– IG Metall und HDH fordern Entbürokratisierung der EU-Entwaldungsverordnung
– Sie warnen vor Produktionsstopps und Arbeitsplatzverlusten bei Umsetzung
– Die Verordnung gefährdet besonders kleine und mittlere Holzbetriebe
IG Metall und Holzindustrie fordern Entbürokratisierung der EU-Waldverordnung
Die deutsche Holzindustrie und die IG Metall erhöhen gemeinsam den Druck auf die Bundesregierung. In einem gemeinsamen Appell fordern die Sozialpartner eine grundlegende Entbürokratisierung der geplanten EU-Entwaldungsverordnung (EUDR). Sollte die Verordnung ohne Anpassungen zum geplanten Stichtag 30. Dezember 2025 (Stand: 14. November 2025) in Kraft treten, drohen massive Produktionsunterbrechungen und weitere Arbeitsplatzverluste in der bereits angespannten Branche.
IG-Metall-Vorständin Nadine Boguslawski betont: „Umwelt- und Klimaschutz sind auch im Interesse der Beschäftigten. Dafür brauchen wir praktikable und umsetzbare Regeln und weniger Bürokratie. Letztere hilft weder Wäldern noch Beschäftigung.“
HDH-Präsident Johannes Schwörer warnt vor den konkreten Folgen: „Die Holzindustrie befindet sich bereits in einer wirtschaftlich angespannten Lage. Viele Betriebe kämpfen mit Auftragsrückgängen, hohen Energie- und Materialkosten sowie einem anhaltenden Investitionsstau. Die EUDR verschärft diese Situation erheblich.“
Einordnung & Hintergründe
Die Bedenken von IG Metall und HDH zur EU-Entwaldungsverordnung finden sich in aktuellen Studien und Branchenanalysen bestätigt. Die Umsetzbarkeit der komplexen Dokumentationspflichten stellt viele Betriebe vor kaum zu bewältigende Hürden.
Umfragebefunde zur Umsetzbarkeit
Bereits im Frühjahr 2024 zeichnete sich ab, dass die Mehrheit der Unternehmen mit den EUDR-Anforderungen überfordert ist. 94 Prozent der befragten Betriebe sahen sich zu diesem Zeitpunkt nicht in der Lage, die Verordnung bis zum Jahreswechsel umzusetzen (Stand: Frühjahr 2024). Diese frühen Warnungen wurden durch spätere Erhebungen untermauert. Bis August 2024 bestätigten Branchenvertreter, dass zwei Drittel der kleinen und mittelständischen Betriebe zum Stichtag nicht umsetzungsfähig sein würden (Stand: August 2024).
Die Probleme beginnen bereits bei grundlegenden Anforderungen. Der GD Holz weist darauf hin, dass jede Holzlieferung mit individuellen Referenznummern für jedes Einzelprodukt versehen werden muss* – eine bürokratische Hürde, die insbesondere kleinere Sägewerke überfordert. Vielen Betrieben fehlen schlichtweg die Dokumentationskapazitäten, um diese Nachweispflichten zu erfüllen.
Technischer und personeller Aufwand
Die größte Herausforderung bildet der immense Verwaltungsaufwand. Die EUDR-Vorgaben erfordern laut Stand August 2024 umfangreiche, meist manuelle Dateneingaben; der Personalaufwand ist der größte Kostentreiber* (Stand: August 2024)*. Diese manuellen Prozesse binden wertvolle Ressourcen, die in produktivere Tätigkeiten investiert werden könnten.
Die fehlende digitale Infrastruktur verschärft die Situation zusätzlich. Ohne funktionierende, automatisierte Lösungen müssen Unternehmen auf arbeitsintensive Einzelerfassungen zurückgreifen. Experten warnen vor drohender Holzknappheit, da viele kleinere Betriebe den Dokumentationsaufwand nicht bewältigen können und somit aus der Lieferkette auszuscheiden drohen.
Die Folge dieser Überlastung sind wettbewerbliche Nachteile für die gesamte Branche. Während große Konzerne möglicherweise in entsprechende IT-Systeme investieren können, stehen kleinere und mittlere Unternehmen vor existenziellen Herausforderungen. Die befürchteten Produktionsstopps und Marktausschlüsse würden nicht nur Arbeitsplätze gefährden, sondern auch die Versorgungssicherheit mit Holzprodukten beeinträchtigen.
Wer die EU-Entwaldungsverordnung wirklich trifft
Die geplante EU-Entwaldungsverordnung droht ganze Wirtschaftszweige in eine existenzielle Krise zu stürzen. Während die politische Debatte oft abstrakt bleibt, zeigen sich die konkreten Auswirkungen längst in Werkstätten, Wäldern und Familienbetrieben. Die Dokumentationspflichten treffen nicht nur große Industrieunternehmen, sondern gefährden besonders die Lebensgrundlagen kleiner Betriebe und mittelständischer Produzenten.
