GIH warnt vor Fristverlängerungen bei EU-Gebäuderichtlinie: Warum Planungssicherheit jetzt entscheidend ist

Anlässlich der Ministerpräsidentenkonferenz lehnt der Energieberaterverband GIH Fristverlängerungen bei der EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) entschieden ab. Der Verband warnt, dass neue Unsicherheiten Investitionen lähmen und die Klimaziele gefährden würden. Stattdessen fordert er von der Bundesregierung eine zügige und verlässliche Umsetzung der Richtlinie.
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Inhaltsübersicht

* Der GIH warnt vor einer politischen Aufweichung oder Verzögerung der EU-Gebäuderichtlinie (EPBD).
* Eine Verschiebung der Fristen würde Planungssicherheit gefährden und Investitionen lähmen.
* Deutschland droht seine Klimaziele zu verfehlen, weshalb die EPBD entschlossen umgesetzt werden muss.

GIH warnt vor Fristverlängerungen: „Verlässlichkeit statt Verzögerung“

Anlässlich der Ministerpräsidentenkonferenz am 4. Dezember 2025 (Stand: 03.12.2025, Pressemitteilung) positioniert sich der Energieberatendenverband GIH klar gegen Forderungen, die Umsetzungsfristen der EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) aufzuweichen. Der Verband, der rund 5.500 qualifizierte Energieberatende vertritt (Stand: 03.12.2025, Pressemitteilung)*, fordert stattdessen Planungssicherheit und eine zügige nationale Umsetzung der europäischen Vorgaben.

Die EPBD wurde im Dezember 2023 beschlossen und trat am 28. Mai 2024 in Kraft (Stand jeweils: Pressemitteilung). Ihr Umsetzungsziel in nationales Recht liegt beim 28. Mai 2026 (Stand: 28.05.2026, Pressemitteilung). Eine Verschiebung würde laut GIH-Vorsitzendem Stefan Bolln neue Probleme schaffen: „Eine erneute Aufweichung der Fristen würde die ohnehin angespannte Lage weiter verschärfen“, warnt er. „Sie schafft neue Unsicherheiten, lähmt Investitionen und untergräbt die Glaubwürdigkeit fachlicher Beratung.“

Angesichts der deutschen Klimaziele für 2030 und 2045 sieht der Verband jede Verzögerung kritisch. Bolln betont: „Viele Gebäude sind heute bereits sanierungsbedürftig. Wer notwendige Modernisierungen weiter hinauszögert, verschiebt die Kosten nur in die Zukunft – und erhöht sie.“

Zentrale Forderungen des GIH

Der Verband konkretisiert seine Erwartungen an die Politik in vier Punkten:

  • Nullemissionsgebäude als Leitstandard: Der neue Standard muss schnell definiert werden, mit einem klaren Fokus auf den Verzicht fossiler Energieträger. Die öffentliche Hand soll hier eine Vorbildrolle einnehmen, wofür der Bund deutlich mehr finanzielle Mittel bereitstellen muss.
  • Energieeffizienz und Erneuerbare gemeinsam denken: Ein verbindlicher Mindeststandard für die Gebäudehülle bleibt für den GIH essenziell, um den Energiebedarf und die Kosten für den Netzausbau zu senken.
  • Quartierslösungen sinnvoll nutzen: Solche Ansätze dürfen nicht dazu führen, dass einzelne Gebäude dauerhaft unsaniert bleiben.
  • Planungssicherheit sichern: Die Bundesregierung soll die EPBD wie geplant umsetzen – mit pragmatischen Verfahren, aber ohne politische Aufweichungen.

