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Elektronische Patientenakte startet holprig: Viele kennen sie, wenige nutzen sie wirklich
Gerade einmal 100 Tage ist sie bundesweit verfügbar: Die elektronische Patientenakte (ePA) – ein Projekt, das die Gesundheitsversorgung modernisieren soll und von vielen als Herzstück der Digitalisierung im Gesundheitswesen gesehen wird. Doch die erhoffte Wende bleibt bislang aus. Die Nutzungszahlen zeichnen ein ernüchterndes Bild: Von den 44 Millionen angelegten Akten werden gerade einmal 1,2 Millionen aktiv verwendet. So das Ergebnis einer dpa-Befragung großer Krankenkassen wie der Techniker Krankenkasse, der AOK und der Barmer.
Auch aktuelle Hintergrunddaten des Branchenverbands Pharma Deutschland e.V. bestätigen diese Entwicklung. Laut einer repräsentativen Civey-Umfrage kennen 72 Prozent der Befragten in Ostdeutschland die ePA. Doch die tatsächliche Nutzung kletterte in den letzten drei Monaten lediglich von 11,9 Prozent auf 15,9 Prozent. Deutschlandweit liegt der Durchschnitt bei 16,2 Prozent. Bestwerte erreichen die Bundesländer Sachsen mit 17,6 Prozent und Brandenburg mit 18 Prozent. Weit abgeschlagen bleibt Thüringen mit nur 11,3 Prozent.
Die Zahlen zeigen: Zwischen Kenntnis und wirklicher Nutzung der ePA klafft eine deutliche Lücke. Insbesondere im Landesverband Ost liegt die Nutzung mit 15,9 Prozent zwar an zweiter Stelle im bundesweiten Vergleich, doch auch hier ist das Potenzial längst nicht ausgeschöpft. Der Landesverband Nord verzeichnet mit 17 Prozent die höchste aktive Nutzung.
Wie lässt sich dieses Verhalten erklären? Pharma Deutschland benennt mehrere Hürden: So empfinden viele die Registrierung als zu kompliziert, berichten von technischen Problemen und einer insgesamt unzureichenden Informationslage. Hinzu komme – so die Ergebnisse der kommerziellen und navigationsorientierten Analyse des Gesundheitsmarkts – eine große Verunsicherung im Umgang mit digitalen Angeboten für die Gesundheit.
„Der alltägliche Vorteil der ePA für Versicherte muss noch mehr in den Fokus gerückt werden. Die Umfrageergebnisse weisen auf eine deutliche Lücke zwischen Kenntnisstand und tatsächlicher Nutzung hin. Um diese zu schließen, brauche es laut Verband ein kontinuierliches Informationsangebot zur ePA. Versicherten müsse der konkrete Mehrwert der ePA nähergebracht werden, der vor allem durch die flächendeckende Nutzung entsteht. Dies sei ein unumgänglicher Schritt hin zu einem patientenorientierten Gesundheitssystem“ (Zitat-Quelle: Pressemitteilung).
Für die deutsche Pharmaindustrie ist klar: Die Einführung der elektronischen Patientenakte ist ein entscheidender Meilenstein für die Digitalisierung des Gesundheitswesens. Mittel- bis langfristig verspricht sie quantifizierbare Vorteile: effizientere Abläufe, mehr individuelle Therapien, verbesserte Versorgung. Die Erfahrungen der letzten Monate zeigen jedoch, dass ein Durchbruch nur gelingt, wenn praktische Hemmnisse abgebaut und der Wertgehalt der digitalen Akte für alle verständlich gemacht wird.
Aktuelle Entwicklungen und vertiefte Fakten zur ePA werden weiterhin von Civey im Auftrag von Pharma Deutschland erhoben und ausgewertet. Die Analysen liefern wichtige Erklärungen und Hintergründe für Politik, Branche und Betroffene – und rücken die Frage in den Mittelpunkt, wie eine durchdachte digitale Infrastruktur zu mehr Teilhabe im Gesundheitssystem führen kann.
Viele Fachleute fordern nun einen Kurswechsel: Information, Teilhabe und barrierefreie Zugänge gelten als Schlüssel, damit die ePA mehr sein kann als ein Papiertiger in digitaler Hülle – sondern zu einer echten Stütze für Patient*innen und ein zukunftsweisendes Werkzeug des Gesundheitssystems wird.
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Elektronische Patientenakte (ePA) in Ostdeutschland: Viel Potenzial, wenig Nutzung / …
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Hintergrund und Ausblick: Die Bedeutung der elektronischen Patientenakte für das deutsche Gesundheitswesen
Die Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) markiert einen wichtigen Schritt in der Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens – ein Bereich, der seit Jahren im Fokus von Politik, Akteuren der Pharmaindustrie und Versicherten steht. Ein Blick auf vergleichbare Projekte im europäischen Ausland zeigt, dass die Akzeptanz digitaler Gesundheitslösungen meist Zeit benötigt, bevor sie sich im Alltag fest etablieren. Auch in Ländern wie Dänemark oder Estland war zu beobachten, dass erst durch kontinuierliche Informationskampagnen und eine konsequente Einbettung in bestehende Versorgungsprozesse ein deutlicher Anstieg der Nutzung erfolgte. Experten sehen in der ePA das Potenzial, Prozesse effizienter zu gestalten und die individuelle medizinische Versorgung messbar zu verbessern. Um jedoch den aktuellen Rückstand zwischen Bekanntheit und tatsächlicher Nutzung zu überwinden, müssen Nutzerfreundlichkeit und Datenschutz noch stärker in den Mittelpunkt rücken. Prognosen gehen davon aus, dass mit dem wachsenden Angebot an digitalen Gesundheitsservices – etwa digitalen Rezepten und interaktiven Therapieangeboten – die ePA mittelfristig einen zentralen Platz im Patientenkontakt einnehmen wird. Langfristig kann dies zu einem fundamentalen Wandel in der Therapieplanung und in der sektorübergreifenden Versorgung führen. Vor diesem Hintergrund gewinnen Informationsseiten, persönliche Beratungsangebote und niedrigschwellige digitale Einstiegsmöglichkeiten zunehmend an Bedeutung. Für patientenorientierte Akteure im deutschen Gesundheitsmarkt entsteht dadurch die Chance, die eigene digitale Kompetenz zu demonstrieren und das Vertrauen der Versicherten nachhaltig zu stärken.
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