BREKO warnt vor Euphorie: Glasfaserausbau in Deutschland braucht jetzt politische Entscheidungen

Der Bundesverband Breitbandkommunikation (BREKO) warnt auf seiner Jahrestagung vor zu viel Euphorie beim Glasfaserausbau. Trotz steigender Verfügbarkeit sei der weitere Ausbau kein Selbstläufer und erfordere jetzt entschiedenes Handeln von Politik und Regulierung. Der Verband fordert mehr Investitionssicherheit und kritisiert Pläne zur Frequenzvergabe im 6‑GHz-Band als Rückschlag für den Digitalstandort.
Modernes blau beleuchtetes News-Studio mit runden LED-Podesten und großem Bildschirm mit Schriftzug ‚Verbands‑Monitor eins zu eins‘.
Inhaltsübersicht

– Trotz steigender Glasfaserausbauzahlen warnt der Verband vor Euphorie.
– Konkrete Forderungen für Kupfer-Glasfaser-Upgrade und TKG-Novelle gestellt.
– Kritik an exklusiver 6-GHz-Frequenzvergabe für Mobilfunk in Europa.

Glasfaserausbau: Kein Grund zur Euphorie

Der Bundesverband Breitbandkommunikation (BREKO) hat auf seiner Jahrestagung 2025 im Berliner Estrel vor überzogenen Erwartungen beim Glasfaserausbau gewarnt. Mehr als 750 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung diskutierten über den aktuellen Stand und die Zukunft der digitalen Infrastruktur in Deutschland. BREKO-Präsident Norbert Westfal betonte: „Trotz herausfordernder Bedingungen haben immer mehr Haushalte und Unternehmen die Möglichkeit, einen Glasfaseranschluss zu buchen. Auf keinen Fall darf aber der Eindruck entstehen, dass der weitere Ausbau ein Selbstläufer ist.“ Der aktuelle Zuwachs beruhe auf Entscheidungen der Unternehmen aus den letzten zwei bis vier Jahren. Für künftige Milliardeninvestitionen brauche es jetzt entschiedenes Handeln von Politik und Regulierung.

BREKO-Geschäftsführer Dr. Stephan Albers forderte konkrete Maßnahmen: „Das Upgrade von DSL auf Glasfaser ist ein wichtiger volkswirtschaftlicher Hebel für die Zukunftsfähigkeit unseres Landes.“ Das Eckpunktepapier des Digitalministeriums zum Kupfer-Glasfaser-Upgrade sei ein guter Auftakt – nun benötige es Tempo, Klarheit und konkrete Schritte. Die Bundesregierung müsse einen Zeitplan vorlegen, gesetzliche Grundlagen schaffen und sich im Rahmen des Digital Networks Act positionieren. Von der Bundesnetzagentur erwartet der Verband, dass sie Anfang des Jahres einen Entwurf für ein Regulierungskonzept vorlegt, der bis zum Sommer steht.

Kritisch äußerte sich der Verband zur geplanten 6-GHz-Entscheidung: „Dass die Bundesregierung sich dafür ausspricht, das obere 6-GHz-Frequenzband exklusiv für den Mobilfunk zu reservieren, halten wir für eine fatale Fehleinschätzung.“ Dies würde das Potenzial moderner Glasfasernetze ungenutzt lassen und den Digitalstandort Europa zurückwerfen. Stattdessen solle die Radio Spectrum Policy Group mindestens 320 MHz für lizenzfreie WLAN-Nutzung freihalten.

Ein positives Signal setzte die Übernahme der Schirmherrschaft für das Nachwuchs-Netzwerk „nextgen“ durch Digitalminister Karsten Wildberger. Das 2024 gegründete Netzwerk bringt aktuell mehr als 300 Nachwuchskräfte aus 200 Unternehmen der Telekommunikationsbranche zusammen. Zusätzlich präsentierte der BREKO eine neue E-Learning-Plattform, die mit der „BREKO Adventsreise“ startet – einem digitalen Adventskalender mit täglichen Lerninhalten und Quiz.

