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Entscheidende Hilfen für Missbrauchsopfer stehen auf der Kippe: Organisationen schlagen Alarm
Eine Welle der Empörung und tiefen Besorgnis rollt nach dem rückwirkenden Antragsstopp beim Fonds sexueller Missbrauch (FSM) durch Deutschland. Fünf renommierte Fachorganisationen für Betroffene sexualisierter Gewalt haben sich jetzt mit scharfen Worten an den Koalitionsausschuss gewandt. Ihr dringender Appell: Die Unterstützung für Missbrauchsbetroffene darf nicht kürzen, sondern muss dauerhaft gesichert werden. Die Bundespolitik solle "Missbrauchsbetroffenen und Opferhilfsorganisationen zeitnah eine Perspektive aufzeigen und die künftige Ausgestaltung des Ergänzenden Hilfesystems konkretisieren." (Zitat-Quelle: Pressemitteilung)
Das Aus für den Fonds trifft die Verwundbarsten unserer Gesellschaft ins Mark. Unterzeichner der Erklärung sind unter anderem der WEISSE RING, die Deutsche Gesellschaft für Prävention und Intervention bei Kindesmisshandlung sowie die Bundeskoordinierung Spezialisierter Fachberatung gegen sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jugend. Dies sind anerkannte Akteure im Bereich Opferhilfe und Prävention.
Bianca Biwer, Bundesgeschäftsführerin des WEISSEN RINGS, spricht für viele mit ihren klaren Worten: "Der Antragsstopp ist beschämend und ein schwerer Schlag für die Opfer, die oft jahrzehntelang unter den Folgen des Missbrauchs leiden." Sie betont weiter: "Dass an den wehrlosesten, am stärksten Betroffenen und auch noch rückwirkend gespart werde, sei zynisch. Sie sind auf die niedrigschwelligen Hilfen dringend angewiesen." (Zitat-Quelle: Pressemitteilung) Die Erfahrungen der Organisationen zeigen: Die Angebote des FSM sind "unverzichtbare Bestandteile des Unterstützungssystems für Opfer von sexualisierter Gewalt".
Der Fonds sexueller Missbrauch ist Teil des Ergänzenden Hilfesystems (EHS). Er war bisher ein wichtiger Rettungsanker, wenn Leistungen der Kranken- und Pflegekassen oder des sozialen Entschädigungsrechts nicht griffen. Doch Bürokratische Hürden erschweren den Zugang zu regulären Hilfen massiv. Franziska Drohsel von der Bundeskoordinierung Spezialisierter Fachberatung bringt es auf den Punkt: "Was in der Theorie hilfreich klingt, erweist sich in der Praxis häufig als schwer zugänglich und wird durch viele Hürden schnell zur zusätzlichen Belastung für Betroffene. Deshalb braucht es dringend ein gesetzlich verankertes und niedrigschwelliges Hilfsangebot wie den Fonds." (Zitat-Quelle: Pressemitteilung)
Die Fakten sprechen eine klare Sprache: Bislang haben rund 36.000 Betroffene einen Antrag gestellt, 165,2 Millionen Euro wurden ausgezahlt. Trotz dieser offensichtlichen Notwendigkeit wurde im Frühjahr bekannt, dass der FSM auslaufen solle. Damals führte das Bundesfamilienministerium eine Prüfung des Bundesrechnungshofs ins Feld, der auf Verstöße gegen das Haushaltsrecht hingewiesen hatte. Dabei hatte das neue schwarz-rote Bündnis im Koalitionsvertrag betont: "Den Fonds sexueller Missbrauch und das damit verbundene Ergänzende Hilfesystem führen wir unter Beteiligung des Betroffenenrats fort."
Dennoch wurde aktuell bekanntgegeben, dass ab 19. März 2025 keine neuen Erst-Anträge mehr angenommen werden, weil im Bundeshaushalt die Mittel nicht mehr ausreichen. Ein Signal, das viele Betroffene und Helfer fassungslos zurücklässt.
Die gesellschaftliche Bedeutung dieser Themen ist enorm. Sexualisierte Gewalt hinterlässt tiefe Spuren – oft ein Leben lang. Eine bewährte und niedrigschwellige Unterstützung wie der FSM ist mehr als eine bürokratische Maßnahme: Sie bietet konkrete Hoffnung, Heilung und Schutz gegen Isolation. Mit dem Wegfall dieses Instruments droht tausenden Betroffenen der Verlust notwendiger Hilfen – und der Gesellschaft eine Schwächung des Vertrauens in den Schutz der Schwächsten und soziale Gerechtigkeit.
Der WEISSE RING, gegründet 1976 in Mainz, ist heute mit über *3.000 ehrenamtlichen, professionell ausgebildeten Helferinnen in 400 Außenstellen** Deutschlands größte Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer. Das beeindruckende Engagement und die langjährige Erfahrung dieser Organisationen unterstreichen, wie wichtig eine stabile Förderstruktur ist.
Das nun drohende Ende des FSM ist kein Randthema. Es betrifft grundlegende Fragen von Solidarität, Gerechtigkeit und sozialem Zusammenhalt. Die Forderungen der Fachverbände sind deutlich: Jetzt ist die Politik gefragt, Worten Taten folgen zu lassen – für nachhaltige, verlässliche und strukturierte Hilfe für die Opfer sexualisierter Gewalt.
