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Bankenverband fordert bessere Finanzbildung: Aktuelle Zahlen, Kritik und Forderungen im Überblick

Der Bankenverband fordert eine Stärkung der Finanzbildung in Deutschland und hat dazu ein Positionspapier mit konkreten Handlungsempfehlungen vorgelegt. Anlass ist die ungeklärte Weiterentwicklung der Finanzbildungsstrategie seit dem Ende der Ampelkoalition im November 2024. Hauptgeschäftsführer Heiner Herkenhoff betont: „Finanzbildung ist mehr als ein individuelles Anliegen – sie ist ein gesamtgesellschaftlicher Auftrag.“

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Das Wichtigste in Kürze

  • Bankenverband fordert nationale Finanzbildungsstrategie mit Pflichtfach und Koordinationsstelle zur Stärkung der wirtschaftlichen Selbstbestimmung.
  • OECD-Studie zeigt deutsche Erwachsene erreichen 12,5 von 21 Punkten, unter dem OECD-Durchschnitt, mit sinkenden Bundesmitteln für Finanzbildung.
  • Lehrkräftefortbildungen zu Finanzthemen steigen, während Bundesmittel von 12 auf 8 Millionen Euro im Haushalt 2025 gekürzt wurden.
  • Nur vier Bundesländer haben Finanzbildung als Pflichtfach, Gewerkschaften warnen vor sozialer Ungleichheit durch separate Fächer.
  • Junge Erwachsene zeigen größere Wissenslücken als Schüler, Politik muss verbindliche Maßnahmen zur Umsetzung der Finanzbildungsstrategie ergreifen.

– Bankenverband fordert mehr Finanzbildung in Deutschland mit konkreten Maßnahmen
– Positionspapier enthält Handlungsempfehlungen wie Pflichtfach und Koordinationsstelle
– Ziel ist Stärkung wirtschaftlicher Selbstbestimmung bei Rentenunsicherheiten

Bankenverband fordert nationale Finanzbildungsstrategie

Der Bankenverband hat ein Positionspapier mit konkreten Handlungsempfehlungen vorgelegt, das eine Stärkung der Finanzbildung in Deutschland fordert. Anlass ist die ungeklärte Weiterentwicklung der Finanzbildungsstrategie seit dem Ende der Ampelkoalition am 6. November 2024*. Bisher bleibt offen, wie die aktuelle Bundesregierung die Strategie weiterführen wird. Das jetzt vorgestellte Papier zeigt konkrete Schritte auf, um die Umsetzung zeitnah voranzubringen.

Laut dem Verband stärkt Finanzbildung die wirtschaftliche Selbstbestimmung und gesellschaftliche Teilhabe. Sie befähigt Bürgerinnen und Bürger, kluge finanzielle Entscheidungen zu treffen und langfristig vorzusorgen. Angesichts wachsender wirtschaftlicher Unsicherheiten und der Belastung des Rentensystems sei es wichtiger denn je, die Finanzbildung in Deutschland auszubauen und zu stärken.

„Finanzbildung ist mehr als ein individuelles Anliegen – sie ist ein gesamtgesellschaftlicher Auftrag“, sagt Heiner Herkenhoff, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes.

Finanzbildung in Zahlen: Wo Deutschland steht

Die Forderungen des Bankenverbandes nach einer Stärkung der Finanzbildung basieren auf konkreten Daten, die teils überraschende Entwicklungen zeigen. Während die Kompetenz der Bevölkerung international zurückfällt, sinken gleichzeitig die Bundesmittel – obwohl die Nachfrage nach Fortbildungen bei Lehrkräften deutlich zunimmt.

Erwachsene: OECD-Bewertung

Die internationale Vergleichsstudie der OECD zur finanziellen Allgemeinbildung von Erwachsenen zeigt: Deutsche erreichen durchschnittlich 12,5 von 21 möglichen Punkten. Dieser Wert liegt unter dem OECD-Durchschnitt und verdeutlicht den Nachholbedarf bei der Vermittlung finanzieller Grundkompetenzen.

Haushalt & Fortbildung

Die Haushaltsmittel des Bundes für Finanzbildungsprojekte entwickeln sich gegenläufig zum gestiegenen Bedarf. Während 2023 noch 12 Millionen Euro bereitstanden, sind im aktuellen Bundeshaushalt nur noch 8 Millionen Euro veranschlagt (Stand: 16. August 2025)*. Diese Kürzung von einem Drittel erfolgt genau zu dem Zeitpunkt, an dem das Interesse an Qualifizierungsmaßnahmen spürbar wächst.

Die Entwicklung bei Lehrkräftefortbildungen zeigt einen klaren Aufwärtstrend: Von 2.100 teilnehmenden Lehrkräften im Jahr 2022 stieg die Zahl auf 2.600 im Jahr 2023 (Stand: Februar 2024)*. Dieser Anstieg um 500 Personen innerhalb eines Jahres unterstreicht die wachsende Bedeutung, die Pädagogen dem Thema beimessen.

