Geothermie-Beschleunigungsgesetz 2025: Potenzial, Hürden und Auswirkungen für die Wärmewende

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Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) begrüßt die Abstimmung über das Geothermiebeschleunigungsgesetz (GeoBG) im Bundestag als zentralen Schritt für die Wärmewende. Das Gesetz soll Genehmigungsverfahren beschleunigen und Planungssicherheit schaffen, da der Wärmesektor rund die Hälfte des deutschen Endenergiebedarfs ausmacht. Geothermie hat laut BEE das Potenzial, über die Hälfte des deutschen Wärme- und Kältebedarfs zu decken.

Inhaltsverzeichnis

* Das Geothermiebeschleunigungsgesetz enthält zentrale Weichenstellungen für die Wärmewende.
* Geothermie kann über die Hälfte des deutschen Wärme- und Kältebedarfs liefern.
* Das Gesetz schafft Planungssicherheit durch verbindliche Fristen in Genehmigungsverfahren.

Geothermiebeschleunigungsgesetz: Ein Meilenstein für die Wärmewende

Am 4. Dezember 2025 stimmte der Deutsche Bundestag über das Geothermiebeschleunigungsgesetz (GeoBG) ab. Der Bundesverband Erneuerbare Energie e.V. (BEE) bewertet dieses Gesetz als wichtige Weichenstellung für die Wärmewende in Deutschland*. Die Bedeutung des Vorhabens wird durch die Dimension des Wärmesektors unterstrichen, der rund 50 Prozent des deutschen Endenergiebedarfs ausmacht* (Stand: 4. Dezember 2025, Pressemitteilung BEE).

BEE-Präsidentin Ursula Heinen-Esser betonte in Berlin die Tragweite des Gesetzes: “Von der Einstufung der Geothermie als Energieform, die im ‘überragenden öffentlichen Interesse’ steht, bis hin zu verbindlichen Fristen in Genehmigungsverfahren enthält das GeoBG viele wichtige Maßnahmen. Damit zeigt die Bundesregierung, dass sie zentrale Vorhaben zur Gestaltung der Energiewende entschlossen in Angriff nimmt.”

Die Geothermie besitzt das Potenzial, eine tragende Säule der Energieversorgung zu werden. Laut der Verbandspräsidentin kann sie “über die Hälfte des deutschen Wärme- und Kältebedarfs” liefern*. Das Interesse an der Technologie ist bereits heute groß: Über 160 bergrechtliche Aufsuchungserlaubnisse für tiefengeothermische Projekte liegen aktuell vor* (Stand: 4. Dezember 2025, Pressemitteilung BEE). Das neue Gesetz soll nun den notwendigen verlässlichen Rechtsrahmen schaffen, um diese Projekte schneller und planbarer umzusetzen.

Das GeoBG im Detail: Rechtsrahmen, Fristen und eine neue Perspektive

Das Geothermie-Beschleunigungsgesetz (GeoBG) definiert den rechtlichen Rahmen für den Ausbau der Tiefengeothermie in Deutschland. Seine zentralen Elemente zielen darauf ab, Planungsprozesse zu straffen und Investitionssicherheit zu schaffen. Den ersten offiziellen Schritt machte der Bundesrat am 6. August 2025, als er dem Gesetzentwurf zustimmte*.

Rechtsrahmen und Verfahrensbeschleunigung

Kern des Gesetzes ist die Schaffung einer effizienteren und verlässlicheren Rechtsgrundlage für Projektentwickler und Energieversorger. Ein zentrales Instrument ist die sogenannte Schutzgüterabwägung in Genehmigungsverfahren. Sie soll sicherstellen, dass die Chancen der Erdwärmenutzung gegenüber anderen Schutzinteressen angemessen gewichtet werden. Für die beteiligten Behörden und Unternehmen bringt das GeoBG zudem verbindliche Bearbeitungsfristen, etwa im Bergrecht. Diese Fristen erhöhen die Planbarkeit und Transparenz für alle Akteure erheblich.

Erweiterter Blick auf Kälteversorgung

Das GeoBG bezieht als erstes geothermiespezifisches Gesetz den Faktor Kälte explizit mit ein. Bisher stand vor allem die Wärmeerzeugung im Vordergrund. Der neue Regelungsrahmen erfasst nun auch Wärmeleitungen, potenzielle Kälteleitungen und Kältemaschinen. Damit unterfallen nicht nur Heizung, sondern auch erneuerbare und effiziente Kälteversorgung dem Gesetz.

Diese Erweiterung schafft Rechtsklarheit und Planungssicherheit für Technologien, die Umweltwärme, Abwärme oder geothermisch gespeicherte Energie nutzen, um sowohl Wärme als auch Kühlenergie bereitzustellen. Das Gesetz erkennt damit die Doppelfunktion der Geothermie für eine klimafreundliche Energieversorgung ganzjährig an.