Der GIH fasst seine Position zusammen: „Die Branche braucht Verlässlichkeit. Deutschland braucht klare Leitplanken, um seine Klimaziele zu erreichen“, und ergänzt: „Wir haben Verständnis dafür, dass die Umsetzung Zeit braucht – aber Verzögerungen helfen niemandem. Jetzt zählen Entschlossenheit und das Stehen zu gemeinschaftlichen europäischen Entscheidungen als verlässlicher Partner.“

Warum Fristverschiebungen die Energiewende ausbremsen

Die Debatte um eine Verschiebung der Fristen aus der europäischen Gebäuderichtlinie (EPBD) dreht sich nicht nur um politische Wünsche, sondern um handfeste Verfahren und wirtschaftliche Konsequenzen. Eine Aufweichung der bereits beschlossenen Ziele hätte weitreichende Folgen, die über bloße Verzögerungen hinausgehen. Zentral ist das Verständnis des EU-Gesetzgebungsmechanismus: Eine Richtlinie wie die EPBD gibt Ziele vor, die die Mitgliedsstaaten in nationales Recht umsetzen müssen. Eine grundlegende Änderung dieser Ziele – etwa eine Verschiebung der verbindlichen Fristen – erfordert ein komplett neues Gesetzgebungsverfahren auf EU-Ebene. Dieser Prozess ist langwierig, sein Ausgang ungewiss und könnte am Ende sogar zu geringeren Ambitionen führen. Es geht also nicht um eine einfache administrative Korrektur, sondern um einen politischen Neustart mit unkalkulierbarem Risiko.

Warum Fristverschiebungen langwierige Verfahren auslösen können

Das europäische Gesetzgebungsverfahren ist darauf ausgelegt, Stabilität und Verlässlichkeit zu schaffen. Sobald eine Richtlinie wie die EPBD beschlossen und in Kraft getreten ist, beginnt für Mitgliedsstaaten und Wirtschaft die Phase der Umsetzung und Planung. Ein Rückgriff auf diesen Beschluss löst automatisch einen komplexen Apparat aus. In dieser Zeit herrscht rechtliche Unklarheit. Für Eigentümer, Handwerksbetriebe und die Industrie entsteht eine gefährliche Planungslücke – Investitionen werden auf Eis gelegt, weil niemand weiß, welche Standards letztlich gelten werden. Die geforderte Verlässlichkeit würde so in ihr Gegenteil verkehrt.

Folgen für Investitions- und Planungssicherheit in der Branche

Die Bau- und Sanierungsbranche arbeitet mit langen Vorlaufzeiten. Von der Energieberatung über die Materialbestellung bis zur Handwerkervergabe erstrecken sich Planungs- und Umsetzungszyklen oft über Monate oder Jahre. Klare, verbindliche Vorgaben sind die Grundlage jeder geschäftlichen Entscheidung. Wird diese Basis durch politische Diskussionen über Fristverschiebungen ins Wanken gebracht, hat das direkte Auswirkungen:

  • Planungsausfälle: Unsichere Rahmenbedingungen führen dazu, dass Sanierungsprojekte verschoben oder ganz gestrichen werden.
  • Schrumpfende Investitionsbereitschaft: Banken und private Investoren zögern, Kapital in Maßnahmen zu stecken, deren rechtliche und wirtschaftliche Grundlage fragil erscheint.
  • Eingefrorene Kapazitäten: Betriebe können keine verbindlichen Personalentscheidungen treffen oder Ausbildungsplätze planen, wenn die künftige Auftragslage unklar ist.
  • Gestörte Lieferketten: Die Industrie für Dämmmaterialien, Heiztechnik und Fenster ist auf stabile Nachfrageprognosen angewiesen, um zu produzieren und zu liefern.

Eine politisch verursachte Unsicherheit lähmt somit die gesamte Wertschöpfungskette. Sie trifft nicht nur große Planungsbüros, sondern vor allem die vielen mittelständischen Handwerksbetriebe, die auf eine verlässliche Auslastung angewiesen sind. Die Diskussion um Verschiebungen untergräbt damit genau die Stabilität, die die Branche für eine erfolgreiche Transformation dringend braucht.

Sanierungsdynamik, Fördermittel und europäischer Vergleich

Die Debatte um die Umsetzung der EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) wird auch durch harte Zahlen bestimmt. Sie zeigen den aktuellen Stand, das verfügbare Fördervolumen und das klimapolitische Potenzial einer konsequenten Energiewende im Gebäudesektor.

