– Im Studienjahr 2025 begannen 14.126 Personen ein Studium in Elektro- oder Informationstechnik.
– Die Erstsemesterzahlen sanken an Universitäten um 5 Prozent, stiegen aber an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften um 4 Prozent.
– Der Frauenanteil in diesen Studiengängen liegt konstant bei etwa 20 Prozent.
Erstsemesterzahlen in der Elektrotechnik: Stagnation mit zwei Gesichtern
Die Zahl der Studienanfängerinnen und -anfänger in Elektro- und Informationstechnik bleibt auf hohem Niveau. Laut Statistischem Bundesamt begannen im Studienjahr 2025 insgesamt 14.126 Männer und Frauen ein entsprechendes Studium*. Das sind nur minimal weniger als im Vorjahr, als 14.174 Menschen diesen Weg einschlugen* (Stand: 08.12.2025). Auf den ersten Blick scheint die Lage stabil. Doch hinter der konstanten Gesamtzahl verbergen sich deutliche Verschiebungen zwischen den Hochschultypen.
Während die Erstsemesterzahlen an Universitäten im selben Zeitraum um 5 Prozent sanken*, verzeichneten die Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) einen Anstieg um 4 Prozent* (Stand: 08.12.2025). Diese gegenläufige Entwicklung hält die Gesamtbilanz in der Waage. Der Frauenanteil in den elektrotechnischen Studiengängen stagniert weiterhin und liegt damit hinter Fächern wie Informatik oder Maschinenbau zurück.
Kernaussagen des VDE-Experten
Michael Schanz, Referent beim Fachausschuss Studium, Beruf und Gesellschaft des VDE, kommentiert die aktuellen Zahlen:
- „Beim genaueren Hinsehen fallen allerdings große Unterschiede zwischen Universitäten und Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) auf.“
- „Der VDE beobachtet insbesondere an mittelgroßen Universitäten seit Jahren stark rückläufige Erstsemesterkohorten und empfiehlt, gerade an diesen Standorten stärker und jugendgerechter um den elektrotechnischen Nachwuchs zu werben.“
- „Wir sehen aber vor allem einen verstärkten Zuspruch internationaler Studierender in den elektrotechnischen Studiengängen.“
- Zum Frauenanteil stellt Schanz fest: „Der Anteil wäre allerdings ohne internationale Studierende noch deutlich niedriger.“
Einordnung: Wie belastbar sind die Zahlen?
Die Diskussion um die Erstsemesterzahlen in den Elektro- und Informationstechnik-Studiengängen zeigt, dass die Interpretation von Statistiken eine Frage der Perspektive ist. Während die Pressemitteilung des VDE von einer nahezu konstanten Gesamtzahl spricht, veröffentlichte das Statistische Bundesamt (Destatis) im November 2025 eine leicht abweichende Zahl. Laut Destatis verringerten sich die Erstsemesterzahlen im Studienjahr 2025 um 0,3 % auf 14.126 Personen*. Diese Differenz zu anderen Meldungen unterstreicht, dass es sich bei den veröffentlichten Werten oft um vorläufige Daten handelt, die sich im Nachgang noch präzisieren können.
Alt → Neu: 2024 vs. 2025
Um die Entwicklung einzuordnen, lohnt ein Blick auf die Vorjahreszahlen. Im Studienjahr 2024 schrieben sich 14.200 Erstsemester in diesen Fächern ein, was einem Zuwachs gegenüber 2023 entsprach* Die Entwicklung von 2024 zu 2025 zeigt somit keine dramatische Trendwende, sondern eine Stabilisierung auf einem vergleichsweise hohen Niveau nach einem deutlichen Vorjahresanstieg.
Regionale Einflüsse auf die Statistik
Die Gesamtzahl allein sagt wenig über die zugrundeliegenden Dynamiken aus. Destatis nennt für den leichten Rückgang im Jahr 2025 konkrete regionale Ursachen*. Die Umstellung auf das Abitur nach neun Jahren in Bayern hatte beispielsweise zur Folge, dass im entsprechenden Jahrgang weniger Schulabsolventen für ein sofortiges Studium zur Verfügung standen. Solche länderspezifischen Reformen können die bundesweite Statistik temporär verzerren.
