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Herbstliche Sturzgefahr: Was älteren Menschen jetzt helfen kann

Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie warnt vor zusätzlichen Risiken durch Nässe, Dunkelheit und Laub. Unabhängige Übersichten stützen vor allem Kraft- und Balancetraining sowie bei älteren Menschen mit erhöhtem Sturzrisiko ein möglichst stolperfreies Wohnumfeld.
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Stiefel auf nassem Boden, fallsichernde Handläufe, herbstliche Laubbereinung, Warnung vor Sturzgefahr bei älteren Menschen.
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Das Wichtigste in Kürze

  • Herbstliche Bedingungen wie nasses Laub erhöhen das Sturzrisiko bei älteren Menschen deutlich.
  • Stürze aus niedriger Höhe sind bei über 80-Jährigen die häufigste Ursache schwerer Verletzungen.
  • Regelmäßiges Training von Kraft und Gleichgewicht sowie Wohnraumanpassungen senken das Sturzrisiko.
  • Gefahrenquellen sind unter anderem schlechte Beleuchtung, lose Teppiche und fehlende Haltegriffe.
  • Medikamenten- und Sehkraft-Checks sind wichtige Bestandteile der Sturzprävention, Änderungen nur ärztlich.

Frühe Dunkelheit, nasse Wege und Laub auf dem Gehweg können für ältere Menschen im Herbst zur Sturzgefahr werden. Davor warnt die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), eine Fachgesellschaft für diese medizinischen Bereiche, in einer Mitteilung vom 23. September. Schon ein Sturz aus dem Stand könne schwerwiegende Folgen haben, sagt ihr Präsident Frank Hildebrand: „Für ältere Menschen kann schon ein Sturz aus dem Stand schwerwiegende Folgen haben, etwa einen Oberschenkelhalsbruch oder eine schwere Kopfverletzung. Im Herbst steigt das Risiko, denn nasses Laub wirkt auf Gehwegen wie Schmierseife. Das spüren wir in den Notaufnahmen unmittelbar“.

Die DGOU verweist zudem auf Daten des TraumaRegister DGU: Bei Menschen über 80 Jahren seien Stürze aus niedriger Höhe die häufigste Unfallursache schwerer Verletzungen – noch vor Verletzungen im Straßenverkehr. Konkrete Fallzahlen und ein Auswertungszeitraum nennt die Mitteilung nicht. Als mögliche Folgen solcher Stürze führt die Fachgesellschaft unter anderem Brüche nahe der Hüfte, am Oberarm, Becken oder an der Wirbelsäule sowie schwere Kopfverletzungen an.

Außenwege und Wohnung im Blick behalten

Die Empfehlungen der DGOU zielen auf Risiken, die sich im Alltag zumindest verringern lassen: Regelmäßiges Training von Kraft, Gleichgewicht und Koordination soll helfen, ebenso gut ausgeleuchtete Treppen, Flure, Eingänge und Wege. Handläufe und Haltegriffe können zusätzlichen Halt geben. Die Gesellschaft rät außerdem zu festen Schuhen mit rutschhemmenden Sohlen – auch in der Wohnung – und dazu, bei Nässe, Dunkelheit, Laub, Schnee oder Eis mehr Zeit einzuplanen. Wenn nötig, könne eine geeignete Gehhilfe sinnvoll sein.

Gerade zu Hause liegen manche Gefahren nah: Die DGOU nennt lose Teppiche und Kabel, schlecht beleuchtete Flure und Treppen sowie fehlende Haltegriffe im Bad als mögliche Stolperfallen. Es geht dabei nicht darum, jede Bewegung abzusichern. Die DGOU rät, Wohnung und Wege regelmäßig auf mögliche Gefahren zu prüfen.

Training und Wohnraumanpassung zeigen messbare Effekte

Für zwei der genannten Ansätze gibt es auch unabhängige Evidenz. Ein Cochrane-Review zu zu Hause lebenden älteren Menschen kommt bei mehrkomponentigen Programmen mit Balance- und Kraftanteilen zu niedrigeren Sturzzahlen. Die Literatursuche dieser Übersichtsarbeit lief bis zum 2. Mai 2018. Ein weiterer Cochrane-Review von 2023 sieht einen Nutzen darin, Gefahren im Wohnumfeld zu beseitigen – allerdings ausdrücklich bei älteren Menschen mit erhöhtem Sturzrisiko.

Ansatz Berichteter Effekt Für wen beziehungsweise unter welcher Bedingung
Mehrkomponentiges Training mit Balance- und Kraftanteilen Sturzrate 34 Prozent niedriger; Zahl der Personen mit mindestens einem Sturz 22 Prozent niedriger Zu Hause lebende ältere Menschen; Cochrane-Review, Literatursuche bis 2. Mai 2018
Gefahren im Wohnumfeld beseitigen Zahl der Stürze kann um 38 Prozent sinken Ältere Menschen mit erhöhtem Sturzrisiko; Cochrane-Review, 2023

Die Zahlen gelten nicht für jeden einzelnen Spaziergang oder jede beliebige Übung. Sie stützen aber den Kern des DGOU-Rats, Bewegung nicht aus Angst vor einem erneuten Sturz aufzugeben. „Aus Angst vor einem Sturz weniger zu laufen, ist meist der falsche Weg“, sagt Carl Neuerburg, Leiter der Sektion Alterstraumatologie der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie. Weniger Bewegung könne Muskelkraft und Gleichgewicht weiter schwächen.

Medikamente nicht auf eigene Faust verändern

Zur Sturzprävention gehören nach Einschätzung der DGOU auch Sehkraft und Medikamente. Wer mehrere Arzneimittel einnimmt oder häufiger Schwindel und Unsicherheit beim Gehen bemerkt, sollte ärztlich klären lassen, ob Medikamente das Risiko beeinflussen können. Wiederholte Stürze können der Fachgesellschaft zufolge ein Hinweis auf nachlassende Kraft, Gleichgewichtsprobleme oder andere gesundheitliche Ursachen sein.

Die britische Leitlinie des National Institute for Health and Care Excellence (NICE) nennt ebenfalls Bewegungsprogramme, die Prüfung des Wohnumfelds, einen Medikationscheck und bei Sehproblemen eine augenärztliche Abklärung als Bestandteile einer strukturierten Sturzprävention. Sie beschreibt auch Vorteile einer Überprüfung von Medikamenten und gegebenenfalls einer Anpassung psychotroper Arzneimittel, wenn dies medizinisch angezeigt ist. Medikamente sollten deshalb nicht eigenständig abgesetzt oder verändert werden.

Quellen

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