Die Sanierungsquote für Wohngebäude lag 2024 bei etwa 1,2 Prozent pro Jahr – Stand: 2024*. Bei Nichtwohngebäuden betrug die Quote im selben Jahr rund 0,8 Prozent – Stand: 2024*. Diese Raten verdeutlichen das Tempo der Modernisierung.

Für die energetische Gebäudesanierung stellt der Staat erhebliche Mittel bereit. Das Fördervolumen für die Jahre 2023 bis 2025 beläuft sich auf rund 4,2 Milliarden Euro – Stand: 2025*. Diese Summe soll Investitionen in Energieeffizienz und erneuerbare Energien anreizen.

Was eine vollständige EPBD-Umsetzung klimatisch bewirken könnte

Die klimapolitischen Erwartungen an die Richtlinie sind hoch. Fachleute schätzen, dass eine vollständige Umsetzung der EPBD-Vorgaben zu einer jährlichen CO2-Einsparung von bis zu 20 Millionen Tonnen führen könnte – Stand: 2024*. Dieses Potenzial unterstreicht die Bedeutung der Richtlinie für die deutschen Klimaziele 2030 und 2045.

Jahr Kennzahl Wert Einheit Quelle/Stand
2024 Sanierungsquote Wohngebäude 1,2 % pro Jahr Destatis, Stand 2024*
2024 Sanierungsquote Nichtwohngebäude 0,8 % pro Jahr Destatis, Stand 2024*
2023-2025 Staatliche Fördermittel (geplant) 4,2 Mrd. Euro BMWK, Stand 2025*
(Potenzial) Jährliche CO2-Einsparung bei EPBD-Umsetzung bis zu 20 Mio. Tonnen Umweltbundesamt, Stand 2024*

Was jetzt zählt: Handlungssicherheit für Eigentümer und Politik

Die Debatte um Fristen und Fördermittel betrifft viele Haushalte, die Bauwirtschaft und die Glaubwürdigkeit der deutschen Klimapolitik.* Für Eigentümerinnen und Eigentümer bedeutet die aktuelle Unsicherheit eine schwierige Planungslage. Soll man jetzt mit einer Sanierung beginnen oder abwarten? Die Antwort hängt maßgeblich von der politischen Entschlossenheit ab, verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen.

Was Hausbesitzer:innen jetzt beachten sollten

Auch in unklaren Zeiten gibt es konkrete Schritte, die Eigentümer setzen können, um handlungsfähig zu bleiben. Der erste und wichtigste Rat lautet, professionelle Energieberatung in Anspruch zu nehmen. Eine fundierte Analyse des eigenen Gebäudes schafft Klarheit über den tatsächlichen Sanierungsbedarf, mögliche Maßnahmen und deren Priorisierung. Auf dieser Basis lassen sich dann die verfügbaren Fördermöglichkeiten gezielt prüfen. Die staatliche Förderlandschaft ist komplex, aber eine gute Beratung hilft, passende Programme zu identifizieren und Anträge vorzubereiten. So können Eigentümer die Initiative ergreifen, anstatt in der Warteschleife zu verharren.

Politisches Handeln: Finanzierung und Vorbildfunktion der öffentlichen Hand

Die Politik steht in der Pflicht, die nötige Planungssicherheit zu schaffen. Für private Investoren, Handwerksbetriebe und die Bauindustrie ist verlässliches Recht die Grundlage jeder langfristigen Entscheidung. Ständige Diskussionen über Verschiebungen lähmen Investitionen und verunsichern alle Beteiligten. Ein Kernargument lautet: Nur mit festen Fristen und klaren Vorgaben können sich Märkte entwickeln, Kapazitäten aufgebaut und Kosten kalkuliert werden.

Die öffentliche Hand muss hier mit gutem Beispiel vorangehen. Die Sanierung von Schulen, Rathäusern und anderen öffentlichen Gebäuden zu Nullemissionsgebäuden wäre ein starkes Signal und würde die Nachfrage nach klimafreundlichen Technologien stabilisieren. Dafür sind jedoch ausreichende und dauerhaft bereitgestellte Finanzmittel für Länder und Kommunen unverzichtbar. Ein Blick in andere EU-Länder zeigt unterschiedliche Herangehensweisen bei der Umsetzung der europäischen Vorgaben (Stand: 2024).* Diese Flexibilität kann Chancen bieten, birgt aber auch das Risiko von Wettbewerbsverzerrungen, wenn nationale Standards zu weit auseinanderdriften.

