– Erntedank betont Herausforderungen: Überregulierung, Klimawandel, Bürokratie verhindern Ertragssteigerungen.
– Landwirtschaft verfügt über Bildung, Forschung und Digitalisierungspotenzial für nachhaltige Produktivitätssteigerung.
– Verband fordert politische Würdigung, Vertrauen und Innovationsförderung statt pauschaler Beschränkungen.
Herausforderungen und Hoffnungen zum Erntedank – der BWV-Präsident zieht Bilanz
Am Sonntag steht Erntedankfest an – ein Anlass, der für Landwirte und Winzer gleichermaßen Freude und Dankbarkeit bedeutet. Eberhard Hartelt, Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd e.V., verbindet in seiner aktuellen Stellungnahme zum Erntedank den Blick auf das sichtbare Ergebnis harter Arbeit mit der Realität wachsender Herausforderungen. „Das sichtbare Ergebnis der Arbeit auf dem Acker und im Weinberg erfüllt uns immer ein wenig mit Stolz, dass wir es trotz aller Unwägbarkeiten wieder geschafft haben, einen wichtigen Beitrag für das tägliche Leben aller zu leisten“, sagt Hartelt.
Erntedank zwischen Dankbarkeit und Herausforderungen
Auch wenn der Erntedank kurzzeitig Sorgen wie die schwierige Marktlage, Überregulierung, Klimawandel und zunehmende Bürokratie in den Hintergrund treten lässt, sind sie doch allgegenwärtig. Hartelt mahnt, dass diese Probleme nicht einfach abgetan werden sollten. Die Einstellung, landwirtschaftliche Anliegen würden lediglich unter der Rubrik „die Bauern jammern immer“ abgetan, erschwere die Suche nach Lösungen.
Landwirtschaft im Wandel: Rückblick und Ausblick
Ein Blick zurück auf Mitte des 19. Jahrhunderts zeigt laut Hartelt Parallelen zur heutigen Situation: Damals traf eine wachsende Bevölkerung auf Ernteausfälle durch Krankheiten, Schädlinge und Wetterextreme, was zu Hungersnöten führte. Damals reagierte die Landwirtschaft mit schnellen technischen Fortschritten und verbesserter Forschung. Für heute konstatiert Hartelt: „Die Ausgangslage hat sich heute nicht wirklich geändert. Die Bevölkerung steigt global weiterhin an, es gibt neue Schädlinge und Krankheiten, welche die Ernten bedrohen und die Auswirkungen des Klimawandels sind für alle offensichtlich.“
Doch anders als früher erlebt die Branche laut seinem Urteil einen Rückschritt: „Wir erleben Rückschritt statt Fortschritt: pauschale Einschränkung von Düngung und Pflanzenschutz, der Rückgang der Zulassung von dringend benötigten neuen Wirkstoffen, das Bremsen im Bereich neuer Züchtungsmethoden und immer mehr Produktionsauflagen, welche die Eigenverantwortung der Betriebsleiter beschneiden und damit optimale Ergebnisse verhindern.“ Dieses Umfeld sei eine Ursache für stagnierende Erträge bei wichtigen Kulturen in Deutschland.
Trotz dieser Situation betont Hartelt ausdrücklich: „Ich möchte an dieser Stelle aber nicht falsch verstanden werden und stelle daher unmissverständlich klar, dass ich nicht zurück in die Vergangenheit möchte. Ich möchte aber, dass wir unser Potential nutzen.“ Die heutigen Betriebsleiter seien so gut ausgebildet wie nie zuvor, der Stand der Agrarforschung so hoch, und neue Technologien eröffneten viele Möglichkeiten – doch dieser „Werkzeugkasten“ werde zu wenig genutzt.
Dabei sieht er weiteres Steigerungspotenzial: Die Produktivität lasse sich erhöhen, zugleich könne noch ressourcenschonender gearbeitet werden, gerade im Hinblick auf den begrenzten Boden. Auch der Schutz der Artenvielfalt müsse dabei weitergedacht werden.
