Bremen (VBR). Am 24. Mai 2024 herrschte geschäftiges Treiben in der Kulturbrauerei im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg: Die Abschlusskonferenz des EU-geförderten Smart-Protein-Projekts zog zahlreiche Expert*innen und Interessierte an. Das Fraunhofer IME, Naturland sowie Fachleute von Roland Beans GmbH und Donau Soja gehörten zu den prominenten Vortragenden. Auch wissenschaftliche Teams der Universitäten Bozen, Cork, Gent und Udine beteiligten sich an diesem hochkarätigen Treffen. Über 100 Teilnehmende aus verschiedenen Bereichen zeigten großes Interesse an den präsentierten Erkenntnissen.
Vier Jahre lang hat das Smart-Protein-Konsortium, bestehend aus 32 Institutionen aus 14 Ländern, intensiv geforscht. Ziel war es, neue Wege für die europäische Landwirtschaft hin zu klimaschonenderen und nachhaltiger produzierten Nahrungsmitteln aufzuzeigen. „Gerade Hersteller wollten sich den Abschluss des Smart-Protein-Projekts nicht entgehen lassen“, beobachtete Jens Tuider, Internationaler Strategischer Leiter bei ProVeg Deutschland, der Ernährungsorganisation, die die Konferenz organisierte.
Der Bedarf nach einem Wandel in der Agrarpolitik der Europäischen Union ist klar erkennbar. Momentan fließen 80 Prozent der Mittel der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) in tierische Nahrungsmittelproduktionen, die besonders hohe Treibhausgas-Emissionen verursachen. Dies steht im Widerspruch zur dringenden Notwendigkeit, die Klimakrise zu bekämpfen. Die Zoombildern verdeutlichen den drängenden Handlungsbedarf: Während Tierhaltung in Deutschland rund 70 Prozent der landwirtschaftlichen Emissionen verantwortet, werden pflanzenbasierte Nahrungsmittel noch zu wenig unterstützt.
Doch es gibt positive Signale: Der Bundeshaushalt 2024 sieht erstmals 38 Millionen Euro für die Förderung pflanzlicher, präzisionsfermentierter und zellkultivierter Proteine sowie den nachhaltigen Umbau der Landwirtschaft vor. Diese Summe ist jedoch ein Tropfen auf den heißen Stein im Vergleich zu den Subventionen, die weiterhin in die emissionsintensive Tierhaltung fließen.
In puncto strategischer Förderung könnte sich die EU einiges von Dänemark abschauen. Ende letzten Jahres hat die dänische Regierung einen Aktionsplan für pflanzenbasierte Nahrungsmittel eingeführt. Dieser Plan umfasst Maßnahmen wie die Förderung pflanzenbasierten Konsums in öffentlichen Kantinen, spezifische Ausbildungen für Fachkräfte und gezielte Exportaktivitäten. Sollten diese Maßnahmen erfolgreich sein, könnte allein eine kleine Marktpräsenz Dänemarks weltweit zu zehntausenden neuen Arbeitsplätzen führen – Potenzial, das auch Deutschland nutzen könnte.
Die Forschungsergebnisse des Smart-Protein-Projekts bieten umfassende Erkenntnisse und praktische Anleitungen. Mit 24 wissenschaftlichen Artikeln, vier Markt- und Verbraucherstudien sowie zahlreichen Merkblättern und Online-Seminaren liefert das Projekt wertvolles Wissen, das europaweit Anwendung findet. Allein die länderspezifischen Verbraucherstudien wurden über 1.300 Mal heruntergeladen, was das große Interesse und die Relevanz dieser Informationen unterstreicht.
Ein entscheidender Punkt ist dabei das Verhalten der Verbraucherinnen und Verbraucher. Eine Mehrheit in Europa reduziert aktiv ihren Fleischkonsum. In Deutschland liegt dieser Anteil sogar bei 59 Prozent, acht Prozentpunkte mehr als 2021. Dies zeigt, dass Bevölkerung und Markt bereit für den Wechsel hin zu pflanzenbasierten Alternativen sind – vorausgesetzt, die politischen Rahmenbedingungen stimmen.
