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Schutz für die heißeste Stadt Deutschlands Frankfurt am Main

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Mehr als ein Hype – Grüne Dächer als Lebensräume

Die heißeste Stadt Deutschlands ist Frankfurt am Main. Im Stadtteil Westend wurde 2019 die Spitzentemperatur von 40,2 Grad gemessen, gleichzeitig fiel nur noch zwei Drittel der üblichen Niederschläge, 4 000 Bäume mussten gefällt werden. Der Klimawandel – mit mehr Hitze, mehr Trockenheit, dazu Starkregen und Überflutungen – macht einer Metropole mit hoher Verdichtung und Versiegelung daher besonders zu schaffen.

Da passt es, dass gerade in „Mainhattan“ das Projekt „Lebendige Dächer“ exemplarisch erforscht, wie begrünte Dächer in stark erhitzten Städten zur Verbesserung des Klimas beitragen. Und zwar mit einer Biodiversitäts-Bepflanzung. Seit 2019 läuft ein entsprechendes Experiment im Botanischen Garten (unterstützt von der KfW-Stiftung).

Bis 2024 erforscht ein Team, wie das Potenzial bestehender Dachbegrünungen für den Natur- und Artenschutz, vor allem die heimische Pflanzen- und Tierwelt, gesteigert werden kann. Dabei wird getestet, wie geeignet bedrohte heimische Pflanzenarten für Gründächer sind, und es werden Verfahren zur Aufwertung artenarmer Dachbegrünungen erprobt.

Begrünte Hauben sind seit Jahrtausenden ein „alter Hut“, im ausgehenden 20. Jahrhundert wurden sie wieder populär, u.a. durch Friedensreich Hundertwasser und Öko-Architektur wie das Frankfurter „Öko-Haus Arche“ aus den 1990er Jahren. Durch die aktuelle Brisanz des Klimawandels rücken begrünte Dächer besonders in größeren Städten noch mehr in den Focus, denn sie punkten mit etlichen positiven Eigenschaften. Ihre Pflanzen erzeugen als natürliche Klima-Anlagen eine Verdunstungskühlung von 0, 5 bis 1,5 Grad, das schafft im Umfeld ein angenehmeres und gesünderes Klima. Dazu absorbieren die Grün-Dächer Niederschlag wie ein Schwamm, je dicker Drainage und Substrat-Schicht, umso wirkungsvoller.

Sie saugen Wasser auf, ein Teil verdunstet langsam, der Rest wird verzögert in die Entwässerung geleitet. Dies entlastet das Abwassernetz und ist somit gerade bei Starkregen enorm wichtig. Bei extensiver Dachbegrünung kann der Rückhalt des Wassers, so Expert:innen, 50 bis 70 Prozent betragen, bei Intensiver sogar 60 bis 99 Prozent. Ein weiteres Plus: als natürliche Wärmedämmung schützt ein begrüntes Dach im Winter vor Frost und mindert im Sommer die Hitzeeinstrahlung. Mit der Fähigkeit, Feinstaub zu binden, filtern die Pflanzen Schadstoffe aus der Luft, auch das verbessert die urbane Lebensqualität.

Bei „normaler“ Witterung erhält sich eine extensive Begrünung, z. B. mit Sedum und Gräsern, sogar von selbst. Ob pflegeleichtere und günstigere extensive oder planungstechnisch aufwändigere intensive Dachbegrünung, bei der auch Sträucher und Kleinbäume gepflanzt werden können: immer mehr Bauherren und Architekt:innen planen beim Neubau eine Dachbegrünung ein. Im Jahr 2019 kamen 7,2 Millionen Quadratmeter Fläche neu hinzu, so der Marktreport des Bundesverbands Gebäudegrün (BuGG).

Ein wichtiger Aspekt ist, wie die Politik diese Entwicklung zukünftig fordert und fördert. In etlichen Städten sind klimaangepasste Dächer schon Pflicht im Bebauungsplan. Für Investor:innen ist ein Gründach längst nicht mehr chice Kosmetik, sondern ein wertsteigender Imagefaktor. Hotels und Museen verwandeln ihre Dächer in öffentliche Dachgärten, urbane Oasen der Erholung mitten in der Stadt.

Warum also nicht mehr öffentliche Gebäude mit grüner Haube bepflanzen? Noch ein weites Feld für Kommunen und Städte ist die Nachrüstung vorhandener Dachflächen – neben Wohnhäusern auch Industrie- und Geschäftsbauten – die sich effektiv begrünen lassen könnten. Und sei es, ein „grüner Tropfen auf dem heißen Dach“, die Begrünung von Dächern an Bushaltestellen, ein Modellprojekt des ÖPNV in Frankfurt.

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