– EU-Agrarkommissar besucht Niederbayern und diskutiert künftige Gemeinsame Agrarpolitik
– Bayerischer Bauernverband fordert starkes Agrarbudget, Beibehaltung der Zwei-Säulen-Struktur und Umweltanreize
– Verband warnt vor Gefährdung von Wettbewerbsfähigkeit und Versorgungssicherheit durch EU-GAP-Vorschläge ab 2028
EU-Agrarreform im Fokus: Bayerischer Bauernverband mahnt Folgen für Wettbewerbsfähigkeit und Versorgungssicherheit an
Beim „Tag der Landwirtschaft“ in Regen haben sich am 29. Juli 2025 Vertreterinnen und Vertreter aus Landwirtschaft, Politik und Verbänden mit EU-Agrarkommissar Christophe Hansen getroffen, um über die Zukunft der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) zu beraten. Im Mittelpunkt standen die geplanten Änderungen am Mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) und der GAP ab 2028, die der Bayerische Bauernverband (BBV) kritisch bewertet. Die Beschlüsse aus Brüssel könnten nach Einschätzung des Verbandes die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Landwirtschaft sowie die Versorgungssicherheit deutlich gefährden.
Der BBV-Präsident Günther Felßner formuliert die zentrale Kritik deutlich: „Die EU-Kommissionsvorschläge zum zukünftigen Mehrjährigen Finanzrahmen und Gemeinsamen Agrarpolitik aus Brüssel gefährden in dieser Form nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit, sondern auch die Versorgungssicherheit in Europa.“ Felßner warnt vor einer Belastung der Landwirte, die nicht durch zusätzliche Finanzmittel ausgeglichen wird. Seiner Ansicht nach sind die aktuellen Vorschläge „so nicht akzeptabel, da eine deutliche Ausweitung des EU-Gesamthaushalts mit weniger Geld für die Landwirte unvereinbar ist und bei der Agrarpolitik der über Jahrzehnte bewährte gemeinsame Kern in Gefahr ist.“
In einem Forderungskatalog fordert der BBV konkrete Maßnahmen zum Schutz der Landwirtschaft in Europa. Dazu zählt ein starkes Agrarbudget, das sicherstellt, dass ausreichende Mittel für die gemeinsame Agrarpolitik bereitgestellt werden. Außerdem besteht das Verbandspräsidium auf der Beibehaltung der Zwei-Säulen-Struktur der GAP, die wichtige Unterstützung sowohl für Betriebe als auch für Umwelt- und Klimaschutzvorhaben bietet. Ein weiteres zentrales Anliegen sind klare Anreize für freiwillige Umweltleistungen, um nachhaltiges Handeln zu fördern, ohne die wirtschaftliche Basis landwirtschaftlicher Familienbetriebe zu gefährden. Der Erhalt einer verlässlichen Einkommensbasis für familiengeführte Betriebe steht dabei ebenso im Vordergrund.
EU-Agrarkommissar Hansen unterstrich auf dem Pichelsteiner Fest die Bedeutung, die GAP zukunftsfähig, wettbewerbsfähig und resilient zu gestalten – eine Position, die aus Sicht des BBV jedoch kritisch hinterfragt wird, solange die Finanzierungslage unzureichend bleibt. Die Diskussionen in Niederbayern zeigen, wie eng verbunden die Anliegen der Landwirte mit den politischen Entscheidungen auf EU-Ebene sind. Die Bedeutung dieser Debatte liegt in der direkten Auswirkung auf die Stabilität der Landwirtschaft und die Versorgung mit Lebensmitteln in Deutschland und ganz Europa.
Den vollständigen Forderungskatalog des BBV zur EU-Agrarpolitik mit den zentralen Positionen gibt es im Original unter: https://www.bayerischerbauernverband.de/positionen
Hintergründe, Einordnung und Folgen der EU-Pläne für Landwirtschaft und Gesellschaft
Die geplanten Reformen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union stoßen derzeit auf breite Diskussionen – nicht nur in Fachkreisen, sondern auch unter Verbraucherinnen und Verbrauchern sowie in der Politik. Sie betreffen grundlegende Fragen wie Versorgungssicherheit, Landwirtschaftsfinanzierung und den Strukturwandel im ländlichen Raum. Die GAP, die die EU-Landwirtschaft seit Jahrzehnten finanziell unterstützt und regelt, steht vor einer Neuausrichtung, von der entscheidende Herausforderungen und Chancen für die Zukunft abhängen.
