– Golfer aus zwölf Clubs führten mit der Universität Freiburg ein einjähriges Wildbienen-Monitoring auf Golfanlagen durch.
– Das Citizen-Science-Projekt zielte auf Datenerhebung und Bewusstseinsförderung für Biodiversität im Golfsport.
– Erste Ergebnisse zeigen mehr Brutzellen und Arten in Nisthilfen im Vergleich zu den Vorjahren.
Wie Golfer zu Wildbienen-Experten wurden
Ein bundesweites Projekt hat Golfplätze zu Forschungsstationen für den Artenschutz gemacht. Im Rahmen von GolfBiodivers haben sich Golferinnen und Golfer aus deutschen Clubs (Stand: Dezember 2025*) ein Jahr lang aktiv an der wissenschaftlichen Datenerhebung beteiligt. Ziel dieses einjährigen Einsatzes war es, Erkenntnisse zum Vorkommen von Wildbienen und Wespen zu sammeln und gleichzeitig das Bewusstsein für biologische Vielfalt im Golfsport zu schärfen.
Die Teilnehmer übernahmen Patenschaften für spezielle Nisthilfen auf ihren Anlagen. Seit April 2025 dokumentierten sie ihre Beobachtungen mit der App iDLogics* und luden Fotos hoch, die an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg ausgewertet werden. Dieser Auswertungsprozess ist derzeit noch nicht abgeschlossen. Die Motivation für das Projekt ist hochaktuell: Mehr als 50 Prozent aller Wildbienenarten in Deutschland stehen auf der bundesweiten Roten Liste der bedrohten Arten (Stand: Dezember 2025*).
Die Rückmeldungen der Beteiligten sind durchweg positiv. „Es war manchmal schon aufwändig“, sagt Oliver Brambrink, Greenkeeper im Golf- und Landclub Coesfeld, aber auch „ziemlich interessant.“ Die Projektleiterin Anna Klopstock von der Universität Freiburg bestätigt den großen Einsatz: „Das Engagement der Golfer war enorm“ und „Die Akzeptanz des Projektes war insgesamt sehr hoch“.
Erste sichtbare Tendenzen aus der Feldarbeit stimmen optimistisch. „Es sind auf jeden Fall mehr Brutzellen in den Nistkästen gebaut worden als in den Jahren davor und es sind auch teilweise mehr Arten erkennbar“, so Klopstock. Eine konkrete Überraschung war die Häufung der Blattlaus-Wespe, die in den Vorjahren nur vereinzelt gesichtet wurde.
Die wissenschaftliche Auswertung aller gesammelten Daten läuft noch. Doch das Projekt hat bereits jetzt einen bleibenden Effekt: Die Nisthilfen verbleiben in den Clubs, und aus interessierten Golfern sind informierte Botschafter für die Biodiversität auf dem Golfplatz geworden. Mit rund 682.000 Golfspielern und 725 Golfanlagen (Stand: Dezember 2025*) hat der Deutsche Golf Verband als einer der größten Sportverbände damit ein Signal für praktischen Artenschutz gesetzt.
Einordnung und wissenschaftlicher Rahmen
Das Projekt GolfBiodivers ist Teil einer nationalen Strategie zur Förderung der biologischen Vielfalt. Es verknüpft praktische Naturschutzmaßnahmen mit wissenschaftlicher Forschung und bindet dabei die Öffentlichkeit aktiv ein. Dieser Ansatz sichert die ökologische Qualität der Maßnahmen und schafft Bewusstsein sowie Akzeptanz.
Förderrahmen und Projektumfang
Die Initiative ist im Bundesprogramm Biologische Vielfalt verankert und wird vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) gefördert. Dies unterstreicht die nationale Bedeutung des Vorhabens. Die Gesamtlaufzeit erstreckt sich von 2023 bis 2029.*
Methodik des Citizen-Science-Monitorings
Ein zentraler wissenschaftlicher Baustein ist das begleitende Monitoring, das als Citizen-Science-Projekt angelegt ist. Dabei übernehmen interessierte Bürger, darunter viele Golfer und Clubmitarbeiter, eine aktive Rolle in der Datenerhebung.*
Die Auswertung der gesammelten Daten wird von Wissenschaftlern durchgeführt.*
Primäres Forschungsziel ist es, die Auswirkungen ökologischer Aufwertungsmaßnahmen auf Wildbienen und Wespen zu untersuchen.*
Was andere Studien und Projekte zeigen
Die Frage, ob Golfplätze einen messbaren Beitrag zur Artenvielfalt leisten können, wird nicht nur in Deutschland diskutiert. Projekte und Studien aus der gesamten DACH-Region liefern ein differenziertes Bild: Sie zeigen das Potenzial für positive Effekte, benennen aber auch klare Grenzen und notwendige Voraussetzungen.
