Gender Pension Gap: Warum Frauen 37% weniger Rente bekommen und wie der Deutsche Frauenrat gegen Altersarmut kämpft

Modernes blau beleuchtetes News-Studio mit runden LED-Podesten und großem Bildschirm mit Schriftzug ‚Verbands‑Monitor eins zu eins‘.
Der Deutsche Frauenrat fordert die Abgeordneten des Bundestags auf, das geplante Rentenpaket nicht scheitern zu lassen. Die gesetzliche Rente sei die wichtigste Säule, um Zeiten für Kinder- und Angehörigenbetreuung finanziell anzuerkennen. Dennoch sei jede fünfte Rentnerin armutsgefährdet, und Frauen erhielten im Schnitt rund 37 Prozent weniger Alterssicherung als Männer.

Inhaltsverzeichnis

– Der Deutsche Frauenrat fordert die Stabilisierung der gesetzlichen Rente als wichtigste Altersvorsorge für Frauen.
– Frauen beziehen im Schnitt 37 Prozent weniger Rente als Männer, jede fünfte Rentnerin ist armutsgefährdet.
– Langfristige Prävention erfordert gleiche Erwerbsmöglichkeiten und eine gerechtere Verteilung der Sorgearbeit.

Deutscher Frauenrat verteidigt Rentenpaket und fordert mehr Gerechtigkeit

Der Deutsche Frauenrat appelliert eindringlich an die Abgeordneten des Bundestags, das geplante Rentenpaket nicht scheitern zu lassen. In einer Pressemitteilung vom 4. Dezember 2025 in Berlin positioniert sich die Interessenvertretung klar: Die gesetzliche Rente ist für Frauen die zentrale Säule der Altersvorsorge und muss gestärkt werden, um Zeiten der Kindererziehung und Pflege finanziell anzuerkennen.

Doch selbst mit dem neuen Gesetzesvorhaben bleiben massive Herausforderungen. Die Zahlen zeigen ein deutliches Bild: Frauen verdienen im Durchschnitt 16 Prozent weniger als Männer, was direkt zur Rentenlücke beiträgt*. Bei Frauen beziehen 70,6 Prozent eine Rente von weniger als 1.200 Euro im Monat, was auf ein erhebliches Armutsrisiko hinweist*. Der Frauenrat sieht in diesen niedrigen Renten die Summe langjähriger politischer Versäumnisse und fordert neben der Stabilisierung der Rente konkrete Maßnahmen für eine gerechtere Verteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit.

Die Kernforderungen zielen auf eine umfassende Reform ab: Die Grundrente muss nachgebessert werden, damit mehr Frauen mit geringen Ansprüchen profitieren. Gleichzeitig braucht es bessere Rahmenbedingungen – von einer armutsfesten Entlohnung über verlässliche Kinderbetreuung bis zur Reform des Steuersystems –, um Männer stärker in die Sorgearbeit einzubinden und Frauen existenzsichernde Erwerbsbiografien zu ermöglichen.

Zwei Originalzitate aus der Pressemitteilung fassen die Position zusammen:

"Die Rente einer Frau ist die Summe der arbeitsmarkt-, sozial- und familienpolitischen Versäumnisse der letzten Dekaden. Hier kulminieren all die Ungerechtigkeiten, die Frauen ihr Leben lang tragen – ungleich verteilte Erwerbsarbeit, unfaire Löhne, der Großteil der Sorgearbeit. Deshalb ist es richtig, dass Frauen, die Kinder erzogen haben, unabhängig vom Geburtsjahr der Kinder einen fairen Ausgleich in der Rente erhalten."

"Frauen arbeiten nicht freiwillig in Teilzeit oder Minijob, sie tun es, um noch Zeit für Kinder, Haushalt und Angehörige zu haben. Deshalb muss der Staat dafür sorgen, dass Männer mehr Verantwortung in der Sorgearbeit übernehmen."

