– Das DRK kritisiert Pläne zur Deckung der GKV-Finanzierungslücke durch pauschale Kostendeckelungen.
– Besonders Rettungsdienst und ambulante Pflege drohen Unterfinanzierung und Versorgungsrisiken.
– Das DRK fordert die vollständige Refinanzierung von Tariflöhnen und mehr Steuermittel für versicherungsfremde Leistungen.
DRK warnt beim GKV-Stabilisierungsgesetz vor Einschnitten in Rettungsdienst und Pflege
Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) unterstützt das Ziel, die Finanzierungslücke der gesetzlichen Krankenversicherung zu schließen. Zugleich warnt der Verband davor, die angestrebte Beitragsstabilisierung über pauschale Kürzungen in sensiblen Versorgungsbereichen zu erreichen.
Nach Einschätzung des DRK drohen Belastungen genau dort, wo Hilfe im Alltag und im Notfall verlässlich bereitstehen muss: im Rettungsdienst, in der ambulanten Pflege, beim Hausnotruf und in weiteren personalintensiven Angeboten. Der Verband sieht deshalb im geplanten GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz erheblichen Nachbesserungsbedarf.
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DRK unterstützt Reformziel, kritisiert aber die gewählten Mittel
In seiner Stellungnahme zum Gesetzentwurf begrüßt das DRK ausgabenbegrenzende Reformen, etwa bei hochpreisigen Arzneimitteln. Kritisch bewertet der Verband jedoch, dass aus seiner Sicht versicherungsfremde Leistungen nicht stärker aus Steuermitteln finanziert werden.
Das DRK verweist in diesem Zusammenhang auf eine aus seiner Sicht naheliegende Entlastung der Krankenkassen: „Allein durch die vollständige Finanzierung der Krankenkassenbeiträge der Bürgergeldempfänger aus Steuermitteln würden in der GKV rund 12 Milliarden Euro eingespart werden.“ Stattdessen würden Versorgungseinrichtungen zusätzlich belastet.
DRK-Generalsekretär Christian Reuter warnt vor den Folgen: „Dieses Vorgehen würde die Versorgungssicherheit insbesondere auf dem Land aufs Spiel setzen.“ Zudem betont er: „Am Ende ist niemandem geholfen, wenn wir zwar stabile Beiträge, aber keine Versorgungssicherheit haben.“
Finanzdruck in der GKV prägt die Debatte
Hintergrund des Gesetzes ist der hohe Finanzdruck in der GKV. Nach einer Auswertung von GKV 90 Prozent muss die gesetzliche Krankenversicherung im Jahr 2026 eine Finanzierungslücke von 17 Milliarden Euro schließen. Der Referentenentwurf des Bundesgesundheitsministeriums setzt deshalb auf mehrere Maßnahmen, um Beiträge kurzfristig zu stabilisieren.
Dazu gehört auch die zeitliche Verschiebung finanzieller Lasten. Die Rückzahlung von Darlehen in Höhe von 5,6 Milliarden Euro aus den Jahren 2023, 2025 und 2026 soll nach dem Entwurf auf den Zeitraum 2035 bis 2039 verlagert werden. Aus Sicht des DRK wird damit zwar kurzfristig Entlastung organisiert, die Auswahl der Mittel greife aber in zentralen Bereichen der Versorgung zu stark ein.
Rettungsdienst aus Sicht des DRK besonders gefährdet
Besonders deutlich fällt die Kritik des Verbandes beim Rettungsdienst aus. Nach Darstellung des DRK würden die geplante Begrenzung von Vergütungssteigerungen auf die Grundlohnrate und zusätzliche Abschläge in den Jahren 2027 bis 2029 reale Kostensteigerungen nicht ausreichend abbilden.
Der Verband warnt deshalb vor einer strukturellen Unterfinanzierung der rettungsdienstlichen Vorhaltung. Zugleich fehle es an gesetzlichen Regelungen, wie daraus entstehende Finanzierungslücken geschlossen werden sollen. Für das DRK geht es dabei nicht nur um wirtschaftliche Fragen, sondern auch um die Stabilität des Systems in Krisenlagen.