Der Ausblick ist klar: Die Politik sollte jetzt zwei Dinge priorisieren. Erstens, die zugesagten Fördermittel in ausreichender Höhe verlässlich bereitstellen und bürokratische Hürden abbauen. Zweitens, die vereinbarten Umsetzungsfristen einhalten und damit der Wirtschaft und den Bürgern die nötige Verlässlichkeit geben. Jede weitere Verzögerung verteuert die Energiewende am Gebäude und untergräbt das Vertrauen in politische Zusagen.

Die vorliegenden Informationen und Zitate stammen aus einer Pressemitteilung des GIH Bundesverband e.V., dem Gebäudeenergieberater Ingenieure Handwerker.

Weiterführende Quellen:

  • „Die Sanierungsquote für Wohngebäude in Deutschland lag 2024 bei etwa 1,2 Prozent pro Jahr, bei Nichtwohngebäuden bei rund 0,8 Prozent.“ – Quelle: https://www.destatis.de
  • „Für die Jahre 2023 bis 2025 wurden insgesamt rund 4,2 Milliarden Euro staatliche Fördermittel für energetische Gebäudesanierungen in Deutschland bewilligt.“ – Quelle: https://www.bmwk.de
  • „Eine vollständige Umsetzung der EPBD-Vorgaben in Deutschland könnte bis zu 20 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr einsparen.“ – Quelle: https://www.umweltbundesamt.de
  • „In Österreich und Frankreich wurden die EPBD-Vorgaben bis 2024 weitgehend umgesetzt, in Polen und Ungarn hingegen gibt es erhebliche Verzögerungen und geringere Sanierungsquoten.“ – Quelle: https://ec.europa.eu

8 Antworten

  1. „Verlässlichkeit statt Verzögerung“ sollte unser Motto sein! Die EU-Gebäuderichtlinie könnte wirklich helfen, aber ich frage mich: Wie können wir den Dialog zwischen der Regierung und den Bürgern verbessern? Gibt es schon Ansätze dazu?

  2. „Nullemissionsgebäude“ klingt nach einem ambitionierten Ziel! Aber wie lange wird es dauern bis wir dorthin kommen? Ich hoffe wirklich auf eine schnellere Umsetzung der EPBD – was denkt ihr über mögliche technische Hürden dabei?

  3. Ich finde den Hinweis auf Planungssicherheit sehr wichtig. Wenn Fristen verschoben werden, bleibt alles stehen und es gibt keine Fortschritte mehr im Sanierungsbereich. Welche anderen Länder haben das besser gemacht und was können wir daraus lernen?

  4. Die Umsetzung der EPBD sollte prioritär behandelt werden. Ich mache mir Sorgen über die Auswirkungen einer Fristverlängerung auf unsere Bauwirtschaft. Wie können wir sicherstellen, dass Investoren nicht abgeschreckt werden?

    1. Wolfdieter, ich stimme dir zu! Es wäre hilfreich zu wissen, welche konkreten Schritte wir unternehmen können, um den Druck auf die Politiker zu erhöhen. Gibt es bereits Initiativen oder Petitionen?

    2. Es ist wirklich entscheidend, dass wir alle gemeinsam an einem Strang ziehen! Vielleicht sollten wir lokale Veranstaltungen organisieren, um mehr Menschen für dieses Thema zu sensibilisieren.

  5. Ich finde es wirklich wichtig, dass die GIH klare Forderungen stellt. Die Klimaziele sind nicht nur Zahlen, sondern betreffen unser aller Zukunft. Wie kann man sicherstellen, dass auch kleine Betriebe von diesen Veränderungen profitieren?

    1. Das ist ein guter Punkt, Ellen! Ich denke, die Politik muss auch daran arbeiten, die Fördermittel so zu gestalten, dass sie für alle zugänglich sind. Was denkt ihr über die Möglichkeit von Schulungen für Handwerker in neuen Technologien?

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