Gewalt gegen Lehrer: Alarmierende Zahlen & was der Lehrerverband jetzt fordert

Der Deutsche Lehrerverband reagiert auf aktuelle Zahlen zu Gewalt gegen Lehrkräfte und bewertet die Lage als alarmierend. Der Verband fordert verbindliche Schutzkonzepte mit klaren Meldewegen und mehr Schulsozialarbeit. Er sieht die Angriffe als Teil eines gesellschaftlichen Problems, bei dem Respekt vor öffentlichen Ämtern abnimmt.
Gewalt gegen Lehrer: Alarmierende Zahlen & was der Lehrerverband jetzt fordert

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– Der Deutsche Lehrerverband warnt vor alarmierend zunehmender Gewalt gegen Lehrkräfte an Schulen.
– Der Verband fordert verbindliche Schutzkonzepte mit Prävention, Intervention und rechtlicher Rückendeckung.
– Gewalt gegen Lehrkräfte wird als Teil eines gesellschaftlichen Problems mit sinkendem Respekt gesehen.

Gewalt gegen Lehrkräfte: Deutscher Lehrerverband fordert verbindliche Schutzkonzepte an Schulen

Die zunehmende Gewalt gegen Lehrkräfte ist aus Sicht des Deutschen Lehrerverbands ein ernstes Warnsignal für den Schulalltag. Der Verband sieht darin kein Randphänomen einzelner Vorfälle, sondern eine Frage der Sicherheit an Schulen insgesamt.

Verbandspräsident Stefan Düll macht die Haltung des Lehrerverbands deutlich: „Die Zahlen sind alarmierend und bestätigen, was viele Lehrkräfte seit Jahren erleben: Gewalt, Bedrohungen und Respektlosigkeit.“ Für den Verband steht deshalb fest, dass es nicht bei einer Problembeschreibung bleiben darf. Schulen bräuchten verbindliche und belastbare Strukturen zum Schutz von Lehrerinnen und Lehrern.

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Schutz von Lehrkräften als Teil der schulischen Sicherheit

Der Lehrerverband verbindet die Debatte ausdrücklich mit der Rolle von Schule als öffentlichem Raum. Düll formuliert dazu: „Wer Lehrkräfte angreift, greift die Schule als zentralen Ort des gesellschaftlichen Zusammenhalts an. Das dürfen wir nicht hinnehmen: Lehrkräfte haben ein Recht auf einen Arbeitsplatz ohne Gewalt.“

Damit rückt der Verband den Schutz von Lehrkräften in einen größeren Zusammenhang. Angriffe auf Lehrerinnen und Lehrer betreffen demnach nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch die Funktionsfähigkeit von Schule als Ort von Regeln, Verlässlichkeit und gemeinsamem Lernen. Entsprechend lautet die zentrale Forderung des Verbands, aus der Entwicklung politische und organisatorische Konsequenzen zu ziehen. Düll sagt dazu: „Es reicht nicht, Gewalt zu beklagen – wir müssen handeln.“

Verbindliche Schutzkonzepte mit Prävention, Intervention und Nachsorge

Im Zentrum der Forderungen stehen verbindliche Schutzkonzepte für die gesamte Schulgemeinschaft. Nach Vorstellung des Lehrerverbands soll es dabei nicht bei allgemeinen Präventionsangeboten bleiben. Gefordert werden klar geregelte Abläufe für den Umgang mit Gewalt vor, während und nach einem Vorfall.

Der Verband benennt dafür die drei Ebenen Prävention, Intervention und Nachsorge. Dazu zählt aus seiner Sicht eine stärkere rechtliche Absicherung von Lehrkräften, ein konsequentes Eingreifen der Schulaufsicht bei Vorfällen und der Ausbau von Unterstützungsstrukturen an Schulen. Genannt werden insbesondere mehr Schulsozialarbeit, mehr Schulpsychologie sowie externe Präventions- und Nachsorgeangebote.