Christian Reuter formuliert es so: „Im Zusammenwirken mit der vorgesehenen Reform der Notfallversorgung steht somit auch mehr denn je in Frage, wie beispielsweise noch Vorhaltung für größere Schadenslagen und Katastrophen betrieben werden kann. Dabei sollten wir im Gegenteil unsere Widerstandsfähigkeit für Krisenfälle deutlich steigern,“ sagt der DRK-Generalsekretär.
Kritik an geplanter Begrenzung tariflicher Refinanzierung
Ein weiterer zentraler Kritikpunkt betrifft die vorgesehene Abkehr von der vollständigen Refinanzierung tariflich bedingter Kostensteigerungen. Das DRK sieht darin einen Einschnitt in Bereichen, die schon heute stark vom Personalmangel geprägt sind.
Reuter macht die Position des Verbandes klar: „Wer gute Versorgung, Personalbindung und verlässliche Arbeitsbedingungen will, muss tarifgebundene Arbeit auch finanzieren“ so Christian Reuter.
Für die ambulante Pflege hält das DRK die Folgen für besonders problematisch. Wenn tarifliche Lohnentwicklungen nicht mehr verlässlich refinanziert werden, steigt nach Einschätzung des Verbandes der wirtschaftliche Druck auf Pflegedienste weiter. Das könne Beschäftigte zusätzlich belasten, Qualitätsverluste begünstigen, den Pflegekräftemangel verschärfen und die Versorgung vor allem in ländlichen oder strukturschwachen Regionen erschweren.
Hausnotruf soll nicht unter pauschalen Festbeträgen leiden
Auch beim Hausnotruf sieht das DRK Risiken. Kritisch bewertet der Verband die vorgesehenen pauschalen Festbeträge und begrenzten Vergütungssteigerungen. Der Hausnotruf habe eine wichtige Funktion für Lebensqualität, Selbstständigkeit und Teilhabe.
Wenn steigende Personal- und Sachkosten nicht mehr ausreichend gedeckt würden, drohten aus Sicht des DRK wirtschaftliche Schieflagen bei Anbietern und in der Folge Einschränkungen für Nutzerinnen und Nutzer.
Streitpunkt Bürgergeld und Bundeszuschüsse
Im Kern dreht sich die Auseinandersetzung um die Frage, wer für versicherungsfremde Leistungen aufkommen soll. Das DRK fordert, der Bund müsse diese Kosten stärker aus dem Bundeshaushalt tragen, statt die Last im System der gesetzlichen Krankenversicherung zu belassen.
Der Verband sieht gerade bei den Beiträgen für Bürgergeldempfänger erhebliches Entlastungspotenzial für die GKV. Damit verbindet das DRK die Forderung, die Finanzierungslücke nicht einseitig über Leistungserbringer oder Versicherte zu schließen, sondern die staatliche Verantwortung anders zu verteilen.
DRK fordert Überarbeitung des Gesetzentwurfs
Für das weitere Gesetzgebungsverfahren ist aus Sicht des DRK entscheidend, ob neben der Stabilisierung der Beiträge auch die Tragfähigkeit der Versorgung berücksichtigt wird. Der Verband macht deutlich, dass der Entwurf in seiner jetzigen Form überarbeitet werden sollte.
Christian Reuter erklärt dazu: „Es gibt einige positive Vorhaben in diesem Gesetz. Aber bei der Ausarbeitung wurde teilweise zu wenig auf die derzeitige Lage beispielsweise beim Personal und bei strukturellen Besonderheiten von systemrelevanten Versorgungsbereichen wie der ambulanten Pflege geachtet“, sagt Christian Reuter.
Zugleich verbindet das DRK seine Kritik mit einem weitergehenden politischen Appell: „Um das Gesundheitssystem zu entlasten und letztlich auch Kosten zu sparen, sollte die Bundesregierung zudem endlich mehr auf Gesundheitsförderung und Prävention setzen.“
Damit macht das DRK deutlich, worauf es ihm beim GKV-Stabilisierungsgesetz ankommt: kurzfristige finanzielle Entlastung darf aus Sicht des Verbandes nicht zulasten von Versorgungssicherheit, Pflege, Rettungsdienst und verlässlicher Hilfe im Alltag gehen.
Alle hier bereitgestellten Informationen und Zitate stammen aus einer Pressemitteilung des Deutschen Roten Kreuzes.