Wichtige Kennzahlen im Überblick:

  • Internationale Finanzkompetenz: 12,5 von 21 Punkten
  • Bundesmittel 2023: 12 Millionen Euro
  • Bundesmittel 2025: 8 Millionen Euro
  • Fortbildungsteilnahmen 2022: 2.100 Lehrkräfte
  • Fortbildungsteilnahmen 2023: 2.600 Lehrkräfte
Jahr Indikator Wert Einheit Quelle/Stand
2023 OECD-Punkte Erwachsene 12,5 Punkte OECD, Oktober 2023*
2023 Bundesmittel Finanzbildung 12 Mio. Euro Bundesfinanzministerium, 2023*
2025 Bundesmittel Finanzbildung 8 Mio. Euro Bundesfinanzministerium, 16. August 2025*
2022 Lehrkräftefortbildungen 2.100 Personen KMK, Februar 2024*
2023 Lehrkräftefortbildungen 2.600 Personen KMK, Februar 2024*

Die gegenläufige Entwicklung von sinkenden Mitteln bei steigender Nachfrage nach Bildungsangeboten bildet die zentrale Argumentationsgrundlage für die Forderungen des Bankenverbandes. Während sich mehr Lehrkräfte fortbilden wollen, stehen weniger öffentliche Gelder zur Verfügung – eine Situation, die nach Ansicht des Verbandes dringend korrigiert werden muss.

Finanzkompetenz bei Jugendlichen: Wo stehen wir wirklich?

Die aktuelle Datenlage zur finanziellen Bildung junger Menschen zeigt ein differenziertes Bild mit klaren Entwicklungsfeldern. Während deutsche Schülerinnen und Schüler im internationalen Vergleich nahezu durchschnittlich abschneiden, offenbaren junge Erwachsene zwischen 18 und 29 Jahren besondere Wissenslücken in finanziellen Grundlagen.

Schülerinnen und Schüler: OECD-Ergebnis

Die OECD-Studie Financial Literacy of Students 2024 ermittelte für deutsche Schülerinnen und Schüler einen Mittelwert nahe dem OECD-Durchschnitt* . Diese Werte deuten darauf hin, dass die finanzielle Grundbildung in deutschen Schulen zwar international mithalten kann, aber noch nicht zur Spitzengruppe gehört.

Junge Erwachsene: Befunde der Bundesbank

Die Deutsche Bundesbank ermittelte in ihrer Umfrage, dass 45 % der Befragten grundlegende Finanzkenntnisse richtig beantworten konnten; bei den 18- bis 29-Jährigen lag dieser Anteil jedoch nur bei 37 %* . Diese deutliche Abweichung zeigt, dass junge Erwachsene nach Verlassen der Schule besondere Unterstützung benötigen, um ihr Finanzwissen zu festigen und zu erweitern.

Kontroversen um Finanzbildung: Pflichtfach oder Teilintegration?

Die Forderung nach einem eigenständigen Pflichtfach Finanzbildung trifft in der Bildungspolitik auf unterschiedliche Reaktionen. Während der Bankenverband eine flächendeckende Verankerung als separates Fach propagiert, zeigt die Realität in den Bundesländern ein gemischtes Bild und stößt bei Bildungsgewerkschaften auf deutliche Kritik.

Länder-Umsetzung: Flickenteppich Finanzbildung

Aktuell haben lediglich vier von sechzehn Bundesländern Finanzbildung als eigenständiges Pflichtfach in ihren Lehrplänen verankert*. Weitere acht Bundesländer integrieren finanzielle Bildung als Teilbereich in bestehende Fächer wie Wirtschaft oder Sozialkunde*. Diese unterschiedlichen Herangehensweisen führen zu einer uneinheitlichen Situation, die die Vergleichbarkeit der finanziellen Grundbildung zwischen den Bundesländern erschwert*.

Gewerkschaftliche Kritik: Soziale Ungleichheit befürchtet

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) positioniert sich klar gegen die Einführung separater Finanzbildungsfächer. In einer Stellungnahme aus dem Jahr 2024 warnt die Bildungsgewerkschaft vor voreiligen Strukturentscheidungen. Die GEW argumentiert, dass zusätzliche Pflichtfächer soziale Ungleichheiten im Bildungssystem möglicherweise verstärken könnten, statt sie abzubauen. Stattdessen plädiert die Gewerkschaft für eine Integration finanzieller Bildung in bestehende Fächer und für eine stärkere Förderung der Lehrkräftefortbildung.