Als führender Glasfaserverband mit mehr als 540 Mitgliedsunternehmen setzt sich der BREKO für Wettbewerb im Telekommunikationsmarkt ein. Die über 260 im Verband organisierten Netzbetreiber versorgen Ballungsräume und ländliche Gebiete mit Glasfaseranschlüssen und investierten 2024 insgesamt 4,9 Milliarden Euro in den Ausbau.*

Glasfaserausbau in Zahlen: Zwischen Fortschritt und Herausforderungen

Der Glasfaserausbau in Deutschland zeigt messbare Fortschritte, doch die aktuellen Daten offenbaren eine komplexe Realität zwischen Verfügbarkeit und tatsächlicher Nutzung. Während die technische Erschließung von Haushalten kontinuierlich voranschreitet, klafft eine deutliche Lücke zwischen potenziellen und aktiv genutzten Anschlüssen.

Die Entwicklung der letzten Jahre verdeutlicht diesen Trend: 2023 erreichte Deutschland eine Glasfaserabdeckung von 35,6 % — Stand 2023 (Quelle: R-KOM). Bis Ende 2024 verfügten bereits 22,5 Millionen Haushalte über Glasfaserverfügbarkeit, was 48,8 % entspricht — Stand: Ende 2024 (Quelle: BREKO). Allerdings waren zu diesem Zeitpunkt nur 11,3 Millionen Haushalte tatsächlich angeschlossen, was einer Anschlussquote von 24,5 % entspricht — Stand: Ende 2024 (Quelle: BREKO)*.

Verfügbarkeit vs. Anschlussquoten

Die Diskrepanz zwischen verfügbaren und tatsächlich genutzten Glasfaseranschlüssen stellt eine zentrale Herausforderung dar. Während nahezu die Hälfte aller Haushalte theoretisch Zugang zu Glasfasertechnologie hat, nutzt nur etwa jeder vierte diesen Breitbandstandard aktiv. Diese Differenz von über 11 Millionen Haushalten zwischen Verfügbarkeit und tatsächlicher Nutzung zeigt, dass der reine Netzausbau nur eine Seite der Medaille ist.

Die Gründe für diese Nutzungslücke sind vielfältig: Neben mangelndem Bewusstsein für die Vorteile der Glasfasertechnologie spielen auch Wechselhürden, Vertragslaufzeiten bei bestehenden Anbietern und teilweise höhere Kosten eine Rolle. Zudem müssen viele Verbraucher erst von der Überlegenheit der Glasfasertechnologie gegenüber herkömmlichen DSL- oder Kabelanschlüssen überzeugt werden.

Öffentliche Fördermittel und Investitionen

Zur Beschleunigung des Glasfaserausbaus, insbesondere in unterversorgten Regionen, fließen erhebliche öffentliche Mittel. Im Jahr 2024 wurden laut Bundesministerium für Digitales und Verkehr über 4,5 Milliarden Euro für die gezielte Förderung des Glasfaserausbaus in Regionen mit schwacher Versorgung bereitgestellt — Stand 2024 (Quelle: BMDV)*.

Diese Fördermittel sollen gezielt die wirtschaftlich weniger attraktiven ländlichen Gebiete erschließen, wo private Investitionen allein oft nicht ausreichen. Die öffentliche Unterstützung komplementiert dabei die erheblichen Investitionen der Telekommunikationsunternehmen, die im gleichen Zeitraum Milliardenbeträge in den Netzausbau steckten.

Entwicklung der Glasfaserabdeckung und Anschlüsse

Jahr Homes Passed (%) Verfügbare Haushalte (M) Angeschlossene Haushalte (M) Quelle/Stand
2023 35,6 % Stand 2023 (Quelle: R-KOM)*
Ende 2024 48,8 % 22,5 11,3 Stand: Ende 2024 (Quelle: BREKO)*

Die drei zentralen Kennzahlen des aktuellen Glasfaserausbaus:

  • Glasfaserabdeckung 2023: 35,6 % — Stand 2023 (Quelle: R-KOM)*
  • Verfügbarkeit Ende 2024: 22,5 Mio. Haushalte (48,8 %) — Stand: Ende 2024 (Quelle: BREKO)*
  • Öffentliche Fördermittel 2024: über 4,5 Mrd. Euro — Stand 2024 (Quelle: BMDV)*

Die Zahlen belegen zwar einen kontinuierlichen Ausbau der Infrastruktur, doch die vergleichsweise niedrige Anschlussquote zeigt, dass technische Verfügbarkeit allein nicht ausreicht. Entscheidend wird sein, wie viele Haushalte und Unternehmen den Schritt zum tatsächlichen Glasfaseranschluss vollziehen und damit die Investitionen in die digitale Infrastruktur auch nutzen.