„Die EU sollte sich am dänischen Vorbild orientieren“, betont Tuider. Es braucht eine klare Strategie und mehr finanzielle Unterstützung für pflanzenbasierte Nahrungsmittel, um die notwendige Transformation der Landwirtschaft voranzutreiben. Nur so können wir sicherstellen, dass unser Ernährungssystem klimafreundlicher wird und Zukunftsperspektiven schafft.
Diese Erkenntnisse und Forderungen bilden die Grundlage für einen Appell an die politischen Entscheidungsträgerinnen und -träger in der EU: Handelt jetzt, bevor es zu spät ist. Denn nur durch die Förderung nachhaltiger Ansätze können wir die Herausforderungen unserer Zeit bewältigen und eine lebenswerte Zukunft sichern.
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Smart-Protein-Konferenz: Es geht um die Hülsenfrucht – Warum die EU einen …
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Meldung einfach erklärt
Was ist passiert?
- Am 7. Juni 2024 fand eine Konferenz zur Smart-Protein-Forschung in Berlin statt.
- Veranstalter war die Ernährungsorganisation ProVeg Deutschland.
Worum ging es bei der Konferenz?
- Die Konferenz präsentierte Ergebnisse aus vier Jahren Forschung zu pflanzenbasierten Nahrungsmitteln.
- Ziel: weg von der Tierhaltung, die viel CO2 verursacht, hin zu klimafreundlichen Nahrungsmitteln.
Warum ist das wichtig?
- Aktuell unterstützt die EU vor allem tierische Lebensmittel, die viel CO2 verursachen.
- Pflanzenbasierte Lebensmittel sind besser für das Klima.
Wer war dabei?
- Organisationen wie Fraunhofer IME und Naturland.
- Experten für Hülsenfrüchte, z.B. Roland Beans GmbH und Donau Soja.
- Wissenschaftler verschiedener Universitäten aus Europa.
- Über 100 Teilnehmer insgesamt.
Was wurde erforscht?
- Das Projekt „Smart Protein“ umfasste 32 Institutionen aus 14 Ländern.
- Forschung zu Pflanzenzucht, Herstellung und Vielfalt nachhaltiger Proteinquellen.
- Ergebnisse: wissenschaftliche Artikel, Markt- und Verbraucherstudien, politische Empfehlungen und Merkblätter für Landwirte.
Welche Ergebnisse gab es?
- Studien zeigen, dass viele Menschen in Europa weniger Fleisch essen.
- In Deutschland ist der Fleischkonsum seit 2018 um 15 Prozent gesunken.
- Trotzdem fördert die EU weiterhin massiv die Tierhaltung.
Was braucht die EU?
- Eine gezielte Strategie zur Förderung pflanzenbasierter Nahrungsmittel.
- Bessere Finanzierung für pflanzliche Lebensmittel.
- Inspiration könnten sie sich von Dänemark holen.
Warum ist Dänemark ein Vorbild?
- Dänemark hat einen Aktionsplan zur Förderung pflanzenbasierter Nahrungsmittel (seit Ende letztem Jahr).
- Maßnahmen: mehr pflanzenbasierte Angebote in öffentlichen Kantinen, spezielle Ausbildung, Exportförderung, Produktion und Forschung.
Wie kann das anderen Ländern helfen?
- Mehr pflanzenbasierte Lebensmittel können neue Arbeitsplätze schaffen.
- Beispiel Dänemark: bis zu 27.000 neue Jobs, wenn sie 1-3% des Weltmarkts erreichen.
Quellen und Kontakt
Für mehr Informationen:
- Kontakt: Lena Renz, Senior PR Manager ProVeg
- Email: presse@proveg.org
- Telefon: +49 176 177 858 52
Über ProVeg:
ProVeg arbeitet daran, das globale Ernährungssystem zu verändern, um die Hälfte der Tierprodukte durch pflanzliche Alternativen bis 2040 zu ersetzen. Sie arbeiten mit wichtigen UN-Organisationen zusammen und haben Büros in 12 Ländern auf 4 Kontinenten. Website: proveg.org/de/
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