Grünes Band: Deutschlands größter Biotopverbund wächst weiter und stärkt Naturschutz, Biodiversität und Klimaanpassung

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und seine Partner haben nach sechs Jahren das Projekt „Quervernetzung Grünes Band“ abgeschlossen und damit Deutschlands größten Biotopverbund entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze weiter gestärkt. Dabei wurden mehr als 100 Hektar wertvolle Lebensräume gesichert, rund 700 Hektar Wiesenvogelflächen verbessert und über zehn Kilometer neue ökologische Korridore angelegt. Das vernetzte Netzwerk trägt so entscheidend zum Schutz bedrohter Arten und zur Klimaanpassung in der Kulturlandschaft bei.
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– Sechsjähriges BUND-Projekt vernetzte entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze Lebensräume in fünf Regionen.
– Über 500 neue Biotopstrukturen geschaffen und Wasserrückhalt in Landschaft gefördert.
– Kooperation mit über 60 Land- und Forstbetrieben erhöhte ökologische Widerstandsfähigkeit.

Grünes Band wächst weiter – Erfolg des bundesweiten Projekts „Quervernetzung Grünes Band“

Nach sechs Jahren intensiver Arbeit endet das Projekt „Quervernetzung Grünes Band“ mit einer durchweg positiven Bilanz. Im Rahmen des vom Bundesamt für Naturschutz geförderten Bundesprogramms Biologische Vielfalt ist es gelungen, den größten deutschen Biotopverbund entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze deutlich zu stärken und seine Vernetzung mit umliegenden Lebensräumen in fünf Regionen bundesweit auszubauen. Das Grüne Band erstreckt sich auf etwa 1.400 Kilometern von der Ostsee bis in den Bayerischen Wald und bildet mit seinen vielfältigen Biotopen eine einzigartige Lebenslinie für mehr als 1.200 seltene und geschützte Arten.

Das Projekt hat aus dem ursprünglichen Band ein vielseitiges Netz geschaffen, das ökologische Korridore und sogenannte Trittsteine umfasst, die in die umgebende Landschaft führen. Neue Lebensräume sind durch wiedervernässtes Grünland, aufgelockerte Waldsäume, entbuschte Moore, Bergwiesen und artenreiche Blühfelder anstelle von Mais-Monokulturen entstanden. Zahlreiche bedrohte Tier- und Pflanzenarten wie die Kreuzotter, der Kiebitz, die Waldbirkenmaus, verschiedene Orchideenarten, Arnika sowie Wildbienen profitieren direkt von diesen Maßnahmen. Ein weiterer positiver Effekt liegt im Wasserrückhalt, der in den Kulturlandschaften gefördert wird und damit ökologische Stabilität und Klimaresilienz unterstützt.

„Die biologische Vielfalt zu erhalten sowie dafür zu sorgen, dass das Wasser in der Landschaft gespeichert wird, ist für Mensch und Natur ohne Alternative. Denn dies sind die Grundlagen für sauberes Wasser und saubere Luft, Bestäubung, fruchtbare Böden, Schutz vor Dürren und Überschwemmungen. Und nicht zuletzt intakte Lebensräume zur Erholung. Daher sind Projekte wie dieses überlebenswichtig für uns alle.“ Dieses Zitat von Olaf Bandt, Vorsitzender des BUND, unterstreicht die zentrale Bedeutung des Grünen Bands für ökologische Funktionen und die Lebensqualität.

Insgesamt wurden im Projekt knapp 110 Hektar besonders wertvolle Biotopflächen langfristig gesichert. Zudem wurden rund 700 Hektar Grünflächen für den Schutz von Wiesenvögeln verbessert. Über zehn Kilometer neue verbindende Achsen zum Grünen Band sind geschaffen worden, ebenso wie mehr als 530 neue Biotopstrukturen, darunter Kleingewässer, Brutinseln, Fischadlerhorste und Steinwälle. Ein Großteil dieser Anlagen entstand in der Region um die Brietzer Teiche in Sachsen-Anhalt, wo auch die Abschlussveranstaltung stattfand.

Die enge Zusammenarbeit mit landwirtschaftlichen Betrieben vor Ort war ein essentieller Erfolgsfaktor. Über 60 Betriebe waren an dem Projekt beteiligt. „Kooperationen wie diese sind wegweisend und unverzichtbar, um Landschaften ökologisch aufzuwerten und klimaresistent zu machen.“ Die Integration von Land- und Forstwirtschaft erleichtert die praktische Umsetzung und sorgt dafür, dass ökologische Ziele mit wirtschaftlichen Interessen in Einklang gebracht werden.