Weiterführende Quellen:
- „Das Defizit für Bürgergeldempfänger-Beiträge in der GKV beträgt 12 Mrd. Euro, die allein von Beitragszahlern getragen werden (Stand: 16. April 2026).“ – Quelle: https://www.tk.de/presse/themen/finanzen/finanzierung-von-gesundheit/dr-jens-baas-statement-entwurf-beitragsstabilisierungsgesetz-2216010
- „Die GKV muss im Jahr 2026 eine Finanzlücke von 17 Mrd. Euro schließen (Stand: 2026).“ – Quelle: https://www.gkv-90prozent.de/ausgabe/29/meldungen/29_gkvfinanzierung/29_gkvfinanzierung.html
- „Einsparungen von 1,8 Mrd. Euro bei Kliniken werden durch die Begrenzung des Vergütungsanstiegs auf Kostensteigerungen angestrebt (Stand: 2026).“ – Quelle: https://www.apotheken-umschau.de/gesundheitspolitik/krankenkassenbeitraege-2026-sofortmassnahmen-zur-stabilisierung-1424235.html
- „Der Referentenentwurf sieht eine Verschiebung der Rückzahlung von Darlehen in Höhe von 5,6 Mrd. Euro aus den Jahren 2023, 2025 und 2026 auf den Zeitraum 2035–2039 vor (Stand: 2026).“ – Quelle: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/Gesetze_und_Verordnungen/GuV/S/RefE_BStabG_2026.pdf
- „Die Kassenärztliche Bundesvereinigung kritisiert die Streichung der Möglichkeit, die Entwicklung der Grundlohnsumme bei vertraglich abgesicherten Kosten zu überschreiten (Stellungnahme vom 20. April 2026).“ – Quelle: https://www.kbv.de/documents/positionen/stellungnahmen/2026/kbv-stellungnahme-beitragssatzstabilisierungsgesetz.pdf
Update: Warum das Thema wichtig bleibt
Die Frage, wie die Finanzierungslücke der gesetzlichen Krankenversicherung geschlossen werden soll, entscheidet über mehr als „stabile Beiträge“. Das DRK warnt davor, dass pauschale Kürzungen gerade dort ansetzen könnten, wo Versorgung im Alltag und im Notfall besonders verlässlich sein muss – etwa im Rettungsdienst und in der ambulanten Pflege.
Für Betroffene, aber auch für die organisierenden Strukturen wird damit zentral, ob kurzfristige Entlastung nicht zu nachhaltigen Problemen führt. Wenn Tariflöhne nicht vollständig refinanziert werden, könnten Pflegedienste stärker unter Druck geraten; im Rettungsdienst droht nach DRK-Einschätzung Unterfinanzierung. Auch bei Hausnotruf und im Blick auf Krisen- und Katastrophenlagen sieht das DRK Risiken.
Was Leserinnen und Leser jetzt wissen sollten
Warum kritisiert das DRK die geplante Beitragsstabilisierung?
Weil aus DRK-Sicht pauschale Kürzungen in personalintensiven Bereichen die Versorgungssicherheit gefährden könnten.
Wer soll nach Ansicht des DRK „versicherungsfremde Leistungen“ finanzieren?
Das DRK fordert eine stärkere Finanzierung durch Steuermittel bzw. aus dem Bundeshaushalt statt über das System der GKV.
Was ist laut Beitrag beim Rettungsdienst besonders riskant?
Es geht um reale Kostensteigerungen, die nach DRK-Darstellung nicht ausreichend abgebildet und gesetzlich nicht klar ausgeglichen werden.
Wo können sich Nutzerinnen und Nutzer bei möglichen Einschränkungen informieren?
Eine passende Anlaufstelle können Fachstellen, Beratungsstellen oder zuständige Behörden sein.
