– Wohnungswirtschaft will Glasfaseranteil in fünf Jahren auf 75 Prozent steigern.
– Kritik an Wettbewerbsverzerrung durch gesetzliche Mitnutzungsausschlüsse für Vermieter.
– Bundesministerium plant Abschaffung der Konzernklausel für faire Refinanzierungsbedingungen.
Wohnungswirtschaft treibt Glasfaserausbau mit ambitioniertem Zeitplan voran
Der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen hat klare Ziele für den Glasfaserausbau bis in die Wohnungen definiert. Die 3.000 vom GdW vertretenen Wohnungsunternehmen planen eine massive Beschleunigung der FTTH-Versorgung. Diese Kraftanstrengung betrifft rd. 6 Mio. Wohnungen, in denen über 13 Mio. Menschen wohnen – das entspricht fast 30 Prozent aller Mietwohnungen in Deutschland (Stand: 14.08.2025)*.
GdW-Präsident Axel Gedaschko betont das Engagement der Branche, sieht aber auch Hürden: „Die Wohnungswirtschaft selbst würde noch deutlich mehr Glasfasernetze errichten können. Aber: ausgerechnet diejenigen, die den direkten ‚Draht‘ zum Mieter haben, sind anders als alle anderen Unternehmen von fairen Mitnutzungsentgelten gesetzlich ausgeschlossen. Das ist eine absolute Wettbewerbsverzerrung und massive Ungerechtigkeit“. Als weiteres Problem benennt der Verband „Drückerkolonnen“, die im Auftrag der Telekom und anderer Betreiber Mieter mit teils falschen Versprechen verunsicherten.
Trotz dieser Kritikpunkte gibt es positive Entwicklungen. Durch Musterregelungen mit Netzbetreibern wurde der Ausbau von mehr als fünf Millionen Wohnungen beauftragt (Stand: 14.08.2025)*. Gedaschko zeigt sich erfreut über die Kooperationsbereitschaft der Telekom: „Wir freuen uns, dass die Telekom bei unseren Unternehmen dabei von einem restriktiven Ein-Faser-Ausbau auf einen wettbewerbsfreundlichen Vier-Faser-Ausbau zum Vorteil unserer Mieterinnen und Mieter geschwenkt ist“. Für die anstehende TKG-Novelle fordert er: „Wichtig ist, dass die TKG-Novelle nicht neue investitionshemmende Regulierungen schafft, sondern Kooperationsanreize für einen beschleunigten Glasfaserausbau fördert“.
Die folgenden Kapitel vertiefen diese Positionen mit weiteren Rechercheergebnissen und ordnen die ambitionierten Ausbauziele in den größeren Kontext der deutschen Digitalinfrastruktur ein*.
Glasfaserausbau in Deutschland: Zwischen Ambition und Realität
Die aktuellen Marktdaten zeigen ein differenziertes Bild des Glasfaserausbaus in Deutschland. Laut der BREKO Marktanalyse 2025 erreicht die FTTH-Ausbauquote bundesweit 52,8 Prozent, was etwa 24,3 Millionen erschlossenen Haushalten entspricht* (Stand: 14.08.2025). Die tatsächliche Glasfaseranschlussquote liegt mit 27,3 Prozent jedoch deutlich niedriger – nur 12,55 Millionen Haushalte nutzen bisher die verfügbare Infrastruktur*. Diese Diskrepanz zwischen verfügbarer Technologie und tatsächlicher Nutzung verdeutlicht die Herausforderungen beim flächendeckenden Glasfaserausbau.
Marktlage: Ausbauquoten in Deutschland
Die BREKO-Zahlen belegen zwar kontinuierliche Fortschritte beim Netzausbau, doch zwischen verfügbarer Infrastruktur und tatsächlicher Nutzung klafft eine erhebliche Lücke. Während mehr als die Hälfte aller Haushalte theoretisch mit Glasfaser versorgt werden könnte, nutzt bisher nur etwa jeder vierte diesen Anschluss. Diese Differenz zeigt, dass der reine Netzausbau allein noch keine flächendeckende Glasfaserversorgung garantiert.
Herausforderungen bei Bestandsgebäuden
Eine Studie der Nassauischen Heimstätte aus dem Jahr 2025 identifiziert zentrale Hindernisse für den Glasfaserausbau im Bestand. Gerade in bestehenden Wohngebäuden erschweren diese Faktoren den zügigen Ausbau erheblich. Die Studie bestätigt dabei die zentrale Rolle der Wohnungswirtschaft als Treiber des Glasfaserausbaus, betont aber gleichzeitig die Notwendigkeit verbesserter Kooperationsbedingungen zwischen Netzbetreibern und Immobilieneigentümern.
