– Karl Schlögel erhält Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2025, Laudatio von Katja Petrowskaja.
– Verleihung am 19. Oktober 2025, 11 Uhr, Frankfurter Paulskirche, live im ZDF.
– Petrowskaja ist ukrainisch-deutsche Schriftstellerin und Literaturwissenschaftlerin, Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin 2013.
Katja Petrowskaja hält Laudatio auf Karl Schlögel beim Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2025
Am Sonntag, den 19. Oktober 2025, wird der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels im Rahmen der Frankfurter Buchmesse in der Frankfurter Paulskirche verliehen. Die Veranstaltung beginnt um 11 Uhr und wird live im ZDF übertragen. In diesem Jahr geht der renommierte Preis an den Historiker und Osteuropa-Forscher Karl Schlögel. Für die Laudatio wurde die ukrainisch-deutsche Schriftstellerin, Literaturwissenschaftlerin und Journalistin Katja Petrowskaja eingeladen, deren literarisches und gesellschaftliches Engagement die Bedeutung der Auszeichnung unterstreicht.
Katja Petrowskaja wurde 1970 in Kiew geboren und studierte Literaturwissenschaft und Slawistik in Tartu, Estland, bevor sie 1998 in Moskau promovierte. Seit 1999 lebt sie in Berlin und schreibt für verschiedene deutsch- und russischsprachige Medien, darunter die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. 2013 wurde sie mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis für ihre Erzählung Vielleicht Esther ausgezeichnet, einem vielbeachteten Werk, das die Geschichte einer weit verzweigten Familie zwischen Europa und den Katastrophen des 20. Jahrhunderts erzählt. Dieses Buch, 2014 im Suhrkamp Verlag erschienen, wurde in über 30 Sprachen übersetzt und erhielt weitere Auszeichnungen wie den „aspekte“-Literaturpreis sowie den Ernst-Toller- und Schubart-Literaturpreis.
Seit 2015 schreibt Petrowskaja die Kolumne „Bild der Woche“ für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung – ein eigenes Genre, das durch kurze, sprachlich verdichtete Texte mit einem Foto einen prägnanten Blick auf aktuelle Ereignisse ermöglicht. Mit dem Ausbruch des russischen Angriffskriegs richtet sie ihren Fokus ausschließlich auf die Menschen in der Ukraine. Aus diesen Erfahrungen entstand 2025 der Band Als wäre es vorbei. Texte aus dem Krieg. Für ihr literarisches Werk und ihr Engagement erhielt sie zuletzt den Menschenrechtspreis der Gerhart und Renate Baum-Stiftung (2022), den Gustav-Regler-Preis (2023) sowie den Horst Bingel-Preis für Literatur (2024).
Katja Petrowskajas Rolle als Laudatorin für Karl Schlögel verbindet literarische Sensibilität mit einem tiefen historischen Verständnis der Region, in der beide verwurzelt sind. Ihre Laudatio wird entsprechend den Beitrag Schlögels zu Frieden und Verständigung zwischen Ost und West würdigen. Die Verleihung am 19. Oktober ist damit ein Höhepunkt der Frankfurter Buchmesse und bietet ein aktuelles Beispiel für den Zusammenhang von Literatur, Geschichte und gesellschaftlichem Dialog. Weitere Informationen zum Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2025 sind online verfügbar unter www.friedenspreis-des-deutschen-buchhandels.de.
Literatur als Friedensstifter: Die Bedeutung des Friedenspreises für Gesellschaft und Gegenwart
Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ist weit mehr als eine literarische Auszeichnung. In einer Welt, die von globalen Konflikten, Kriegen und tiefgreifenden politischen Spannungen geprägt ist, erhält der Preis eine besondere gesellschaftliche und zeitgeschichtliche Relevanz. Er stellt ein deutliches Signal für die Kraft von Literatur und Kultur als Kräfte der Verständigung, des Dialogs und der Versöhnung dar. Die diesjährige Entscheidung, Karl Schlögel auszuzeichnen und Katja Petrowskaja aus der Ukraine als Laudatorin zu berufen, verweist auf den aktuellen Bruchpunkt zwischen Ost und West und hebt jene Stimmen hervor, die Krieg, Frieden und Verantwortung reflektieren und öffentlich thematisieren.
Welchen Stellenwert hat der Friedenspreis im literarischen Diskurs?