Potenzial: Was die Zahlen sagen

Die tiefe Geothermie steht in Deutschland vor einem enormen Entwicklungssprung. Die aktuellen Produktionszahlen zeigen jedoch, dass das vorhandene Potenzial bislang nur minimal ausgeschöpft wird.

Die Jahreswärme-Produktion aus tiefer Geothermie lag im Jahr 2020 bei lediglich 1,7 TWh pro Jahr.*

Aktuelle Produktion vs. Potenzial

Zwei Jahre später, 2022, bezifferte eine gemeinsame Roadmap von Fraunhofer- und Helmholtz-Instituten das heimische Marktpotenzial der tiefen Geothermie auf circa 70 GW installierte Leistung.* Fachleute gehen davon aus, dass bis zu 25 Prozent des in Deutschland benötigten Wärmebedarfs durch Geothermie abgedeckt werden können (Stand: 2022).*

Jahr Wert Einheit Quelle / Stand
2020 1,7 TWh pro Jahr (Produktion) BVEG
2022 ~70 GW (installiertes Potenzial) Fraunhofer/Helmholtz-Roadmap
2022 bis zu 25 % des dt. Wärmebedarfs (Potenzial) Energiezukunft

Was fehlende Kapazitäten ersetzen müssten

Die Dringlichkeit, dieses Potenzial zu heben, wird durch eine weitere aktuelle Zahl unterstrichen. Mit dem Kohleausstieg fällt eine Wärmeleistung von etwa 13,3 GW weg.* Alternative, erneuerbare Wärmequellen müssen künftig circa 40 TWh pro Jahr in die öffentlichen Fernwärmenetze einspeisen, um diese Lücke zu schließen (Stand: 2024).*

Die tiefe Geothermie mit ihrer grundlastfähigen und regionalen Wärmeerzeugung gilt als eine Schlüsseltechnologie, um diesen Bedarf zu decken und die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

Hürden auf dem Weg zur Wärme aus der Tiefe

Der politische Wille für einen beschleunigten Ausbau der Geothermie ist mit dem neuen Gesetz klar formuliert. Die praktische Umsetzung stößt jedoch auf eine Reihe realer Herausforderungen. Diese reichen von der öffentlichen Wahrnehmung bis zu komplexen finanziellen und organisatorischen Fragen, die Investoren und Kommunen gleichermaßen beschäftigen.

Öffentliche Wahrnehmung und Akzeptanz

Ein grundlegendes Problem liegt in der mangelnden Bekanntheit der Technologie.* Die hohen Investitionskosten und baulichen Anforderungen gelten dabei als die größten Akzeptanzhürden. Interessant ist jedoch, dass die Technologie langfristig positiv bewertet wird, sobald ihre Funktionsweise und Vorteile verstanden werden. Diese Kluft zwischen anfänglicher Skepsis und späterer Zustimmung macht gezielte Aufklärungsarbeit zu einem entscheidenden Faktor für den Projekterfolg. Kommunen und Projektentwickler müssen die Bürger frühzeitig einbinden und transparent über Risiken, aber vor allem über den langfristigen Nutzen für die regionale Versorgungssicherheit und den Klimaschutz informieren.

Finanzielle und organisatorische Hürden

Die finanziellen Herausforderungen sind vielschichtig. Die initialen Investitionen für die Erschließung eines tiefengeothermischen Feldes sind erheblich und übersteigen die Kapazitäten vieler kommunaler Haushalte bei weitem. Zwar existieren Fördermittel, doch Koordinierungshemmnisse zwischen verschiedenen Förderkulissen und die Sorge vor kommunalen Haushaltsrisiken können die Investitionsbereitschaft auch im Jahr 2025 noch bremsen.* Für Stadtwerke und Energieversorger bedeutet jedes Projekt ein langfristiges finanzielles Engagement, das trotz aller Planungssicherheit durch das GeoBG mit Unsicherheiten behaftet bleibt.

Hinzu kommen planerische und netzseitige Aufgaben. Die Wärme muss nicht nur gefördert, sondern auch zu den Verbrauchern transportiert werden. Der Ausbau und die Anbindung an bestehende oder neue Wärmenetze erfordert eine abgestimmte Infrastrukturplanung, die oft über die Grenzen eines einzelnen Geothermieprojekts hinausgeht. Ambitionierte Landesziele, wie der Masterplan in Nordrhein-Westfalen mit dem Ziel, bis 2045 bis zu 20 Prozent des Wärmebedarfs durch Geothermie zu decken (Stand: Anfang 2025), unterstreichen die Notwendigkeit einer koordinierten Gesamtstrategie.*

Die zentralen Hürden lassen sich in vier Bereiche zusammenfassen:

  • Öffentlichkeit & Akzeptanz: Geringe Bekanntheit und Vorbehalte gegenüber Kosten und Bauarbeiten.
  • Kosten & Finanzierung: Hohe Anfangsinvestitionen und komplexe Förderlandschaft.
  • Planung & Netze: Notwendigkeit einer integrierten Wärmenetplanung und Infrastrukturanbindung.
  • Kommunale Risiken: Haushaltsrechtliche Bedenken und langfristige finanzielle Verpflichtungen.