Gleichzeitig wirken andere Faktoren stabilisierend oder sogar steigernd. Die Pressemitteilung des VDE verweist auf einen verstärkten Zuspruch internationaler Studierender in den elektrotechnischen Studiengängen. Dieser Effekt gleicht demografische Schwankungen bei den deutschen Abiturienten teilweise aus und trägt dazu bei, dass die Gesamtzahl der Studienanfänger trotz regionaler Sondereffekte weitgehend stabil bleibt. Die Statistik bildet somit ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Faktoren ab:
- Demografische Effekte: Veränderungen in der Größe von Abiturjahrgängen, insbesondere durch Bildungsreformen wie in Bayern.
- Institutionelle Unterschiede: Gegenläufige Trends zwischen Universitäten und Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW).
- Internationalisierung: Eine steigende Zahl ausländischer Studierender, die in Deutschland ein Elektrotechnik-Studium aufnehmen.
Die Zahlen sind also durchaus belastbar, müssen jedoch stets im Kontext dieser Einflussfaktoren betrachtet werden. Sie zeigen nicht einfach "mehr" oder "weniger" Interesse, sondern spiegeln ein vielschichtiges Bild aus regionaler Bildungspolitik, Hochschulwahl und globaler Attraktivität des Studienstandorts Deutschland wider.
Wesentliche Zahlen und Quellen
Die Entwicklung der Studienanfängerzahlen in der Elektro- und Informationstechnik zeigt eine bemerkenswerte Stabilität. Die aktuellsten verfügbaren Daten des Statistischen Bundesamtes belegen, dass sich die Erstsemesterzahlen im Studienjahr 2025 nur minimal verändert haben. Die nachfolgende Übersicht fasst die zentralen Werte aus der aktuellen Pressemitteilung und ergänzenden Quellen zusammen und bietet einen schnellen Vergleich.
| Jahr | Erstsemester (Anzahl) | Einheit/Angabe | Quelle/Stand |
|---|---|---|---|
| 2025 | 14.126 | Personen | Pressemitteilung VDE, Stand: Studienjahr 2025* |
| 2025 | 14.100 | Personen | Statistisches Bundesamt, Stand: November 2025* |
| 2024 | 14.174 | Personen | Pressemitteilung VDE, Stand: Studienjahr 2024* |
| 2024 | 14.200 | Personen | FT Informatik, Stand: Studienjahr 2024* |
| 2023 | – | – | – |
Die Tabelle macht die geringen Schwankungen zwischen den Jahren sichtbar. Die Zahlen aus der Pressemitteilung und den statistischen Quellen liegen sehr nah beieinander. So meldet der VDE für das Studienjahr 2025 14.126 Studienanfängerinnen und -anfänger. Das Statistische Bundesamt beziffert die Zahl der Erstsemester für dasselbe Jahr auf 14.100 Personen, was einem leichten Rückgang von 0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht (Stand: November 2025).
Im direkten Vergleich zum Vorjahr wird die stabile Entwicklung deutlich: Für 2024 nennt die Pressemitteilung 14.174 Personen. Eine andere Quelle beziffert die Zahl der Studienanfängerinnen und -anfänger in diesem Jahr auf 14.200 (Stand: Studienjahr 2024).
Ein weiterer wichtiger Indikator für die Entwicklung des Fachgebiets ist der Frauenanteil in akademischen Spitzenpositionen. Laut der Plattform "Innovative Frauen im Fokus" lag der Frauenanteil an Professuren in der Elektro- und Informationstechnik im Jahr 2023 bei 9,6 Prozent (Stand: 2023)*. Dieser Wert unterstreicht die anhaltende Herausforderung, mehr Frauen für eine Karriere in der Elektrotechnik zu gewinnen und sie auch in Führungspositionen zu bringen.
Regionale Ungleichgewichte und fehlende Vielfalt: Die Folgen für die Elektrotechnik
Die stabilen Gesamtzahlen der Studienanfänger in Elektro- und Informationstechnik verdecken tiefgreifende strukturelle Verschiebungen. Diese Veränderungen haben konkrete Auswirkungen auf Hochschulstandorte, die Vielfalt in Forschung und Lehre und letztlich auf den Fachkräftenachwuchs für die Industrie. Während einige Einrichtungen von der Entwicklung profitieren, stehen andere vor existenziellen Herausforderungen.