Mehr Hintergründe, aktuelle Fakten und vertiefende Erklärungen zum Thema sexualisierte Gewalt, Opferhilfe und die neuesten Entwicklungen rund um den FSM finden Sie im Informationsportal und den Hintergrundberichten von Verbandsbuero.de.
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Fonds sexueller Missbrauch: Antragsstopp und Aus / Opferschutzorganisationen üben …
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Hintergrund und Ausblick: Was das Aus für den FSM über die Hilfe für Betroffene von sexualisierter Gewalt verrät
Die aktuellen Entwicklungen um den Fonds sexueller Missbrauch (FSM) werfen ein Schlaglicht auf eine immer wieder diskutierte Problematik im Bereich der Opferhilfe und Prävention sexualisierter Gewalt. Vergleichbare Ereignisse aus den vergangenen Jahren wie die temporären Mittelknappheiten oder Versuche, fondsbasierte Unterstützungsangebote einzuschränken, zeigen, dass die Finanzierung und der politische Wille hinter diesen Instrumenten häufig unter Druck stehen. Ein Blick auf die Entwicklungen in anderen europäischen Staaten verdeutlicht, dass niedrigschwellige, gesetzlich verankerte Hilfssysteme ein entscheidender Faktor für einen funktionierenden Opferschutz sind. Während etwa in Skandinavien Opfer speziell geförderte und gut zugängliche Hilfsangebote in Anspruch nehmen können, steht Deutschland nun vor der Herausforderung, zentrale Unterstützung wie den FSM strukturell zu sichern.
Die Diskussion um den Bundeshaushalt verdeutlicht, wie abhängig tiefgreifende Betroffenenhilfe von politischer Priorisierung ist. Schon heute berichten Fachorganisationen, dass Hürden im bestehenden Ergänzenden Hilfesystem (EHS) viele Betroffene davon abhalten, dringend benötigte Unterstützung zu erhalten. Prognosen deuten darauf hin, dass ohne eine nachhaltige und rechtlich abgesicherte Finanzierung die Unterstützungslücken weiter wachsen könnten – betroffen hiervon sind besonders Menschen, deren traumatische Erfahrungen weit zurückliegen und für die der Zugang zu schnellen und unbürokratischen Hilfen existenziell ist.
In der öffentlichen Debatte zeigt sich zudem, dass Vertrauensverluste gegenüber politischen Versprechen entstehen – gerade wenn Koalitionsverträge Zusagen enthalten, die dann nicht umgesetzt werden. Die Bedeutung eines stabilen und planbaren Förderungssystems für Betroffene wird künftig noch weiter wachsen, denn gesellschaftliches Bewusstsein und die Zahl der Hilfe suchenden Menschen nehmen beständig zu. Die nächsten Monate werden entscheidend dafür sein, ob die Bundesregierung erneut ein Signal setzt, das sowohl Navigatoren durch die Hilfelandschaft als auch wirtschaftlich oder informell betroffene Gruppen auffängt und den Anspruch auf Unterstützung glaubwürdig mit Leben füllt. Für Betroffene und Akteure in der Opferhilfe bleibt es daher essentiell, die aktuellen Entwicklungen im Bereich staatlicher und gemeinnütziger Unterstützung aufmerksam zu verfolgen und gegebenenfalls aktiv für Veränderungen einzutreten.
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9 Antworten
„Ein Signal für den Opferschutz muss jetzt kommen!“ Wie können wir als Gesellschaft Druck aufbauen? Vielleicht mehr Aufklärung in Schulen über diese Themen?
„Aufklärung ist definitiv wichtig!“ Aber ich denke auch, dass die Regierung hier aktiver werden muss. Was denkt ihr über Öffentlichkeitsarbeit von NGOs dazu?
„Wir sollten alle Stimmen nutzen!“ So viele Menschen brauchen Hilfe und haben Angst vor dem System. Wie können wir ihnen besser zur Seite stehen?
„Die Stimme der Opfer sollte laut gehört werden!“ Ich frage mich oft, wie viele Stimmen noch notwendig sind, damit sich was ändert? Es muss doch eine Lösung geben!
Es ist schockierend zu sehen, wie wenig Wertschätzung für Missbrauchsopfer in der Politik vorhanden ist. Wäre es nicht sinnvoller, ein stabiles Hilfesystem aufzubauen?
Ja, das wäre wirklich wichtig! Ein funktionierendes System könnte so vielen helfen. Wo können wir uns dafür einsetzen?
Der Antragsstopp beim Fonds sexueller Missbrauch ist wirklich ein schwerer Schlag für die Betroffenen. Warum kann man nicht einfach mehr Geld bereitstellen? Die Politik sollte das echt ernst nehmen und helfen!
Ich stimme zu! Die Unterstützung muss auf jeden Fall gesichert werden. Was denkt ihr, welche Maßnahmen könnten helfen, um die Politik dazu zu bringen, etwas zu ändern?
Ich finde es auch zynisch, dass hier gespart wird! Es sind oft die schwächsten Menschen, die leiden müssen. Vielleicht sollten wir eine Petition starten?