Eine der schnellsten Arten, das eigene Fundraising falsch einzuordnen, ist der falsche Vergleich.
Das passiert in der Praxis ständig. Ein Verein schaut auf die Zahlen einer großen Charity und fragt sich, warum digital nicht dieselbe Dynamik entsteht. Ein Verband bewertet seine Entwicklung mit Blick auf klassische Spendenorganisationen. Eine NGO schaut auf allgemeine Benchmarks und hat am Ende trotzdem das Gefühl, dass die eigenen Werte schwer einzuordnen sind.
Genau an dieser Stelle wird die Fundraising Studie 2026 von RaiseNow besonders wertvoll. Denn sie zeigt ziemlich klar: Nicht alle Organisationen sammeln digital nach denselben Mustern. Vereine, religiöse Organisationen, politische Organisationen und Charities folgen jeweils eigenen Logiken. Wer das ignoriert, landet schnell bei falschen Erwartungen, unpassenden Zielen und schiefen Bewertungen.
Wir von Verbandsbüro halten diesen Punkt für zentral, weil er viele unnötige Frustrationen erklärt. Nicht jede Organisation muss wie eine große Charity funktionieren, um digital erfolgreich zu sein. Aber jede Organisation sollte verstehen, welches Muster für sie überhaupt realistisch ist.
Der Vergleich beginnt schon bei der falschen Frage
Oft lautet die unausgesprochene Frage in Organisationen: Warum sind wir nicht dort, wo andere schon sind?
Das klingt nachvollziehbar. Die Frage ist nur häufig falsch gestellt.
Denn die Studie trennt Organisationstypen nicht ohne Grund. Sie schaut auf religiöse Organisationen, politische Organisationen, Charities und Vereine jeweils gesondert. Dahinter steckt die Erkenntnis, dass unterschiedliche Organisationen auch unterschiedliche Finanzierungs- und Unterstützungslogiken haben.
Ein Sportverein mit starker Mitgliederbasis, ein gesellschaftspolitischer Akteur, eine religiöse Einrichtung und eine klassische spendengetragene Charity sprechen nicht nur andere Menschen an. Sie werden auch aus anderen Motiven unterstützt. Genau deshalb kann man ihre Fundraising-Kennzahlen nicht einfach nebeneinanderlegen und so tun, als würden alle dasselbe Spiel spielen.
Die Unterschiede sind nicht klein, sondern deutlich
Die Studie zeigt 2025 klare Unterschiede bei der Zahl der digitalen Transaktionen:
| Organisationstyp | Durchschnittliche Transaktionen 2025 |
|---|---|
| Religiöse Organisationen | 569 |
| Politische Organisationen | 668 |
| Charities | 1.625 |
| Vereine | 550 |
Quelle: Fundraising Studie 2026.
Allein diese Zahlen machen schon deutlich, warum pauschale Vergleiche problematisch sind. Charities liegen bei der Zahl der Transaktionen weit vor den anderen Typen. Vereine und religiöse Organisationen bewegen sich näher beieinander. Politische Organisationen liegen dazwischen, allerdings mit einer eigenen Dynamik.
Wichtig ist dabei: Diese Unterschiede sind nicht einfach nur eine Frage von Größe. Sie hängen auch damit zusammen, welche Rolle Spenden im jeweiligen Organisationsmodell überhaupt spielen.
Vereine funktionieren anders als klassische Spendenorganisationen
Gerade für Vereine ist dieser Punkt entscheidend.
In der Studie wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sich bei Vereinen digitale Transaktionen nicht nur auf klassische Spenden beziehen, sondern auch auf Zahlungen, die über RaiseNow-Tools verarbeitet wurden, etwa Mitgliederbeiträge oder Eventteilnahmen.
Das verändert die Lesart sofort.
Denn ein Verein hat oft eine andere Ausgangslage als eine Charity. Er arbeitet näher an Mitgliedschaft, Gemeinschaft, Veranstaltungen, lokalen Aktivitäten oder wiederkehrenden Vereinsanlässen. Das heißt nicht, dass digitales Fundraising dort weniger relevant wäre. Es heißt nur, dass Fundraising im Verein häufig stärker mit anderen Zahlungs- und Beteiligungsformen verwoben ist.
Für viele Verantwortliche ist genau das eine wichtige Entlastung. Nicht jeder Verein muss dieselbe Spendendynamik entwickeln wie eine große NPO mit starkem Spendenfokus. Entscheidend ist eher, ob die digitale Aktivierung zum eigenen Modell passt und ob die vorhandenen Potenziale sauber genutzt werden.
