– Die Gemeine Winterlibelle wurde zur Libelle des Jahres 2026 gekürt.
– Sie ist die einzige heimische Libelle, die als erwachsenes Insekt überwintert.
– Die Wahl soll auf die Bedeutung von Landlebensräumen für Libellen aufmerksam machen.
Gemeine Winterlibelle ist die Libelle des Jahres 2026
Am 9. Dezember 2025 gaben der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Gesellschaft der deutschsprachigen Odonatologen die Wahl der „Libelle des Jahres 2026“ bekannt. Die Auszeichnung geht an die Gemeine Winterlibelle. „Die Gemeine Winterlibelle (Sympecma fusca) ist die einzige heimische Libelle, die als erwachsenes Insekt überwintert.“
Der BUND betont damit, dass der Schutz dieser Insekten über die Gewässer hinausgeht.*
Ein Überlebenskünstler mit ungewöhnlichem Rhythmus
Die Gemeine Winterlibelle fällt aus dem Rahmen. Während die meisten ihrer Verwandten nur wenige Wochen als fliegendes Insekt leben, hat sie einen anderen, deutlich langsameren Lebensplan entwickelt. Ihre Biologie ist eine Anpassung an die kalte Jahreszeit und macht sie zu einer der bemerkenswertesten Libellen in Deutschland.
Lebensdauer und Überwinterung
Der auffälligste Unterschied zu anderen Arten ist ihre imaginale Überwinterung. Das bedeutet, sie verbringt den Winter nicht als Ei oder Larve im Wasser, sondern als ausgewachsenes, flugfähiges Insekt. Gemeinsam mit der sehr seltenen Sibirischen Winterlibelle ist sie die einzige heimische Art mit dieser Strategie. Ihre braun-bronzefarbene Tarnfärbung schützt sie in dieser Zeit vor Fressfeinden.
Diese Überwinterung führt zu einer außergewöhnlich langen Lebensspanne. Als erwachsenes Tier lebt die Gemeine Winterlibelle etwa 11 bis 13 Monate (Stand: 2015, Quelle: NABU Baden-Württemberg)*. Nach dem Schlupf im Spätsommer sucht sie sich einen geschützten Ort, um die Kälte zu überstehen.
Wo genau sie die Wintermonate verbringt, ist laut einer Studie aus dem Bliesgau (Stand: 2022) jedoch noch weitgehend unerforscht. Bekannt ist, dass sie geschützte Mikrohabitate wie lichte Waldbereiche, warme Waldränder oder altes Gras aufsucht*.
Wo man sie finden kann
Die Gemeine Winterlibelle nutzt die Landschaft intensiv und ist nicht ständig am Gewässer anzutreffen. Ihre Lebensräume wechseln mit den Jahreszeiten:
- Spätsommer/Herbst: Nach dem Schlupf verlässt sie das Gewässer. In dieser Zeit nutzt sie besonnte Waldränder, Lichtungen, Wegränder und Brachen als Reifehabitat (Stand: 2021, Quelle: Insektenreich Schleswig-Holstein)*.
- Winter: Sie überwintert in den genannten, geschützten Landlebensräumen, die durchaus mehrere Kilometer vom Schlupfgewässer entfernt liegen können (Stand: 2020, Quelle: Biosphäre Bliesgau)*.
- Frühjahr bis Spätherbst: Ihre außergewöhnlich lange Flugzeit erstreckt sich vom zeitigen Frühjahr bis in den Spätherbst. Auch in dieser Phase hält sie sich oft kilometerweit von Gewässern entfernt auf (Stand: 2022, Quelle: AG Libellen Niedersachsen und Bremen)*.
Die folgende Tabelle fasst zentrale Forschungserkenntnisse zur Ökologie der Art zusammen:
| Jahr | Erkenntnis | Quelle/Stand |
|---|---|---|
| 2015 | Lebensdauer als Adulttier: 11-13 Monate.* | NABU Baden-Württemberg |
| 2020 | Herbst- und Winterhabitate können mehrere Kilometer vom Schlupfgewässer entfernt liegen.* | Biosphäre Bliesgau |
| 2021 | Nutzt im Spätsommer/Herbst besonnte Waldränder, Lichtungen, Wegränder und Brachen.* | Insektenreich Schleswig-Holstein |
| 2022 | Außergewöhnlich lange Flugzeit von Frühjahr bis Spätherbst; Reifehabitate teils weit von Gewässern entfernt.* | AG Libellen Niedersachsen und Bremen |
| 2022 | Eine der wenigen in Deutschland im Spätherbst/warmen Winter aktiven Arten; Überwinterungsorte weiterhin unerforscht.* | Biosphäre Bliesgau |
Beobachtungstipp: Die besten Chancen, eine Gemeine Winterlibelle außerhalb der Gewässer zu sehen, hat man an sonnigen Tagen im Spätherbst. Suchen Sie an warmen, windgeschützten Waldrändern oder auf sonnenbeschienenen Lichtungen nach dem gut getarnten, bronzefarbenen Insekt.