Regionale Folgen für Hochschulen
Die Verschiebung der Studierenden von Universitäten zu Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) ist kein bundesweit gleichmäßiger Prozess. Besonders mittelgroße Universitäten in bestimmten Regionen verzeichnen seit Jahren stark rückläufige Erstsemesterzahlen. Dieser Trend gefährdet die Lehrkapazitäten und kann langfristig zur Schließung von Studiengängen führen, was die Wahlmöglichkeiten für Studieninteressierte vor Ort erheblich einschränkt. Die regionalen Auswirkungen werden zusätzlich durch demografische Sondereffekte verstärkt. Für betroffene Hochschulstandorte bedeutet dies eine doppelte Herausforderung: Sie müssen sich gegen den generellen Abwanderungstrend zu den HAWs stemmen und gleichzeitig mit schwankenden Jahrgangsstärken umgehen. Die Konsequenz ist ein ungleiches Studienangebot in Deutschland, das stark vom Wohnort abhängt.
Diversität in Lehre und Forschung
Die konstant niedrige Frauenquote in den elektrotechnischen Studiengängen ist ein langfristiges Thema mit direkten Folgen für die Wissenschaft. Eine homogene Studierendenschaft setzt sich in der akademischen Laufbahn fort. Der Anteil von Frauen an Professuren in den MINT-Fächern lag im Jahr 2023 bei lediglich 9,6 Prozent*. In der Elektrotechnik und Informationstechnik dürfte dieser Wert noch darunter liegen. Dieser Mangel an Professorinnen verringert die Vorbildwirkung für junge Wissenschaftlerinnen, schränkt die Perspektivenvielfalt in der Forschung ein und kann zu einer verengten Lehrinhaltsvermittlung führen. Die Diversität in den Hörsälen und Laboren bleibt damit nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern beeinträchtigt auch die Innovationskraft des gesamten Fachgebiets. Ohne gezielte Gegenmaßnahmen perpetuiert sich der Mangel an weiblichen Fachkräften von der Studienphase bis in die Spitzenpositionen von Wissenschaft und Industrie.
Ausblick: Beobachten, informieren, handeln
Die aktuellen Zahlen zum Studium der Elektro- und Informationstechnik zeigen ein vielschichtiges Bild: Während die Gesamtzahl der Erstsemester mit 14.126 (Stand: Studienjahr 2025) stabil bleibt, verbergen sich dahinter gegensätzliche Entwicklungen. Für Politik, Hochschulen und die interessierte Öffentlichkeit ergeben sich daraus klare Handlungsfelder, um die Zukunftsfähigkeit des Fachs zu sichern.
Ein erster Schritt ist ein kontinuierliches und differenziertes Monitoring. Die Gesamtzahl allein reicht nicht aus, um tragfähige Entscheidungen zu treffen. Entscheidend ist, die regionalen und hochschulspezifischen Effekte genau zu beobachten. Wie das Statistische Bundesamt für November 2025 feststellte, gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den Hochschultypen. Diese Transparenz muss erhöht werden, um gezielt gegen den anhaltenden Rückgang an mittelgroßen Universitäten vorgehen zu können. Der VDE empfiehlt dort eine jugendgerechtere und intensivere Nachwuchswerbung.
Zweitens muss die Gewinnung einer vielfältigen Studierendenschaft konsequent vorangetrieben werden. Der Frauenanteil in den elektrotechnischen Studiengängen stagniert bei rund 20 Prozent und liegt damit deutlich hinter Fächern wie der Informatik. Ohne den Beitrag internationaler Studierender wäre dieser Anteil noch niedriger. Diese Situation verlangt nach wirksamen Maßnahmen, die bereits in der Schule ansetzen und stereotype Berufsbilder aufbrechen. Sichtbare Vorbilder sind ein Schlüssel, um mehr junge Frauen für ein technisches Studium zu begeistern.
