– Professor Stefan M. Maul wird als „Hochschullehrer des Jahres“ für seine Arbeit im Irak ausgezeichnet.
– Er erforscht und sichert in Mosul das vorislamische Kulturerbe wie die Ruinen des antiken Ninive.
– Die Auszeichnung ist mit 10.000 Euro dotiert und wird im März 2026 in Berlin verliehen.
Auszeichnung für den Schutz des antiken Erbes
Der Deutsche Hochschulverband (DHV) hat Professor Stefan M. Maul von der Universität Heidelberg zum „Hochschullehrer des Jahres“ gekürt. Der Altorientalist erhält die Ehrung für seine gefährliche und wegweisende Arbeit: Er leitet die Feldforschung an den Ruinen des antiken Ninive und entwickelt Konzepte zum Schutz des vorislamischen Kulturerbes.*
DHV-Präsident Professor Dr. Dr. h.c. Lambert T. Koch würdigt in der Begründung die besonderen Umstände und die weitreichende Bedeutung von Mauls Engagement:
„Die Forschungen sind keineswegs ungefährlich und können nur unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen stattfinden. Und dennoch hat sich Herr Kollege Maul auch unter Inkaufnahme von Rückschlägen um die Wiederbelebung der durch Krieg und Terror darniederliegenden Altertumswissenschaften im Irak große Verdienste erworben.“
Koch verweist dabei auch auf die politische Dimension der Arbeit. Die Besinnung auf das gemeinsame mesopotamische Erbe könne im gespaltenen Irak eine identitätsstiftende Wirkung entfalten: „Daran geknüpft sind durchaus auch weiterreichende politische Hoffnungen“, so der Verbandspräsident.
Besonders hebt Koch hervor, wie Mauls Einsatz die Relevanz auch kleinerer akademischer Disziplinen unter Beweis stellt:
„Herr Kollege Maul setzt sich im wahrsten Sinne des Wortes mit Leib und Seele für den Erhalt von Kulturgut ein. Durch sein wegweisendes Engagement führt er zugleich eindrucksvoll vor Augen, welch hohen Wert die sogenannten ‚kleinen Fächer‘ für die Universität als ‚Universitas litterarum‘ haben.“
Die Auszeichnung ist mit 10.000 Euro dotiert.* Die offizielle Verleihung findet am 23. März 2026 im Rahmen der „Gala der Deutschen Wissenschaft“ in Berlin statt. Der DHV, die bundesweite Berufsvertretung der Wissenschaftler, zählt rund 34.000 Mitglieder.*
Parallel wird Professorin Dr. Anna Lene Seidler von der Universitätsmedizin Rostock als „Nachwuchswissenschaftlerin des Jahres“ ausgezeichnet. Ihr Preis ist mit 5.000 Euro dotiert.*
Institutionelle Grundlagen: Wer die Arbeit in Mosul ermöglicht
Die archäologischen und akademischen Initiativen in und um Mosul sind das Ergebnis einer gezielten institutionellen Zusammenarbeit. Sie bauen auf Strukturen auf, die bereits vor dem Beginn der konkreten Feldarbeit geschaffen wurden. Den Ausgangspunkt bildete die Gründung des Irakisch-Deutschen Zentrums für Archäologie und Assyriologie, das im Juli 2017 seine Arbeit aufnahm und später verstetigt wurde (Stand: 2024)*. Diese Einrichtung schuf eine dauerhafte Plattform für den wissenschaftlichen Austausch zwischen beiden Ländern.
Auf dieser Basis konnte Professor Stefan M. Maul ab 2019 die wissenschaftliche Leitung für die Erforschung der antiken Ruinen bei Mosul übernehmen (Stand: 2025)*. Seine Projekte konzentrieren sich auf die Sicherung des vorislamischen Kulturerbes und die Entwicklung nachhaltiger Schutzkonzepte. Diese Arbeit wäre ohne finanzielle und strukturelle Unterstützung undenkbar.
Wer finanziert und kooperiert?
Die VolkswagenStiftung spielt eine Schlüsselrolle, indem sie die strukturelle Förderung kleiner Fächer wie der Altertumswissenschaften im Irak finanziell unterstützt (Stand: vor 2024). Diese Mittel sind essenziell für die konkrete Umsetzung vor Ort. So absolvieren irakische Studierende in Mosul beispielsweise ein vierwöchiges Intensivtraining in Assyrisch-Babylonischer Grammatik, Keilschriftkunde und Altorientalischer Geschichte (Stand: 2024).