Hinzu kommt für den Verband die Frage, ob Schulen Vorfälle zuverlässig melden und spürbar auf sie reagieren können. Der Lehrerverbandspräsident verlangt daher stärkere melde- und sanktionsfähige Strukturen. Nach den Vorstellungen des Verbands gehören dazu auch präventive Gespräche der Polizei mit Kindern und Jugendlichen im Klassenverband sowie Gespräche nach Gewaltvorfällen, auch wenn beteiligte Täterinnen und Täter noch nicht strafmündig sind.

Prävention an Schulen ist ausgebaut, aber nicht überall spezifisch auf Lehrkräfte ausgerichtet

Nach den vorliegenden Angaben ist Gewaltprävention an Schulen in den vergangenen Jahren vielerorts stärker verankert worden. Das Fachportal Klassenalarm berichtet, dass der Anteil der Schulen ohne Präventionsmaßnahmen gegen sexualisierte Gewalt von 20 Prozent im Jahr 2016 auf 10 Prozent im Jahr 2023 gesunken sei. Zudem setzten 90 Prozent der Schulleitungen im Jahr 2023 zentrale Elemente eines Schutzkonzepts um.

Auch darüber hinaus ist Prävention an vielen Schulen Teil der Schulentwicklung. Laut Klassenalarm war Gewaltprävention 2023 in 84 Prozent der deutschen Schulprogramme fest verankert. 50 Prozent der Schulen führten Elterngespräche, 48 Prozent kooperierten mit der Polizei und 43 Prozent nutzten Unterrichtsprogramme zur Gewaltprävention.

Aus Sicht des Lehrerverbands beantwortet diese Entwicklung jedoch noch nicht die entscheidende Frage nach einem gezielten Schutzkonzept für Lehrkräfte. Allgemeine Präventionsarbeit sei nicht automatisch gleichbedeutend mit Verfahren, die speziell auf Gewalt im Dienst gegen Lehrerinnen und Lehrer reagieren.

Unterschiedliche Entwicklung in den Ländern

Gerade bei einheitlichen, auf Lehrkräfte bezogenen Konzepten zeigen sich nach den vorliegenden Angaben Unterschiede. So fehlten in Baden-Württemberg Stand 2023 nach Angaben des Badischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands einheitliche Schutzkonzepte speziell für Lehrkräfte gegen Gewalt im Dienst, einschließlich Krisenplänen und einer Präventionsdatenbank.

Gleichzeitig entstehen in einzelnen Ländern neue Unterstützungsstrukturen. Das landesweite Präventionsnetzwerk #sicherimDienst in Nordrhein-Westfalen wurde nach Angaben des nordrhein-westfälischen Schulministeriums Anfang 2022 gegründet und umfasst 2026 über 300 Behörden, Organisationen und Institutionen mit mehr als 600 Multiplikatoren.

Für den Lehrerverband ergibt sich daraus ein uneinheitliches Bild: Viele Schulen arbeiten bereits an Prävention und Schutz, doch bei klaren und verbindlichen Konzepten speziell für Lehrerinnen und Lehrer bleibt die Umsetzung regional unterschiedlich.

Lehrerverband sieht gesamtgesellschaftliche Entwicklung

Der Deutsche Lehrerverband ordnet die zunehmenden Vorfälle ausdrücklich nicht nur als Schulproblem ein. Düll verweist auf eine breitere gesellschaftliche Entwicklung: „Gewaltvorfälle an Schulen sind dabei auch Teil einer gesamtgesellschaftlichen Tendenz mit mehr Aggressivität, wobei bestimmte gesellschaftliche Grundsätze aufgegeben werden. Wir sehen seit Jahren vermehrt Gewalt gegen die Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr oder Krankenhauspersonal. Auch ehrenamtlich tätige Personen wie Lokalpolitiker und Schiedsrichter werden zunehmend verbal und oft auch körperlich angegriffen. Die Autorität von Menschen, die aufgrund ihrer Tätigkeit gesellschaftlichen Respekt verdienen, wird zunehmend in Frage gestellt.“

Damit beschreibt der Verband Schule als einen Ort, an dem sich gesellschaftliche Spannungen besonders deutlich zeigen. Wenn Lehrkräfte angegriffen werden, betrifft das nach dieser Sichtweise auch das Verständnis von Respekt gegenüber Menschen, die in öffentlichen und gesellschaftlich wichtigen Funktionen arbeiten.

