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Holz zwischen Werkstoff und Wärme: Warum die Vorrangdebatte neu entbrennt

Die Bundesregierung will die Biomasseverordnung ändern und Holz stärker auf eine stoffliche Nutzung ausrichten. Verbände halten das für zu pauschal und verweisen auf sinkende Absätze, offene Marktfragen und die Rolle von Holz in der Wärmeversorgung.

Inhaltsverzeichnis

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Das Wichtigste in Kürze

  • Politik plant Vorrangregel für stoffliche Holznutzung zur Umsetzung von EU-Vorgaben, mit Ausnahmen für Versorgungssicherheit.
  • Verbände kritisieren pauschale Vorrangregel, da sie marktgerechte Nutzungsketten und schwache Holzsortimente beeinträchtigen könnte.
  • Die Holznachfrage für Papier, Zellstoff und Holzwerkstoffe ist rückläufig, während Holz auch wichtige Rolle in der Wärmeversorgung spielt.
  • Waldbesitzer betonen Bedeutung energetischer Nutzung für Waldpflege und klimaresiliente Waldbewirtschaftung.
  • Debatte dreht sich um staatliche Lenkung versus Marktspielraum bei konkurrierender Nutzung von Holz als Rohstoff und Brennstoff.

Holz ist zugleich Rohstoff für Produkte und Brennstoff für Wärme. Genau daraus entsteht der Konflikt: Wenn die Politik eine Nutzung vor die andere stellen will, wirkt sich das direkt auf Märkte, Preise und Versorgung aus.

Auslöser der aktuellen Debatte ist das Verfahren des Bundeswirtschaftsministeriums zur Zweiten Verordnung zur Änderung der Biomasseverordnung. Die Regelung soll nach Angaben der Bundesregierung die EU-Vorgaben aus RED III umsetzen und Holzbiomasse stärker auf eine „wertvolle“ stoffliche Nutzung ausrichten. Ausnahmen sind vorgesehen, wenn die Versorgungssicherheit oder eine fehlende höherwertige lokale Nutzung dagegen sprechen. Genau an diesem Punkt setzen der Fachverband Holzenergie (FVH), AGDW – Die Waldeigentümer und die Familienbetriebe Land und Forst mit ihrer gemeinsamen Stellungnahme an.

Die Verbände halten eine pauschale Vorrangregel für die stoffliche Nutzung für den falschen Ansatz. Ihrer Ansicht nach passen die politischen Pläne nicht zu den tatsächlichen Marktverhältnissen und könnten funktionierende Nutzungsketten eher unter Druck setzen als stärken.

Worauf die Verbände ihre Kritik stützen

Im Mittelpunkt ihrer Argumentation stehen aktuelle Marktdaten, die auf sinkende Absatzmöglichkeiten für bestimmte Holzsortimente hindeuten sollen. Gemeint sind vor allem Schwachholzsortimente, also Holz mit geringerer Stärke oder Qualität, das sich nicht für jede Nutzung gleich gut eignet.

Für die Papier- und Zellstoffindustrie nennen die Verbände einen Rückgang des Faserholzeinsatzes von 10,6 Millionen Festmetern im Jahr 2010 auf 7,6 Millionen Festmeter im Jahr 2025. Ein Festmeter, kurz fm, entspricht einem Kubikmeter Holz ohne Zwischenräume. Nach dieser Entwicklung wurde vor 15 Jahren noch deutlich mehr Holz in diesem Industriezweig eingesetzt als heute.

Auch bei den Sägenebenprodukten sehen die Verbände keinen zusätzlichen politischen Lenkungsbedarf. Das Angebot liege bei rund 17 Millionen Kubikmetern, die stoffliche Nachfrage bei gut 9 Millionen Kubikmetern. Sägenebenprodukte sind etwa Späne, Hackschnitzel oder Rinde, die bei der Verarbeitung von Stammholz anfallen und weiterverwendet werden können.

Die Produktion der deutschen Holzwerkstoffindustrie habe sich ebenfalls rückläufig entwickelt, so die Darstellung. Sie sei von 7,9 Millionen Kubikmetern im Jahr 2019 auf 7,1 Millionen Kubikmeter im Jahr 2024 gesunken, unterbrochen nur durch einen Ausreißer im Jahr 2021. Wie die Daten im Einzelnen erhoben und zusammengeführt wurden, geht aus der Mitteilung nicht im Detail hervor.

Wo die politische Steuerung ansetzen soll

Die politische Gegenposition folgt einer anderen Logik. Das Bundeswirtschaftsministerium will mit der Novelle der Biomasseverordnung nach eigenen Angaben Holzbiomasse stärker an einer höherwertigen, also stofflichen Nutzung ausrichten. Dahinter steht die Frage, ob knappe oder zumindest begrenzt verfügbare Holzsortimente zuerst in langlebige Produkte gehen sollen, bevor sie verbrannt werden.