Charities ziehen digital oft stärker davon
Bei Charities zeigt die Studie die höchste durchschnittliche Transaktionszahl. 2025 liegen sie bei 1.625 Transaktionen und damit deutlich vor den anderen Organisationstypen.
Das hat Gründe, die über die reine Zahl hinausgehen.
Charities sind häufig stärker auf Spendenkommunikation, Kampagnenlogik und digitale Mobilisierung ausgerichtet. Sie arbeiten oft mit klaren Spendenanlässen, etablierten Appellen und einer Öffentlichkeit, die stärker an klassische Spendenlogiken gewöhnt ist. Gerade im Jahresendgeschäft zeigt sich das besonders deutlich.
Gleichzeitig wäre es aber zu kurz gedacht, daraus einfach nur eine Erfolgsgeschichte abzuleiten. Denn die Studie zeigt auch, dass Charities bei den Spendenbeträgen einen deutlichen Rückgang verzeichnen. Sie sammeln also viel, aber nicht automatisch mit stabilen Beträgen pro Transaktion.
Das ist wichtig, weil es auch hier wieder zeigt: Hohe Aktivierung und hohe Einzelbeträge sind nicht dasselbe.
Politische Organisationen fallen aus dem Muster
Ein besonders interessanter Fall sind politische Organisationen.
Sie verzeichnen als einziger Typ keinen klaren Aufwärtstrend bei der Spendenanzahl. Stattdessen geht der Durchschnitt von 717 im Jahr 2024 auf 668 im Jahr 2025 zurück. Gleichzeitig steigen die durchschnittlichen Spendenbeträge, während der Median stabil bleibt.
Das ist ein anderes Profil als bei Charities oder Vereinen. Die digitale Unterstützung scheint hier weniger über breite Zunahme der Transaktionen zu laufen, sondern stärker über höhere Beiträge in einem politisch aufgeladenen Umfeld.
Für Verbände oder NGOs mit politischer Interessenvertretung ist das ein spannender Punkt. Er zeigt, dass digitale Unterstützung nicht immer über dieselben Trigger funktioniert. In manchen Bereichen wirken gesellschaftliche Spannungen, Debatten und politische Mobilisierung stärker auf die Beitragshöhe als auf die reine Masse der Transaktionen.
Mit anderen Worten: Politische Organisationen folgen einer eigenen Spendenpsychologie.
Religiöse Organisationen zeigen, wie stark Kontext wirkt
Religiöse Organisationen machen in der Studie besonders deutlich, wie sehr Fundraising von kulturellen und zeitlichen Kontexten geprägt ist.
Ihre durchschnittliche Transaktionszahl steigt 2025 auf 569. Gleichzeitig bleibt die Dynamik stark an spezifische Anlässe gebunden. Der stärkste saisonale Ausschlag liegt im März rund um den Ramadan, mit 18 Prozent des Jahresvolumens.
Das ist deshalb so aufschlussreich, weil es zeigt, wie eng Spendenbereitschaft und Sinnzusammenhang miteinander verknüpft sein können. Menschen reagieren nicht nur auf Appelle, sondern auf Kontexte, in denen Unterstützung eine besondere Bedeutung bekommt.
Für andere Organisationstypen lässt sich daraus nicht einfach ein Modell kopieren. Aber sehr wohl eine Lehre ziehen: Wer die eigene Zielgruppe nur über Standardkalender oder allgemeine Marktlogiken anspricht, verpasst womöglich die eigentlichen Aktivierungsmomente.
Mehr dazu liest du auch in Saisonales Fundraising: Wann Spenden wirklich kommen.
Nicht nur die Anzahl unterscheidet sich, sondern auch die Beträge
Noch deutlicher wird der Unterschied, wenn man auf die Spendenhöhen schaut.
Die Studie zeigt für 2025 diese durchschnittlichen Spendenbeträge:
| Organisationstyp | Durchschnittlicher Spendenbetrag 2025 |
|---|---|
| Religiöse Organisationen | CHF 22 |
| Politische Organisationen | CHF 42 |
| Charities | CHF 57 |
| Vereine | CHF 17,5 |
Quelle: Fundraising Studie 2026.
Auch hier wird sichtbar, wie unterschiedlich digitales Fundraising tatsächlich funktioniert. Vereine bewegen sich bei eher kleineren Beträgen. Politische Organisationen liegen deutlich höher. Charities führen beim Durchschnitt, obwohl gerade dort die Beträge zuletzt zurückgegangen sind. Religiöse Organisationen liegen dazwischen.