Die Zusammenarbeit trägt Früchte: An der Universität Mosul wird inzwischen wieder Altertumswissenschaft gelehrt. Der irakische Antikendienst unterhält dort eine Niederlassung, und für das zerstörte Antikenmuseum existieren konkrete Pläne zur Wiedereröffnung in den kommenden Jahren (Stand: 2024)*. Diese Entwicklung markiert einen bedeutenden Schritt – die Rückkehr der akademischen Archäologie in eine Region, die ihr reiches kulturelles Erbe fast verloren hätte.
Archäologie als Motor für den gesellschaftlichen Neuaufbau
Die Arbeit in den Ruinen von Ninive zielt auf mehr als die Vergangenheit. In einer Stadt mit komplexer Geschichte zeigt das Engagement von Stefan M. Maul und seinem Team, wie Altertumswissenschaften zum gesellschaftlichen Wiederaufbau beitragen können. Dieser Prozess verläuft auf mehreren Ebenen, von der direkten Ausbildung junger Menschen bis hin zu einer vorsichtigen politischen Hoffnung.
Bildung und Kapazitätsaufbau
Der Grundstein wird in den Hörsälen und auf den Ausgrabungsfeldern gelegt. Die Wiederbelebung akademischer Strukturen ist ein zentrales Element. So absolvieren irakische Studierende in Mosul ein vierwöchiges Intensivtraining in Assyrisch-Babylonischer Grammatik, Keilschriftkunde und Altorientalischer Geschichte* Diese praxisnahe Ausbildung an Originalen schafft eine neue Generation von Expertinnen und Experten, die das eigene kulturelle Erbe aus erster Hand verstehen und schützen können. Parallel dazu etabliert sich die akademische Infrastruktur neu: An der Universität Mosul wird wieder Altertumswissenschaft gelehrt, der Antikendienst hat eine Niederlassung, und das zerstörte Antikenmuseum soll in den nächsten Jahren wiedereröffnet werden* Diese institutionellen Säulen sind unverzichtbar, um Wissen dauerhaft zu verankern und unabhängige Forschung zu ermöglichen. Finanzielle Unterstützung für solche strukturellen Maßnahmen kommt unter anderem von der VolkswagenStiftung, die die Förderung kleiner Fächer im Irak unterstützt*
Kulturerbe als Brücke?
Über die wissenschaftliche und institutionelle Arbeit hinaus weckt das Projekt weiterreichende gesellschaftliche Hoffnungen. In einem politisch und religiös gespaltenen Land wie dem Irak könnte das gemeinsame mesopotamische Erbe, das weit vor die heutigen Konfliktlinien zurückreicht, eine verbindende Rolle spielen. Die Besinnung auf diese tief verwurzelte Geschichte bietet eine mögliche Grundlage für eine gemeinschaftsstiftende Identität jenseits aktueller Spaltungen. Diese Idee der Archäologie als Friedensarbeit ist ein kraftvolles Narrativ, das die Projekte in Mosul begleitet.
Die konkreten Wirkungspfade lassen sich in drei Feldern zusammenfassen:
- Ausbildung: Die Schaffung von Fachwissen vor Ort durch intensive Trainingsprogramme und den Wiederaufbau der universitären Lehre.
- Schutz des Erbes: Der physische Erhalt und die museale Präsentation von Kulturgütern durch die Arbeit des Antikendienstes und die geplante Museumswiedereröffnung.
- Symbolische Versöhnung: Die Nutzung des gemeinsamen vorislamischen Erbes als potenzielles identitätsstiftendes Element in einer gespaltenen Gesellschaft.
Diesen ambitionierten Zielen stehen jedoch erhebliche Herausforderungen gegenüber. Die Sicherheitslage in der Region um Mosul bleibt angespannt, und Forschungen können nur unter strengsten Vorkehrungen stattfinden. Ob das kulturelle Erbe tatsächlich die Kraft besitzt, tiefe gesellschaftliche Gräben zu überbrücken, muss sich erst in der langfristigen Praxis beweisen. Die Arbeit in Ninive ist daher auch ein behutsames Experiment – ein Versuch, mit den Mitteln der Wissenschaft nicht nur Steine, sondern auch gesellschaftliches Vertrauen wieder aufzubauen.
Die Zukunft der Arbeit in Ninive: Nachhaltigkeit als zentrale Herausforderung
Die Auszeichnung von Stefan M. Maul als „Hochschullehrer des Jahres“ markiert einen wichtigen Moment der öffentlichen Anerkennung. Sie lenkt den Blick auf ein Projekt, dessen eigentliche Bewährungsprobe noch bevorsteht: die langfristige Verankerung der wiederbelebten Altertumswissenschaften im Irak.
