Gewalt gegen Krankenhauspersonal: 66 Prozent mehr Übergriffe – Pflegekräfte besonders betroffen

Gewalttätige Übergriffe auf Krankenhauspersonal nehmen deutlich zu. Laut einer aktuellen Umfrage der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) verzeichneten *66 Prozent der Krankenhäuser* einen Anstieg, besonders betroffen sind Notaufnahmen und Pflegekräfte. Die DKG fordert unter anderem eine strafrechtliche Gleichstellung mit Angriffen auf Einsatzkräfte und eine Refinanzierung von Schutzmaßnahmen.

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Das Wichtigste in Kürze

  • 66 Prozent der Krankenhäuser verzeichnen mehr Gewalt, besonders in Notaufnahmen und bei Pflegekräften.
  • Nur 43 Prozent der Häuser stellen nach Übergriffen Strafanzeige, trotz hoher Gewaltbelastung.
  • Hauptursachen sind Respektverlust, lange Wartezeiten und krankheitsbedingte Faktoren.
  • Die WHO meldet europaweit 10 Prozent körperliche Gewalt und ein Drittel andere Gewaltformen gegen Gesundheitsbeschäftigte.
  • Die DKG fordert strafrechtliche Gleichstellung und Refinanzierung von Schutzmaßnahmen für Krankenhauspersonal.

– Gewalt gegen Krankenhauspersonal ist in 66 Prozent der Häuser gestiegen.
– Besonders betroffen sind Pflegekräfte, überwiegend Frauen in der Notaufnahme.
– Nur 43 Prozent der Krankenhäuser stellen nach Übergriffen Strafanzeige.

Gewalt in Kliniken: Übergriffe auf Personal nehmen deutlich zu

Anlässlich des Internationalen Tages zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen am 25. November 2025 veröffentlicht die Deutsche Krankenhausgesellschaft alarmierende Zahlen: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Krankenhäusern sind immer stärker gewalttätigen Übergriffen ausgesetzt. Das ergab eine neue Umfrage des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) im Auftrag der DKG (Stand: 24.11.2025)*.

66 Prozent der Krankenhäuser gaben an, dass die Zahl der Übergriffe in ihren Häusern mäßig (42 Prozent) oder deutlich (24 Prozent) gestiegen sei. Besonders betroffen ist die Notaufnahme – 95 Prozent der Krankenhäuser haben dort Übergriffe registriert. Als Hauptgründe nennen die Kliniken neben krankheitsbedingten Ursachen allgemeinen Respektverlust (71 Prozent) und lange Wartezeiten (41 Prozent).

Die Gewalt trifft besonders Pflegekräfte: Im Mittelwert sind bei 51 Prozent der gewalttätigen Übergriffe Pflegekräfte betroffen, bei 21 Prozent Ärztinnen und Ärzte und bei sechs Prozent Beschäftigte in anderen Bereichen. „Wenn Pflegekräfte angegriffen werden, trifft es vor allem Frauen, denn der Pflegeberuf ist noch immer hauptsächlich weiblich besetzt“, erklärt die stellvertretende DKG-Vorstandsvorsitzende Prof. Dr. Henriette Neumeyer.

Die Krankenhäuser reagieren mit Schutzmaßnahmen: 77 Prozent der Kliniken schulen Beschäftigte besonders betroffener Bereiche in Deeskalation, 47 Prozent trainieren alle Stationen. Zwei Drittel verfügen über Gefährdungsbeurteilungen und Alarmierungsketten, mehr als ein Drittel hat Gebäude baulich angepasst. Allerdings stellen nur 43 Prozent der Krankenhäuser nach Übergriffen Strafanzeige.

„Auffällig bleibt das Phänomen, dass Übergriffe nur selten zu Strafanzeigen führen“, so Neumeyer weiter. Die DKG fordert die strafrechtliche Gleichstellung von Übergriffen auf Krankenhauspersonal mit denen auf Einsatzkräfte sowie die Refinanzierung von Schutzmaßnahmen.*

Regionale Fallzahlen und europäischer Vergleich

Die Gewalt gegen medizinisches Personal zeigt sich in regionalen Statistiken mit unterschiedlicher Intensität. In Berlin wurden 194 Fälle von Körperverletzungen gegen Gesundheitspersonal dokumentiert (Stand: 2023)*.

Aktuellere Zahlen aus anderen Bundesländern bestätigen dieses Muster: In Hessen registrierten Krankenhäuser 189 Übergriffe gegen Krankenhauspersonal insgesamt, davon 155 Pflegekräfte und 34 Ärzte (Stand: 2024). Baden-Württemberg meldete sogar 447 Straftaten gegen Ärzte und medizinisches Personal (Stand: 2024).

Die unterschiedlichen Begrifflichkeiten – von "Fällen" über "Übergriffe" bis zu "Straftaten" – spiegeln verschiedene Erfassungsmethoden der Länder wider, erschweren jedoch einen direkten Vergleich.

