– DLG veröffentlicht neu überarbeitete Futterwerttabellen für Wiederkäuer.
– Tabellen integrieren GfE-2023-Empfehlungen: dreistufige ME-Berechnung, sidP und Aminosäuren.
– Dynamische Berücksichtigung des Futteraufnahmeniveaus erleichtert präzise Rationsberechnung.
Grundlegend überarbeitete DLG-Futterwerttabellen für Wiederkäuer veröffentlicht
Die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) hat ihre Futterwerttabellen für Wiederkäuer umfassend erneuert und stellt sie nun für die praktische Anwendung bereit. Die Überarbeitung reagiert auf die aktuellen Empfehlungen der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE 2023) zur Energie- und Nährstoffversorgung von Milchkühen, die eine Neubewertung von Futterkomponenten erforderlich machen. Detaillierte Angaben zum Futterwert bilden die Grundlage für eine aussagekräftige Futteroptimierung und Rationsberechnung. Die Tabellen sind kostenlos verfügbar und können über die DLG-Webseite heruntergeladen werden.
Ein zentraler Bestandteil der neuen Tabellen ist die Berechnung der Umsetzbaren Energie (ME) nach einem dreistufigen Verfahren. Dabei wird die Bruttoenergie (GE) über die Verdaulichkeit der Organischen Masse (OMD) angepasst, wobei auch die Energieverluste durch Methan- und Harnstoffausscheidungen berücksichtigt werden. Dadurch lassen sich die Energiegehalte der Futtermittel präziser und differenzierter darstellen, vor allem bei unterschiedlichen Futterqualitäten.
Ebenfalls neu ist die Darstellung der Proteinversorgung über das dünndarmverdauliche Protein (sidP) und die einzelnen dünndarmverdaulichen Aminosäuren (sidAA). Diese setzen sich aus mikrobiellem Rohprotein (MCP) und dem im Pansen nicht abgebauten Proteinanteil (UDP) zusammen. Da Milchkühe einen konkreten Bedarf an Aminosäuren haben, enthalten die Tabellen nun auch Angaben zu dünndarmverdaulichem Lysin (sidLys) und Methionin (sidMet).
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Berücksichtigung des Futteraufnahmeniveaus (FAN). Steigt dieses, erhöht sich die Passagegeschwindigkeit des Futters durch die Vormägen, was die Verweilzeit und damit die Verdaulichkeit von organischer Masse und Protein reduziert. Alle Angaben in den neuen Tabellen beziehen sich auf ein Futteraufnahmeniveau, das ungefähr dem Erhaltungsbedarf entspricht. Die dynamische Anpassung auf höheres FAN erfolgt später in der Rationsberechnung.
Zum komplexen Proteinabbau in den Vormägen liefern die Tabellen nun detailliertere Parameter. Dieses Rohprotein (CP) wird aufgeteilt in eine schnell abbaubare Fraktion (a) und eine potenziell abbaubare Fraktion (b), die mit einer spezifischen Abbaurate (c) verarbeitet wird. Bei manchen Futtermitteln beginnt der Proteinabbau verzögert (lag), was die zeitliche Dynamik des Abbaus stark beeinflusst. Mit diesen Angaben ermöglicht die Tabelle eine zielgerichtete Nutzung des Futters im Hinblick auf den Proteinabbau.
Die überarbeiteten Tabellen enthalten aktuelle und detaillierte Werte für die gebräuchlichsten Futtermittel, wobei kein Anspruch auf Vollständigkeit aller Futtersorten besteht. Sie gelten aber als eine solide Basis für den Start der praktischen Umsetzung der GfE 2023-Empfehlungen. Parallel entsteht aktuell eine umfangreiche DLG-Datenbank für Futtermittel mit Onlinezugriff, die die Weiterentwicklung und Erweiterung der Datensätze unterstützt.
Mit diesen Neuerungen bietet die DLG praxisnahe Werkzeuge zur Verbesserung der Fütterung von Wiederkäuern, die auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen und eine bessere Futter- und Rationsplanung ermöglichen. Die grundlegend überarbeiteten DLG-Futterwerttabellen Wiederkäuer stehen hier abrufbar zur Verfügung: https://rdir.inxmail.com/dlg/d?p00d2v700cri6600d0000kr0000000000jq42vyoxyoo32ddo3kqfxlq000cmm000000n6p2ni0
Neue Standards für Tierwohl und Nachhaltigkeit in der Fütterung
Die Überarbeitung der DLG-Futterwerttabellen für Wiederkäuer setzt neue Maßstäbe in der Tierernährung, die weit über die reine Futteroptimierung hinausreichen. Für Landwirte, Verbraucher, Beratung und Politik eröffnen die aktualisierten Daten eine differenzierte Bewertung von Futtermitteln, die den steigenden Anforderungen an Tiergesundheit, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit gerecht wird. Die präziseren Angaben zur Umsetzbaren Energie (ME) und zum dünndarmverdaulichen Protein (sidP) gewährleisten, dass Rationen jetzt passgenauer gestaltet und so Stoffwechselbelastungen und Umweltbelastungen reduziert werden können.
