– GKV-Mehrkostenbericht liefert verzerrtes Bild, verursacht erheblichen Verwaltungsaufwand ohne Versorgungsnutzen.
– SPECTARIS fordert ersatzlose Streichung von §302 Abs.5 SGB V und einfachere Kostenübernahmestandards.
– Verband schlägt direkten Hilfsmittelzugang und automatische Kostenübernahme bei ärztlicher Verordnung vor.
Kritik am GKV-Mehrkostenbericht: Bürokratie statt Transparenz
Mit der aktuellen Veröffentlichung des Mehrkostenberichts durch den GKV-Spitzenverband wird erneut deutlich, warum der Deutsche Industrieverband SPECTARIS die jährliche Erstellung des Berichts als überflüssig ablehnt. *„Was als Beitrag zur Transparenz gedacht war, hat sich längst zu einer Belastung für Patienten, Leistungserbringer und das gesamte Gesundheitssystem entwickelt.“ Diese deutliche Kritik bringt auf den Punkt, dass der Bericht nicht das abbildet, was er eigentlich bezwecken soll. Statt die Versorgung gesetzlich Versicherter realistisch darzustellen, liefert der Bericht ein verzerrtes Bild und sorgt für unnötigen Verwaltungsaufwand. Dabei verschärft er insbesondere die Situation für chronisch kranke und mobilitätseingeschränkte Menschen, für die er eine erhebliche Hürde auf dem Weg zur notwendigen Versorgung darstellt.
Die methodische Grundlage des Berichts erweist sich als ungeeignet, um die tatsächlichen Zuzahlungen angemessen zu erfassen. Wichtige Kostenpositionen bleiben außen vor, wenn sie zeitlich außerhalb der eigentlichen Leistungserbringung anfallen. Daher fehlt es am praktischen Nutzen, denn laut SPECTARIS zeigen die bisherigen Berichte keine Wirkung auf das Verhalten der Krankenkassen und verbessern weder die Versorgungsqualität noch das Versorgungserlebnis der Patientinnen und Patienten. *„Der Bericht liefert ein verzerrtes Bild der Versorgung, verursacht unnötigen Verwaltungsaufwand und führt in der Praxis zu keinerlei spürbaren Verbesserungen für Betroffene.“
Auch für Leistungserbringer ist der Aufwand enorm. Die komplexe Datenerhebung erhöht den Druck auf die Anbieter medizintechnischer Hilfsmittel und führt zu bürokratischen Belastungen, die von den eigentlichen Aufgaben ablenken. Deshalb fordert SPECTARIS die ersatzlose Streichung von § 302 Abs. 5 SGB V, der die jährliche Erstellung des Berichts vorschreibt. *„Die Abschaffung des Mehrkostenberichts wäre ein klares Signal für Bürokratieabbau und Patientennähe.“
Statt an einem überholten Verfahren festzuhalten, schlägt der Verband praxistaugliche Alternativen vor. Dazu gehören klare, vereinfachte Standards zur Kostenübernahme, die sich auf Produkte im Hilfsmittelverzeichnis beschränken und ohne aufwendige Dokumentation auskommen. Ein weiterer Ansatz ist der direktere Zugang zu Hilfsmitteln auf Basis ärztlicher Verordnung und medizinischer Notwendigkeit, der die Versorgung spürbar erleichtern könnte. Auch eine automatische Kostenübernahme für ärztlich verordnete Hilfsmittel wäre vorstellbar und verspricht langfristig mehr Effizienz bei deutlich reduziertem Verwaltungsaufwand. Gemeinsam ist all diesen Vorschlägen, dass sie das Verfahren vereinfachen und die Versorgung der Patientinnen und Patienten erheblich beschleunigen würden.
Die Medizintechnik-Branche selbst nimmt in Deutschland eine bedeutende Rolle ein. Im Jahr 2024 beschäftigte sie rund 212.100 Menschen und erzielte eine Bruttowertschöpfung von 19,7 Milliarden Euro. Mit über 1.510 Herstellern und mehr als 166.000 Beschäftigten zählt sie zu den wichtigsten Industriezweigen. Der Gesamtumsatz belief sich auf über 41,4 Milliarden Euro (55 Milliarden Euro inklusive Kleinstunternehmen), wovon 68 Prozent aus dem Auslandsgeschäft stammen. Zudem investiert die Branche etwa 9 Prozent ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Die Mehrzahl der Unternehmen – 93 Prozent – sind kleine und mittlere Unternehmen (KMU).
SPECTARIS vertritt als führender Industrieverband die Interessen von 400 überwiegend mittelständischen Unternehmen aus der Optik-, Photonik-, Analyse- und Medizintechnik. Der Fachverband Medizintechnik bildet mit rund 130 Herstellern, Zulieferern sowie Hilfsmittel-Leistungserbringern und Homecare-Providern eine repräsentative Vertretung der Branche, insbesondere im Bereich der respiratorischen Heimtherapie. Die aktuelle Kritik am Mehrkostenbericht unterstreicht die Bedeutung einer patienten- und praxisorientierten Versorgung, die nicht durch bürokratische Hürden ausgebremst wird.
