Gesundheitsthemen gewinnen in der modernen Mitgliederkommunikation immer stärker an Bedeutung.
Digitale Angebote wie elektronische Patientenakten oder Telemedizin stehen mittlerweile zur Verfügung, sie werden aber selten genutzt. An diesem Punkt entsteht für Verbände ein konkreter Handlungsraum: Wer seine Mitglieder verständlich, sachlich und nahbar informiert, wird zu einem verlässlichen Partner in der zunehmend digitalen Gesundheitswelt.
Digitale Gesundheitsdienste: vorhanden, aber ungenutzt
Obwohl digitale Gesundheitsleistungen bereits seit einigen Jahren immer weiter ausgebaut werden, nutzen die meisten Menschen sie kaum. Besonders auffällig zeigt sich dies bei der Telemedizin und der elektronischen Patientenakte, der ePA.
Die technische Infrastruktur existiert, doch aufgrund von Informationslücken und Unsicherheiten fällt die Akzeptanz in der Bevölkerung gebremst aus. Für Verbände eröffnet das die Möglichkeit, gezielt aufzuklären und dadurch den Zugang zu den entsprechenden Services zu erleichtern – nicht in einer belehrenden Art und Weise, sondern in Form von gut strukturierten Informationen.
Beispiel: Mitgliederkommunikation über die ePA
Bereits seit 2021 ist die elektronische Patientenakte offiziell verfügbar. Seit diesem Jahr 2025 wird sie sogar automatisch für alle gesetzlich Versicherten angelegt, sofern kein Widerspruch dagegen eingelegt wird.
Trotzdem liegt die aktive Nutzung weiterhin in einem niedrigen einstelligen Prozentbereich. Der Hauptgrund dafür besteht in der fehlenden Aufklärung: Viele Versicherte fühlen sich unzureichend informiert oder haben datenschutzrechtliche Bedenken.
Ein Verband kann bei diesem Thema sachlich über Funktionsweise, Nutzen und Rechte aufklären – zum Beispiel mit verständlich formulierten Merkblättern, Infoveranstaltungen oder passgenauen Newsletterformaten.
Auch einige Gesundheitseinrichtungen gehen bereits aktiv gegen den Informationsmangel vor, wie etwa die Zahnarzt Praxis in Worms. Hier werden Patienten aktiv über die ePA aufgeklärt.
Internationale Perspektiven liefern Impulse
Ein Blick nach Dänemark und Australien zeigt, dass digitale Gesundheitsangebote dort deutlich stärker genutzt werden.
Der Unterschied ergibt sich unter anderem durch die Einführung mit einfachen Opt-out-Verfahren und begleitenden Kommunikationskampagnen. Diese Länder setzen auf kontinuierliche Aufklärung über verschiedene Kanäle hinweg.
Für deutsche Verbände ist dies ein wichtiger Hinweis: Gut getaktete, wiederholte Informationen über Kanäle wie Print, Web und Veranstaltungen wirken wesentlich stärker als einmalige Maßnahmen. Es ist wichtig, das Thema langfristig zu verankern und nicht als kurzfristige Aktion zu behandeln.
Gesundheitskompetenz gezielt fördern
Der Begriff Gesundheitskompetenz umfasst die Fähigkeit, gesundheitsbezogene Informationen zu finden, zu verstehen, zu bewerten und anzuwenden. Entsprechende Studien zeigen jedoch immer wieder, dass bei vielen Menschen Unsicherheiten bei dem Thema bestehen, vor allem, wenn es um Digital Health geht.
Verbände, die Materialien in einfacher Sprache, visuelle Erklärungen oder themenspezifische Online-Formate bereitstellen, leisten also nicht nur dringend nötige Informationsarbeit − sie stärken die Handlungskompetenz ihrer Mitglieder aktiv.
Zu den entscheidenden Punkten gehört dabei, auf eine übertriebene Fachsprache zu verzichten und so einen verständlichen Zugang zu ermöglichen.
Kommunikationsformate mit Mehrwert nutzen
Viele Mitglieder schätzen konkrete Hilfestellungen für ihren Alltag. Empfehlenswert sind daher:
- Themenbezogene Newsletter-Serien, zum Beispiel. zur ePA oder der Telemedizin
- Online-Infopakete mit PDFs, FAQ-Listen und Schritt-für-Schritt-Erklärungen
- Interaktive Webinare, die Fragen in Echtzeit aufgreifen
- Print-Flyer, besonders für ältere Zielgruppen oder analoge Umfelder
Solche Formate lassen sich perfekt miteinander kombinieren, aufeinander abstimmen, an verschiedene Zielgruppen anpassen und dauerhaft bereitstellen.
Gesundheitskommunikation als Baustein zeitgemäßer Verbandsarbeit
Gesundheitskommunikation sollte als wichtiger Bestandteil der modernen Verbandsarbeit angesehen werden.
Werden dabei die digitalen Entwicklungen frühzeitig aufgegriffen und transparent begleitet, lässt sich wertvolles Vertrauen schaffen. Statt technischer Details sind Verständlichkeit, Orientierung und individuelle Relevanz in den Fokus zu stellen.
Verbände, die diesen Weg konsequent gehen, stärken nicht nur ihre Position, sondern vor allem ihre Mitglieder, indem sie einen konkreten Beitrag zur digitalen Gesundheitsbildung leisten.