Sabine Riewenherm, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, hebt hervor: „Dem Projekt ‚Quervernetzung Grünes Band‘ ist es gelungen, die ökologische Durchlässigkeit der Landschaft zu verbessern, so dass Tiere wandern und Pflanzen sich ausbreiten können. So wird auch der genetische Austausch zwischen Populationen gefördert.“ Gerade angesichts des Klimawandels sei es „entscheidend, denn Arten brauchen Raum und Wege, um auf veränderte Bedingungen reagieren zu können.“ Ein dauerhaft funktionierender Biotopverbund sei deshalb eine „essenzielle Grundlage für den Erhalt der Biodiversität“.

Auch die Landespolitik sieht in dem Projekt einen wichtigen Beitrag. Der Umweltstaatssekretär Sachsen-Anhalts, Dr. Steffen Eichner, betonte bei der Abschlussveranstaltung: „Vom einstigen Todesstreifen zur wichtigen Lebenslinie – das Grüne Band ist für die Artenvielfalt auch in Sachsen-Anhalt von enormer Bedeutung. Umso mehr freue ich mich über die erfolgreiche, sukzessive Vernetzung mit umliegenden Biotopen. Auch Sachsen-Anhalt hat in den vergangenen Jahren umfangreich in die Feuchtgebiete im und am Grünen Band investiert.“ Das Engagement sei ein klares Bekenntnis zu einem Biotopverbund, der sich durch zunehmende Vernetzung noch weiter aufwertet.

Das Projekt „Quervernetzung Grünes Band“ wurde mit insgesamt 4,7 Millionen Euro bis Ende 2025 gefördert und umfasst fünf Schwerpunkte: die Region Delvenau an der Grenze Mecklenburg-Vorpommern/Schleswig-Holstein, die Landgraben-Dumme Niederung in Sachsen-Anhalt, das Thüringer Schiefergebirge, den Landkreis Rhön-Grabfeld in Bayern sowie den Inneren Bayerischen Wald an der Grenze zu Tschechien.

Mit Blick auf die Zukunft mahnt Olaf Bandt: „Wir werden auch künftig an dem Schutz und der Ausweitung des Grünen Bands arbeiten. Denn angesichts der Tatsache, dass in Deutschland mehr als 70 Prozent und in Europa 80 Prozent aller geschützten Lebensräume in einem schlechten Zustand sind, täglich Tier- und Pflanzenarten verschwinden, Lebensräume zerstört oder zerschnitten werden, Böden versiegelt, Moore entwässert und Flüsse begradigt werden, ist das Grüne Band wie eine Arche Noah für die biologische Vielfalt, die es zu bewahren und zu stärken gilt.“ Diese Worte unterstreichen die anhaltende Relevanz und Dringlichkeit, das Grüne Band als zentralen Verbundraum zu erhalten und weiterzuentwickeln.

Das Grüne Band: Vom Symbol zur Lebensader für die Natur

Das Grüne Band ist mehr als ein Naturschutzprojekt – es steht für eine einzigartige Verbindung von Geschichte, Biodiversität und Zukunftsfähigkeit. Entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze erstreckt sich mit knapp 1.400 Kilometern der längste Biotopverbund Deutschlands, der rund 5.000 Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum bietet. Ursprünglich ein Grenzstreifen mit Sperranlagen, hat sich diese ehemalige Konfliktlinie seit dem Mauerfall zu einer ökologischen Lebenslinie entwickelt. Heute symbolisiert das Grüne Band sowohl eine Erinnerungskultur als auch einen essenziellen Beitrag zum Naturschutz und zur Klimaanpassung.

Biotopverbund bezeichnet ein Netzwerk von miteinander verbundenen Lebensräumen, das Tieren und Pflanzen ermöglicht, sich auszubreiten, zu wandern und genetisch auszutauschen. Dieser Austausch ist entscheidend für die Artenvielfalt, denn er sichert die Anpassungsfähigkeit und widerstandsfähige Populationen. Das Grüne Band schafft mit ökologischen Korridoren und sogenannten Trittsteinen Verbindungen zwischen isolierten Biotopen in der umgebenden Landschaft. So entstehen nachhaltige Lebensräume für bedrohte Arten wie Kreuzotter, Kiebitz oder Wildbienen.