Eltern und öffentliche Vorbilder in der Verantwortung

Zum Schluss richtet der Verband den Blick auf das Umfeld, in dem Kinder und Jugendliche Verhalten, Konfliktmuster und Grenzen wahrnehmen. Düll erklärt: „Als Gesellschaft müssen wir auch darüber reden, wie wir unsere Kinder erziehen und welche Vorbilder wir mit unserem eigenen Verhalten abgeben“, und ergänzt: „Gerade Eltern, Influencer, Politikerinnen und Politiker sowie andere öffentliche Persönlichkeiten tragen eine besondere Verantwortung. Unser Maßstab muss sein: Würden wir ein solches Verhalten akzeptieren, wenn es alle zeigen würden?“

Nach Darstellung des Lehrerverbands geht es dabei nicht um pauschale Schuldzuweisungen, sondern um die Frage, welche Haltung Erwachsene im Alltag und in der Öffentlichkeit vorleben. Die Vorbildwirkung sei für den Schulalltag unmittelbar relevant. Düll formuliert das abschließend so: „Kinder und Jugendliche orientieren sich an dem, was Erwachsene und öffentliche Vorbilder vorleben. Wer selbst Grenzen überschreitet oder Gewalt relativiert, darf sich nicht wundern, wenn genau dieses Verhalten in Schule und Gesellschaft ankommt.“

Mit seiner Stellungnahme macht der Deutsche Lehrerverband deutlich, dass Gewalt an Schulen aus seiner Sicht eine verbindliche Antwort braucht. Der Schutz von Lehrkräften soll demnach nicht erst im Krisenfall greifen, sondern fester Bestandteil schulischer Organisation und staatlicher Verantwortung werden.

Die nachfolgenden Ausführungen beruhen auf einer Pressemitteilung des Deutschen Lehrerverbands.

Weiterführende Quellen:

Update: Warum das Thema wichtig bleibt

Gewalt gegen Lehrkräfte ist nach Ansicht des Deutschen Lehrerverbands nicht nur ein Problem einzelner Vorfälle, sondern eine Frage der Sicherheit an Schulen und damit der Funktionsfähigkeit des Schulalltags als Ort von Regeln, Verlässlichkeit und gemeinsamem Lernen. Der Verband ordnet die Entwicklung zudem in ein gesamtgesellschaftliches Muster zunehmender Aggressivität ein, das auch andere Einsatz- und Respekt-vermittelnde Bereiche betrifft.

Für betroffene Schulen und Schulgemeinschaften heißt das: Prävention allein reicht offenbar nicht, wenn sie nicht in verbindliche Abläufe übersetzt wird. Wichtig werden deshalb klar geregelte Schritte vor, während und nach Vorfällen sowie eine stärkere rechtliche Absicherung und spürbare Reaktionsfähigkeit von Schulaufsicht und Unterstützungsstrukturen – damit Schutzkonzepte nicht nur existieren, sondern im Ernstfall tragen.

Was Leserinnen und Leser jetzt wissen sollten

Warum reicht allgemeine Gewaltprävention laut Verband nicht aus?
Weil sie nicht automatisch konkrete Verfahren ersetzt, die speziell auf Gewalt im Dienst gegen Lehrkräfte reagieren.

Welche Bausteine sollen verbindliche Schutzkonzepte enthalten?
Der Verband nennt Prävention, Intervention und Nachsorge sowie geregelte Abläufe zum Umgang mit Gewalt vor, während und nach einem Vorfall.

Worauf weist der Verband bei der Umsetzung hin?
Es gebe regionale Unterschiede, besonders bei einheitlichen Konzepten speziell für Lehrkräfte.