Drittens gilt es, die erfolgreichen Ansätze zu stärken und auszubauen. Der gestiegene Zuspruch zu den praxisnahen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) und der positive Beitrag internationaler Studierender sind ermutigende Signale. Diese Trends sollten durch passgenaue Unterstützung – von der Studienorientierung bis zur Integration – weiter gefördert werden. Die Stabilität der Gesamtzahlen ist keine Garantie für die Zukunft, sondern ein Auftrag, die zugrundeliegenden Dynamiken aktiv zu gestalten. Nur durch gezieltes Beobachten, transparentes Informieren und entschlossenes Handeln kann der elektrotechnische Nachwuchs langfristig gesichert werden.
Dieser Beitrag basiert auf einer Pressemitteilung des VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e. V.
Weiterführende Quellen:
- „Im Studienjahr 2025 verringerten sich die Erstsemesterzahlen im Bereich Elektrotechnik und Informationstechnik in Deutschland um 0,3 % auf 14.100 Personen.“ – Quelle: https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/11/PD25_426_21.html
- „Im Studienjahr 2024 schrieben sich 14.200 Erstsemester im Bereich Elektrotechnik und Informationstechnik ein, was einem Zuwachs von 6 % gegenüber 2023 entspricht.“ – Quelle: https://ft-informatik.de/themen/themen-detail/statistisches-bundesamt-gibt-die-vorlaeufigen-erstsemesterzahlen-fuer-das-wintersemester-2024-25-bekannt
- „Der Frauenanteil im Studium Elektrotechnik und Informationstechnik liegt bei konstant rund 20 % und ist damit unter dem Anteil in Informatik und Maschinenbau, wo jeweils gut ein Viertel der Studierenden weiblich ist.“ – Quelle: https://hochschuldaten.che.de/was-studieren-frauen-was-studieren-maenner
- „Der Frauenanteil an Professuren in der Elektro- und Informationstechnik lag 2023 bei 9,6 %, was zu den niedrigsten Anteilen unter den MINT-Fächern zählt.“ – Quelle: https://www.innovative-frauen-im-fokus.de/infopool/daten-und-fakten/frauen-in-mint/frauenanteil-an-professuren-in-mint
9 Antworten
‚Es gibt so viele interessante Aspekte in diesem Artikel! Die Statistiken sind wirklich aufschlussreich.‘ Aber was denkt ihr über die Rolle von Schulbildung? Sollte Technik schon früher im Unterricht ein Thema sein?
„Die Zahl der internationalen Studierenden scheint einen positiven Einfluss auf die Gesamtzahlen zu haben.“ Wie können wir sicherstellen, dass diese internationalen Studierenden auch langfristig in Deutschland bleiben? Was denkt ihr darüber?
„Vorbilder in der Wissenschaft sind wichtig.“ Ich denke auch, dass wir mehr Sichtbarkeit für erfolgreiche Frauen in diesen Bereichen brauchen! Was haltet ihr von speziellen Veranstaltungen oder Workshops dafür?
„Der Rückgang an mittelgroßen Universitäten ist alarmierend.“ Vielleicht sollte hier eine Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Hochschulen stattfinden? Was könnte dabei hilfreich sein?
Die Entwicklung an den Hochschulen für Angewandte Wissenschaften ist interessant. Warum sinkt die Zahl der Erstsemester an Universitäten? Gibt es hier regionale Unterschiede, die man genauer betrachten sollte?
Das könnte tatsächlich an den unterschiedlichen Angeboten liegen! HAWs bieten oft praxisnahe Ausbildung und sind damit für viele Studierende attraktiver. Vielleicht sollten Universitäten ihre Studiengänge überdenken.
Ja, ich stimme zu! Es wäre hilfreich, wenn Universitäten mehr auf die Bedürfnisse der Studierenden eingehen würden. Gibt es Initiativen zur Verbesserung der Studienbedingungen?
Ich finde die stagnierenden Zahlen sehr besorgniserregend. Der Frauenanteil ist viel zu niedrig, und es wäre wichtig, mehr junge Frauen für diese Fächer zu begeistern. Welche konkreten Maßnahmen könnten Hochschulen ergreifen, um das zu ändern?
Das ist ein guter Punkt! Vielleicht könnten Mentorenprogramme helfen, um mehr Frauen in technische Berufe zu bringen. Es wäre spannend zu erfahren, welche Programme bereits existieren und wie erfolgreich sie sind.