Der Streit um das obere 6‑GHz‑Band

Während die Glasfaserleitungen immer mehr Haushalte erreichen, entbrennt parallel ein technologischer Konflikt um die optimale Nutzung des oberen 6‑GHz‑Bandes (6425–7125 MHz). Dieser Frequenzbereich könnte die drahtlose Anbindung innerhalb von Gebäuden revolutionieren – doch seine Zukunft ist ungewiss. Derzeit läuft auf europäischer Ebene ein Konsultationsprozess, der entscheiden wird, ob das Band exklusiv dem Mobilfunk zugeteilt oder für leistungsstarke WLAN-Anwendungen geöffnet wird. Diese Entscheidung hat direkte Auswirkungen auf die Nutzung moderner Glasfaseranschlüsse in Privathaushalten und Unternehmen.

Positionen von Verbänden und Regierung

Die Fronten in dieser Debatte sind klar abgesteckt. Auf der einen Seite fordern Verbände wie der VKU und der BDEW die ausschließliche lizenzfreie Nutzung des gesamten Bandes für WLAN.* Dem gegenüber steht die Position der Bundesregierung, die sich seit 2024 auf Europaebene für eine exklusive Zuteilung an den Mobilfunk einsetzt – mit Verweis auf langfristige 6G-Planungen.*

Diese Haltung hat konkrete regulatorische Konsequenzen: Bis November 2025 steht der obere 6-GHz-Bereich in Deutschland weiterhin nicht für WLAN zur Verfügung.* Die WLAN-Branche wertet dies als Benachteiligung gegenüber anderen Regionen der Welt, wo diese Frequenzen bereits für drahtlose Anwendungen genutzt werden dürfen.*

Konsequenzen für Nutzer und Glasfaserbetreiber

Die praktischen Auswirkungen dieser Entscheidung sind unmittelbar spürbar. Während Glasfaseranschlüsse theoretisch Gigabit-Geschwindigkeiten bieten, kann das derzeitige WLAN-Spektrum diese Bandbreiten innerhalb von Gebäuden oft nicht vollständig übertragen. Das obere 6-GHz-Band würde hier Abhilfe schaffen.*

Für Glasfaserbetreiber bedeutet die Reservierung der Frequenzen für den Mobilfunk eine gefährliche Entwicklung. Sie befürchten, dass die Vorteile ihrer Investitionen in die Glasfaserinfrastruktur nicht vollständig beim Endkunden ankommen. Moderne Glasfasernetze könnten ihr volles Potenzial nicht entfalten, wenn die "letzten Meter" innerhalb der Gebäude durch überlastete WLAN-Frequenzen begrenzt bleiben.* Die Verbände sehen darin eine Gefährdung der bereits getätigten Milliardeninvestitionen in die digitale Infrastruktur Deutschlands.

Die Entscheidung über das 6-GHz-Band wird somit zur Weichenstellung für die Qualität der digitalen Vernetzung in den nächsten Jahren. Während die Mobilfunkbranche auf zukünftige 6G-Anwendungen verweist, betonen WLAN- und Glasfaserverbände die unmittelbaren Bedürfnisse von Haushalten und Unternehmen nach leistungsstarken drahtlosen Lösungen für bereits heute verfügbare Glasfaseranschlüsse.

Auswirkungen, Debatten und Ausblick

Die Forderungen des Glasfaserverbandes BREKO und die anstehenden politischen Entscheidungen haben unmittelbare Konsequenzen für Verbraucher, Städte und ländliche Regionen gleichermaßen. Während urbane Gebiete oft von mehreren Anbietern versorgt werden, bleibt die digitale Teilhabe in vielen ländlichen Räumen prekär. Diese Ungleichheit verdeutlicht, warum regulatorische Klarheit und gezielte Fördermaßnahmen keine technokratischen Detailfragen sind, sondern fundamentale Weichenstellungen für die Zukunftsfähigkeit des gesamten Landes.

Warum Planungssicherheit für Investoren wichtig ist

Die Telekommunikationsbranche steht vor der Herausforderung, Milliardeninvestitionen in die Glasfaserinfrastruktur zu tätigen – Vorhaben mit langen Amortisationszeiträumen und hohem Kapitalbedarf. Ohne verlässliche politische Rahmenbedingungen und regulatorische Kontinuität bleiben diese Investitionen jedoch riskant. Der BREKO betont, dass der aktuelle Ausbau auf Entscheidungen der letzten zwei bis vier Jahre zurückgeht und warnt davor, den weiteren Fortschritt als Selbstläufer zu betrachten. Investoren benötigen klare Signale, insbesondere bei der anstehenden TKG-Novelle und der Regulierung des Kupfer-Glasfaser-Upgrades, um langfristige Engagements einzugehen.

