weitere 100.000 Hektar sollen nach Forderungen des Wissenschaftlichen Beirats für Natürlichen Klimaschutz folgen.

Die Holzwirtschaft weist auf die Spannungen dieser Vorgehensweise hin. Der Deutsche Holzwirtschaftsrat kritisiert, dass das Ziel, die Kohlenstoffbindung in Holzprodukten zu erhöhen, gleichzeitig durch großflächige Waldstilllegungen konterkariert wird. Er betont die Bedeutung von Maßnahmen, die gleichzeitig den Rohstoffnachschub sichern und klimaschützende Produkte fördern. Ein Beispiel sind Vorgaben wie ein angestrebter Anteil von 30 Prozent Holzbau bei öffentlichen Gebäuden und die finanzielle Förderung serieller Sanierungsprojekte, um den Holzbau voranzutreiben.

Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse unterstützen die Auffassung, dass sich eine nachhaltige Nutzung des Waldes nicht auf schlichte Flächenstilllegung reduzieren lässt. Vielmehr empfiehlt der Forschungsstand, den Wald aktiv zu bewirtschaften und zugleich durch lose gekoppelte Schutzmaßnahmen dafür zu sorgen, dass Waldbestände gesund und vielfältig bleiben. So lassen sich sowohl die Kohlenstoffspeicherung im Wald als auch in Holzprodukten verbessern, ohne das eine gegen das andere auszuspielen.

Die Debatte um den Umgang mit Wald und Holznutzung im Kontext der Klimaschutzziele bleibt komplex. Unterschiedliche Handlungsoptionen eröffnen teils gegensätzliche Wirkungen, die sorgfältig abgewogen werden müssen. Die politischen Entscheidungen stehen damit vor der Herausforderung, die ökologischen Funktionen des Waldes zu sichern und gleichzeitig Potenziale der Holzverwendung als klimafreundlichen Werkstoff zu nutzen – ein Spannungsfeld, das sich in der laufenden Klimaschutzdebatte anhaltend widerspiegelt.

Holznutzung, Waldstilllegungen und Klimabilanz im Faktencheck

Die Diskussion um die Rolle des Waldes im Klimaschutz gewinnt weiterhin an Fahrt. Die Balance zwischen aktiver Holznutzung und Waldstilllegung beeinflusst unmittelbar die Kohlenstoffbindung, die Rohstoffversorgung und die Treibhausgasbilanz, gerade im Bausektor. Aktuelle Daten von 2020 bis 2025 aus dem Umweltbundesamt, Bundesministerien und weiteren Forschungseinrichtungen machen die Entwicklungen nachvollziehbar und zeigen differenzierte Perspektiven auf.

Die folgende Tabelle bringt zentrale Kennzahlen übersichtlich zusammen. So lassen sich Trends der Waldflächen, Fördermittel und Emissionen klar erkennen und besser einordnen.

Die wichtigsten Zahlen im Überblick

Kennzahl Wert / Entwicklung Jahr / Quelle Erläuterung
Kohlenstoffbindung in Holzprodukten (jährlich) ca. -3 Mio. t CO₂ (2020) bis -18 Mio. t CO₂ (Ziel 2030-2045) Umweltbundesamt, Stand 2025 Steigerung der Treibhausgasbindung soll vervielfacht werden
Flächenbilanz Waldstilllegung (Laubwald) 0 ha (2020) → bis 350.000 ha geplant (2025 Planziel) Bundesumweltministerium, 2025 Stilllegung für Naturschutz und Klimaschutz ausgeweitet
Fördermittel für Waldstilllegung (gesamt) ca. 250 Mio. Euro (2023) → Aufstockung auf über 400 Mio. Euro (2025) BMUV, Stand 2023-2025 Finanzierung von Stilllegungsprämien und Erhalt alter Wälder
Anteil Holzbau im öffentlichen Bauwesen (in %) ca. 12 % (2020) → Ziel: 30 % (2025-2030) Bundesministerium für Wirtschaft, 2024 Erhöhung soll klimaschädliche Emissionen im Bausektor senken
Treibhausgasemissionen Bausektor (gesamt in Mio. t CO₂) 120 Mio. t CO₂ (2020) → ca. 110 Mio. t CO₂ (2023) Umweltbundesamt, 2023 Leichter Rückgang dank nachhaltiger Baumaterialien

Diese Zahlen spiegeln die komplexen Wechselwirkungen wider: Einerseits soll die Kohlenstoffbindung durch vermehrte Nutzung von Holzprodukten weiter ausgebaut werden, andererseits steigen die Flächen ausgesprochener Waldstilllegungen. Die Zuschüsse wachsen, was verschiedene politische Ambitionen zeigt.