Welche Rolle spielen Umfeld und Erziehung?
Der Verband betont die Vorbildwirkung von Erwachsenen und öffentlichen Persönlichkeiten für den respektvollen Umgang und die Grenzen im Alltag von Kindern und Jugendlichen.

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9 Kommentare

  1. Die zahlen aus dem bericht (zB sinkender anteil ohne prävention laut Klassenalarm) sind trozdem nicht beruhigend wenn lehrkräfte speziell nicht geschützt sind. Transparenz bei meldungen und auswertung wäre nötig (siehe /klassenalarm, /schutzkonzepte). Wer kontrolliert ob schulen tatsächlich konsequent reagieren und meldepflichten erfüllen, frage ich mich?

    1. Transparenz ist zentral, genau. Schulaufsicht und ministerien müssten regelmässig veröffentlichen wie viele fälle gemeldet wurden und welche folgen es gab (/schulaufsicht). Ohne publik gemachte daten bleibt es nur ein guter vorsatz, und betroffene bekommen nicht die nachsorge die sie braunchen, oder seh ich das falsch?

    2. Noch ein punkt: mehr aus- und weiterbildung fuer lehrkräfte in deeskalation und belastungssensitives verhalten sowie mehr schulpsychologie (/schulpsychologie) koennte helfen. Aber wer nimmt sich die zeit fuer trainings und wer ersetzt vertretungsstunden? Die organisation darf da nicht vergessen werden, sonst bleiben massnahmen theorie.

  2. Die unterscheidung zwischen allgemeiner Gewaltprävention und speziellem Schutz fuer lehrkräfte ist wichtig. Viele programme sind allgemein, aber fehlt das spezifische krisenmanagement fuer lehrpersonen? Nachsorge nach vorfällen (siehe /nachsorge) sollte verpflichtend sein, sonst bleiben traumata unerkannt und lehrerinnen gehen, das wurde ja im text angesprochen, oder?

    1. Ich finde auch die idee polizeigespräche in klassen können helfen, aber es gibt sorgen wegen strafmündigkeit und datenschutz. Wie verbindet man präventive polizei kontakt mit kindgerechter ansprache ohne stigmatisierung? Eine klarere richtlinie (/polizeikooperation) und schutz fuer kinder und lehrer währ wichtig, oder was meint ihr?

  3. Interessant finde ich die regionalen unterschiede, zB NRW mit dem netzwerk #sicherimDienst (/sicherimdienst) scheint vorbildlich, aber wie übertragbar ist das auf kleinere länder? Braucht es bundeseinheitliche richtlinien oder eher landeslösung? Ausserdem wie wird die wirkung gemessen, und wer berichtet regelmässig darueber?

  4. Als mutter und nachbarin macht mich das sorglich, rešpekt gegenüber lehrkraeften ist am sinken. Die diskussion um vorbilder und elternverhalten ist richtig, aber wie kriegt man das ins alltagshandeln? Workshops fuer eltern und schulprogramme (siehe /elternarbeit, /schutzkonzepte) wären nützlich, aber wer organisiert das und wer zahlt die zeit?

  5. Das thema ist wichtig und trift mich als elternteil, aber ich finde man muss klarere schutzkonzepte haben fur lehrkräfrte. Die Forderung nach Prävention, Intervention und Nachsorge ist richtig, doch wie soll das finanziert werden? Mehr Schulsozialarbeit und Schulpsychologie (siehe /schulsozialarbeit, /schutzkonzepte) wäer sinnvoll und würd vielen lehrern helfen, glaubt ihr das wird genug bezugeteilt?

    1. Gute punkte, ich seh das ähnlich. Oft fehlt ja die meldung oder es gibt keine klaren abläufe, so das vorfälle unverarbeitet bleiben. Könnte eine zentrale Meldeplattform (zB /praevention) das verbessern? Mehr prävention ist wichtig aber praktische schritte wie melde- und sanktionsfähige strukturen müßten konrete werden, finde ich.

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