Das Handwerk sieht sich durch die neuen Regelungen massiv unter Druck. Bäcker, Tischler, Schreiner und Holzspielzeugmacher fürchten zusätzliche Belastungen, die ihre ohnehin angespannte wirtschaftliche Lage weiter verschärfen* (laut Deutsche Handwerks Zeitung). Für Betriebe, die seit Generationen mit regionalem Holz arbeiten, bedeuten die pauschalen Nachweispflichten einen bürokratischen Overkill, der in keinem Verhältnis zum tatsächlichen ökologischen Nutzen steht.
Private Waldbesitzer stehen vor ähnlichen Herausforderungen. Sie müssen künftig deutlich mehr Nachweise für ihr Holz erbringen*.
Die Deutsche Holzwerkstoffindustrie fordert daher eine grundlegende Korrektur der Verordnung. Sie plädiert dafür, die Dokumentations- und Sorgfaltspflichten auf die Erstinverkehrsbringer zu beschränken, um die nachgelagerte Wertschöpfungskette zu entlasten*.
Besonders betroffen sind:
• Handwerksbetriebe wie Tischlereien und Schreinereien (laut Deutsche Handwerks Zeitung)
• KMU-Sägewerke mit regionalem Holzbezug (laut HDH/IG Metall)
• Private Waldbesitzer mit nachhaltiger Bewirtschaftung
• Verbraucher durch mögliche Verknappung und Preisanstiege bei Holzprodukten
Für Verbraucher in Deutschland und Europa zeichnen sich spürbare Konsequenzen ab. Die Pressemitteilung von HDH und IG Metall warnt vor sinkender Verfügbarkeit von Holzprodukten, die sich im Alltag vieler Haushalte niederschlagen könnte*. Von Möbeln über Baumaterialien bis hin zu Verpackungen – die eingeschränkte Lieferfähigkeit der Betriebe droht sich direkt im Warenangebot und an der Preisschildern bemerkbar zu machen.*
Ausblick: Forderungen und mögliche Lösungen
Die Sozialpartner der deutschen Holzindustrie haben konkrete Vorschläge entwickelt, um die EU-Entwaldungsverordnung praxistauglich zu gestalten. Ihr gemeinsamer Appell an die Bundesregierung formuliert eine klare politische Forderung: "Deshalb sprechen sich HDH und IG Metall für eine substanzielle Vereinfachung der Verordnung innerhalb Europas aus und appellieren an die Bundesregierung sich für eine praktikable Lösung einzusetzen, die Dokumentations- und Sorgfaltspflichten auf die Erstinverkehrsbringer beschränkt, die Unternehmen der nachgelagerten Kette entlastet und die globale Entwaldung per Satellit, nicht über Bürokratie, überwacht."
Geforderte Änderungen der Sozialpartner
Die Kernforderung zielt auf eine grundlegende Systemänderung ab. Statt alle Marktteilnehmer in die Pflicht zu nehmen, sollen sich die Dokumentationsanforderungen auf die Unternehmen konzentrieren, die Holzprodukte erstmals in den EU-Markt bringen. Dieser Ansatz würde insbesondere kleine und mittlere Betriebe entlasten, die bisher als nachgelagerte Glieder in der Lieferkette ebenfalls umfangreiche Nachweispflichten erfüllen müssten. Parallel fordern die Verbände den Einsatz moderner Überwachungstechnologien, um Entwaldung effektiv zu bekämpfen – ohne bürokratischen Aufwand für Unternehmen, die ohnehin nur Holz aus regionalen und nachhaltigen Quellen verarbeiten.*
Branchenvorschläge und politische Handlungsoptionen
Andere Branchenvertreter unterstützen diesen Kurs. Der Gesamtverband Deutscher Holzhandel (GD Holz) mahnt ebenfalls politisches Handeln an, um kleine und mittlere Unternehmen von bürokratischen Lasten zu befreien. Die deutsche Holzwerkstoffindustrie plädiert dafür, Dokumentationspflichten tatsächlich auf Erstinverkehrbringer zu beschränken – eine Forderung, die sich mit dem Vorschlag der Sozialpartner deckt.*
Als konkrete Alternative zur aktuellen Regelung schlagen die Verbände vor:
- Fokussierung der Nachweispflichten auf Unternehmen, die Holz erstmals in die EU einführen
- Entlastung aller nachgelagerten Marktteilnehmer von Dokumentationspflichten
- Einsatz satellitengestützter Überwachungssysteme zur effektiven Waldbeobachtung
- Vereinfachte Verfahren für Betriebe, die nachweislich Holz aus regionalen und entwaldungsfreien Quellen beziehen
Die Entscheidung der Bundesregierung wird maßgeblich beeinflussen, ob Verbraucher weiterhin ein breites Angebot an Holzprodukten vorfinden oder mit Engpässen und Preiserhöhungen rechnen müssen.
Diese Informationen und Zitate entstammen einer Pressemitteilung des Hauptverbands der Deutschen Holzindustrie (HDH) in Zusammenarbeit mit der Industriegewerkschaft Metall (IG Metall).