Verbreitung, Gefährdung und Klimatrends
Die Gemeine Winterlibelle ist in Mitteleuropa weit verbreitet*.
Klimawandel: Gewinner und Verlierer
Die aktuellen Klimaveränderungen wirken sich auf die heimische Libellenfauna aus. Sie bewirken, dass wärmeliebende Libellenarten wie die Gemeine Winterlibelle zunehmen und sich nach Norden ausbreiten, während kältegebundene Arten rückläufig sind*.
| Jahr | Aussage | Quelle/Stand |
|---|---|---|
| 2015 | Die Gemeine Winterlibelle wird in der Roten Liste Deutschlands als ungefährdet eingestuft. | NABU Baden-Württemberg |
| 2023 | Die Art ist in Mitteleuropa weit verbreitet. | Wikipedia* |
| 2023 | Klimaveränderungen führen zu einer Zunahme und nordwärtigen Ausbreitung wärmeliebender Libellen wie der Gemeinen Winterlibelle; kältegebundene Arten gehen zurück. | NABU* |
Landschaft im Fokus: Was die Wahl der Winterlibelle bewirkt
Die Auszeichnung der Gemeinen Winterlibelle zur Libelle des Jahres 2026 lenkt den Blick über den Gewässerrand hinaus. Sie macht deutlich, dass der Schutz einer Art nicht an der Uferlinie endet. Libellen sind auf ein Netzwerk verschiedener Lebensräume angewiesen, das sich durch die gesamte Landschaft zieht. Diese Erkenntnis ist von hoher praktischer Relevanz für alle, die sich für Naturschutz vor Ort engagieren – ob als Kommune, Ehrenamtliche oder private Grundstücksbesitzerin.
Forschungsergebnisse zeigen das Ausmaß dieser Landnutzung. Als Landlebensräume dienen der Art unter anderem Waldränder, Lichtungen, Wegränder und Brachen (Quelle: Insektenreich Schleswig-Holstein, Stand: 2021). Gleichzeitig besteht weiterer Forschungsbedarf, um die genauen Überwinterungsorte besser zu verstehen . Diese Wissenslücke unterstreicht, wie wichtig eine vielfältige und strukturreiche Landschaft ist, die Rückzugsorte bietet, auch wenn sie noch nicht vollständig kartiert sind.
Die Auszeichnung motiviert zu konkreten Handlungen. Jede und jeder kann dazu beitragen, die Vernetzung von Lebensräumen zu verbessern und Landlebensräume für Libellen und viele andere Insekten aufzuwerten. Hier sind einige pragmatische Maßnahmen:
- Totholz stehen lassen: Abgestorbene Bäume oder größere Äste bieten als Sonnenplätze, Verstecke und Überwinterungsquartiere wertvolle Strukturen.
- Saumstrukturen extensiv pflegen: Blütenreiche Säume an Wegen, Feldrändern oder Gräben nur abschnittsweise und spät im Jahr mähen, um Nahrung und Deckung zu erhalten.
- Lichtraumprofile erhalten: Bei der Gehölzpflege an Wegen und Gewässern nicht zu radikal vorgehen; besonnte Bereiche sind als Jagd- und Aufwärmplätze entscheidend.
- Kleinbrachen fördern: Auch ungenutzte Ecken im Garten, in der Gemeinde oder auf Firmengeländen können als wichtige Trittsteine in der Landschaft dienen.
- Gewässerrandstreifen schützen: Diese Pufferzonen sind Übergangslebensräume von größter Bedeutung und sollten frei von Dünger und Pestiziden bleiben.
- Auf Aufwertung setzen: Statt monotoner Rasenflächen können heimische Stauden und Wildsträucher gepflanzt werden, die Insekten das ganze Jahr über nutzen.
Indem die Winterlibelle im öffentlichen Bewusstsein präsent ist, stärkt sie das Interesse an der Vernetzung naturnaher Gewässer. Sie wird zu einem Symbol dafür, dass erfolgreicher Artenschutz eine ganzheitliche Betrachtung der Landschaft erfordert. Die Auszeichnung kann so Impulse geben, bei Planungen in Kommunen oder der Landschaftspflege stets die Verbindungen zwischen Lebensräumen mitzudenken und zu erhalten.
Recherchequellen
Die in den Kapiteltexten verwendeten Recherche-Statements stützen sich auf folgende Quellen. Die Angaben sind chronologisch nach ihrem Veröffentlichungs- oder Aktualisierungsstand sortiert.
- NABU Baden-Württemberg – Informationen zur Roten Liste, Lebensdauer und zur Sibirischen Winterlibelle. Stand: 2015.
- Biosphärenzweckverband Bliesgau – Angaben zu Habitatentfernungen und Überwinterungsorten. Stand: 2020. Aussagen zum Forschungsbedarf. Stand: 2022.
- Insektenreich Schleswig-Holstein – Details zur Nutzung von Waldrändern, Lichtungen, Wegrändern und Brachen als Lebensraum. Stand: 2021.
- Arbeitsgemeinschaft Libellen in Niedersachsen und Bremen – Daten zum langen Flugzeitfenster der Art in Niedersachsen und Bremen. Stand: 2022.