Gesellschaftliche Relevanz: Gleichwertige digitale Teilhabe

Schnelles Internet ist heute keine Luxusfrage mehr, sondern Grundvoraussetzung für Bildung, Arbeit, Gesundheitsversorgung und gesellschaftliche Teilhabe. Die digitale Spaltung zwischen gut versorgten Städten und unterversorgten ländlichen Regionen verstärkt bestehende sozioökonomische Ungleichheiten. Öffentliche Fördermittel spielen hier eine entscheidende Rolle: Im Jahr 2024 wurden laut Bundesministerium für Digitales und Verkehr über 4,5 Milliarden Euro für den gezielten Glasfaserausbau in strukturschwachen Regionen bereitgestellt.*

Diese Mittel sind jedoch nur ein Teil der Lösung – sie müssen durch private Investitionen ergänzt werden, die wiederum von stabilen politischen Rahmenbedingungen abhängen.

Aus Sicht der Branche sind jetzt konkrete Schritte von Politik und Regulatoren gefordert:

  • Die Bundesnetzagentur sollte zeitnah ein Regulierungskonzept vorlegen, das Planungssicherheit schafft
  • Die Bundesregierung muss einen verbindlichen Zeitplan für die TKG-Novelle vorlegen und klare Positionen im europäischen Digital Networks Act vertreten

Die anstehenden Entscheidungen werden maßgeblich bestimmen, ob Deutschland den Glasfaserausbau als gesamtgesellschaftliche Aufgabe begreift – oder weiterhin in fragmentierten Lösungen verharrt.

Alle hier bereitgestellten Informationen und Zitate stammen aus einer Pressemitteilung des Bundesverbandes Breitbandkommunikation e.V. (BREKO).

Weiterführende Quellen:

8 Antworten

  1. „Der Punkt über öffentliche Fördermittel ist sehr wichtig! Aber es braucht auch mehr private Investitionen in ländlichen Gebieten. Wie kann man sicherstellen, dass diese Mittel effektiv eingesetzt werden?“

  2. Ich bin verwirrt über die Entscheidung bezüglich des 6-GHz-Bands. Es scheint mir eine große Chance zu sein, aber wenn das nur für Mobilfunk reserviert wird, wie profitieren wir dann davon? Ich hoffe auf eine Änderung!

    1. Das sehe ich auch so! Wir brauchen mehr WLAN-Frequenzen für die Zukunft unserer Internetverbindungen. Mobilfunk ist wichtig, aber wir dürfen das WLAN nicht vergessen!

    2. „Ja genau! Das WLAN ist für viele von uns unverzichtbar geworden. Es ist wichtig, dass diese Frequenzen verfügbar bleiben für die Nutzung in unseren Häusern und Büros.“

  3. Die Zahlen sind wirklich beeindruckend und zeigen den Fortschritt. Dennoch verstehe ich nicht, warum so viele Haushalte noch nicht umgestiegen sind. Gibt es nicht genug Anreize? Was denkt ihr darüber?

  4. Ich finde es besorgniserregend, dass trotz der Fortschritte beim Glasfaserausbau immer noch so viele Haushalte nicht angeschlossen sind. Was könnten mögliche Lösungen sein, um die Anschlussquote zu erhöhen? Es wäre interessant zu hören, was andere denken.

    1. Ich stimme dir zu, Gertraud! Vielleicht könnten mehr Aufklärungskampagnen helfen, damit die Leute die Vorteile von Glasfaser erkennen.

    2. Eine gute Frage! Ich denke auch, dass man den Leuten einfach mal zeigen muss, wie viel schneller und zuverlässiger Glasfaser ist. Das würde sicher viele überzeugen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Über den Autor

Die Redaktion von Verbandsbüro besteht aus vielen unterschiedlichen Experten aus der Verbands- und Vereinswelt. Alle Beiträge beruhen auf eigene Erfahrungen. Damit wollen wir Ihnen unsere professionellen Leistungen für Ihre Organisation präsentieren. Wollen Sie mehr zu diesem Thema erfahren? Nehmen Sie doch einfach mit uns Kontakt auf.​