Jahr Region Gemeldete Vorfälle Stand
2023 Berlin 194 Fälle von Körperverletzungen 2023
2024 Hessen 189 Übergriffe (155 Pflegekräfte, 34 Ärzte) 2024
2024 Baden-Württemberg 447 Straftaten 2024

Europaweiter Kontext

Das Problem beschränkt sich nicht auf Deutschland. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) veröffentlichte im Oktober 2025 alarmierende Zahlen für die europäische Region: 10 Prozent der befragten Gesundheitsbeschäftigten berichteten über körperliche Gewalt und sexuelle Belästigung im vergangenen Jahr (Stand: Oktober 2025)*. Noch höher liegt die Zahl bei anderen Formen von Gewalt – ein Drittel der Beschäftigten war davon betroffen.

Diese internationalen Daten zeigen: Die Sicherheit von medizinischem Personal stellt ein gesamteuropäisches Problem dar, das länderübergreifende Lösungsansätze erfordert. Die WHO-Zahlen unterstreichen die Dringlichkeit, gegen Gewalt im Gesundheitswesen vorzugehen – sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene.

Gewalt im Gesundheitswesen – eine gesellschaftliche Zerreißprobe

Die zunehmende Gewalt gegen Krankenhauspersonal hinterlässt tiefe Spuren – bei den direkt Betroffenen, im Betriebsalltag der Kliniken und nicht zuletzt in der Gesellschaft. Die Folgen reichen weit über einzelne Vorfälle hinaus und gefährden langfristig die Gesundheitsversorgung. Besonders betroffen sind Berufsgruppen mit hohem Frauenanteil, was die Gewaltproblematik zu einer Frage der Geschlechtergerechtigkeit macht.

Ein Blick über die nationalen Grenzen zeigt: Das Phänomen ist europaweit verbreitet. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stellt für Europa fest: 10 Prozent der befragten Gesundheitsbeschäftigten berichteten im vergangenen Jahr über körperliche Gewalt und sexuelle Belästigung; ein Drittel war von anderen Formen von Gewalt betroffen (Stand: Oktober 2025)*. Diese Zahlen verdeutlichen die systematische Dimension des Problems.

Die konkreten Auswirkungen für die Beschäftigten und den Krankenhausbetrieb sind vielfältig:

  • Psychische Belastungen wie Angstzustände, Schlafstörungen und posttraumatische Belastungsreaktionen
  • Operative Störungen durch Arbeitsausfälle und den erhöhten Aufwand für Deeskalation und Sicherheitsmaßnahmen
  • Personalentwicklung durch sinkende Motivation, innere Kündigungen und erhöhte Fluktuation

Diese Effekte verstärken sich gegenseitig: Wer sich unsicher fühlt, ist weniger leistungsfähig. Wer ständig überfordert ist, denkt eher über einen Berufswechsel nach. In der Pflege, einem traditionell weiblich dominierten Berufsfeld, trifft diese Abwärtsspirale besonders Frauen. Die Gewalterfahrungen im Berufsalltag spiegeln damit gesellschaftliche Machtverhältnisse wider und werfen ein Schlaglicht auf die Wertschätzung von Sorgearbeit.

Die Konsequenzen dieser Entwicklung gehen weit über die Krankenhausmauern hinaus. Wenn erfahrenes Personal den Beruf verlässt, leidet die Versorgungsqualität. Wenn der Pflegeberuf als gefährlich gilt, sinkt die Attraktivität für Nachwuchskräfte. Und wenn sich die Gewalt gegen jene richtet, die helfen wollen, wird das Fundament unseres Gesundheitswesens brüchig. Die Gewalt im Krankenhaus ist somit kein isoliertes Problem, sondern ein Indikator für den Zustand unserer Gesellschaft – und eine unübersehbare Warnung, die dringendes Handeln erfordert.

Ausblick: Was jetzt zu tun ist

Die strukturelle Gewalt gegen Krankenhauspersonal erfordert entschlossenes Handeln auf mehreren Ebenen.

Politik und Justiz stehen in der Pflicht, rechtliche Lücken zu schließen. Die Forderung nach strafrechtlicher Gleichstellung von Übergriffen auf Krankenhauspersonal mit Angriffen auf Einsatzkräfte findet Unterstützung bei unabhängigen Rechtsexperten.* Parallel müssen Krankenhäuser die Refinanzierung von Schutzmaßnahmen erhalten – von Sicherheitspersonal bis zu baulichen Anpassungen.*

Zwei konkrete Ansätze versprechen schnelle Wirkung: Bessere Meldewege könnten die Hemmschwelle für Betroffene senken, Vorfälle zu dokumentieren. Zugleich sollte gezielte Finanzierung Kliniken ermöglichen, Deeskalationstrainings flächendeckend auszubauen und technische Schutzvorkehrungen zu verstärken.*

Nachhaltiger Schutz des Gesundheitspersonals gelingt nur durch abgestimmtes Handeln von Politik, Justiz und Klinikträgern.*

Die folgenden Angaben beruhen auf einer Pressemitteilung der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG).

Weiterführende Quellen:

Bild von Über das Autor:innen-Netzwerk von verbandsbuero.de

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