Hartelt beklagt, dass viele legitime Produktionsziele in der öffentlichen Wahrnehmung negativ besetzt seien. So werde Ertragssteigerung oft mit Raubbau am Boden gleichgesetzt, Pflanzenschutz und Düngung mit Umweltzerstörung. Er bezeichnet Studien, die diese Ängste befördern, als wenig hilfreich. Deshalb wünscht er sich mehr Anerkennung der Landwirtschaftsleistungen durch Politik und Medien, nicht um den Status quo zu bewahren, sondern als Ansporn für Innovation und kontinuierliche Weiterentwicklung.
„Dazu braucht es aber Vertrauen in die Menschen mit Verantwortung in der Grünen Branche, dass Sie nicht den Ast absägen, auf dem nicht nur sie, sondern auch nachfolgenden Generationen sitzen“, fasst Eberhard Hartelt seine Forderung zusammen.
Zukunftsszenarien Landwirtschaft: Was, wenn …?
Die Landwirtschaft steht heute an einem Scheideweg. Sie bewegt sich zwischen Hoffnungen auf modernen Fortschritt und den Widerständen durch strengere Regulierungen und öffentliche Skepsis. Wie könnte die Zukunft aussehen, wenn sich verschiedene Kräfte durchsetzen? Drei Szenarien laden dazu ein, darüber nachzudenken, wie sich Innovation, Regulierung und gesellschaftliches Vertrauen auf die Landwirtschaft in Deutschland auswirken könnten.
Innovation stärken oder begrenzen?
Was, wenn die Förderung von Innovation konsequent vorangetrieben wird? In diesem Szenario setzen Politik und Gesellschaft verstärkt auf neue Technologien, verbesserte Züchtungsmethoden und Digitalisierung. Die Landwirt:innen erhalten die nötigen Freiräume, um moderne Verfahren sinnvoll einzusetzen. Der Fokus liegt darauf, Erträge zu steigern und dabei gleichzeitig Boden und Umwelt zu schonen. So ergeben sich Chancen, den Herausforderungen wie Klimawandel, Schädlingsbefall und wachsender Bevölkerung zu begegnen. Die Fachkenntnisse der Betriebsleiter:innen und der Stand der Agrarforschung ermöglichen ein zielgerichtetes Handeln, das Effizienz und Nachhaltigkeit verbindet. Vertrauen in die landwirtschaftlichen Akteure und ihre Verantwortung wächst. Produktionsauflagen werden als Mittel zur Unterstützung verstanden, nicht als hinderliche Schranke.
Regulierung und Skepsis dominieren
Ein anderes Bild zeigt sich, wenn Regulierung weiter zunimmt und die Skepsis gegenüber neuen Verfahren anhält. Strengere Einschränkungen bei Düngung und Pflanzenschutz, ein Rückgang der Zulassungen neuer Wirkstoffe und Misstrauen gegenüber moderner Züchtung prägen dann den Alltag. Die Eigenverantwortung der Landwirtinnen und Landwirte schrumpft, viele Innovationen bleiben ungenutzt oder kommen erst gar nicht zur Anwendung. In dieser Welt stagniert die Produktivität. Gleichzeitig wächst der Druck der Öffentlichkeit, der Landwirtschaft mehr Nachhaltigkeit und Artenvielfalt abzuverlangen– oft mit wenig Verständnis für die komplexen Zusammenhänge. In einem solchen Klima fehlen Impulse, um den Herausforderungen jenseits der politischen Vorgaben aktiv zu begegnen.
Fortschritt weiter gebremst
Schließlich ist denkbar, dass der Fortschritt nicht nur gebremst, sondern deutlich ausgebremst wird. Zweifel an neuen Methoden, wachsende Regulierungsdichte und eine zunehmende Bürokratie führen dazu, dass Landwirt:innen vermehrt auf traditionelle Wege zurückgreifen oder Innovationen gar nicht erst ausprobieren. Erträge stagnieren, neue Technologien bleiben selten und üppig finanzierte Forschung verpufft weitgehend in der Praxis. Chancen für ressourcenschonenderes Arbeiten und den Erhalt des Bodens werden vertan. Gleichzeitig wachsen Misstrauen und Frustration innerhalb der Branche. Dieses Szenario bringt die Landwirtschaft in eine Sackgasse, in der weder die Anforderungen der Gesellschaft noch die Bedarfe der Betriebe angemessen berücksichtigt werden.