Die Debatte um das Rentenpaket ist somit nur der aktuelle Anlass für eine grundlegendere Forderung nach geschlechtergerechter Sozialpolitik. Welche strukturellen Gründe genau zur Rentenlücke bei Frauen führen, beleuchtet das nächste Kapitel.

Warum Frauen häufiger in Altersarmut geraten

Die gesetzliche Rente ist für viele Frauen die wichtigste Säule der Altersvorsorge. Dennoch zeigt der Blick auf die Zahlen ein deutliches Ungleichgewicht: Der sogenannte Gender Pension Gap, also die Rentenlücke zwischen den Geschlechtern, liegt bei 26 Prozent (Stand: 2024)*. Diese Differenz ist kein Zufall, sondern das Ergebnis struktureller Benachteiligungen, die sich über das gesamte Erwerbsleben summieren.

Ein zentraler Hebel ist der anhaltende Lohnunterschied. Frauen verdienen im Schnitt 16 Prozent weniger als Männer (Stand: 2024). Weniger Gehalt bedeutet automatisch geringere Beiträge zur Rentenversicherung . Diese Kluft wird durch Erwerbsmuster verstärkt: Fast 50 Prozent der berufstätigen Frauen arbeiten in Teilzeit (Stand: 2024), oft um Zeit für Familie und Sorgearbeit zu haben. In der Folge zahlen Frauen im Durchschnitt 49,8 Prozent weniger in die gesetzliche Rente ein als Männer (Stand: 2024)*.

Besonders deutlich wird der Effekt von Kindererziehung. Studien zeigen, dass sich die Rentenlücke zwischen Müttern und kinderlosen Frauen, der Motherhood Pension Gap, selbst nach Anrechnung von Kindererziehungszeiten noch auf 27 Prozent beläuft (Stand: Geburtsjahrgänge 1952–1959)*. Ohne diese Anerkennung wäre die Lücke um 14 Prozentpunkte größer. Diese Zahlen machen sichtbar, wie ungleich verteilte Sorgearbeit langfristig in niedrigere Rentenansprüche mündet. Die Rente einer Frau bildet so oft die Summe aus Erwerbsunterbrechungen, Teilzeitarbeit und geringerem Stundenlohn ab – ein strukturelles Problem, das sich im Alter finanziell niederschlägt.

Zahlen und Widersprüche: So groß ist die Rentenlücke wirklich

Die Diskussion um die Alterssicherung von Frauen wird mit einer Vielzahl von Statistiken geführt. Doch je nach Berechnungsmethode und Betrachtungszeitraum ergeben sich teils erhebliche Unterschiede. Eine kompakte Übersicht zeigt die zentralen Kennzahlen und erklärt, warum Quellen zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen.

Kernzahlen im Überblick

Die folgenden Werte bilden die Grundlage für die Debatte um den Gender Pension Gap. Sie stammen aus verschiedenen Studien und Veröffentlichungen der letzten Jahre.

  • Rentengutschriften pro Kind: Für vor 1992 geborene Kinder erhalten Mütter eine Gutschrift von rund 90 Euro monatlich. Für nach 1992 geborene Kinder liegt der Betrag bei etwa 108 Euro.* (Stand: 2021)
  • Rentenverteilung: Eine deutliche Mehrheit der Frauen erhält niedrige Altersbezüge. 70,6 % der Frauen, aber nur 43,8 % der Männer beziehen eine Rente von unter 1.200 Euro im Monat.* (Stand: 2023)
  • Gender Pension Gap: Die geschlechtsspezifische Rentenlücke beträgt 26 %.* (Stand: 2024)
  • Gender Pay Gap: Die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern liegt bei 16 %.* (Stand: 2024)
  • Rentenlücke ohne Hinterbliebenenrenten: Werden Witwen- und Witwerrenten aus der Betrachtung ausgeklammert, vergrößert sich die geschlechtsspezifische Lücke auf über 40 %.* (Stand: 2025)
  • Einzahlungen in die Rentenkasse: Über ihre gesamte Berufslaufbahn zahlen Frauen durchschnittlich 49,8 % weniger in die gesetzliche Rentenversicherung ein als Männer.* (Stand: 2024)
  • Motherhood Pension Gap: Selbst nach Anrechnung von Kindererziehungszeiten bleibt eine Rentenlücke von 27 % zwischen Müttern und Männern bestehen. Die Berücksichtigung der Erziehungszeiten schließt die Lücke im Vergleich zu einer Berechnung ohne sie um 14 Prozentpunkte.* (Stand: Geburtsjahrgänge 1952–1959)
  • Durchschnittsrenten 2024: Die durchschnittliche Bruttorente von Männern lag 2024 bei 1.892 Euro, die von Frauen bei 1.459 Euro. Nach Abzügen verblieben den Männern im Schnitt 1.679 Euro, den Frauen 1.292 Euro.* (Stand: 2024)