Die Fortsetzung der praktischen Trainings für irakische Studierende und Fachkräfte vor Ort bildet das Fundament. Die Ausbildung an Originalen wird unter anderem durch die VolkswagenStiftung gefördert (Stand: vor 2024). Die entscheidende Herausforderung liegt in der nachhaltigen Finanzierung und institutionellen Absicherung dieser Bemühungen über die Projektförderung hinaus. Hier kommt Einrichtungen wie dem Irakisch-Deutschen Zentrum, das im Juli 2017 seine Arbeit aufnahm (Stand: 2024)*, eine potenziell tragende Rolle zu. Solche Institutionen könnten als dauerhafte Ankerpunkte für den akademischen Austausch und die Wissensvermittlung fungieren.
Mehrere zentrale Fragen bleiben offen. Die Sicherheitslage in und um Mosul stellt nach wie vor eine permanente Rahmenbedingung dar, die jede Aktivität beeinflusst*. Die Nachhaltigkeit der neu aufgebauten Ausbildung muss sich erst in der Praxis beweisen. Werden die ausgebildeten Fachkräfte langfristig Perspektiven im Land finden, bleibt abzuwarten*. Ein symbolträchtiges Ziel ist die angekündigte Wiedereröffnung des Antikenmuseums in Mosul (Stand: 2024). Das wäre nicht nur ein kulturelles, sondern auch ein politisches Signal für die Rückkehr der Normalität und die Wertschätzung des eigenen, vielschichtigen Erbes.
Die Verleihung des Preises an Stefan M. Maul unterstreicht eindrücklich, welch gesellschaftliche Relevanz und Strahlkraft von den sogenannten kleinen Fächern ausgehen kann, wenn ihr Wissen aktiv in die Welt getragen wird.
Die nachfolgenden Angaben und Zitate basieren auf einer Pressemitteilung des Deutschen Hochschulverbands.
Weiterführende Quellen:
- „Das Irakisch-Deutsche Zentrum für Archäologie und Assyriologie nahm im Juli 2017 seine Arbeit auf und wurde verstetigt (Stand: 2024).“ – Quelle: https://www.dainst.org/dai-standorte/orient-abteilung/aussenstelle-baghdad/themen-visionen
- „An der Universität Mosul wird wieder Altertumswissenschaft gelehrt, der Antikendienst hat eine Niederlassung, und das zerstörte Antikenmuseum soll in den nächsten Jahren wiedereröffnet werden (Stand: 2024).“ – Quelle: https://www.volkswagenstiftung.de/de/news/story/archaeologie-als-wiederaufbau-altorientalistik-mosul
- „Irakische Studierende absolvieren in Mosul ein vierwöchiges Intensivtraining in Assyrisch-Babylonischer Grammatik, Keilschriftkunde und Altorientalischer Geschichte (Stand: 2024).“ – Quelle: https://www.volkswagenstiftung.de/de/news/story/archaeologie-als-wiederaufbau-altorientalistik-mosul
- „Die VolkswagenStiftung unterstützt finanziell die strukturelle Förderung kleiner Fächer wie die Altertumswissenschaften im Irak (Stand: vor 2024).“ – Quelle: https://www.volkswagenstiftung.de/de/news/story/archaeologie-als-wiederaufbau-altorientalistik-mosul
- „Unter der wissenschaftlichen Leitung von Professor Stefan M. Maul werden seit 2019 die Ruinen antiker Stätten bei Mosul erforscht und Konzepte zum Schutz des vorislamischen Kulturerbes entwickelt (Stand: 2025).“ – Quelle: https://nachrichten.idw-online.de/2025/12/04/professor-stefan-m-maul-ist-hochschullehrer-des-jahres
7 Antworten
„Die Arbeit in Mosul könnte wirklich eine Brücke zwischen den Kulturen sein.“ Ja genau! Ich frage mich oft, wie Bildung dazu beitragen kann, Frieden zu schaffen. Was denkt ihr darüber?
Die Auszeichnung für Professor Maul ist total verdient! Er tut so viel für den Erhalt unserer Kultur und Geschichte. Gibt es denn schon Pläne für die Wiedereröffnung des Museums in Mosul? Das wäre ein tolles Zeichen!
Das wäre wirklich super! Ein Museum könnte viele Menschen inspirieren und zeigen, wie wichtig unser Erbe ist.
Klar! Das gemeinsame Erbe könnte auch helfen, Spannungen im Land zu reduzieren. Wie seht ihr das?
Ich finde es beeindruckend, was Professor Maul macht. Die Ruinen von Ninive sind echt wichtig für unsere Geschichte. Wie kann so eine Arbeit in einem so gefährlichen Umfeld gelingen? Ich bewundere seinen Mut!
Ja, das ist echt mutig! Aber was denkt ihr, wie lange wird es dauern, bis die Ausbildung dort richtig funktioniert? Es ist ja auch eine große Verantwortung.
Ich hoffe, dass das Projekt auch langfristig Erfolg hat! Vielleicht sollte man mehr solcher Initiativen unterstützen. Was denkt ihr?