– Verhandlungen zwischen Bundesregierung und EU-Kommission zur neuen Kraftwerksstrategie dauern an; Ausschreibungen 2024 unwahrscheinlich
– BEE fordert gezielte Gesetzesänderungen zum schnellen Ausbau flexibler erneuerbarer Energien, Speicher und Sektorenkopplung
– Schleppender Netzausbau erfordert dezentral verfügbare, flexibel steuerbare Anlagen und Speicher zur Netzstabilität
Debatte um Kraftwerksstrategie: Erneuerbare Energien als Schlüssel zur Flexibilität
Diese Woche wurde bekannt, dass die Gespräche zwischen der deutschen Regierung und der EU-Kommission zur neuen Kraftwerksstrategie weiter anhalten. In diesem Kontext teilte die Bundesnetzagentur mit, dass Ausschreibungen für neue Kraftwerkskapazitäten in diesem Jahr wohl nicht mehr stattfinden werden. Vor diesem Hintergrund fordert der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) gezielte Gesetzesänderungen, um vorhandene flexible Anlagen wie erneuerbare Energien, Speicherlösungen und Sektorenkopplungsanlagen schneller auszubauen.
BEE-Präsidentin Simone Peter bringt es auf den Punkt: „Der Spatz in der Hand wartet darauf, gefüttert zu werden". Für sie ist der Ausbau schnell verfügbarer einheimischer Kapazitäten sinnvoller und effizienter als das Setzen auf komplexe Projekte wie H₂-ready-Gaskraftwerke, bei denen zahlreiche beihilferechtliche Fragen weiterhin offen sind. Um die Lücke auszugleichen, die durch die Reduktion der geplanten Kraftwerksleistung auf zehn Gigawatt entsteht, fordert der Verband eine kombinierte Betrachtung von Kapazität und Flexibilität. „Die zusätzlichen Kapazitäten über die 10 GW hinaus müssen bereits jetzt als dringend benötigte Flexibilitätsoptionen aufgebaut werden.“ Denn der aktuelle Strommarkt sei den steigenden Anforderungen durch Wind- und Solarenergie nicht gewachsen, so Peter weiter.
Ein zentrales Problem bleibt der schleppende Netzausbau, der dazu führt, dass Wind- und Solarstrom häufig gedrosselt werden müssen, weil das Netz überlastet sei. „Flexibel steuerbare Kraftwerke könnten hier den nötigen Ausgleich schaffen“, erklärt Peter. Potenzial sieht der BEE insbesondere in Bioenergie- und Wasserkraftanlagen, die durch ihre flexible Verfügbarkeit einen wesentlichen Beitrag leisten können. Zusätzlich könnten Speicher und Sektorenkopplungsanlagen bei passenden Anreizen schnell einsatzbereit sein. Diese dezentrale Verfügbarkeit gewährleiste zudem die erforderliche Systemdienlichkeit, wie sie in den Eckpunkten der Kraftwerksstrategie vorgesehen ist.
Erneuerbare Energien sind für den BEE in mehrfacher Hinsicht besonders wirkungsvoll. Sie fördern die heimische Wertschöpfung, erhöhen die Resilienz des Energiesystems und bleiben gleichzeitig bezahlbar. Dadurch könne die Dekarbonisierung verstärkt vorangetrieben, Kosten eingespart und eine verlässliche Stromversorgung gesichert werden. Im April hatte der BEE dazu ein Thesenpapier vorgelegt, das eine ganzheitliche Prüfung der Flexibilitätsoptionen im Energiesystem empfiehlt. Danach könnte der bestehende Biogasanlagenpark durch flexible Fahrweise allein bis zu 27 Gigawatt gesicherte Leistung bieten. Voraussetzung hierfür ist eine Anpassung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), insbesondere der Flexibilitätsprämie. Zudem wäre eine Senkung der Stromnebenkosten zur Förderung von Speichern effizient. Kleine Elektrolyseure könnten ebenfalls erheblich zur Netzstabilität und zur Senkung der Netzkosten beitragen. Nicht zuletzt spiele die planbare und flexibel steuerbare Wasserkraft eine wichtige Rolle für die Energieversorgung.
Simone Peter macht deutlich: „Der erneuerbare Energiemix ist bereit und verfügbar. Jetzt sind schnelle gesetzliche Anpassungen nötig, um weitere Kapazitäten und zusätzliche Flexibilitäten zu schaffen.“
Warum flexible erneuerbare Energien jetzt unverzichtbar sind
Die Transformation des deutschen Energiemarktes steht vor enormen Herausforderungen, die eine flexible und schnelle Umsetzung erneuerbarer Energien dringender denn je machen. Die Integration dieser Energiequellen erfordert nicht nur den Ausbau von Wind und Sonne, sondern vor allem auch die Anpassung des gesamten Stromnetzes. Denn ohne Flexibilität gerät das System ins Ungleichgewicht, wenn volatile Erzeugung und variable Verbrauchsmuster nicht aufeinander abgestimmt werden können.
Ein zentrales Hemmnis ist der schleppende Ausbau der Netzinfrastruktur, der die Aufnahmekapazitäten der erneuerbaren Energien begrenzt und damit die Energiewende verlangsamt. Verzögerungen in der Gesetzgebung und Umsetzung wirken sich dabei direkt auf die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen aus: Strompreise können steigen, Versorgungssicherheit kann leiden, und die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands im internationalen Vergleich wird geschwächt.
Herausforderungen im deutschen Strommarkt
Die Strommärkte müssen sich heute an die steigende Bedeutung von Erneuerbaren anpassen. Das bedeutet vor allem: mehr Flexibilität im Netz, sowohl auf der Erzeugungsseite als auch auf Verbraucherseite und im Speichermanagement. Die Herausforderung liegt darin, Schwankungen bei Wind- und Solarstrom effizient auszugleichen, da sie naturgemäß nicht konstant verfügbar sind.
Eine wichtige Rolle spielen hier moderne Technologien und Betriebsmodelle, die das Stromnetz stabilisieren können:
- Lastmanagement, das Verbrauchspitzen verschiebt
- Energiemanagementsysteme zur intelligenten Steuerung von Erzeugung und Verbrauch
- Speichertechnologien, die Überschüsse aufnehmen und bei Bedarf abgeben können
- Virtuelle Kraftwerke, die verschiedene dezentrale Erzeuger und Verbraucher vernetzen
Zukunftschancen für einen flexiblen Energiemix
Die notwendige Flexibilisierung eröffnet gleichzeitig große Chancen für die Energiewende. Ein intelligenter Energiemix, der konventionelle und erneuerbare Quellen geschickt kombiniert, kann Versorgungsengpässe vermeiden und gleichzeitig die Umweltbelastung minimieren. Je schneller und durchdachter diese Flexibilitätsoptionen realisiert werden, desto besser lassen sich die politischen Ziele erreichen und die Wirtschaft stärken.
Vor diesem Hintergrund ist es entscheidend, dass die politischen Rahmenbedingungen rasch angepasst und der Netzausbau beschleunigt werden. Denn eine leistungsfähige, flexible Stromversorgung ist nicht nur Grundlage für eine klimafreundliche Zukunft, sondern auch ein zentrales Element wirtschaftlicher Stabilität und gesellschaftlicher Akzeptanz.
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Kraftwerksstrategie und Strommarktdesign | Presseportal
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