– Tag der Fische: Freitag, 22. August 2025, 17–20 Uhr in der Fischbrathalle Münster
– Veranstaltung sensibilisiert für bedrohte Fischarten, nachhaltigen Fang und geschlossene Aquakultursysteme
– Begleitendes Menü serviert Zander, Wolfsbarsch und Dorade aus Kreislaufanlagen
Einladung zum Tag der Fische am 22. August 2025 in Münster
Am Freitag, den 22. August 2025, von 17 bis 20 Uhr lädt Slow Food Deutschland zum Tag der Fische in die traditionsreiche Fischbrathalle am Rosenplatz in Münster/Westfalen ein. Die Veranstaltung macht auf die bedrohten Fischarten in Meeren, Flüssen und Seen aufmerksam und thematisiert die akute Krise der Fischerei. Ziel ist es, zu mehr Klimaschutz, nachhaltigem Fischfang und verantwortungsvollem Fischkonsum aufzurufen.
In Deutschland sind die Fischereibetriebe trotz Rückgängen weiterhin präsent: Es gibt noch Küstenfischerei, kleinere Betriebe und die Teichwirtschaft. Zudem gewinnt eine weniger bekannte Alternative an Bedeutung – die Fischzucht in geschlossenen Indoor-Kreislaufanlagen (RAS). Wie diese Form der Aquakultur funktioniert und welchen Beitrag sie zum Schutz von Fischbeständen leisten kann, wird am Tag der Fische im Detail erläutert.
Johannes Wolf von der Fisch-Genossenschaft Geflossenschaft stellt zwei innovative Betriebe vor, die in Kreislaufanlagen Dorade, Wolfsbarsch und Zander züchten: die Anlagen von Louisa und Carl Niehues in Sendenhorst sowie die Anlage der Firma aixponic aus Aachen. Christina Schulte-Döinghaus berichtet über die Zander-Aufzucht in einer weiteren Kreislaufanlage in Varensell bei Gütersloh. Bestseller-Autor Manfred Kriener, bekannt durch sein Buch „Fisch in Seenot“, gibt einen fundierten Überblick über Fischerei und Aquakultur in Deutschland. Ergänzt wird das Programm durch Claudia Nathansohn, die das Slow-Food-Bildungsprojekt „Green Spoons“ mit dem Schwerpunkt Teichwirtschaft vorstellt.
Aus der Küche der Fischbrathalle werden feine Kostproben von Zander, Wolfsbarsch und Dorade gereicht, allesamt direkt aus den vorgestellten Kreislaufanlagen. Die Fischbrathalle, gegründet 1926, ist einer der ältesten Familienbetriebe in Münster und serviert ausschließlich MSC-zertifizierten Fisch aus nachhaltigem Fang in vielfältigen Zubereitungen – gebraten, gekocht, geräuchert und mariniert.
Alle wichtigen Fakten auf einen Blick:
- Datum: Freitag, 22. August 2025
- Uhrzeit: 17 bis 20 Uhr
- Ort: Restaurant Fischbrathalle, Schlaunstraße 8, 48155 Münster
- Kostenbeitrag (ohne Getränke): 40,00 Euro
- Die Zahl der Plätze ist begrenzt, eine Anmeldung wird empfohlen.
Mit dem Tag der Fische sensibilisiert Slow Food Deutschland die Öffentlichkeit für die Herausforderungen und Chancen nachhaltiger Fischerei und Aquakultur. „Der Tag der Fische am 22. August macht auf den Schutz bedrohter Fischarten aufmerksam. Er ruft zu mehr Klimaschutz, nachhaltigem Fischfang und bewusstem Fischkonsum auf,“ betont die Einladung ausdrücklich.
Zwischen Überfischung, Aquakultur und Konsum – Wie nachhaltig ist unser Fisch wirklich?
Der Fischkonsum steht weltweit vor einer entscheidenden Herausforderung. Überfischung hat viele Bestände an ihre Grenzen gebracht und zerstört zunehmend marine Ökosysteme. Gleichzeitig wächst die Nachfrage weiter, was die Märkte stark verändert und Verbraucherinnen und Verbraucher vor eine komplexe Entscheidung stellt. Nachhaltiger Fischkonsum ist damit nicht nur eine Frage des Geschmacks, sondern auch des verantwortungsvollen Handelns für Umwelt, Gesellschaft und den Erhalt der Ressourcen. Doch wie lässt sich Nachhaltigkeit bei Fisch überhaupt bestimmen? Und welche Alternativen gibt es neben dem klassischen Fischfang in den Meeren?