- Wikipedia – Eintrag zur Verbreitung der Gemeinen Winterlibelle in Mitteleuropa. Stand: 2023.
- NABU Bundesverband – Artikel zum Effekt des Klimawandels auf die Verbreitung von Libellen. Stand: 2023.
Dieser Beitrag stützt sich auf Informationen und Zitate aus einer Pressemitteilung des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) e.V.
Weiterführende Quellen:
- „In der Roten Liste Deutschlands von 2015 wird die Gemeine Winterlibelle als ungefährdet eingestuft, während die Sibirische Winterlibelle als vom Aussterben bedroht gilt (Stand: 2015).“ – Quelle: https://baden-wuerttemberg.nabu.de
- „Die Gemeine Winterlibelle weist als erwachsenes Insekt eine Lebensdauer von etwa 11 bis 13 Monaten auf, deutlich länger als die meisten anderen Libellen mit 14 bis 90 Tagen im Adultstadium (Stand: 2015).“ – Quelle: https://baden-wuerttemberg.nabu.de
- „Die Gemeine Winterlibelle wird in der Roten Liste des Saarlandes als ungefährdet eingestuft und ist mäßig häufig und recht weit verbreitet (Stand: 2020).“ – Quelle: https://www.biosphaere-bliesgau.eu
- „Herbst- und Winterhabitate der Gemeinen Winterlibelle können mehrere Kilometer vom Schlupfgewässer entfernt liegen, darunter leicht verbuschte Kalk-Halbtrockenrasen (Stand: 2020).“ – Quelle: https://www.biosphaere-bliesgau.eu
- „Die Gemeine Winterlibelle nutzt im Spätsommer und Herbst besonnte Waldränder, Lichtungen, Wegränder und Brachen als Landlebensräume und überwintert in lichten Waldbereichen und an warmen Waldrändern (Stand: 2021).“ – Quelle: https://www.insektenreich-sh.de
- „Für Niedersachsen und Bremen wird eine außergewöhnlich lange Flugzeit vom zeitigen Frühjahr bis Spätherbst beschrieben, mit Reifehabitaten teils kilometerweit von Gewässern entfernt, bedingt durch imaginale Überwinterung (Stand: 2022).“ – Quelle: https://www.ag-libellen-nds-hb.de
- „In Deutschland ist die Gemeine Winterlibelle als eine der wenigen Arten im Spätherbst und an wärmeren Wintertagen aktiv; über ihre Überwinterungsorte besteht jedoch weiterhin Forschungsbedarf (Stand: 2022).“ – Quelle: https://www.biosphaere-bliesgau.eu
- „Die Gemeine Winterlibelle ist in Mitteleuropa weit verbreitet, von der Iberischen Halbinsel bis Vorderasien, mit Randbesiedlung in Nord- und Hochgebieten (Stand: 2023).“ – Quelle: https://de.wikipedia.org
- „Klimaveränderungen bewirken, dass wärmeliebende Libellenarten wie die Gemeine Winterlibelle zunehmen und sich nach Norden ausbreiten, während kältegebundene Arten rückläufig sind (Stand: 2023).“ – Quelle: https://www.nabu.de
- „Die bundesweite Rote Liste der Libellen (Stand 2015) weist darauf hin, dass ein großer Anteil heimischer Libellenarten gefährdet ist, wobei die Gemeine Winterlibelle nicht dazu zählt.“ – Quelle: https://www.bfn.de
8 Antworten
(…) Es ist beeindruckend zu sehen, wie wichtig es ist, Lebensräume zu schützen. Wer von euch hat Ideen zur Förderung von Landlebensräumen in Städten? Das könnte helfen!
(…) Die Tatsache, dass die Gemeine Winterlibelle als Symbol für Naturschutz dient, ist großartig! Was könnten lokale Gemeinden tun, um solche Arten zu unterstützen?
Die Lebensweise der Winterlibelle überrascht mich wirklich! Ich wusste nicht, dass sie so lange leben kann. Welche anderen Libellenarten gibt es noch, die sich so anpassen? Könnte das nicht auch andere Arten betreffen?
Das finde ich auch spannend! Es gibt bestimmt noch viele unbekannte Arten mit interessanten Überlebensstrategien. Vielleicht sollten wir mehr Forschung unterstützen!
(…) Ja genau! Und was denkt ihr über den Klimawandel? Hat er Auswirkungen auf die Libellenpopulationen? Es wäre gut zu wissen.
Die Auszeichnung der Gemeinen Winterlibelle ist wirklich interessant. Ich finde es wichtig, dass wir auch mal über Landlebensräume sprechen. Was denkt ihr, wie können wir besser auf unsere Umgebung achten? Ich habe gehört, dass Totholz wichtig ist.
Ja, Totholz ist super für viele Insekten! Habt ihr schon mal darüber nachgedacht, wie viele Nischen das schafft? Das kann doch jeder in seinem Garten machen, oder?
Absolut! Es gibt so viele kleine Maßnahmen, die wir ergreifen können. Vielleicht sollten mehr Leute über diese Libellen lernen und was sie brauchen.