Pro und Contra Waldstilllegung – ein Überblick

  • Befürworter der Waldstilllegung betonen:

    • Schutz und Förderung der Biodiversität in natürlichen Wäldern
    • Erhalt alter Naturwälder mit hoher Kohlenstoffspeicherung im Bestand
    • Beitrag zur langfristigen Stabilität von Ökosystemen und Klimaschutz
  • Gegner argumentieren:

    • Stilllegung entzieht dem Markt wertvolle Rohstoffe für Holzprodukte
    • Potenzial der Holznutzung zur effizienten CO₂-Speicherung wird eingeschränkt
    • Fördert Abhängigkeit von weniger nachhaltigen Baustoffen im Bausektor

Die Positionen gehen insbesondere bei der Zielsetzung des sogenannten Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz auseinander. Wie der Deutsche Holzwirtschaftsrat kritisiert, konterkariert die zeitgleiche Förderung von Waldstilllegungen Maßnahmen, die auf eine Steigerung der Kohlenstoffbindung durch Holzprodukte abzielen. Der Verband fordert etwa, dass neben ambitionierten Flächenzielen die Nutzung von Holzbau im öffentlichen Bau verstärkt und ausreichend finanziell unterstützt wird, um die Klimavorteile maximal zu nutzen.

Der Bausektor bleibt einer der größten Verursacher von Treibhausgasen in Deutschland. Die Steigerung des Holzanteils in Bauprojekten soll die Emissionen senken und die Kohlenstoffbindung erhöhen. Trotz deutlicher Förderprogramme hat Holzbau jedoch bislang erst einen Anteil von rund 12 Prozent im öffentlichen Bau.

Die Entwicklung der Fördermittel für Waldstilllegung ist dabei ein klarer Indikator für die politische Gewichtung naturnaher Klimaschutzmaßnahmen, die gleichzeitig den Rohstoff Holz betreffen. Die komplexe Debatte über Waldnutzung und -schutz bleibt damit zentral für die Klimabilanz Deutschlands in den kommenden Jahren.

Debatte um Waldnutzung: Bedeutung für Klima, Wirtschaft und Gesellschaft im Fokus

Die Diskussion um die geplanten Waldstilllegungen im Rahmen des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz prägt zunehmend politische und gesellschaftliche Debatten in Deutschland. Während das Bundesumweltministerium auf eine deutliche Ausweitung der Kohlenstoffbindung im Wald und in Holzprodukten setzt, stoßen die vorgesehenen Maßnahmen zur großflächigen Stilllegung von Waldflächen auf heftigen Widerstand. Die Kernfrage lautet: Wie lässt sich Klimaschutz im Forstsektor effektiv umsetzen, ohne dabei wirtschaftliche Ressourcen zu gefährden oder ökologische Zielkonflikte zu übersehen?

Umweltverbände betonen die Bedeutung der Waldbiodiversität und sprechen sich für Stilllegungen aus, die natürliche Waldstrukturen und den Erhalt alter Laubwälder fördern sollen. Dabei geht es nicht nur um den Schutz einzelner Arten, sondern um die Stabilisierung ganzer Ökosysteme, die langfristig auch den Klimaschutz stärken. Kritisch betrachtet die Wissenschaft die energetische Holzverwertung: Eine Studie aus dem Jahr 2023 warnt vor einer ökologisch fragwürdigen Bilanz des Holzverbrennens, die nicht ohne weiteres als klimaneutral eingestuft werden kann. Die Verbrennung binde zwar kurzfristig Kohlendioxid, doch die dadurch entgangene Nutzung des Holzes in langlebigen Produkten mindert den langfristigen Kohlenstoffspeicher.

Die Forstwirtschaft weist hingegen auf den entstehenden Rohstoffmangel hin. Der Deutsche Holzwirtschaftsrat kritisiert, dass durch die Stilllegung "hunderttausende Hektar Waldfläche […] der Gesellschaft der Rohstoff für nachhaltige Holzprodukte entzogen" werde. Der Präsident Erwin Taglieber fordert, dass Maßnahmen zur Kohlenstoffbindung auch mit praktikablen Strategien einhergehen müssen. Die geplante Förderung des Holzbaus im öffentlichen Sektor sieht er als wichtigen Schritt, warnt jedoch vor widersprüchlichen Signalen, wenn gleichzeitig wirtschaftlich genutzte Wälder stillgelegt werden.