In der Praxis bedeutet das eine Verbesserung der Futterkurierung, die nicht nur den Bedürfnissen der Tiere besser entspricht, sondern auch ökologische Aspekte stärker berücksichtigt. Angesichts gesellschaftlicher Erwartungen – etwa hinsichtlich des Tierwohls und des Klimaschutzes – gewinnt eine aktuelle Futterbewertung an Bedeutung. Sie unterstützt landwirtschaftliche Betriebe dabei, ihre Fütterungsstrategien gezielt an nachhaltige Produktionsziele anzupassen.
Herausforderungen der modernen Tierernährung
Die Bewertung von Futtermitteln steht heute vor komplexen Anforderungen. Der Einfluss eines steigenden Futteraufnahmeniveaus (FAN) auf die Verdaulichkeit macht eine dynamische Betrachtung nötig, die die neue Tabellenbasis liefert. Zudem sind die zeitabhängige Abbaurate von Proteinen und die Qualität der einzelnen Aminosäuren wie Lysin und Methionin entscheidend für die Tiergesundheit und Leistung. Die Landwirtschaft muss sich daher mit einer Vielzahl von Variablen auseinandersetzen, die eine Standardisierung erschweren.
Darüber hinaus ergeben sich folgende wesentliche Herausforderungen:
- Unterschiedliche Futterqualitäten präzise eingruppieren und bewerten
- Dynamische Stoffwechselprozesse bei verschiedenen Futteraufnahmen berücksichtigen
- Balance zwischen Tierwohl und betrieblichen Wirtschaftlichkeitszielen finden
- Umweltrelevante Emissionen wie Methan durch optimierte Fütterung senken
- Nachhaltige Nutzung und Erweiterung der Datenbasis für fundierte Entscheidungen ermöglichen
Diese Punkte zeigen, dass die Tierernährung weit komplexer ist als bisher angenommen und eine ständige Weiterentwicklung der Futterwerttabellen erforderlich macht.
Bedeutung für Nachhaltigkeit und Innovation
Die neuen DLG-Futterwerttabellen sind ein zentraler Baustein im Transformationsprozess der Landwirtschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit. Die detaillierte und differenzierte Erfassung von Energie- und Nährstoffwerten trägt zur Reduktion von Futtermittelverlusten und einer präziseren Steuerung von Nährstoffflüssen bei. Dies wirkt sich direkt auf die ökologische Bilanz von Tierhaltungsbetrieben aus und entspricht den wachsenden Ansprüchen der Gesellschaft an ressourcenschonende und tiergerechte Landwirtschaft.
Für die Innovationsentwicklung dienen die Tabellen als verlässliche Datenbasis, die in digitale Anwendungen überführt werden kann. So unterstützt der Verein DLG den Wissenstransfer und die praktische Umsetzung moderner Fütterungskonzepte, die beispielsweise mit Herdenmanagement- und Rationsberechnungsprogrammen verknüpft sind. Die Verfügbarkeit der Tabellen in verschiedenen Formaten erleichtert den digitalen Einsatz und fördert eine moderne, wissenschaftlich fundierte Beratung.
Ein Blick in die Zukunft zeigt: Die tierische Ernährung wird zunehmend digital und datengetrieben. Künftige Entwicklungen integrieren Echtzeitdaten aus Herdenüberwachungssystemen mit individuellen Futterprofilen, um noch gezielter auf die Bedürfnisse einzelner Tiere einzugehen. Damit entsteht eine neue Dimension der Präzisionsfütterung, die Tierwohl, Wirtschaftlichkeit und Umweltaspekte gleichermaßen berücksichtigt.
Die wichtigsten Herausforderungen bei der Futterbewertung im Überblick:
- Variabilität der Futtermittelqualitäten angemessen abbilden
- Dynamische Effekte des Futteraufnahmeniveaus auf Verdaulichkeit berücksichtigen
- Proteinabbauzeitpunkte und Aminosäurebedarf präzise erfassen
- Wirtschaftliche und ökologische Ziele in Einklang bringen
- Digitale Methoden und Datenintegration für praxisnahe Lösungen fördern
Mit diesen Grundlagen stellt die neue Tabellenedition ein wichtiges Instrument dar, das die Landwirtschaft bei der Transformation zu nachhaltigen und innovativen Produktionssystemen maßgeblich unterstützt.
Die in diesem Beitrag verwendeten Informationen basieren auf einer Pressemitteilung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft e.V. (DLG).