Erfolgsmodelle für den Glasfaserausbau in Wohngebäuden
Die deutsche Wohnungswirtschaft setzt auf konkrete Kooperationen beim Glasfaserausbau. Immer mehr Wohnungsunternehmen und Netzbetreiber schließen Partnerschaften, um den FTTH-Vollausbau in Bestandsimmobilien zu beschleunigen.*
Regionale Partnerschaften als Beschleuniger
Vor Ort entstehen zunehmend maßgeschneiderte Lösungen, die auf die spezifischen Gegebenheiten abgestimmt sind. Die Weimarer Wohnstätte und Thüringer Netkom vereinbarten im August 2025 einen Netzbetriebs- und Pachtvertrag für die Glasfasererschließung von 1.330 Wohnungen.* In München starteten die Stadtwerke München, M-net und die Telekom im Oktober 2025 eine Infrastrukturoffensive für den flächendeckenden Glasfaserausbau bis in Wohnungen und Geschäftseinheiten (Stand: 08.10.2025).*
Rahmenverträge und Vollausbau-Modelle
Übergreifende Kooperationsvereinbarungen bilden die Grundlage für großflächige Ausbauprojekte. DOGEWO21 und DOKOM21 kooperieren seit 2025 beim Glasfaserausbau in über 8.000 Wohnungen.* Vodafone erweiterte 2025 seinen Rahmenvertrag mit GdW-Mitgliedern für den kostenfreien FTTH-Vollausbau bis in jede Wohneinheit inklusive Netzbetrieb und Instandhaltung.* Ebenfalls 2025 vereinbarten Tele Columbus und GdW-Mitglieder eine Kooperation für den Glasfaserausbau von drei Millionen Haushalten mit kostenlosem Vollausbau, Vier-Faser-Standard und Netzöffnung.*
Ausgewählte Kooperationsprojekte im Überblick:
- DOGEWO21 & DOKOM21 (2025): Ausbau in über 8.000 Wohnungen – Stand: 2025
- Weimarer Wohnstätte & Thüringer Netkom (2025): Glasfasererschließung von 1.330 Wohnungen – Stand: August 2025
- Stadtwerke München, M-net & Telekom (2025): Flächendeckender Ausbau in München – Stand: 08.10.2025
- Vodafone & OXG (2025): Rahmenvertrag mit kostenfreiem FTTH-Vollausbau – Stand: 2025
- Tele Columbus & GdW-Mitglieder (2025): Ausbau für drei Millionen Haushalte mit Vier-Faser-Standard – Stand: 2025
Diese Partnerschaften zeigen, wie durch abgestimmte Kooperationsmodelle der Glasfaserausbau in Wohngebäuden systematisch voranschreitet und Mieter von moderner Internetinfrastruktur profitieren.*
Glasfaserausbau: Was schnelle Netze für Haushalte und Kommunen bedeuten
Der flächendeckende Glasfaserausbau verändert nicht nur die technologische Landschaft, sondern hat konkrete Auswirkungen auf den Alltag von Millionen Menschen. Die Vorteile höherer Bandbreiten für Arbeit, Bildung und Gesundheitsversorgung sind vielfältig.* Der Infrastrukturausbau bringt aber auch Herausforderungen mit sich, die Haushalte und Kommunen direkt betreffen.
Für Mieterinnen und Mieter bedeutet der Anschluss an schnelle Glasfasernetze einen deutlichen Sprung in ihrer digitalen Versorgung. Die deutlich höheren Übertragungsgeschwindigkeiten ermöglichen stabilere Videokonferenzen im Homeoffice, unterbrechungsfreies Streaming für alle Haushaltsmitglieder gleichzeitig und zuverlässige Verbindungen für digitale Lernplattformen. Besonders relevant wird diese Infrastruktur für telemedizinische Anwendungen, bei denen eine stabile Hochgeschwindigkeitsverbindung über die Qualität der medizinischen Betreuung mitentscheiden kann.
Was schnelle Glasfaseranschlüsse für Haushalte bedeuten
Die konkreten Vorteile zeigen sich in verschiedenen Lebensbereichen: Familien profitieren von der Möglichkeit, dass mehrere Personen gleichzeitig anspruchsvolle Anwendungen nutzen können, ohne dass die Internetverbindung abbricht oder langsamer wird. Berufstätige im Homeoffice gewinnen an Flexibilität und Produktivität durch zuverlässige Zugänge zu Unternehmensnetzwerken und Cloud-Diensten. Für ältere Menschen oder Personen mit Mobilitätseinschränkungen eröffnen leistungsfähige Internetanschlüsse neue Möglichkeiten der telemedizinischen Versorgung und sozialen Teilhabe.