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13 Kommentare
Ich find es gut dass DRK aufpasst, denn in ländlichen regionen ist Versorgungsdichte sowieso schwach. Wenn Tariflöhne nicht komplett refinanziert werden dann Pflegedienste kriegen noch weniger Spielraum, Qualität und Personalsituation verschlechtert sich. Politik muss Bund mehr in Pflicht nehmen, zB Bundeszuschuss erhöhen /politik/laendliche-versorgung /themen/pflegemangel
Kurz und knapp: pauschale Festbeträge für Hausnotruf und pauschalabschläge sind riskant. Hausnotruf sorgt für Selbstständigkeit, das darf nicht unterfinanziert werden. Wir brauchen bessere, differenzierte Finanzierungslösungen und klare gesetzesregelungen wie Versorgungslücken geschlossen werdn /service/hausnotruf /themen/selbsthilfe
Stimme zu, aber wie erreicht man das politisch? DRK fordert mehr Steuermittel, das ist plausibel. Vielleicht sollte man eine kampagne starten, lokale Abgeordnete anschreiben und aufzeigen wie Rettungsdienst und ambulante pflege betroffen sind. Vorschlag: Musterschreiben /mitmachen/aktion und infos /themen/pflege
Die Vorschläge im Gesetzentwurf sind zwar zum Teil positiv (zB bei teuren Arzneimitteln) aber die Lastenverschiebung wirkt ungerecht. Wenn Rückzahlungen verschoben werden dann zahlt die Zukunft, das ist riskant. Viel besser wäre dauerhafte Finanzierungslösungen und mehr Prävention /themen/medikamente /politik/zukunft
Also das DRK sagt klar: tariflöhne müssen voll refinanziert bleiben, sonst gibt es mehr pflegemangel. Ich finde das logisch, menschen die im Rettungsdienst arbeiten sollen anständig bezahlt werdn. Warum wird nicht erst Bundeszuschuss erhöht bevor Leistungerbringer belastet werden? Mehr infos: /themen/pflege /politik/zuschuesse
Ich versteh das so, wenn man Vergütungssteigerungen limitieret dann kliniken und Rettungsdienste kriegen probleme in Krisenlagen. Das kann die Katastrophenfestigkeit schwächen. Wäre besser Prävention und Gesundheitsförderung stärken statt nur sparen. Link intern /service/katastrophenschutz und /themen/praevention
Die Zahl 17 Mrd klingt erschreckend, aber wenn Bund Bürgergeld beiträge übernimmt spart das GKV viel. Wieso wird das nicht sofort gemacht? Politisch ist das wohl kompliziert aber praktisc h wäre es fairer. Hat jemand info zu parlamentarischem prozess? /politik/bundestag /themen/sozialpolitik
Neutral gesagt, die Vorschläge im Entwurf erscheinen kurzfristig wirksam aber riskant für Versorgungsstabilität. Hausnotruf, ambulante pflege und Rettungsdienst sind personal intensiv und pauschalbeträge decken nicht reale Kostensteigerungen. Können wir nicht statt pauschalen festbeträgen differenzieren, vielleicht mehr Steuermittel nutzen /themen/hausnotruf /politik/gkv-stabilisierung
Ich bin unsicher ob die Begrenzung auf Grundlohnrate sinnvoll ist, das klingt technisch und verhehlt das Problem das Tariflohnanstieg real ist. Wenn Pflegekräfte weniger bekommen dann qualität leidet. Gibt es Beispiele aus anderen Ländern wie Finanzierung besser geht, link /vergleich/gesundheitssysteme hilft?
Danke für den Beitrag, brauch mehr Details zur Reform der Notfallversorgung. Steuermittel statt GKV beiträge für Versicherungsfremde leistungen waere gerecht,aber wie wird das budget ausgeglichen? Ist das politisch machbar ohne neue Steuern? siehe auch /politik/finanzierung und /themen/notfallversorgung
Ich find die DRK warnung wichtig, aber was heist das konkret für uns hier vor ort? Die GKV hat 17 Mrd lücke und wenn man pauschal kürzt dann Rettungsdienst und ambulantePflege leidet. Tariflöhne müssen voll bezahlt werdn, sonst geht Personal verloren. Mehr Steuermittel für Bürgergeld wäre logischer /politik/gkv-stabilisierung /themen/pflege
Guter punkt von Yschulze, ich frage mich ob das verschieben der Darlehen auf 2035 wirklich hilft oder nur zeit schiebt. Wenn Grundlohnsumme begrenzt wird dann Rettungsdienstvorhaltung leidet. Gibt es mehr infos hier /service/hausnotruf oder in anderen artikeln zur Finanzierung, wer zahlt am Ende?
Das mit Bürgergeld beiträgen ist wichtig, 12 Mrd ersparnis klingt groß aber wird das politisch so einfach? Meiner meinung nach sollte Bund mehr steuern rein tun, statt Kassen und Pflegedienste zu drücken. Siehe auch /politik/buergergeld und /themen/finanzen fände es gut wenn jemand mehr zahlen würde