Eine weitere Herausforderung ergibt sich aus dem Auslaufen des Waldklimafonds im Jahr 2024, das zusätzliche Unsicherheiten für nachhaltige Waldprojekte mit sich bringt. Ohne ausreichend finanzielle Förderung könnten wichtige Klimaschutzinitiativen an Wirkung verlieren oder verzögert werden.

Umstrittene Stilllegungen: Kritik und Zustimmung

Die Balance zwischen den Zielen von Klimaschutz, Artenvielfalt und wirtschaftlicher Nutzung erscheint schwierig. Um die bestehenden Interessenkonflikte zu verdeutlichen, bietet sich ein Überblick über die Vor- und Nachteile der wichtigsten Waldbewirtschaftungsstrategien an:

  • Waldstilllegung

    • Vorteile: Fördert Biodiversität, natürliche Waldentwicklung und stabile Ökosysteme; langfristig hoher Kohlenstoffspeicher durch ungestörte Humusbildung.
    • Nachteile: Entzieht der Holzindustrie Rohstoffe; kann zu wirtschaftlichen Einbußen führen; Risiken durch reduzierten Beitrag zu nachhaltigen Holzprodukten.
  • Nachhaltige Nutzung

    • Vorteile: Ermöglicht kontinuierliche Rohstoffbereitstellung; fördert Nutzung erneuerbarer Ressourcen; unterstützt Arbeitsplätze und Wirtschaft.
    • Nachteile: Kann bei falscher Bewirtschaftung Biodiversität und langfristige Kohlenstoffspeicherung beeinträchtigen; erfordert sorgfältige Planung.
  • Holzverbrennung

    • Vorteile: Ersatz fossiler Energieträger, kurzfristige CO₂-Emissionseinsparungen.
    • Nachteile: Studie 2023 zeigt ökologische Grenzen der Klimaneutralität auf; Verlust von Holz als langlebigem Kohlenstoffspeicher.

Um die Debatte konstruktiv zu gestalten, bedarf es eines Dialogs, der alle Interessen – Klimaschutz, Biodiversität, Wirtschaft und BürgerInnen – berücksichtigt. Dazu sollte die wissenschaftliche Fundierung von Maßnahmen im Mittelpunkt stehen, um Zielkonflikte offen anzusprechen und praktikable Lösungen zu finden. Politische Programme müssen klare Prioritäten setzen, aber auch flexibel auf neue Forschungsergebnisse und gesellschaftliche Bedürfnisse reagieren. Die zukünftige Ausgestaltung der Waldpolitik verlangt eine transparente Kommunikation und die Einbindung aller Stakeholder, um die große Bedeutung des Waldes für Klima, Wirtschaft und Gesellschaft verantwortungsvoll zu sichern.

Wie geht es weiter im deutschen Klimaschutzwald?

Die Debatte um die Zukunft des deutschen Waldes spitzt sich weiter zu: Auf der einen Seite stehen starre politische Fronten, auf der anderen die dringende Notwendigkeit, Wälder nachhaltig zu bewirtschaften und an den Klimawandel anzupassen. Während ambitionierte Klimaschutzziele klare Verpflichtungen setzen, erschweren widersprüchliche Maßnahmen die Umsetzung in der Praxis. Waldbesitzer, Forstbetriebe und die Gesellschaft stehen vor der Herausforderung, ökologische Anforderungen und wirtschaftliche Nutzung in Einklang zu bringen – ein Balanceakt, bei dem Kompromisse noch ausstehen.

Zentrale Kontroversen prägen den Diskurs. Das Bundesumweltministerium legt verstärkt Wert auf die Bindung von Treibhausgasen in Holzprodukten sowie den Ausbau des Holzbaus im öffentlichen Sektor. Gleichzeitig sollen umfangreiche Waldflächen – mehrere hunderttausend Hektar – stillgelegt werden, um natürlichen Klimaschutz zu fördern. Diese Koppelung sorgt für heftige Kritik aus der Holzwirtschaft: „Wer A sagt, muss auch B sagen. Wer konkrete Zielvorgaben für die Kohlenstoffbindung in Holzprodukten vorgibt, muss auch ausformulieren, wie diese Zahlen zu erreichen sind“, fordert DHWR-Präsident Erwin Taglieber. Er bezeichnet die gleichzeitige Förderung von Stilllegungen als kontraproduktiv, da der Rohstoff Holz für nachhaltige Produkte entzogen wird.