Diese Vernetzung geht weit über Deutschland hinaus. Auf europäischer Ebene bewirkt das „European Green Belt“-Netzwerk eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit, die viele ehemalige Konfliktzonen in ökologische Korridore verwandelt. Solche Biotopverbünde sind heute unverzichtbare Instrumente im Kampf gegen den Biodiversitätsverlust. Sie schaffen Flächen, die Tier- und Pflanzenarten bei der Anpassung an den Klimawandel helfen, indem sie den Wanderungs- und Ausbreitungsraum vergrößern. Besonders angesichts zunehmender Hitze, Trockenperioden und Extremwetterereignisse gewinnt die Funktion des Grünen Bands als natürliche Klimaanpassungsmaßnahme an Bedeutung.

Das Projekt Grünes Band fördert zugleich die Kulturlandschaft und das historische Bewusstsein. Die ehemals geteilte Grenze wurde zur Erinnerungslandschaft, die Geschichte greifbar macht und den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt. Landwirtschaftliche und forstwirtschaftliche Betriebe beteiligen sich aktiv, indem sie ökologische Flächen aufwerten und naturnahe Bewirtschaftungsmethoden einsetzen. Diese Kooperationen sind ein Beispiel dafür, wie Naturschutz und Nutzung handlungsorientiert zusammenspielen können.

Die gesellschaftlichen und ökologischen Auswirkungen des Grünen Bands lassen sich an folgenden Aspekten verdeutlichen:

  • Förderung genetischen Austauschs: Erhöhte Durchlässigkeit der Landschaft sichert die Vernetzung von Populationen
  • Stärkung der Biodiversität: Schaffung und Erhaltung von mehr als 500 Biotopstrukturen, darunter Kleingewässer und Brutinseln
  • Anpassung an den Klimawandel: Verbesserung des Wasserrückhalts und Schutz von Feuchtgebieten erschließen ökologische Resilienz
  • Erinnerungskultur und Bildung: Das Band als lebendiges Denkmal mit touristischem und kulturellem Mehrwert
  • Nachhaltige Kooperationen: Einbindung von über 60 landwirtschaftlichen Betrieben fördert eine klimaresiliente, naturverträgliche Landnutzung

Der Blick nach vorn zeigt, dass das Grüne Band auch künftig eine Schlüsselrolle spielt – national wie international. Die systematische Schließung von Lücken im Biotopverbund, die Sicherung weiterer Flächen und die Integration in überregionale Naturschutzkonzepte sind unerlässlich. Die Aufnahme des Grünen Bands auf der deutschen UNESCO-Welterbeliste unterstreicht seine herausragende Bedeutung. Auch die Expansion des europäischen Netzwerks macht deutlich, wie Natur schützen und historisches Erbe bewahren Hand in Hand gehen können. Damit bleibt das Grüne Band ein beispielgebendes Projekt für den Erhalt der Artenvielfalt und die Anpassung an den Klimawandel in Deutschland und ganz Europa.

Die Informationen und Zitate in diesem Beitrag basieren auf einer Pressemitteilung des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

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9 Kommentare

  1. . Die Idee des Grünen Bands als Arche Noah finde ich klasse! Aber was sind die nächsten Schritte für die Ausweitung? Bleibt das Projekt weiterhin finanziert?

    1. . Gute Frage! Hoffentlich bleibt das Interesse an solchen Projekten bestehen und es gibt genügend Mittel zur Verfügung.

  2. Ich bin beeindruckt von den Zahlen: 700 Hektar Grünflächen verbessert! Das zeigt doch, dass Naturschutz sinnvoll ist. Aber was passiert mit Gebieten, die nicht im Projekt sind?

    1. Das ist ein guter Punkt! Ich hoffe, dass die positiven Effekte auch andere Regionen inspirieren und dass das Thema mehr Aufmerksamkeit bekommt.

    2. . Vielleicht könnte die Politik mehr Anreize schaffen, damit auch andere Landwirte sich engagieren? Das wäre für alle von Vorteil!

  3. Es ist erstaunlich zu sehen, wie aus einem ehemaligen Grenzstreifen ein Lebensraum geworden ist. Könnte man nicht noch mehr solcher Projekte initiieren? Was denkt ihr darüber?

  4. Die Erhaltung der Biodiversität ist sehr bedeutend! Ich frage mich, ob die Zusammenarbeit mit den Landwirten auch in anderen Regionen klappt. Gibt es schon ähnliche Projekte in anderen Bundesländern?

    1. Das wäre spannend zu wissen! Die Idee von Trittsteinen klingt gut, aber wie sieht es mit der Finanzierung aus? Ist das nachhaltig genug?

  5. Ich finde das Projekt wirklich wichtig! Es zeigt, wie Naturschutz und Landwirtschaft zusammenarbeiten können. Wie werden diese neuen Biotopstrukturen langfristig gepflegt? Gibt es dafür einen Plan?

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