Warum die Quellen abweichen

Die unterschiedlichen Angaben zur Höhe der Rentenlücke – beispielsweise 26 % (2024) versus „über 40 %“ (2025) – lassen sich nicht auf einen einfachen Nenner bringen. Sie resultieren aus verschiedenen methodischen Ansätzen.

Eine zentrale Rolle spielt die Frage, ob Hinterbliebenenrenten in die Statistik einfließen. Witwenrenten, die überwiegend Frauen beziehen, erhöhen das durchschnittliche Rentenniveau von Frauen. Rechnet man sie heraus, wie es einige Studien tun, erscheint die reine, aus eigener Erwerbstätigkeit erworbene Rentenlücke deutlich größer. Zudem verwenden Untersuchungen unterschiedliche Basisjahre, Alterskohorten oder Berechnungsgrundlagen (Brutto- vs. Nettorente, Median- vs. Durchschnittswerte). Ein Vergleich ist daher nur unter Berücksichtigung dieser Faktoren und des jeweiligen Veröffentlichungsstandes sinnvoll.

Die reale Last niedriger Renten

Die Auswirkungen niedriger Renten für Frauen zeigen sich in konkreten Zahlen und im Alltag. 70,6 Prozent der Frauen erhalten eine monatliche Rente von weniger als 1.200 Euro (Stand: 2023). Die durchschnittlichen Bruttorenten lagen 2024 bei 1.459 Euro für Frauen und 1.892 Euro für Männer; nach Abzügen bleiben tatsächlich nur 1.292 Euro für Frauen und 1.679 Euro für Männer übrig (Stand: 2024). Diese Lücke von über 40 Prozent, die je nach Berechnungsmethode variiert, führt direkt zu einem erhöhten Armutsrisiko und schränkt die Kaufkraft im Alter erheblich ein*.

Besonders betroffen sind Frauen, die lange in Teilzeit gearbeitet oder ihre Erwerbsbiografie für Kindererziehung und Pflege unterbrochen haben. Ältere Jahrgänge, die vor der Einführung verbesserter Anrechnungszeiten für Kindererziehung in Rente gingen, stehen oft mit Ansprüchen da, die kaum zum Leben reichen. Eine Rentnerin, die nach Jahrzehnten in der Pflege ihres Angehörigen nur eine Grundsicherung erhält, sieht sich mit monatlichen Budgetentscheidungen konfrontiert, bei denen schon unerwartete Reparaturkosten existenzbedrohend wirken können.

Die geschlechtsspezifische Rentenlücke wird in Studien unterschiedlich beziffert – mal mit 39,4 Prozent (Stand: 2023), mal mit „über 40 Prozent“ (Stand: 2025)*. Diese Differenzen erklären sich durch verschiedene Berechnungsgrundlagen, etwa die Einbeziehung von Hinterbliebenenrenten oder die Betrachtung von Brutto- versus Nettoberträgen. Unabhängig von der exakten Prozentzahl bleibt das Ergebnis gleich: Für viele Frauen bedeutet der Renteneintritt keinen finanziell sorgenfreien Lebensabend, sondern die Fortsetzung eines lebenslangen Kampfes um ökonomische Anerkennung.

