Wohnungswirtschaft kritisiert neue TKG-Novelle: Droht das Aus für den Glasfaserausbau?

Die Spitzenverbände GdW, BFW und Haus & Grund kritisieren, dass die geplante TKG-Novelle mit erweiterter Duldungspflicht und restriktiven Netznutzungsregeln Investitionen erschwert, Kooperationen zwischen Wohnungswirtschaft und Netzbetreibern gefährdet und statt eines schnelleren Glasfaserausbaus eher Rechtsstreitigkeiten und Verzögerungen provoziert. Sie warnen vor einer einseitigen Marktstärkung großer Telekommunikationsunternehmen auf Kosten mittelständischer Anbieter. Die Verbände fordern die Bundesregierung auf, die Novelle nachzubessern und gemeinsam mit der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft verlässliche, investitionsfreundliche Rahmenbedingungen zu entwickeln.
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– Führende Verbände warnen, TKG-Novelle erschwere Glasfaserausbau und Kooperationen.
– Geplante Ausweitung der Duldungspflicht würde Rechtsunsicherheit und Verzögerungen verursachen.
– Verbände fordern verlässliche, investitionsfreundliche Rahmenbedingungen statt Zwang und Überregulierung.

Wohnungs- und Immobilienwirtschaft fordert Korrekturen bei geplanter TKG-Novelle

Die drei maßgeblichen Verbände der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft – GdW, BFW und Haus & Grund – warnen eindringlich vor den aktuellen Vorschlägen zur Änderung des Telekommunikationsgesetzes (TKG). Zwar wird der politische Wille zum beschleunigten Glasfaserausbau begrüßt, doch in der vorliegenden Form könnten die geplanten Regelungen das Gegenteil bewirken. Der Ausbau droht dadurch nicht erleichtert, sondern erschwert zu werden. Insbesondere die geplante Ausweitung der Duldungspflicht, die Eigentümer zur Zustimmung für einen Vollausbau verpflichten soll, sehen die Verbände kritisch. Sie befürchten, dass dies nicht zu einem schnelleren Glasfaserausbau führt, sondern vielmehr zu Unsicherheiten, Rechtsstreitigkeiten und erheblichen Verzögerungen.

Neben dieser Pflicht stoßen auch die vorgeschlagenen Änderungen zur Mitnutzung bestehender Netze auf Widerstand. Ebenso wird die Beibehaltung der sogenannten Konzernklausel bemängelt, die ausschließlich Gebäudeeigentümer gegenüber großen Telekommunikationsunternehmen benachteiligt. Nach Ansicht der Verbände stärken die neuen Eckpunkte marktstarke Anbieter einseitig und gefährden damit den fairen Wettbewerb sowie die Chancen mittelständischer Unternehmen.

**Axel Gedaschko, Präsident des GdW, betont: Unsere Wohnungsunternehmen sind zentrale Partner beim Glasfaserausbau – sowohl im Neubau als auch in der Nachrüstung von Beständen. Doch statt den Ausbau zu erleichtern, drohen die vorgeschlagenen Regelungen, Investitionen zu hemmen und die erfolgreiche Zusammenarbeit von Wohnungswirtschaft und Netzbetreibern zu unterlaufen. Wir brauchen keine Überregulierung und Zwang, sondern verlässliche und investitionsfreundliche Rahmenbedingungen.

Ähnlich äußert sich BFW-Präsident Dirk Salewski: Die mittelständischen Immobilien- und Wohnungsunternehmen sind natürlich am schnellen und reibungslosen Glasfaserausbau interessiert. Kontraproduktive Eingriffe in Grundrechte der Eigentümer und in den Wettbewerb lehnen wir jedoch klar ab. Zwangsweise einen bestimmten Anbieter festzulegen, bedroht Investitionsbereitschaft und die partnerschaftliche Kooperation, die den Glasfaserausbau bislang getragen hat.

Haus & Grund-Präsident Kai Warnecke ergänzt: Der Glasfaserausbau ist ein zentrales Infrastrukturprojekt, das wir ausdrücklich unterstützen. Aber er darf nicht zulasten von Eigentumsrechten und fairen Wettbewerbsbedingungen erfolgen. Eine Ausweitung der Duldungspflichten würde Rechtsunsicherheit und Konflikte schaffen, statt den Ausbau zu beschleunigen. Was wir brauchen, sind verlässliche, partnerschaftliche Rahmenbedingungen, die Investitionen fördern und Kooperationen stärken. Nur so können wir gemeinsam die digitale Zukunft erfolgreich gestalten.

Die Verbände unterstreichen, dass der Glasfaserausbau nur dann schnell, flächendeckend und verbraucherfreundlich realisiert werden kann, wenn partnerschaftliche Modelle zwischen Telekommunikationswirtschaft und Wohnungs- und Immobilienunternehmen erhalten und gestärkt werden.**

Die Kritik an der geplanten TKG-Novelle zeigt die Bedeutung eines ausgewogenen Regulierungskonzepts, das Eigentumsrechte wahrt, den Wettbewerb aufrecht erhält und die notwendigen Investitionen fördert. Ohne diese Voraussetzungen droht das zentrale Infrastrukturvorhaben ins Stocken zu geraten.

Warum der Glasfaserausbau über die digitale Zukunft entscheidet

Der flächendeckende Ausbau von Glasfaserinfrastrukturen gehört zu den entscheidenden Weichenstellungen für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung in Deutschland. Er bietet die Basis für moderne digitale Anwendungen, die in immer mehr Lebensbereichen eine zentrale Rolle spielen – von Bildung und Arbeit über Gesundheit bis hin zur Vernetzung von Industrie und Verwaltung. Dabei betrifft das Thema nicht nur Telekommunikationsunternehmen, sondern auch die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft sowie die Verbraucherinnen und Verbraucher gleichermaßen. Gerade die laufende Anpassung des Telekommunikationsgesetzes (TKG) und darin vorgeschlagene Änderungen haben das Potenzial, den Ausbau entscheidend zu beschleunigen oder zu verlangsamen.