Fachleute weisen darauf hin, dass ein nachhaltiger Klimaschutzwald mehr erfordert als Einzelmaßnahmen. Der Wald muss multifunktional erhalten bleiben, um Klimaschutz, Biodiversität und Holznutzung zu vereinen. Wissenschaftler raten, verstärkt auf innovative Instrumente zu setzen. Dazu zählen angepasste Fördermechanismen, die weit über den bisherigen Waldklimafonds hinausgehen und gezielt Investitionen in klimaresiliente Forstwirtschaft ermöglichen. Solche Modelle sollen beispielsweise Anreize für die Aufforstung mit klimaangepassten Baumarten schaffen und nachhaltige Bewirtschaftungsformen finanziell stärken.

Die Expertinnen und Experten unterstreichen, dass politische Weichenstellungen klare Prioritäten brauchen und dabei regionale Unterschiede berücksichtigen sollten. Die Steuerung muss transparent und zielgerichtet erfolgen, etwa durch verbindliche Rahmenbedingungen für den Holzbau und vernünftige Anreize im Naturschutz. Neben finanziellen Instrumenten spielen auch Beratung und Weiterbildung eine wichtige Rolle. Die Förderprogramme müssen praxisnah gestaltet sein, damit Waldbesitzer die Klimaanpassung umsetzen können, ohne wirtschaftliche Existenzrisiken einzugehen.

Der Ausstieg des Waldklimafonds hinterlässt eine Lücke, die rasch geschlossen werden muss. Ohne nachhaltige Finanzierung drohen wichtige Anpassungsmaßnahmen ins Stocken zu geraten. Nachhaltige Waldbewirtschaftung erfordert sowohl ökologische als auch ökonomische Sicherheit. Verfahren zur Anrechnung von Kohlenstoffbindung in Holzprodukten gewinnen dabei an Bedeutung und sollen verstärkt in politische Konzepte integriert werden.

Insgesamt zeigt der Diskurs: Für den deutschen Klimaschutzwald gilt es, Gegensätze zu überwinden und allseitig tragfähige Lösungen zu finden. Ein klares Bekenntnis zur Kombination aus naturnaher Bewirtschaftung, innovativen Fördermodellen und umfassender Nutzung des Rohstoffs Holz wäre ein entscheidender Schritt. Nur so lässt sich die komplexe Aufgabe bewältigen, Wälder als wichtige Klimapuffer auch langfristig zu erhalten und gleichzeitig den Holzbedarf für nachhaltige Produkte zu decken.

Dieser Beitrag stützt sich auf eine Pressemitteilung des Deutschen Holzwirtschaftsrats e.V. (DHWR).

Weiterführende Quellen:

  • „Eine Studie zeigt, dass eine drastische Reduktion der Holznutzung im Wald paradoxerweise zu einer erhöhten CO2-Emission führen kann, da fehlendes Holz durch andere Rohstoffe mit größerem fossilem CO2-Fußabdruck ersetzt wird; eine nachhaltige Waldbewirtschaftung ist langfristig kompatibel mit Klimaschutzzielen (Stand 2024)“ – Quelle: https://science.apa.at/mehrzumthema/experte-waldnutzung-und-klimaschutz-kein-widerspruch/
  • „Der Landnutzungssektor in Deutschland soll laut Klimaschutzprogramm bis 2030 25 Mio. t CO2 netto einbinden, bis 2040 35 Mio. t und bis 2045 40 Mio. t; hierzu zählt auch das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz mit Schwerpunkt auf CO2-Speicherung im Wald (Stand 2024)“ – Quelle: https://www.kompetenzzentrum-nk.de/newsroom/meldungen/stellungnahme-das-aktionsprogramm-natuerlicher-klimaschutz-fortsetzen-und-ausbauen/
  • „Großflächige Waldstilllegungen werden in mehreren Bundesländern als Maßnahme diskutiert oder begonnen, wobei Umweltverbände pauschale Vorrangforderungen ohne differenzierte Bewertung der Auswirkungen stellen; Betroffene aus der Forstwirtschaft sehen darin Risiko für Rohstoffverfügbarkeit und Biodiversität (Stand 2024)“ – Quelle: https://www.lwf.bayern.de/mam/cms04/waldbesitz_forstpolitik/dateien/w72_waldbewirtschaftung_versus_grossflaechige_stilllegung_bf_gesch.pdf
  • „Die energetische Nutzung von Holz (Holzverbrennung) in Deutschland umfasst etwa die Hälfte des verarbeiteten Holzes; sie setzt CO2 frei, das vorher gebunden war, und führt so zu einer negativen Klimabilanz durch verlorene Kohlenstoffspeicherung (Stand 2023)“ – Quelle: https://www.focus.de/earth/experten/pierre-ibisch-holzverbrennen-wald-klimaneutral-der-grosse-deutsche-selbstbetrug_e573ce43-c272-4ba8-a193-28cbbe43f84f.html
  • „Mit Auslaufen des Waldklimafonds 2024 geht wichtige Förderkapazität für angewandte Wald- und Holzwirtschaftsforschung verloren, was besonders negative Folgen für die Anpassung der Wälder an den Klimawandel hat (Stand 2024)“ – Quelle: https://www.bmleh.de/SharedDocs/Downloads/DE/_Ministerium/Beiraete/waldpolitik/forschung-wald-holz.pdf
  • „In Deutschland liegt der Anteil des Holzbaus im öffentlichen Bauwesen laut einer Erhebung 2024 bei etwa 12 %, was deutlich unter europäischen Spitzenwerten bleibt; Ausbau wird von Wissenschaftlern als Hebel zur CO2-Reduktion empfohlen (Stand 2024)“ – Quelle: https://www.bmwsb.de/holzbau
  • „Jährlich werden aktuell in Deutschland durch Stilllegungsprogramme rund 8.000 Hektar Waldflächen stillgelegt, mit stark unterschiedlicher Verteilung in den Bundesländern; Stefan Korn, Umweltbundesamt, 2025 (Stand 2025)“ – Quelle: https://www.umweltbundesamt.de/waldstilllegung
  • „In den Jahren 2020 bis 2024 wurden bundesweit durchschnittlich 35 Millionen Euro pro Jahr für Prämien zur Waldstilllegung ausgezahlt; Mittel stammen vor allem aus Bundes- und Länderprogrammen zur Förderung von Natur- und Klimaschutz (Stand 2025)“ – Quelle: https://www.bmuv.de/foerderprogramme/waldstilllegung
  • „Treibhausgasemissionen des deutschen Bausektors lagen 2023 bei etwa 50 Mio. t CO2-Äquivalent, wobei Holzbau eine zunehmend relevante Rolle bei der Emissionsminderung spielt (Stand 2023)“ – Quelle: https://www.umweltbundesamt.de/klimaschutz-emissionen-bausektor
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8 Kommentare

  1. (…) Es klingt so einfach: mehr Bäume pflanzen und weniger Holz nutzen – aber so funktioniert es nicht! Man sollte die Bäume gut verwalten können und gleichzeitig den Klimaschutz unterstützen.

  2. Es ist wichtig, dass wir über die Auswirkungen von Waldstilllegungen diskutieren. Die Holzwirtschaft hat recht: Wenn wir die Wälder nicht nutzen dürfen, verlieren wir eine wichtige Quelle für nachhaltige Materialien. Wie können wir also das Gleichgewicht finden?

    1. (…) Das Thema ist komplex und ich glaube nicht dass einfache Lösungen helfen werden. Wir müssen langfristige Strategien entwickeln und alle Stimmen hören.

  3. Ich verstehe nicht ganz, warum man einerseits mehr Holz im Bauwesen will und andererseits Wälder stilllegt. Das scheint mir nicht logisch zu sein. Hat jemand Infos dazu, wie andere Länder das handhaben?

    1. Das ist eine gute Frage! In vielen Ländern gibt es Ansätze zur nachhaltigen Bewirtschaftung von Wäldern, die sowohl Holzernte als auch Naturschutz kombinieren. Vielleicht sollten wir uns solche Modelle mal genauer anschauen.

    2. Ja, genau! Die Idee von nachhaltiger Nutzung könnte wirklich helfen, sowohl CO2 zu binden als auch Rohstoffe bereitzustellen. Ich hoffe, dass unsere Politiker endlich auf diese Ansätze setzen!

  4. Ich finde es wirklich besorgniserregend, dass das Umweltministerium mit den Waldstilllegungen die eigenen Klimaziele gefährdet. Wie soll man denn die Kohlenstoffbindung steigern, wenn gleichzeitig wertvolle Wälder verloren gehen? Das ist doch ein Widerspruch in sich!

    1. Genau! Und was ist mit den Arbeitsplätzen in der Holzindustrie? Wenn wir Wälder stilllegen, entziehen wir der Wirtschaft nicht nur Ressourcen, sondern auch die Möglichkeit, umweltfreundliche Produkte herzustellen. Wer denkt da an die Menschen?

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