Warum der Bürokratie-Streit um den Mehrkostenbericht die Versorgung berührt
Die Debatte um den Mehrkostenbericht der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) geht weit über reine Fachkreise hinaus: Sie betrifft Patientinnen und Patienten, Unternehmen und das Gesundheitssystem insgesamt. Ursprünglich sollte dieser Bericht Transparenz schaffen und die Mehrkosten bei Hilfsmitteln transparent machen. Doch inzwischen werfen Kritiker dem Verfahren unnötige Bürokratie und fehlende Praxisrelevanz vor. Die Folge: Ein erheblicher Mehraufwand für alle Beteiligten ohne erkennbare Verbesserungen für die Versorgung.
Der Mehrkostenbericht erhebt systematisch Daten, die jedoch laut Branchenvertretern wie dem Fachverband Medizintechnik bei SPECTARIS ein verzerrtes Bild der tatsächlichen Versorgung zeichnen. Besonders problematisch ist, dass nicht alle relevanten Kostenpositionen erfasst werden und Ausgaben, die zeitlich außerhalb der Leistungserbringung liegen, unberücksichtigt bleiben. Dadurch entsteht eine Datengrundlage, die weder die realen Belastungen der Patientinnen und Patienten abbildet noch den Kassen als Grundlage für qualitätssteigernde Maßnahmen dient.
Diese permanente Datenerhebung bindet erhebliche Ressourcen von Leistungserbringern und Patientinnen, vor allem von chronisch Kranken und mobilitätseingeschränkten Menschen, die auf Hilfsmittel angewiesen sind. Statt Entlastung sorgt der Bericht für zusätzliche Verwaltungsaufwände, die den Zugang zur Versorgung erschweren können. Auch die Hersteller und Anbieter von medizintechnischen Produkten sehen sich dadurch stark belastet. Die Medizintechnik-Branche in Deutschland ist ein bedeutender Arbeitgeber, der mit mehr als 200.000 Beschäftigten und einem Umsatz in Milliardenhöhe einen wichtigen Beitrag zur Gesundheitsversorgung leistet.
Regulatorische Belastung für Patienten und Unternehmen
Die Kritik am Mehrkostenbericht lässt sich vor allem auf folgende Herausforderungen reduzieren:
- Unnötiger bürokratischer Aufwand bei der Datenerhebung und -aufbereitung, der Zeit und Geld kostet
- Fehlende Abbildung der tatsächlichen Kosten, insbesondere bei zeitlich versetzten Ausgaben oder besonderen Patientengruppen
- Einschränkungen im Zugang zu Hilfsmitteln durch komplexe Dokumentationspflichten, die vor allem vulnerable Gruppen betreffen
Diese Probleme summieren sich zu einer Belastung, die weit über eine technische Verwaltungsmaßnahme hinausgeht und die Versorgung direkt beeinträchtigt.
Zukunftsperspektiven für eine effiziente Hilfsmittelversorgung
Um diese Herausforderungen zu bewältigen, braucht es praktikablere und patientenorientierte Lösungen. Branchenvertreter schlagen unter anderem vor, den Mehrkostenbericht ersatzlos zu streichen und durch einfachere Verfahren zu ersetzen. Denkbar sind folgende Reformansätze:
- Klare und vereinfachte Standards zur Kostenübernahme, die auf dem Hilfsmittelverzeichnis basieren und nicht mehr aufwändig dokumentiert werden müssen
- Ein direkterer Zugang zu Hilfsmitteln, der auf ärztlicher Verordnung und medizinischer Notwendigkeit beruht
- Eine automatische Kostenübernahme bei ärztlich verschriebenen Hilfsmitteln, um bürokratische Hürden dauerhaft abzubauen
Diese Ansätze zielen darauf ab, den Verwaltungsaufwand einzuschränken, Versorgungslücken zu schließen und Patientinnen und Patienten einen schnelleren Zugang zu notwendigen Hilfsmitteln zu ermöglichen.
In der Gesundheitspolitik zeichnet sich ab, dass die Diskussion um den Mehrkostenbericht über eine reine Kostenkontrolle hinausgeht. Politikerinnen und Politiker könnten künftig verstärkt Wert auf Effizienz und Patientenorientierung legen, indem sie bürokratische Belastungen reduzieren und pragmatischere Verfahren fördern. Ein solcher Kurswechsel würde nicht nur die Versorgung verbessern, sondern auch die Innovationskraft der Medizintechnikbranche stärken und so mittel- bis langfristig dem gesamten Gesundheitswesen zugutekommen.
Die Informationen und Zitate in diesem Beitrag beruhen auf einer Pressemitteilung von SPECTARIS – Deutscher Industrieverband für Optik, Photonik, Analysen- und Medizintechnik e. V.