Die Erwartungen der Nutzerinnen und Nutzer richten sich dabei nicht nur an die Geschwindigkeit, sondern ebenso an die Zuverlässigkeit der Verbindung. Ein Glasfaseranschluss bietet im Vergleich zu herkömmlichen Technologien nicht nur höhere Bandbreiten, sondern auch geringere Ausfallzeiten und stabilere Leistungen – Faktoren, die im digitalisierten Alltag zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Städte, Kommunen und die Infrastrukturbelastung
Auf kommunaler Ebene stellt der Glasfaserausbau eine doppelte Herausforderung dar: Einerseits sind Städte und Gemeinden darauf angewiesen, ihre Einwohner mit zukunftsfähiger digitaler Infrastruktur zu versorgen. Andererseits müssen sie die Belastungen durch Bauarbeiten managen und die Interessen aller Beteiligten wahren.
Die praktischen Auswirkungen des Ausbaus zeigen sich im Stadtbild.* Entscheidend für die Akzeptanz in der Bevölkerung ist dabei die ordnungsgemäße Wiederherstellung der betroffenen Flächen nach Abschluss der Arbeiten.*
Kommunen stehen vor der Aufgabe, ein Gleichgewicht zu finden zwischen dem berechtigten Interesse an schnellem Ausbau und dem Schutz der Bürger vor übermäßigen Belastungen.* Die Zusammenarbeit zwischen Netzbetreibern, Wohnungsunternehmen und kommunalen Verwaltungen bestimmt maßgeblich, wie reibungslos der Infrastrukturausbau vor Ort verläuft.*
Die gesellschaftliche Relevanz des Glasfaserausbaus geht damit weit über technische Fragen hinaus. Sie betrifft die Teilhabe am digitalen Leben, die Attraktivität von Wohnstandorten und die Funktionsfähigkeit kommunaler Infrastrukturen in einer zunehmend vernetzten Welt.
Ausblick: Was jetzt zu beobachten ist
Der Glasfaserausbau in deutschen Wohnungen bleibt 2025 ein dynamisches Feld mit weiteren entscheidenden Entwicklungen. Innerhalb von zwei Jahren soll sich der Anteil der mit Glasfaser versorgten Wohnungen so auf rund 45 Prozent verdoppeln.* Wer die Fortschritte verfolgen möchte, sollte mehrere konkrete Beobachtungspunkte im Blick behalten.
Aktuelle Marktanalysen und Branchenupdates liefern regelmäßig wichtige Indikatoren. Die nächsten Veröffentlichungen von Verbänden wie der BREKO werden zeigen, ob die ambitionierten Ausbauziele der Wohnungswirtschaft weiterhin im Zeitplan liegen. Diese Berichte dokumentieren nicht nur Fortschritte, sondern auch mögliche neue Herausforderungen.
Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Umsetzung bereits angekündigter Großprojekte. Die in diesem Jahr geschlossenen Kooperationen zwischen Netzbetreibern und Wohnungsunternehmen müssen jetzt mit Leben gefüllt werden. Journalistische Nachberichterstattung kann hier Transparenz schaffen: Wann beginnen die Tiefbauarbeiten konkret? Werden die Zeitpläne eingehalten? Lokale Medien und Anfragen bei den beteiligten Unternehmen vor Ort liefern oft die detailliertesten Informationen zur tatsächlichen Umsetzung.
Gleichzeitig lohnt es sich, die Weiterentwicklung der Vertragsmodelle zu verfolgen. Mieter profitieren von klaren Regelungen zu Wartung, Instandhaltung und der langfristigen Netzzugänglichkeit. Die Frage, ob sich faire und transparente Konditionen flächendeckend durchsetzen, wird maßgeblich die Akzeptanz des Glasfaserausbaus beeinflussen. Auch die Ankündigung weiterer regionaler Partnerschaften zwischen Wohnungsunternehmen und verschiedenen Netzbetreibern signalisiert, ob der Kooperationskurs der Branche trägt.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob die beschlossenen Weichenstellungen in der Praxis zu dem beschleunigten Ausbau führen, den alle Beteiligten anstreben.
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Alle Informationen und Zitate in diesem Beitrag stammen aus einer Pressemitteilung des GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V.