Positive Befunde aus Vergleichsstudien
Eine systematische Auswertung in der Schweiz liefert konkrete Hinweise. Der Verein Terraviva stellte auf extensiv gepflegten Flächen von Golfanlagen in Graubünden höhere Artenzahlen fest (Jahresbericht 2023, veröffentlicht 2024)*. Dieses Ergebnis aus dem Alpenraum deutet darauf hin, dass gezielte Pflegekonzepte wirken können.
Ein breiter angelegtes Bewertungssystem von Swiss Golf untermauert diesen Zusammenhang. Bis Ende 2024 wurden rund 70 Golfplätze standardisiert bewertet*. Struktur, also die Mischung aus Hecken, Totholz, Blühflächen und Gewässern, scheint ein Schlüsselfaktor zu sein.
Auch lokale Monitoring-Projekte dokumentieren Erfolge. Der Golfclub Brückhausen etwa meldete eine beeindruckende Vielfalt an Insektenarten an sechs eigens angelegten Insektenhotels. Solche Einzelbeobachtungen zeigen, dass gezielte Aufwertungsmaßnahmen auf Club-Ebene schnell sichtbare Ergebnisse bringen können.
Kritische Perspektiven
Diese positiven Beispiele stehen jedoch einer grundsätzlicheren Kritik gegenüber. Ein Faktencheck aus dem Jahr 2023 kommt zu einem alarmierenden Gesamtergebnis: Trotz des starken Rückgangs vieler Artengruppen ermöglichen zielgerichtete Maßnahmen zwar lokal messbare Verbesserungen. Golfanlagen ohne Extensivbereiche und mit hohem Pestizideinsatz zeigen dagegen keinen positiven Biodiversitätseffekt. Der positive Beitrag ist also kein Automatismus, sondern das Ergebnis einer bewussten Entscheidung für eine extensive Bewirtschaftung.
Ein zentraler ökologischer Zielkonflikt betrifft die Anrechnung von Golfflächen als Ausgleichsmaßnahme. Das Umweltbundesamt empfahl bereits in einem Bericht von 2019, Golfanlagen nur dann als Ausgleichsflächen anzurechnen, wenn ein systematisches Monitoring und langfristige Pflegeverträge bestehen. Diese Empfehlung unterstreicht die Notwendigkeit von Verlässlichkeit und Kontrolle. Kurzfristige Maßnahmen reichen nicht aus; der ökologische Wert muss dauerhaft gesichert und überprüfbar sein.
Die Erkenntnisse aus den verschiedenen Projekten zeichnen ein klares Bild: Golfplätze können zu wertvollen Lebensräumen werden – aber nur unter bestimmten Bedingungen. Entscheidend sind eine hohe Strukturvielfalt, der konsequente Verzicht auf Pestizide in den Extensivbereichen und vor allem ein langfristiges, wissenschaftlich begleitetes Pflegekonzept. Wo diese Faktoren zusammenkommen, sind die beobachteten positiven Effekte keine Zufälle, sondern das Ergebnis planvollen Handelns.
So fördern Golfclubs die biologische Vielfalt
Die wissenschaftlichen Erkenntnisse sind eindeutig: Golfanlagen bieten großes Potenzial als Lebensraum. Um dieses Potenzial zu nutzen, braucht es konkrete Maßnahmen. Forschung und Praxis zeigen, dass bereits einfache Schritte die Artenvielfalt auf dem Platz deutlich erhöhen können. Die folgenden Ansätze gelten als besonders effektiv und sind für viele Clubs umsetzbar.