Für die Praxis heißt das vor allem eines: Ein niedriger Durchschnittsbetrag ist nicht automatisch ein Schwächesignal. In manchen Organisationstypen gehört er schlicht zur Struktur.
Gerade Vereine sollten deshalb vorsichtig sein, sich an Zahlen zu messen, die aus einer ganz anderen Unterstützungslogik stammen.
Auch der Jahresverlauf ist nicht für alle gleich
Nicht nur die Höhe und die Zahl der Transaktionen unterscheiden sich. Auch die saisonalen Muster weichen deutlich voneinander ab.
Die Studie zeigt:
- religiöse Organisationen mit starkem Peak im März rund um den Ramadan
- Charities mit klassischem Schwerpunkt zum Jahresende
- Vereine mit auffälliger Stärke in Sommermonaten
- politische Organisationen mit gleichmäßigerem Verlauf und schwächerem Sommer
Gerade dieser Punkt wird in der Praxis oft zu wenig beachtet. Denn viele Organisationen übernehmen ihre Jahresplanung indirekt aus allgemeinen Fundraising-Erzählungen. Wenn aber die eigene Zielgruppe ganz anders reagiert, wird diese Planung schnell ungenau.
Wer also wissen will, warum ein Verein im Sommer digital stärker performt oder warum eine religiöse Organisation im März deutlich sichtbarer wird, sollte das nicht als Ausnahme lesen. Sondern als Ausdruck des eigenen Musters.
Ein typischer Fehler: das eigene Modell mit dem falschen Ideal vergleichen
Nehmen wir einen Verein oder Verband, der digital engagiert arbeitet, aber nicht auf die Transaktionszahlen einer Charity kommt. Intern entsteht dann schnell das Gefühl, man hinke hinterher.
Das Problem dabei ist nicht die Ambition. Das Problem ist der Maßstab.
Wenn Organisationen ihre Entwicklung mit einem Typ vergleichen, der auf ganz anderen Voraussetzungen beruht, entsteht fast zwangsläufig Unzufriedenheit. Dabei kann dieselbe Entwicklung im passenden Vergleichsrahmen durchaus stark sein.
Vielleicht steigen die digitalen Zahlungen im Verein kontinuierlich. Vielleicht bleiben die Beträge klein, aber stabil. Vielleicht gibt es gute Sommerphasen. Vielleicht werden Mitglieder, Beiträge, Spenden und Veranstaltungen digital zunehmend besser verbunden. All das kann ein Fortschritt sein, auch wenn es nicht wie das Muster einer klassischen Charity aussieht.
Genau deshalb ist der richtige Vergleich keine Nebensache. Er entscheidet darüber, ob eine Organisation ihre Entwicklung realistisch liest oder sich an fremden Idealen abarbeitet.
Warum der richtige Vergleich so entscheidend ist
Für uns liegt die wichtigste Erkenntnis dieses Kapitels in einer einfachen Formel: Vergleich ist nur dann hilfreich, wenn der Rahmen stimmt.
Vereine, Verbände und NGOs brauchen keine beliebigen Benchmarks. Sie brauchen passende Benchmarks. Sonst wird aus Einordnung schnell Selbstverunsicherung.
Die Studie macht sehr deutlich, dass digitale Spenden, Transaktionszahlen, Betragshöhen und saisonale Muster vom Organisationstyp abhängen. Wer das berücksichtigt, kann die eigene Entwicklung präziser bewerten. Wer es ignoriert, zieht womöglich die falschen Schlüsse.
FAQ: Unterschiede zwischen Organisationstypen richtig lesen
Warum lassen sich Vereine nicht direkt mit Charities vergleichen?
Weil Vereine oft andere Finanzierungs- und Beteiligungslogiken haben. In der Studie können bei Vereinen auch digitale Zahlungen wie Mitgliederbeiträge oder Eventteilnahmen eine Rolle spielen. Charities sind dagegen meist stärker auf klassische Spendenmobilisierung ausgerichtet.
Warum haben Charities so viele digitale Transaktionen?
Weil sie häufig stärker an klassische Spendenkommunikation, Kampagnen und digitale Aktivierung gekoppelt sind. Das erhöht oft die Zahl der Transaktionen, sagt aber noch nicht alles über Beträge oder Bindung aus.
Was ist bei politischen Organisationen anders?