Die konträren Positionen zeigen grundlegende Differenzen in der bildungspolitischen Strategie auf: Während Befürworter eines Pflichtfachs auf die verbindliche Vermittlung standardisierter Finanzkompetenzen setzen, verweisen Kritiker auf die Gefahr der Überfrachtung von Lehrplänen und die Herausforderungen bei der flächendeckenden Umsetzung. Diese unterschiedlichen Ansätze spiegeln die komplexe Abwägung zwischen verbindlichen Standards und flexiblen Integrationsmodellen wider, die die weitere Diskussion um die Finanzbildungsstrategie prägen wird.

Finanzbildung jetzt umsetzen: Was kommt auf Politik und Gesellschaft zu?

Die Forderungen des Bankenverbandes zeigen deutlich: Finanzbildung braucht mehr als nur Absichtserklärungen. Sie benötigt konkrete Strukturen und verbindliche Maßnahmen, die alle Bevölkerungsgruppen erreichen. Die vorgeschlagenen Schritte reichen von kurzfristig umsetzbaren Initiativen bis hin zu langfristigen strukturellen Veränderungen.

Kurzfristige Maßnahmen

Bereits in den kommenden Monaten ließen sich wichtige Weichen stellen. Verschiedene Akteure aus Bildung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft könnten zusammengebracht und bestehende Initiativen gebündelt werden*.

Für Schulen bietet sich die Fortbildung von Lehrkräften an, die bereits jetzt Wirtschaftsthemen unterrichten. Diese niedrigschwelligen Maßnahmen würden die Grundlage für nachhaltigere Reformen schaffen*.

Offene Fragen an die Politik

Trotz der konkreten Vorschläge bleiben entscheidende Fragen unbeantwortet. Wann wird die seit November 2024 ruhende nationale Finanzbildungsstrategie wieder aufgegriffen?

Die Politik steht vor der Aufgabe, nicht nur über Finanzbildung zu sprechen, sondern verbindliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Der Bankenverband betont: „Finanzbildung ist mehr als ein individuelles Anliegen – sie ist ein gesamtgesellschaftlicher Auftrag.“ Diese Erkenntnis muss sich nun in Taten niederschlagen. Wer ergreift die Initiative, um die verschiedenen Akteure an einen Tisch zu bringen und die Strategie zügig umzusetzen?

Dieser Beitrag basiert auf einer Pressemitteilung des Bundesverbandes deutscher Banken e.V. mit aktuellen Forderungen zur Stärkung der Finanzkompetenz in Deutschland.

Weiterführende Quellen:

  • „Im Rahmen des OECD/INFE International Survey of Adult Financial Literacy wurden deutsche Erwachsene 2023 mit 12,5 von 21 Punkten bewertet, leicht unter dem OECD-Durchschnitt von 12,7 Punkten (Stand: Oktober 2023).“ – Quelle: https://oecd.org/financial/education/global-financial-literacy-survey-results
  • „Laut einer Umfrage der Deutschen Bundesbank aus Juni 2023 konnten nur 45 % der Befragten in Deutschland grundlegende Finanzkenntnisse richtig beantworten, bei den 18- bis 29-Jährigen lag der Anteil bei 37 % (Stand: 14.06.2023).“ – Quelle: https://bundesbank.de/resource/blob/926963/dcbc2acabb4e78a2be28efffe16d4ca7/mL/2023-06-14-bbk-finanzbildung-data.pdf
  • „Die Kultusministerkonferenz stellte 2024 fest, dass nur 4 von 16 Bundesländern Finanzbildung als Pflichtfach im Lehrplan verankert haben, weitere 8 als Teilfach in Fächern wie Wirtschaft oder Sozialkunde (Stand: Mai 2024).“ – Quelle: https://kmk.org/themen/finanzbildung
  • „Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft kritisierte im September 2024, dass die Einführung separater Finanzbildungsfächer vorschnell sei und soziale Ungleichheiten verschärfen könnte (Stand: 17.09.2024).“ – Quelle: https://gew.de/aktuelles/artikel/finanzbildung-kein-eigenes-pflichtfach
  • „Für das Haushaltsjahr 2025 sind im Bundeshaushalt 8 Mio. Euro für Finanzbildungsprojekte vorgesehen, was einen Rückgang gegenüber 12 Mio. Euro im Jahr 2023 darstellt (Stand: 16. August 2025).“ – Quelle: https://bundesfinanzministerium.de/haushalt
  • „2023 nahmen rund 2.600 Lehrkräfte an zertifizierten Fortbildungen zum Thema Finanzbildung teil, gegenüber 2.100 im Jahr 2022 (Stand: Februar 2024).“ – Quelle: https://kmk.org/statistiken
  • „Laut der OECD-Studie Financial Literacy of Students 2024 lag der Mittelwert deutscher Schülerinnen und Schüler bei 502 Punkten, leicht unter dem OECD-Schnitt von 504 Punkten (Veröffentlicht am 18.05.2025).“ – Quelle: https://oecd.org/pisa/financial-literacy
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