Die Rolle von Vertrauen und Technologie
Welche Rolle spielen Vertrauen und Technik in all dem? Es zeigt sich, dass Fortschritt nicht allein durch neue Instrumente entsteht, sondern durch den Umgang damit. Vertrauen in die Kompetenz und die Verantwortung der Landwirt:innen bildet eine unverzichtbare Grundlage für Veränderungen. Technik entfaltet ihr Potenzial erst, wenn sie unterstützt und nicht durch Angst oder Regulierung blockiert wird. Die Herausforderung der Zukunft liegt darin, den richtigen Umgang mit beiden zu finden – ohne dabei die Ausstattung der Branche zu vernachlässigen, die Erträge, Nachhaltigkeit und Biodiversität in Einklang bringt.
Welche dieser Wege erscheint am vielversprechendsten? Oder braucht die Landwirtschaft einen ganz eigenen Pfad zwischen Förderung und Regulierung? Eine Antwort darauf verlangt differenzierte Gedanken und eine breite gesellschaftliche Debatte. Denn eines ist klar: Die Zukunft der Ernährung liegt nicht nur auf den Feldern, sondern auch in den Köpfen derer, die sie gestalten.
Landwirtschaft – Begriffe kurz erklärt
Die Debatte um Landwirtschaft bringt vielfältige Fachbegriffe mit sich, die nicht immer auf Anhieb verständlich sind. Hier finden sich einige zentrale Begriffe, die einen klaren Einstieg bieten und das Verständnis erleichtern.
Pflanzenschutz bezeichnet alle Maßnahmen, mit denen Pflanzen vor Schädlingen, Krankheiten und Unkräutern geschützt werden. Dazu zählen der Einsatz von speziellen Wirkstoffen und auch kulturelle Methoden, die das Wachstum gesunder Pflanzen fördern.
Düngung meint die Versorgung des Bodens oder der Pflanzen mit Nährstoffen, die für ein gutes Wachstum notwendig sind. Dabei unterscheidet man organische Dünger wie Mist von mineralischen, also chemisch hergestellten Düngemitteln.
Züchtung steht für gezielte Methoden, um Pflanzen oder Tiere mit bestimmten Eigenschaften zu verbessern. Neue Züchtungstechniken ermöglichen heute zum Beispiel resistentere oder ertragreichere Sorten.
Biodiversität beschreibt die Vielfalt der Arten in einem Lebensraum – von Pflanzen über Tiere bis zu Mikroorganismen. In der Landwirtschaft spielt dieser Begriff eine Rolle, weil Artenvielfalt wichtige ökologische Funktionen unterstützt.
Ertrag bezeichnet die Menge der produzierten Pflanzen oder Erzeugnisse pro Hektar. Ein stabiles oder steigendes Ertragsniveau gilt als wichtiger Indikator für eine funktionierende Landwirtschaft.
Diese Begriffe bilden das Fundament vieler Diskussionen rund um Produktion, Umwelt und Ernährung. Sie helfen, komplexe Themen klarer zu fassen und tragen zu einem besseren Dialog zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft bei.
Ihre Meinung zählt: Was bedeutet Fortschritt in der Landwirtschaft?
Fortschritt – ein Begriff, der je nach Perspektive unterschiedlich gefüllt wird. In der Landwirtschaft trifft er auf komplexe Erwartungen: Wie lassen sich steigende Erträge mit Nachhaltigkeit verbinden? Welche Rolle spielt Vertrauen in die Akteure vor Ort? Gerade angesichts der Herausforderungen von Klima, Schädlingen und Regulierung wiegt die Frage umso schwerer, was als echte Weiterentwicklung gilt.