Im Zentrum der aktuellen Debatte steht vor allem das EU-Agrarbudget ab 2028. Die seitens der EU-Kommission vorgeschlagenen Kürzungen sorgten für erheblichen Widerstand. Landwirtschaftsverbände warnen, dass die vorgeschlagenen Mittelreduzierungen die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft gefährden könnten – ein Aspekt, der unmittelbar mit der Versorgungssicherheit in Europa zusammenhängt. So betonte der Präsident des Bayerischen Bauernverbands, Günther Felßner: „Die EU-Kommissionsvorschläge zum zukünftigen Mehrjährigen Finanzrahmen und Gemeinsamen Agrarpolitik aus Brüssel gefährden in dieser Form nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit, sondern auch die Versorgungssicherheit in Europa.“
Warum sorgt die GAP-Reform für Streit?
Die Kontroverse entspringt verschiedenen Ursachen. Zum einen geht es um die Frage, wie viel Geld künftig für die Förderung der Landwirtschaft zur Verfügung steht und wie die Mittel verteilt werden. Die Landwirtschaft sieht sich mit immer größerem Druck konfrontiert: Umweltauflagen, Klimaschutzmaßnahmen und der Erhalt bäuerlicher Familienbetriebe sollen verbindlich gefördert werden. Gleichzeitig fordern politische Entscheidungsträger eine effizientere Verwendung der Gelder und setzen somit die traditionelle Zwei-Säulen-Struktur der GAP unter Druck: Die erste Säule umfasst direkte Zahlungen für landwirtschaftliche Betriebe, die zweite Umwelt- und Entwicklungsprogramme für den ländlichen Raum.
Ein zentrales Streitthema ist, wie Freiwilligkeit und Anreize für Umweltleistungen gestaltet werden sollen, ohne die finanzielle Grundlage der Betriebe zu gefährden. Zudem steht die Frage im Raum, wie die Landwirtschaft als System robust und widerstandsfähig – also resilient – gegenüber globalen Krisen bleibt.
Was steht beim EU-Agrarbudget auf dem Spiel?
Das Budget für die Gemeinsame Agrarpolitik bildet einen bedeutenden Teil des EU-Gesamthaushalts. Änderungen daran haben weitreichende Folgen für die Struktur der europäischen Landwirtschaft und das Leben auf dem Land. Weniger Mittel könnten dazu führen, dass kleinere und mittlere Familienbetriebe ihre Existenzgrundlage verlieren, während größere Betriebe an Einfluss gewinnen. Das wiederum beeinflusst den Strukturwandel im ländlichen Raum nachhaltig.
Der Bayerische Bauernverband fordert deshalb: „Die aktuellen Vorschläge der EU-Kommission sind so nicht akzeptabel, da eine deutliche Ausweitung des EU-Gesamthaushalts mit weniger Geld für die Landwirte unvereinbar ist und bei der Agrarpolitik der über Jahrzehnte bewährte gemeinsame Kern in Gefahr ist.“
Wie wirkt sich die GAP auf den Alltag der Bürger aus?
Die Entscheidungen der EU zur GAP sind zwar komplex, haben aber ganz konkrete Auswirkungen im Alltag. Hier einige Beispiele:
- Lebensmittelpreise: Eine weniger stabile Landwirtschaft kann zu Preisschwankungen und längeren Lieferketten führen.
- Erhalt regionaler Produkte: Förderungen für kleine Betriebe sorgen dafür, dass regionale Spezialitäten und traditionelle Anbaumethoden erhalten bleiben.
- Umwelt und Landschaft: Maßnahmen für Biodiversität und Klima schützen Natur und Erholungsräume, die vielen Bürgerinnen und Bürgern wichtig sind.
- Arbeitsplätze: Die Landwirtschaft ist ein bedeutender Wirtschaftszweig, dessen Förderung Arbeitsplätze in ländlichen Regionen sichert.
- Versorgungssicherheit: Eine leistungsfähige Landwirtschaft trägt dazu bei, dass Lebensmittel in Europa verfügbar und bezahlbar bleiben.
Die finalen Beschlüsse zur GAP im EU-Haushalt werden deshalb intensiv diskutiert, denn sie bestimmen die Zukunft von Ernährung, Umwelt und ländlicher Gesellschaft.
Die anstehenden Verhandlungen im Europäischen Parlament und unter den Mitgliedstaaten werden zeigen, wie die Balance zwischen Wettbewerbsfähigkeit, Umweltschutz und sozialer Stabilität gehalten werden kann. Der gesellschaftliche Dialog bleibt entscheidend, damit die Landwirtschaft ihre Rolle als tragende Säule einer nachhaltigen und resilienten Versorgung behält.
Die Meldung basiert auf einer Pressemitteilung des Bayerischen Bauernverbands.