Die Bewältigung dieser Herausforderungen ist ebenso wichtig wie der rechtliche Rahmen. Das GeoBG adressiert vor allem die Planungs- und Genehmigungsverfahren, während die Akzeptanz- und Finanzierungsfragen weiterhin aktives Management und kreative Lösungsansätze von allen Beteiligten erfordern.

Auswirkungen, Stimmen, Ausblick

Die Verabschiedung des Geothermiebeschleunigungsgesetzes (GeoBG) im Deutschen Bundestag Anfang Dezember 2025 setzt eine politische Dynamik frei, deren Effekte Klimaschutz, Versorgungssicherheit und regionale Wirtschaftskraft gleichermaßen betreffen. Verbände bewerten diesen Schritt als einen Meilenstein für die Wärmewende.

Regionale Wertschöpfung und Versorgungssicherheit

Ein wesentlicher Punkt des Gesetzes ist die lokale Verankerung der Investitionen in der Geothermie. Gregor Dilger, Geschäftsführer des Bundesverbandes Geothermie e.V., betont diesen Aspekt: „Der Geothermieausbau stärkt nicht nur die energiepolitische Resilienz, sondern auch die heimische Wertschöpfung. Denn die Investitionen in Geothermie bleiben im Land.“ *

Diese Verankerung schafft langfristig stabile und unabhängige Versorgungsstrukturen. Das Gesetz richtet sich insbesondere an Akteure wie Kommunen, Stadtwerke und Industrieunternehmen, die eine strategische Perspektive für ihre Region entwickeln wollen.

Kurzfristiger Ausblick für Kommunen und Stadtwerke

Der unmittelbare Effekt des GeoBG liegt in einem klaren Impuls für Investitionen. Dilger sieht darin einen wichtigen Anreiz: „Das neue Gesetz ist ein wichtiger Impuls für Kommunen, Stadtwerke, Energieversorger und Industrieunternehmen, jetzt zu investieren – diese Akteure denken langfristig, sie sind vor Ort verankert und wollen strategische Versorgungssicherheit statt kurzfristiger Brennstoffsicherung. Für sich selbst sowie für ihre Bürger und Kunden.“ *

Die Effekte reichen von der kommunalen Wärmeplanung bis zu Bohrprojekten. Ursula Heinen-Esser, Präsidentin des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE), bringt es auf den Punkt: „Mit dem Geothermiebeschleunigungsgesetz kommt die Regierung bei einem so zentralen energiepolitischen Thema wie der Wärmewende ins Handeln. Das Gesetz setzt ein wichtiges Signal für Versorgungssicherheit, Klimaschutz und wirtschaftliche Stabilität.“

Die Umsetzung der Projekte beginnt jetzt vor Ort und wird entscheidend dafür sein, wie schnell das Potenzial der Erdwärme für eine sichere, saubere und regionale Energieversorgung genutzt werden kann. *

Dieser Beitrag enthält Informationen, die auf einer Pressemitteilung des Bundesverband Erneuerbare Energie e.V. (BEE) basieren.

Weiterführende Quellen:

13 Antworten

  1. Die Zahlen zur Geothermie sind beeindruckend! Aber warum wird dieses Potenzial nicht besser ausgeschöpft? Gibt es genug Investoren oder fehlt es an Interesse?

    1. Das ist eine berechtigte Frage! Vielleicht braucht es einfach mehr Aufklärung über die Vorteile von Geothermie.

  2. Das Gesetz klingt vielversprechend, aber die Umsetzung ist entscheidend. Was denkt ihr über die finanziellen Hürden? Werden diese wirklich gelöst?

  3. Die Idee, auch Kälte zu berücksichtigen ist neu und interessant. Glaubt ihr, das könnte der Schlüssel sein um mehr Leute zu überzeugen?

  4. Ich finde es gut, dass die Geothermie nun mehr Beachtung findet. Aber was ist mit den hohen Kosten? Werden diese wirklich gesenkt?

  5. Ich finde das Geothermiebeschleunigungsgesetz sehr wichtig, weil es die Wärmeversorgung in Deutschland nachhaltig verbessern kann. Aber wie wird sichergestellt, dass die Öffentlichkeit besser informiert wird?

    1. Gute Frage! Es wäre wichtig, dass mehr Aufklärungskampagnen gestartet werden, damit alle verstehen, wie Geothermie funktioniert.

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