- Strukturvielfalt schaffen: Golfanlagen mit einer hohen Vielfalt an Lebensraumstrukturen erzielen auch höhere Biodiversitäts-Scores. Das bedeutet: Je abwechslungsreicher die Gestaltung mit Gehölzen, Säumen, Feuchtgebieten und offenen Flächen, desto artenreicher wird das Ökosystem.*
- Blühflächen und Säume anlegen: Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) nennt die Anlage von Blühwiesen und artenreichen Säumen als zentrale Maßnahme, um die biologische Vielfalt auf Golfplätzen zu stärken.*
- Nisthilfen installieren und pflegen: Erfolge aus der Praxis belegen die Wirkung. So verzeichnete der Golfclub Brückhausen eine erfolgreiche Besiedlung an sechs installierten Insektenhotels. Wichtig ist dabei die fachgerechte Platzierung und eine langfristige Betreuung der Hilfen.*
Was nach der ersten Erhebung noch offen ist
Die erste Phase des Citizen-Science-Monitorings ist abgeschlossen, doch die wissenschaftliche Arbeit geht weiter. Die eigentliche Auswertung der gesammelten Daten steht noch aus. Ende 2026 sollen mikroskopisch gesicherte Artlisten vorliegen (Stand: 2024)*. Diese detaillierte Analyse wird zeigen, welche Wildbienen- und Wespenarten konkret von den Aufwertungsmaßnahmen auf den Golfplätzen profitieren und wie sich die Populationen entwickeln.
Ausstehende wissenschaftliche Auswertung
Die finale wissenschaftliche Bewertung bildet die Grundlage für belastbare Aussagen. Erst nach Abschluss dieser Analyse lassen sich die beobachteten Tendenzen – wie mehr Brutzellen oder ein verändertes Artenspektrum – quantifizieren und einordnen. Diese Ergebnisse sind entscheidend, um die Wirksamkeit der Biodiversitätsmaßnahmen zu belegen und das Projekt über seinen Förderzeitraum hinaus zu tragen. Das vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) geförderte Gesamtprojekt GolfBiodivers läuft bis 2029 (Stand: 2023)*.
Politische und langfristige Perspektiven
Für eine dauerhafte Etablierung solcher Konzepte sind klare Rahmenbedingungen nötig. Das Umweltbundesamt (UBA) empfiehlt bereits seit 2019, Golfplätze nur dann als Ausgleichsflächen für Eingriffe in die Natur anzurechnen, wenn ein systematisches Monitoring und langfristige Pflegeverträge bestehen. Diese Forderung unterstreicht, dass ökologischer Wert nicht allein durch das Anlegen von Blühwiesen entsteht, sondern durch deren nachweislich erfolgreiche und dauerhafte Entwicklung.
Der eingeschlagene Weg der Bürgerwissenschaft zeigt bereits jetzt eine weitere Perspektive auf: Neben dem reinen Datengewinn stärkt die aktive Beteiligung das Umweltbewusstsein vor Ort und schafft ein Netzwerk engagierter Personen. Diese Verknüpfung von Forschung, Praxis und Bildung könnte ein Modell für die langfristige Pflege und Beobachtung von Biodiversitätsflächen sein – auch über das Jahr 2029 hinaus.
Diese Informationen stammen aus einer Pressemitteilung des Deutschen Golf Verbandes e.V.
Weiterführende Quellen:
- „Im Rahmen eines vom Bundesamt für Naturschutz geförderten Projektes werden auf 64 Golfplätzen in Deutschland Flora, Fauna und Landschaftselemente erfasst und durch Naturschutzmaßnahmen wie Blühwiesen, Säume, Gehölze und Nisthilfen ökologisch aufgewertet (Projektlaufzeit 2023–2029, Stand: 2023).“ – Quelle: https://www.bfn.de/pressemitteilungen/biologische-vielfalt-auf-golfplaetzen-staerken
- „Das Citizen-Science-Projekt ‚Monitoring von Bienen- und Wespennestern in Nisthilfen‘ sieht vor, dass Bürger auf ausgewählten Golfanlagen zwischen April und August 2025 monatlich Nisthilfen kontrollieren und Daten digital übermitteln; Ende 2026 sollen mikroskopisch gesicherte Artlisten vorliegen.“ – Quelle: https://www.mitforschen.org/projekt/golfbiodivers-monitoring-von-bienen-und-wespennestern-nisthilfen
- „Im selben Projekt wird untersucht, wie sich Brutzellzahlen und Artenzusammensetzung in Nisthilfen nach ökologischen Aufwertungsmaßnahmen verändern; zudem wird die Übereinstimmung der von Citizen Scientists gemeldeten Arten mit Referenzbestimmungen quantitativ verglichen (Stand: 2024).“ – Quelle: https://www.mitforschen.org/projekt/golfbiodivers-monitoring-von-bienen-und-wespennestern-nisthilfen