Weiterführende Quellen:
- „Schon heute warnen Sägewerke vor Holzknappheit, und sehr kleine sowie mittlere Sägewerke haben weder Personal noch Technik für die aufwändige Dokumentation, was Versorgungsgefahr und Wettbewerbsnachteile hervorrufen kann.“ – Quelle: https://gebrueder-daub.de/eu-entwaldungsverordnung-warum-sie-fuer-die-holzindustrie-zum-milliardengrab-werden-koennte/
- „94 % der befragten Betriebe sahen sich im Frühjahr 2024 nicht in der Lage, die EUDR bis zum Jahreswechsel umzusetzen; über 75 % befürchten zusätzliche Wettbewerbsnachteile im internationalen Handel und gegenüber anderen Materialien.“ – Quelle: https://zukunft-holz.de/pressemitteilungen/2024/baukonjunktur-wettbewerbsfaehigkeit-und-buerokratie/
- „GD Holz kritisiert die Pflicht zur Weitergabe von Referenznummern für jedes Einzelprodukt im Binnenmarkt als großen Datenaufwand, der für kleine und mittlere Unternehmen kaum machbar ist; nur große Handelsunternehmen verfügen über die nötige digitale Infrastruktur.“ – Quelle: https://gdholz.de/news-aktuelles/eudr-buerokratie-beseitigen-gd-holz-ruft-bundeskabinett-zum-handeln-auf/
- „Die EUDR verursacht hohe bürokratische Anforderungen auch für Kleinbetriebe wie Bäcker, Tischler, Schreiner und Holzspielzeugmacher, die oft nicht die Ressourcen für komplexe Lieferkettenkontrollen haben.“ – Quelle: https://www.deutsche-handwerks-zeitung.de/handwerk-fordert-ende-deutscher-blockade-bei-entwaldungsverordnung-365488/
- „Deutsche Holzwerkstoffindustrie fordert eine erneute Überarbeitung der EUDR mit Fokus auf die Sorgfaltspflicht der Erstinverkehrbringer, da die Wiederholung der Dokumentationspflicht in der nachgelagerten Wertschöpfungskette zu sinnloser Bürokratie führt und kleine Forstbetriebe überfordert.“ – Quelle: https://www.moebelmarkt.de/beitrag/deutsche-holzwerkstoffindustrie-fordert-erneute-%C3%BCberarbeitung-der-eudr
- „EUDR-Vorgaben erfordern laut Stand August 2024 umfangreiche, meist manuelle Dateneingaben; der Personalaufwand ist der größte Kostentreiber, gefolgt von Softwarekosten und dem Datenaustausch mit Lieferanten und Kunden.“ – Quelle: https://holz-zentralblatt.de/premium-article/eudr-es-droht-ein-chaos/
- „Private Waldbesitzer sehen sich durch die EUDR gezwungen, deutlich mehr Nachweise zu erbringen, wodurch der Holzverkauf ohne professionelle Unterstützung kaum noch möglich ist.“ – Quelle: https://gebrueder-daub.de/eu-entwaldungsverordnung-warum-sie-fuer-die-holzindustrie-zum-milliardengrab-werden-koennte/
8 Antworten
…dass es so viele kleine Betriebe gibt, die unter dieser Verordnung leiden könnten! Wir müssen sicherstellen, dass ihre Stimmen gehört werden und sie nicht untergehen.
Es ist erschreckend zu hören, wie viele Unternehmen mit der EUDR überfordert sind! Die Zahlen sprechen für sich. Wie könnten wir als Gesellschaft den Druck auf diese Betriebe verringern?
Ich glaube, dass mehr Zusammenarbeit zwischen den Branchen nötig ist. Wenn wir alle zusammenarbeiten können, finden wir bestimmt Lösungen für diese Probleme.
…und vielleicht sollten wir mehr in digitale Lösungen investieren? Das könnte vielen Unternehmen helfen, diesen Aufwand zu bewältigen.
Die Bedenken, die hier geäußert werden, sind wirklich berechtigt. Ich mache mir Sorgen um die vielen Arbeitsplätze, die in Gefahr sind. Wie könnte man denn diese Verordnung so anpassen, dass sie umsetzbar wird?
Ich stimme dir zu, Gunter! Vielleicht sollten wir mehr über moderne Technologien nachdenken, um diese Bürokratie abzubauen. Gibt es dafür schon Ideen?
Das ist ein guter Punkt! Manchmal habe ich das Gefühl, dass der Schutz der Umwelt auch in einem ausgewogenen Verhältnis stehen muss zu den Bedürfnissen der Betriebe.
Ich finde die Forderungen von IG Metall und HDH sehr wichtig. Die Bürokratie kann kleinen Betrieben echt das Leben schwer machen. Was denkt ihr über die Auswirkungen auf die Umwelt? Gibt es nicht auch bessere Wege?