Literatur ist ein Medium, das Komplexität abbildet und verschiedene Perspektiven mit Sprache fassbar macht. Der Friedenspreis verbindet literarisches Schaffen mit gesellschaftlichem Engagement. Er würdigt jene Autoren und Denker, die in der öffentlichen Debatte Brücken bauen und zum Nachdenken über Frieden und Menschenrechte anregen. Gerade in Zeiten, in denen gewaltsame Konflikte die Nachrichten dominieren, kommt der Literatur eine vermittelnde Rolle zu, die über reine Information hinausgeht. Schriftsteller wie Karl Schlögel, bekannt für ihre tiefgründigen historischen Analysen, und Katja Petrowskaja, deren Texte den Krieg in der Ukraine aus persönlicher und literarischer Sicht beleuchten, zeigen exemplarisch, wie Kunst gesellschaftliche Missstände sichtbar machen und Empathie fördern kann.
Wie wird die Auszeichnung im Kontext der aktuellen Weltlage bewertet?
Die Wahl von Katja Petrowskaja als Laudatorin hat eine starke symbolische Bedeutung. Als ukrainisch-deutsche Schriftstellerin, die seit dem russischen Angriffskrieg ihr literarisches und journalistisches Schaffen auf die Darstellung der Ukraine fokussiert, bringt sie eine authentische Stimme in die Preisverleihung ein. Ihre Texte sprechen unmittelbar von Leid, Widerstand und der Suche nach Verständigung in einem krisengeschüttelten Land. In der aktuellen politischen Situation sendet die Veranstaltung damit ein klares Zeichen: Kultur und Literatur sind unverzichtbare Instrumente, um Frieden zu fördern und die gesellschaftliche Debatte zu prägen.
Die gesellschaftlichen Auswirkungen des Friedenspreises lassen sich wie folgt zusammenfassen:
- Stärkung des öffentlichen Bewusstseins für komplexe globale Konflikte durch literarische Reflexion
- Förderung von Dialog und gegenseitigem Verständnis über kulturelle und politische Grenzen hinweg
- Hervorhebung von Engagement und Verantwortung einzelner Autorinnen und Autoren als Vorbilder für gesellschaftliche Vernunft
- Sichtbarmachung der Rolle der Kultur als Friedensstifter in Zeiten politischer Polarisierung
- Anstoß zu kontroversen Debatten über Krieg, Frieden und Menschenrechte in der breiten Öffentlichkeit
Die Verleihung des Friedenspreises im Rahmen der Frankfurter Buchmesse, einem der wichtigsten internationalen Ereignisse der Buchbranche, erhöht die Aufmerksamkeit für diese Themen zusätzlich. Die live im ZDF übertragene Veranstaltung ermöglicht eine breite gesellschaftliche Partizipation und unterstreicht, wie Literatur und öffentliche Würdigungen Debatten anstoßen können, die über Kulturräume hinauswirken.
In einer von Krisen bestimmten Gegenwart zeigt der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, dass Kultur nicht nur Spiegel der Gesellschaft ist, sondern aktiv an deren Gestaltung mitwirkt – als friedensstiftende Kraft und als Mahnung zur Verantwortung.
Die Informationen und Zitate in diesem Beitrag basieren auf einer Pressemitteilung von Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V.
7 Kommentare
„Literatur als Friedensstifter“ – was für ein schöner Gedanke! Ich denke, dass dieser Preis wichtige Fragen aufwirft: Wie können wir literarische Stimmen stärker in den Fokus rücken? Gibt es da Vorschläge von euch?
Die Entscheidung für Karl Schlögel ist sehr klug gewählt. Seine Forschung ist fundiert und relevant. Wie seht ihr den Einfluss von aktuellen Konflikten auf die Literatur? Denkt ihr, dass Autoren eine Verantwortung haben?
Definitiv! Autoren sollten ihre Stimme nutzen, um Themen anzusprechen. Was haltet ihr von Petrowskajas Kolumnen? Sie sind sehr eindringlich und bringen oft neue Sichtweisen.
Ich stimme zu! Die Verbindung zwischen Literatur und aktuellen Geschehnissen ist wichtig. Vielleicht könnte man mehr solche Veranstaltungen organisieren, um das Bewusstsein zu schärfen?
Der Friedenspreis hat wirklich viel Bedeutung! Ich bin beeindruckt von Petrowskajas Engagement für die Ukraine. Wie denkt ihr, kann Literatur wirklich zur Verständigung beitragen? Ich bin neugierig auf eure Meinungen!
Ja, absolut! Literatur hat die Kraft, Menschen zu verbinden und Perspektiven zu wechseln. Welche Bücher habt ihr gelesen, die euch besonders berührt haben? Vielleicht gibt es da auch Parallelen zu Schlögels Arbeit!
Ich finde es super, dass Karl Schlögel den Friedenspreis bekommt. Seine Arbeiten sind echt wichtig für das Verständnis von Ost und West. Was denkt ihr über die Auswahl von Petrowskaja als Laudatorin? Ist das nicht eine starke Kombination?