Ausblick: Was jetzt wichtig wäre

Die Diskussion um das Rentenpaket und seine Wirkung auf Frauen ist mit der parlamentarischen Entscheidung nicht abgeschlossen. Für eine nachhaltige Bekämpfung von Altersarmut braucht es jetzt eine vertiefte Debatte über konkrete nächste Schritte in der Haushalts-, Pflege- und Familienpolitik. Zentrale Forderungen zielen auf eine partnerschaftlichere Aufteilung von Sorgearbeit, bessere Rahmenbedingungen für Vollzeiterwerbstätigkeit von Frauen und substanzielle Nachbesserungen bei der Grundrente.

Um politische Maßnahmen zielgenau auszugestalten, besteht dringender Bedarf an belastbaren Daten und Analysen. Eine unabhängige Evaluation der Grundrente nach ihrer ersten Auszahlungsphase könnte zeigen, wie viele Frauen mit niedrigen Rentenanwartschaften tatsächlich erreicht werden. Vergleiche mit internationalen Modellen der Alterssicherung sowie detaillierte Studien zur langfristigen Wirkung von Rentengutschriften für Kindererziehungszeiten liefern wichtige Erkenntnisse für die Weiterentwicklung des Systems. Für diese vertiefende Recherche bieten sich Expertisen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) sowie von Rentenfachleuten in Wissenschaft und den Fachausschüssen des Bundestags an.

Die gesellschaftliche und parlamentarische Debatte um eine geschlechtergerechte Rente muss intensiv weiterverfolgt werden.

Die nachfolgenden Informationen und Zitate stammen aus einer Pressemitteilung des Deutschen Frauenrats.

Weiterführende Quellen:

9 Antworten

  1. ‚Die Rente einer Frau ist die Summe der Versäumnisse‘ – das sagt alles! Wir müssen dafür sorgen, dass sich solche Ungerechtigkeiten nicht wiederholen! Was haltet ihr von der Idee einer Grundrente?

    1. ‚Grundrente‘ klingt gut, aber wie setzen wir das um? Vielleicht gibt es gute Beispiele aus anderen Ländern?

    2. […] Wir brauchen mehr Informationen über die Auswirkungen von Teilzeitarbeit auf die Rente und was wir dagegen tun können.

  2. Die Rentenlücke ist wirklich ein großes Problem! Ich verstehe nicht, warum wir immer noch nicht mehr für Gleichheit kämpfen. Gibt es Vorschläge für konkrete Maßnahmen? Wir sollten alle darüber diskutieren.

    1. Ja, da hast du recht! Vielleicht sollten wir auch darüber nachdenken, wie wir Männer mehr in die Sorgearbeit einbeziehen können. Was denkt ihr darüber?

    2. Ich stimme zu! Es wäre gut, wenn wir auch die Kinderbetreuung verbessern könnten. Das würde vielen Frauen helfen!

  3. Ich finde den Artikel sehr aufschlussreich. Die Zahlen über die Renten sind alarmierend! Wie kann es sein, dass Frauen immer noch weniger verdienen? Das ist ungerecht und muss unbedingt angesprochen werden!

  4. Ich finde es sehr wichtig, dass das Rentenpaket nicht scheitert. Frauen haben wirklich viel weniger Rente als Männer. Was können wir tun, um das zu ändern? Ich hoffe, dass die Politiker das ernst nehmen.

    1. Ja, die Unterschiede sind echt krass. Vielleicht sollten wir mehr über Teilzeitarbeit reden. Könnte das eine Lösung sein? Ich denke, es muss sich dringend was ändern.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Über den Autor

Die Redaktion von Verbandsbüro besteht aus vielen unterschiedlichen Experten aus der Verbands- und Vereinswelt. Alle Beiträge beruhen auf eigene Erfahrungen. Damit wollen wir Ihnen unsere professionellen Leistungen für Ihre Organisation präsentieren. Wollen Sie mehr zu diesem Thema erfahren? Nehmen Sie doch einfach mit uns Kontakt auf.​