Der Wettbewerb auf dem Telekommunikationsmarkt ist eine wichtige Motor für Innovation und Ausbauleistung. Doch die aktuellen Pläne im Rahmen der TKG-Novelle werfen Fragen auf: Die beantragte Ausweitung der Duldungspflicht, bei der Eigentümer verpflichtet wären, einen Glasfaserausbau in ihren Gebäuden zuzulassen, könnte nach Einschätzung führender Verbände nicht zu mehr Tempo führen, sondern im Gegenteil zu rechtlichen Konflikten und Verzögerungen. Die Befürchtung ist, dass marktstarke Telekommunikationsanbieter dadurch bevorzugt werden, während mittelständische Wettbewerber benachteiligt werden. Dies würde die Vielfalt und den Wettbewerb auf dem Markt beeinträchtigen – ein Faktor, der bisher wesentlich zum Fortschritt beim Netzausbau beigetragen hat.

Ebenso steht auf dem Prüfstand, wie bestehende Glasfasernetze für die Mitnutzung geöffnet werden, ohne dass die Rechte der Eigentümer und der fairen Wettbewerb darunter leiden. Eigentumsrechte sind dabei kein Hindernis, sondern ein zentraler Baustein, der verlässliche Investitionen ermöglicht. Ohne klare und ausgewogene Regelungen können Kooperationen zwischen der Telekommunikationsbranche und der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft ins Stocken geraten – und das ausgerechnet in einer Phase, in der die Nachfrage nach schnellen, stabilen Internetanschlüssen stark wächst.

Gefahren und Chancen der TKG-Novelle

Die TKG-Novelle verfolgt durchaus das Ziel, den Glasfaserausbau voranzutreiben. Allerdings sind für den Ausbaupraxis folgende Auswirkungen zu erwarten:

  • Erhöhte Rechtsunsicherheit durch ausgeweitetes Duldungsrecht mit potenziellen Streitigkeiten
  • Mögliche Schwächung des mittelständischen Wettbewerbs, da marktstarke Anbieter begünstigt werden könnten
  • Einschränkungen bei der Nutzung vorhandener Infrastruktur trotz der Forderung nach mehr Mitnutzung
  • Beeinträchtigung von Kooperationsmodellen zwischen Eigentümern und Anbietern, die bislang den Ausbau effizient förderten
  • Verunsicherung bei Eigentümern, die sich in ihren Eigentumsrechten nicht ausreichend geschützt sehen

Was Verbraucher erwartet: Digitalisierungsbedarf trifft auf Regulierung

Für die Verbraucherinnen und Verbraucher steht mehr als nur eine schnelle Internetverbindung auf dem Spiel: Die digitale Infrastruktur beeinflusst direkt den Zugang zu modernen Dienstleistungen und die Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen. Ein ungestörter und zügiger Ausbau von Glasfasernetzen bedeutet mehr Komfort, bessere Bildungs- und Arbeitsmöglichkeiten sowie eine stärkere Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland.

Allerdings müssen die Rahmenbedingungen so gestaltet sein, dass sie sowohl die Interessen der Verbraucher schützen als auch dem Markt Raum für Innovationen und faire Angebote lassen. Überregulierung oder einseitige Eingriffe könnten die Investitionsbereitschaft dämpfen und so die Versorgung eher behindern als fördern.

Der Glasfaserausbau ist daher nicht nur eine technische Aufgabe, sondern eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung mit komplexen Interessenlagen. Nur eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen der Telekommunikationsbranche, der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft und der Politik kann nachhaltige, verlässliche und verbraucherfreundliche Lösungen hervorbringen, die Deutschland digital voranbringen.

Die Informationen und Zitate in diesem Beitrag basieren auf der Pressemitteilung des GdW Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V.

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6 Kommentare

  1. „Rechtsunsicherheit“ klingt wirklich nach einem großen Problem. Wenn Eigentümer sich unsicher fühlen, wird es schwierig für alle Beteiligten. Ich frage mich, wie man diese Ängste verringern kann und gleichzeitig den Glasfaserausbau fördert?

    1. „Kooperation“ scheint der Schlüssel zu sein! Wenn Wohnungsunternehmen und Telekommunikationsfirmen besser zusammenarbeiten würden, könnten vielleicht Lösungen gefunden werden? Was denkt ihr über mögliche Partnerschaften?

  2. Die Argumente der Verbände sind sehr nachvollziehbar. Ich mache mir auch Sorgen über die Auswirkungen auf kleinere Unternehmen. Wieso denkt man nicht an alle Anbieter? Sind wir nicht alle betroffen von den Änderungen?

    1. Das sehe ich genauso! Es ist wichtig, dass wir auch den kleinen Firmen eine Chance geben. Wenn nur große Anbieter profitieren, verlieren wir viel Vielfalt im Markt. Wie können wir das ändern?

  3. Ich finde es wirklich wichtig, dass wir über die TKG-Novelle sprechen. Es ist eine große Sache für die Zukunft der Telekommunikation in Deutschland. Warum wird nicht mehr darüber diskutiert, wie wir Eigentumsrechte und Ausbau zusammenbringen können? Es scheint, als ob die Vorschläge eher Probleme schaffen als lösen. Was denkt ihr darüber?

    1. Ich stimme dir zu, Mandy! Die Duldungspflicht könnte echt ein großes Hindernis sein. Wir brauchen mehr Klarheit und weniger Unsicherheit! Gibt es denn schon Ideen, wie man das besser machen könnte?

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