- „Eine Auswertung der Umweltstiftung Terraviva zeigte, dass auf extensiv gepflegten Flächen von Golfanlagen in Graubünden höhere Artenzahlen bei Blütenpflanzen und Insekten festgestellt wurden als auf angrenzenden intensiv genutzten Grünlandflächen (Jahresbericht 2023, veröffentlicht 2024).“ – Quelle: https://biodiversitaet-gr.ch/wp-content/uploads/2024/04/Jahresbericht_Terraviva_2023_Endversion.pdf
- „Swiss Golf hat bis Ende 2024 rund 70 Golfplätze hinsichtlich ihrer Lebensräume und Artenvielfalt standardisiert bewertet; erste Auswertungen 2025 zeigen, dass Golfanlagen mit hoher Strukturvielfalt signifikant höhere Biodiversitäts-Scores erreichen als stark homogen gepflegte Plätze.“ – Quelle: https://swissgolf.ch/media/let_s_swing_for_biodiversity_swiss_golf_de.pdf
- „Der Golfclub Brückhausen berichtet, dass an sechs Insektenhotels mit Unterstützung von Clubmitgliedern als Citizen Scientists eine beeindruckende Vielfalt an Insektenarten – darunter zahlreiche Wildbienen – nachgewiesen wurde; Ergebnisse flossen in mehrere Bachelorarbeiten der Universität Münster ein (Stand: November 2025).“ – Quelle: https://www.gc-brueckhausen.de/neues-vom-greenkeeping-november-2025
- „Trotz starkem Rückgang vieler Artengruppen ermöglichen zielgerichtete Maßnahmen zur Habitataufwertung – beispielsweise auf Golfplätzen – lokal messbare Verbesserungen für Insekten; Golfanlagen ohne Extensivbereiche und mit hohem Pestizideinsatz zeigen dagegen keinen positiven Biodiversitätseffekt (Artikel 2023).“ – Quelle: https://lebensraum-golfplatz.de/faktencheck-artenvielfalt-mit-alarmierendem-ergebnis
- „Golfanlagen können zu Konflikten mit Naturschutz führen, insbesondere bei wasserintensiver Bewässerung, Düngung und Pestizideinsatz; empfohlen wird, Golfplätze nur als Ausgleichsflächen anzurechnen, wenn systematisches Monitoring und langfristige Pflegeverträge bestehen (Bericht 2019).“ – Quelle: https://www.umweltbundesamt.de
12 Antworten
Es ist schön zu sehen, dass Golfer sich so stark engagieren. Gibt es ähnliche Projekte in anderen Ländern? Das würde mich interessieren.
Ja das wäre spannend! Vielleicht könnte man sogar internationale Vergleiche anstellen und voneinander lernen.
Ich finde auch interessant, wie Golfplätze in anderen Ländern mit Biodiversität umgehen. Vielleicht gibt es da gute Beispiele!
Die Ergebnisse zeigen doch schon erste positive Tendenzen! Mich würde interessieren, wie man diese Ansätze in anderen Regionen Deutschlands umsetzen kann.
Ich bin beeindruckt von dem Engagement der Golfer! Diese aktive Teilnahme ist wichtig für den Artenschutz. Welche weiteren Arten profitieren von diesen Nisthilfen? Das interessiert mich sehr.
Das ist eine gute Frage! Ich denke, wir sollten auch nach den Auswirkungen auf andere Insektenarten schauen.
Ja genau! Es ist wichtig zu verstehen, wie solche Initiativen das gesamte Ökosystem beeinflussen können.
Das Monitoring klingt sehr vielversprechend! Könnten die Daten auch für andere Umweltschutzprojekte genutzt werden? Es wäre interessant zu sehen, wie sich das langfristig auf die Artenvielfalt auswirkt.
Ich hoffe sehr, dass diese Daten öffentlich zugänglich sind! Es wäre toll, wenn wir mehr darüber erfahren könnten, welche Maßnahmen wirklich wirken.
Ich finde es großartig, dass Golfer sich für den Naturschutz einsetzen. Die Idee mit den Nisthilfen ist wirklich innovativ! Wie viele Golfclubs sind denn insgesamt an diesem Projekt beteiligt? Das könnte ja ein Modell für andere Sportarten sein.
Ja, das stimmt. Ich frage mich, ob andere Sportarten auch solche Projekte starten können. Vielleicht könnten wir hier mehr Informationen zu ähnlichen Initiativen finden.
Das wäre wirklich spannend! Ich denke, wir sollten auch die anderen Clubs motivieren, sich daran zu beteiligen und mehr über Biodiversität zu lernen.