Im Blick auf die aktuelle Lage stellt sich die Frage, ob Fortschritt allein über steigende Produktionszahlen definiert werden darf – oder ob er auch den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen einschließt. Ist Fortschritt ein dauerhafter Anstieg der Ernte, das Beharren auf Eigenverantwortung der Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter oder eine stärkere Förderung der Artenvielfalt auf landwirtschaftlichen Flächen? Welches Bild von Erneuerung wollen Gesellschaft, Politik und Landwirtschaft gemeinsam prägen?
Wo liegen Chancen, um auf neue Anforderungen zu reagieren, ohne bewährte Strukturen und Fachwissen zu vernachlässigen? Und wo könnten Risiken entstehen, wenn etwa technologische Entwicklungen durch Regulierungen ausgebremst werden oder Unmut über politische Vorgaben die Zusammenarbeit erschwert? Vor allem aber: Wie kann Vertrauen in landwirtschaftliche Entscheidungen wachsen, damit notwendige Schritte gemeinsam getragen werden?
Die Landwirtschaft steht heute an einem Schnittpunkt, dessen Gestaltung jede Stimme verdient. Deshalb lade ich dazu ein: Welche Sichtweise verbinden Sie mit dem Begriff Fortschritt? Welche Entwicklungen gehören aus Ihrer Sicht auf die Agenda – und wo besteht Klärungsbedarf? Ein respektvoller Austausch über diese Fragen schafft Raum, Gemeinsamkeiten zu finden und unterschiedliche Vorstellungen zu verstehen. Ihre Perspektive trägt dazu bei, den Weg in eine Landwirtschaft zu gestalten, die Ertrag, Nachhaltigkeit und Vertrauen in Balance hält.
Die Inhalte dieses Beitrags stützen sich auf eine aktuelle Pressemitteilung des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd e.V.
- „Organisation: Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd e.V.“
- „Website: https://www.bwv-rlp.de„
11 Kommentare
Es gibt so viele Möglichkeiten wie Technologie helfen kann! Aber wie viel Vertrauen haben die Leute in neue Methoden? Vielleicht sollten Landwirte öfter ihre Erfolge teilen?
Die genannten Herausforderungen sind ernst zu nehmen! Besonders die Überregulierung macht mir Sorgen. Ich frage mich: Was können wir als Gesellschaft tun, um die Landwirtschaft zu unterstützen?
Genau! Es ist wichtig, dass die Öffentlichkeit versteht was in der Landwirtschaft passiert und wie viel Arbeit dahinter steckt!
Ja genau! Vielleicht sollten Schulen mehr über nachhaltige Landwirtschaft lehren? So kann schon früh ein Bewusstsein geschaffen werden!
‚Fortschritt‘ in der Landwirtschaft ist ein großes Thema! Wie definieren wir Fortschritt genau? Geht es nur um mehr Erträge oder auch um Umweltfreundlichkeit? Ich denke beides muss zusammenkommen.
Der Artikel spricht wichtige Punkte an! Ich stimme zu, dass Überregulierung ein großes Problem ist. Wie können wir den Dialog zwischen Landwirten und Politik fördern? Glaubt ihr, dass mehr Veranstaltungen helfen würden?
Veranstaltungen könnten wirklich hilfreich sein! Es wäre gut, wenn Politiker direkt von Landwirten hören könnten, was sie brauchen. Aber welche Themen sollten wir ansprechen?
Ich denke auch, dass es wichtig ist, das Vertrauen zu stärken! Wenn Politiker verstehen, was wir wirklich brauchen und wollen, könnte das helfen!
Ich finde es echt wichtig, dass wir über die Herausforderungen der Landwirtschaft reden. Klimawandel und Bürokratie sind echt große Themen. Wie können wir das angehen? Vielleicht mehr Bildung in der Landwirtschaft? Was denkt ihr?
Ja, Bildung ist super wichtig! Wenn Landwirte besser ausgebildet sind, können sie besser mit den Herausforderungen umgehen. Ich frage mich aber, woher die Mittel kommen sollen für solche Programme?
Ich finde auch, dass der Erntedank eine gute Gelegenheit ist, um auf die Probleme aufmerksam zu machen. Aber wie können wir sicherstellen, dass unsere Stimmen gehört werden in der Politik?