Gleichzeitig bleibt Holz ein wichtiger Faktor in der Wärmeversorgung. Nach Daten des Umweltbundesamts ist feste Biomasse, insbesondere Holz, weiterhin ein zentraler Bestandteil der erneuerbaren Wärme. Nach den Gaspreisspitzen 2021 und 2022 lag der Holzeinsatz 2023 und 2024 wieder näher am Vorkrisenniveau. Der Markt für Holz ist damit nicht nur eine Frage der Industrie, sondern auch der Energieversorgung.

Eine UBA-Studie vom Oktober 2025 ordnet die Klimawirkung der energetischen Holznutzung ebenfalls differenziert ein. Demnach sollten Holzstrom und Holzwärme nicht pauschal als klimaneutral behandelt werden; Förderungen sollten an Nachhaltigkeits- und Treibhausgas-Kriterien gebunden sein. Die Debatte richtet sich damit stärker auf die tatsächliche Klimabilanz einzelner Anwendungen als auf einfache Pauschalurteile.

Was eine Vorrangregel für Betriebe und Waldbesitzer bedeuten könnte

Für Waldbesitzer, Sägewerke und Betriebe entlang der Wertschöpfungskette geht es nicht nur um politische Grundsatzfragen, sondern um sehr praktische Folgen. Die Verbände warnen vor zusätzlichen bürokratischen Vorgaben, vor Druck auf Holzpreise und vor Eingriffen in Marktbeziehungen, die aus ihrer Sicht bereits funktionieren.

Prof. Andreas Bitter, Präsident der AGDW – Die Waldeigentümer, betont in der Stellungnahme, dass regelmäßige Waldpflege die Voraussetzung für stabile und klimaresiliente Wälder sei. Bei diesen Pflegemaßnahmen falle in aller Regel Holz an, das häufig nur energetisch genutzt werden könne. Die Vermarktung solcher Brennholzsortimente sei deshalb wichtig, um die Pflege und den klimaangepassten Waldumbau mitzufinanzieren.

Max von Elverfeldt, Vorsitzender der Familienbetriebe Land und Forst, verweist vor allem auf Holzsortimente wie Schwachholz, Waldrestholz und Landschaftspflegematerial. Für diese Materialien gebe es häufig keine wirtschaftlich tragfähige stoffliche Alternative, so seine Einschätzung. Wer die energetische Nutzung politisch einschränke, schwäche damit die wirtschaftliche Grundlage von Waldbesitzern und erschwere Investitionen in klimaresiliente Wälder.

Offen bleibt allerdings, wie weit eine künftige Vorrangregel tatsächlich reichen würde. Aus der Mitteilung geht nicht hervor, welche Holzsortimente konkret betroffen wären, wie streng die Ausnahmen greifen sollen und wie sich das im Alltag für Betriebe niederschlagen würde. Genau diese Details dürften darüber entscheiden, ob die Verordnung vor allem ordnet oder neue Probleme schafft.

Der Konflikt ist vor allem eine Frage der Ordnungspolitik

Im Kern geht es um einen klassischen Zielkonflikt: Soll der Staat Holzströme stärker lenken, um bestimmte Nutzungen zu bevorzugen, oder soll er dem Markt mehr Spielraum lassen? Die Verbände setzen klar auf Letzteres und sehen stoffliche sowie energetische Nutzung als ergänzende Bestandteile einer nachhaltigen Bioökonomie.

Für die Praxis ist entscheidend, wie weit die Politik bei der Umsetzung der Biomasseverordnung gehen will und welche Ausnahmen sie zulässt. Davon hängt ab, ob sich die angekündigte Lenkung im Alltag überhaupt bemerkbar macht oder ob sie funktionierende Nutzungsketten an Stellen belastet, an denen der Markt bislang selbst Lösungen gefunden hat.

Die Debatte um Holz ist damit kein Schwarz-Weiß-Thema. Sie bewegt sich zwischen Klimaschutz, Versorgungssicherheit, Rohstoffbedarf und der Frage, wie viel staatliche Steuerung ein ohnehin knapper Markt verträgt.

Was von der Vorrangregel im Alltag ankommt

Für Leser aus Vereinen, Verbänden oder der öffentlichen Verwaltung ist vor allem die Richtung der Regelung relevant: Sie würde nicht nur eine Branchenfrage berühren, sondern auch die Abwägung zwischen Energieversorgung und stofflicher Nutzung neu ordnen.

Ob daraus tatsächlich ein zusätzlicher Nutzen entsteht, hängt von der konkreten Ausgestaltung ab. Noch offen ist, welche Betriebe welche Nachweise erbringen müssten und wie stark die vorgesehenen Ausnahmen im Alltag tragen.

Die Debatte zeigt vor allem eines: Bei Holz geht es längst nicht nur um einen Rohstoff, sondern um mehrere konkurrierende Verwendungen. Wie die Politik diese Nutzungskonflikte auflöst, dürfte für die Praxis wichtiger sein als jede grundsätzliche Formel.

Quellen

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