Überfischung und globale Entwicklungen zeigen ein ernstes Bild: Viele Fischbestände sind übernutzt oder befinden sich in einem kritischen Zustand. So stammen etwa 85 Prozent der in Deutschland verzehrten Fische aus dem Ausland, teilweise aus Regionen, in denen Fisch die wichtigste Proteinquelle darstellt. Überfischung bedeutet, dass mehr Fische gefangen werden, als sich natürlich reproduzieren können. Dies wirkt sich nicht nur auf die Ökosysteme aus, sondern schränkt auch die Ernährungssicherheit vieler Bevölkerungsgruppen weltweit ein.
Als technische Antwort auf die Überfischung gewinnt Aquakultur zunehmend an Bedeutung. Traditionsreiche Formen wie die extensive Teichwirtschaft, kleine Forellenzuchten und sogar die Kutterfischerei verfolgen dabei weiterhin nachhaltige Prinzipien. Moderne Entwicklungen konzentrieren sich jedoch auf sogenannte Recirculating Aquaculture Systems (RAS) – geschlossene Kreislaufanlagen an Land, die Wasser recyceln und die Umweltbelastungen minimieren sollen. Diese Anlagen bieten hohe Kontrollmöglichkeiten: Wasserqualität, Futtereinsatz und Tierwohl lassen sich besser steuern als in offenen Systemen.
Trotz ihrer Vorteile fordern sie jedoch hohe Investitionen und verursachen einen relativ großen Energieverbrauch. Zudem sorgt die Haltung in hoher Besatzdichte bisweilen für Kritik, ähnlich wie bei der Landwirtschaft in der Massentierhaltung. Ein zentrales Merkmal von Kreislaufanlagen ist ihr geschlossener Wasserkreislauf, der den Wasserverbrauch senkt und Schadstoffe herausfiltert. Diese Technik ist daher ein Hoffnungsträger, um Fischzucht nachhaltiger zu gestalten.
Herausforderungen und Trends in der Fischzucht
Neben technischen Aspekten stehen Konsumentinnen und Konsumenten vor dem Dilemma, nachhaltige Produkte zu erkennen. Die Bandbreite der Labels ist groß, doch Label-Transparenz lässt in der Praxis oft zu wünschen übrig. So fällt es schwer, durch unterschiedliche Zertifizierungen klar zu definieren, welche Produkte wirklich aus nachhaltiger Fischerei oder Fischzucht stammen. Denn das nachhaltige Angebot ist noch vergleichsweise klein und häufig teurer.
Gesellschaftlich ist das Thema ebenfalls breit verankert. Überfischung geht Hand in Hand mit sozialen Auswirkungen wie dem Verlust von Arbeitsplätzen in traditionellen Fischereigemeinden oder der Abhängigkeit von Importen aus Ländern, die auf Fisch als Grundnahrungsmittel angewiesen sind. Für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet das, bewusster einkaufen zu müssen und sich über Herkunft, Fangmethoden und Zuchtbedingungen zu informieren.
Wer nachhaltiger Fisch konsumieren will, kann einiges tun:
- Auf zertifizierte Produkte achten: MSC (Marine Stewardship Council) oder ASC (Aquaculture Stewardship Council) bieten meist verlässlichere Hinweise.
- Saisonale und regionale Fische bevorzugen: Das reduziert Transportwege und unterstützt lokale Betriebe.
- Fischarten mit stabilen Beständen wählen: Einige Arten sind weniger gefährdet als andere.
- Fischkonsum insgesamt reduzieren: Bewusstes Genießen statt Massenkauf schont Ressourcen.
- Innovative Angebote nutzen: Etwa Produkte aus Kreislaufanlagen oder lokale Teichwirtschaft, die hohe Umweltstandards erfüllen.
Diese Tipps helfen, im Alltag verantwortungsvoller einzukaufen und tragen dazu bei, Fischbestände und Ökosysteme zu entlasten.
Die Zukunft der Fischerei und Aquakultur bleibt offen und herausfordernd. Technologien wie RAS entwickeln sich weiter, nachhaltige Praktiken und faire Handelssysteme rücken stärker in den Fokus. Verbraucherinnen und Verbraucher sind gefordert, mit Wissen und bewussten Entscheidungen Teil dieser Entwicklung zu sein. Das Spannungsfeld zwischen Überfischung, intensivierter Aquakultur und den eigenen Essgewohnheiten wirft Fragen auf, die alle angehen – von der Industrie bis auf den Teller.
Die hier präsentierten Informationen und Zitate stammen aus einer Pressemitteilung von Slow Food Deutschland e. V.