Sie zeigen in der Studie sinkende Transaktionszahlen, aber steigende durchschnittliche Spendenbeträge. Das deutet auf eine andere Logik digitaler Unterstützung hin, stärker geprägt durch politische Mobilisierung und gesellschaftliche Spannungen.
Warum sind religiöse Organisationen saisonal so besonders?
Weil ihre digitale Spendenbereitschaft stark mit religiösen Zeiträumen zusammenhängt. In der Studie liegt der Höchstwert 2025 im März rund um den Ramadan.
Bedeutet ein niedriger Durchschnittsbetrag bei Vereinen automatisch ein Problem?
Nein. Je nach Organisationstyp kann ein niedrigerer Betrag strukturell normal sein. Entscheidend ist, ob die digitale Aktivierung, die Transaktionslogik und die Entwicklung insgesamt zum eigenen Modell passen.
Was ist die wichtigste Konsequenz aus diesem Vergleich?
Organisationen sollten ihre Fundraising-Leistung nicht an beliebigen Marktwerten messen, sondern an passenden Vergleichsrahmen. Erst dann werden Zahlen wirklich aussagekräftig.
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9 Kommentare
Danke fuer die analyse, finde die erklärung zur saisonalität sehr nützlich, religöse organisationen mit peak im ramadan ist ein gutes beispiel, trotzdem fehlt mir ein abschnitt wie man kleine betragspenden besser bindet, habt ihr methoden fuer wiederkehrende spenden oder mitgliedsbeitrags automation, siehe auch /blog/saisonales-fundraising fuer ideen, wer hat erfahrung damit?
Wir nutzen einfache email follow ups und kleine video messages, das hilft ein bischen, die betrag sind klein aber die bindung wächst, nicht perfekt aber besser als gar nichts, man soll nicht nur auf transaktionen schauen sondern auf engagement, hat das wer getestet mit raiseNow tools?
Kurz: ja, automation kann helfen aber beware zu viele mails frustriern leute, bei uns halfen gezielte anlässe und klare call to action, plus verlinkung zu /ressourcen/benchmarks um realistische ziele zu setzen, wer kann noch tipps zur segmentierung geben?
Der artikel trifft einen punkt, man darf nicht mit falschen idealen verglichen werden, charitiy zahlen sind nicht massstab für vereine, trotzdem vieles gut erklärt, frage: wie schnell soll man erwartungen anheben wenn man digital neu startet, gibt es checklisten in /studien/fundraising-studie-2026 oder /ressourcen/benchmarks, danke fuer die übersicht
Netter text, aber mir fehlt mehr praxis, die zahlen sind nett aber wie setz ich das um im verein, wenn meine mitglieder im sommer aktiver sind soll ich dann kampagnen im sommer machen oder winter, die unterscheidung zwischen religiösen organisationen und charities ist wichtig, siehe auch /blog/saisonales-fundraising, kann jemand ein beispiel posten wie man das messt?
Ich hab das probiert bei uns im sportverein, wir machten email kampagnen im sommer und eventanmeldungen digital, die Transaktionn stiegen leicht, nicht so viel wie charitys klar, aber besser als nix, wichtig ist konsistenz und memberpflege, würd gern mehr tipps von profis hier lesen
Interessant find ich die zahl daten aus der Fundraising Studie 2026 von RaiseNow, aber ich denke man vergleicht oft falsch, ein verein ist kein charity, die Transaktionn können mit mitgliedsbeiträgen sein, nicht nur Spenden, das sollte klarer in /studien/fundraising-studie-2026 erklärt werdn, kann jemand praktische tipps geben wie man passende benchmarcks findet?
Stimme zu, Roger, guter punkt aber ich verstehe das nicht ganz, wenn politische organisationen weniger transaktionen aber höhere betrag haben, bedeutet das das zielgruppe anders ist oder die kampagnen, ich hab mal probiert mehr fokus auf kampagnen zu legen klappt halbwegs, link dazu /ressourcen/benchmarks hilft vielleicht, hat jemand anders erfahrung
Guter beitrag zum Fundraisin und den Transaktionn, finde ich, aber ich bin verwirrt weil die Studie zeigen verschiede muster, Charitys machen mehr transaktionen, Vereine weniger, das klingt logisch aber warum wird nicht mehr auf kontext eingegangen, zB Ramadan oder saisonales fundraising, mehr dazu auf /blog/saisonales-fundraising, was meint ihr dazu, passt das zu euren erfahrungen?