Weiterführende Quellen:
- „Die BREKO Marktanalyse 2025 meldet eine FTTH-Ausbauquote in Deutschland von 52,8 % (24,3 Mio. Homes Passed) und eine Glasfaseranschlussquote von 27,3 % (12,55 Mio. Anschlüsse) zum 14.08.2025.“ – Quelle: https://brekoverband.de/wp-content/uploads/2025/08/BREKO_Marktanalyse_2025.pdf
- „Eine Studie der Nassauische Heimstätte aus 2025 bestätigt die zentrale Rolle der Wohnungswirtschaft beim FTTH-Ausbau bis 2035 und nennt Kapazitätsengpässe und unklare Regeln als wesentliche Herausforderungen bei Bestandsgebäuden.“ – Quelle: https://www.nhw.de/newsroom/news/wohnungswirtschaft-treibt-glasfaserausbau-voran-1
- „DOGEWO21 und DOKOM21 vereinbaren 2025 eine Kooperation zum Glasfaserausbau in über 8.000 Wohnungen als Beispiel regionaler Wohnungswirtschaft-Netzbetreiber-Zusammenarbeit.“ – Quelle: https://www.dogewo21.de/presseportal/pressemitteilungen/dokom21-und-dogewo21-vereinbaren-glasfaserausbau-in-wohnimmobilien
- „Die Weimarer Wohnstätte und Thüringer Netkom schlossen im August 2025 einen Netzbetriebs- und Pachtvertrag für Glasfasererschließung von 1.330 Wohnungen als regionales Kooperationsmodell.“ – Quelle: https://www.thueringerenergie.de/Ueber_uns/Mediathek/Presse/Presse_27825.aspx
- „Stadtwerke München, M-net und Telekom treiben den flächendeckenden Glasfaserausbau in München bis in Wohnungen und Geschäftseinheiten voran (Stand: 08.10.2025).“ – Quelle: https://www.vdwbayern.de/2025/10/08/infrastrukturoffensive-fuer-muenchen/
- „Vodafone und OXG erweitern 2025 ihren Rahmenvertrag mit GdW-Mitgliedern für kostenfreien FTTH-Vollausbau bis in jede Wohneinheit inklusive Netzbetrieb und Instandhaltung.“ – Quelle: https://www.vodafone.de/immobilienwirtschaft/magazin/blog/gdw-vodafone-glasfaser-kooperation.html
- „Tele Columbus und GdW-Mitglieder vereinbaren 2025 eine Kooperation für Glasfaserausbau von drei Millionen Haushalten mit kostenlosem Vollausbau, Vier-Faser-Standard und Netzöffnung.“ – Quelle: https://www.telecolumbus.com/vdiv-deutschland-und-tele-columbus-vereinbaren-glasfaserkooperation/
10 Antworten
Ich bin gespannt auf die kommenden Monate! Glaubt ihr, dass wir den Glasfaserausbau wirklich beschleunigen können? Die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Akteuren scheint der Schlüssel zu sein.
Ich hoffe es auch! Aber ich frage mich, ob alle Beteiligten wirklich bereit sind, zusammenzuarbeiten oder ob das nur leere Versprechen bleiben werden.
„Die Herausforderungen beim flächendeckenden Ausbau sind unbestreitbar.“ Aber was tut der Gesetzgeber konkret dafür? Es wäre gut zu wissen, ob wir auf dem richtigen Weg sind.
„Drückerkolonnen“ sind wirklich ein Problem! Das verunsichert Mieter nur und hindert den Fortschritt. Hat jemand Erfahrungen mit diesen Situationen gemacht? Was kann man dagegen tun?
„Drückerkolonnen“ können echt nervig sein! Vielleicht sollte der GdW dazu mal eine Aufklärungskampagne starten? Es könnte helfen!
Die Ambitionen der Wohnungswirtschaft sind ja schön und gut, aber die Realität sieht oft anders aus. Gibt es denn schon konkrete Beispiele für erfolgreich umgesetzte Projekte?
Ja, es gibt einige Projekte wie die Kooperation von DOGEWO21 und DOKOM21, die zeigen, dass es funktionieren kann! Was haltet ihr von solchen Modellen?
Ich finde es auch wichtig zu erwähnen, dass solche Partnerschaften oft nur regional funktionieren. Wie könnte man das auf nationaler Ebene ausweiten?
Ich finde die Zielsetzung des GdW zur Steigerung des Glasfaseranteils echt beeindruckend. Aber warum wird immer noch über Wettbewerbsverzerrungen diskutiert? Könnte da nicht eine bessere Lösung gefunden werden?
Das ist ein wichtiger Punkt, Gernot. Ich denke, dass die Diskussion um faire Mitnutzungsentgelte noch viel zu wenig in der Öffentlichkeit thematisiert wird. Wer kümmert sich darum?