Energydrinks: foodwatch fordert Altersgrenze ab 18 Jahren nach EU-Anhörung

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Bei einer Anhörung im Europaparlament zu Gesundheitsrisiken hat die Verbraucherorganisation foodwatch ein EU-weites Verkaufsverbot von Energydrinks an Minderjährige gefordert. Expert:innen warnen vor Herzrhythmusstörungen und anderen Gefahren für Kinder und Jugendliche. Während Länder wie Polen bereits Altersgrenzen eingeführt haben, fehlt eine solche Regelung in Deutschland bislang.

Inhaltsverzeichnis

– foodwatch fordert EU-weites Verkaufsverbot für Energydrinks an Minderjährige ab 18 Jahren.
– Ärzte warnen vor Gesundheitsrisiken wie Herzrhythmusstörungen durch hohen Konsum bei Jugendlichen.
– Einige EU-Länder wie Polen haben den Verkauf bereits eingeschränkt, Deutschland noch nicht.

Energydrinks: foodwatch fordert Verkaufsverbot an Minderjährige

Eine öffentliche Anhörung im Europaparlament rückt die Gesundheitsrisiken von Energydrinks für Kinder und Jugendliche in den Fokus. Die Verbraucherorganisation foodwatch nutzte das Forum, um ein EU-weites Verkaufsverbot an Minderjährige zu fordern und die Bundesregierung zum Handeln aufzurufen.

Der Umweltausschuss (ENVI) des Europäischen Parlaments führte im Jahr 2025 eine Anhörung zu den Risiken durch, die mit dem Konsum von Energydrinks bei Minderjährigen verbunden sind. Als Expertin vor Ort kritisierte Dr. Rebekka Siegmann von foodwatch die Untätigkeit der deutschen Politik. „Energydrinks sind ein ernstes Gesundheitsrisiko für Kinder und Jugendliche. Während andere EU-Länder längst den Verkauf an Minderjährige stoppen, schaut die Bundesregierung untätig zu, wie Red Bull und Co. ihre gefährlichen Drinks an Kinder verkaufen. Wir brauchen endlich auch in Deutschland eine Altersgrenze von 18 Jahren für Energydrinks.“

Die Forderung stützt sich auf medizinische Warnungen. Ärztinnen und Ärzte sowie Verbraucherverbände weisen seit Jahren darauf hin, dass ein hoher Konsum dieser koffein- und zuckerhaltigen Getränke bei jungen Menschen Herzrhythmusstörungen, Angstzustände und Konzentrationsprobleme auslösen kann. Besonders riskant ist die Kombination mit Sport oder Alkohol.

Während in Deutschland noch diskutiert wird, haben andere EU-Mitgliedstaaten bereits gehandelt. Die Anhörung im Europaparlament diente dazu, diese Risiken auf EU-Ebene zu thematisieren und mögliche gemeinsame Regulierungsansätze zu diskutieren. foodwatch forderte die Bundesregierung konkret auf, dem Beispiel der Vorreiterländer zu folgen und eine verbindliche Altersgrenze einzuführen.*

Markt und Medizin: Was Studien über den Energydrink-Konsum zeigen

Der Ruf nach einer Altersbeschränkung für Energydrinks basiert auf einer wachsenden Datenlage, die sowohl den massenhaften Konsum unter Jugendlichen als auch die damit verbundenen Gesundheitsrisiken dokumentiert. Unabhängige Untersuchungen und Marktanalysen zeichnen ein klares Bild von einem etablierten, aber problematischen Trend.

Wissenschaftliche Befunde

Gesundheitsexperten warnen nicht ohne Grund. Eine Untersuchung der Verbraucherorganisation foodwatch kommt zu einem alarmierenden Ergebnis: Zwei Drittel aller Jugendlichen konsumieren Energydrinks (Stand: vor Dezember 2025)*. Der regelmäßige Griff zur Dose ist dabei keine harmlose Angewohnheit. Die Studie verweist auf konkrete medizinische Folgen, die mit dem Konsum in Verbindung gebracht werden:

  • Erhöhter Blutdruck
  • Herzrhythmusstörungen
  • Eine signifikant niedrigere Schlafdauer

Diese Befunde unterstreichen die Forderungen von Kinderärztinnen und Kardiologen, die vor den Auswirkungen der hochdosierten Mischung aus Koffein, Zucker und Taurin auf den sich entwickelnden Organismus warnen.

Konsum- und Markttrends

Die gesundheitlichen Bedenken stehen in einem starken Kontrast zur Beliebtheit der Produkte. Der Markt für Energydrinks boomt. Laut foodwatch hat sich der Absatz von Energydrinks in den letzten sechs Jahren fast verdoppelt (Stand: vor Dezember 2025). Diese steile Wachstumskurve findet ihre Entsprechung im Konsumverhalten der jungen Zielgruppe. Fast ein Drittel der 14- bis 18-Jährigen in Deutschland trinkt regelmäßig Energydrinks (Stand: vor Dezember 2025).

Trotz der bekannten Risiken und freiwilliger Hinweise des Handels sind die Getränke für Minderjährige leicht erhältlich. Testkäufe im Rahmen der foodwatch-Recherche belegen, dass auch Elfjährige problemlos Energydrinks kaufen konnten. Diese leichte Zugänglichkeit, kombiniert mit einem aggressiven Marketing, das oft auf Jugendkultur setzt, trägt maßgeblich zur weiten Verbreitung bei. Die Daten zeigen: Es handelt sich nicht um ein Nischenphänomen, sondern um einen fest im Alltag vieler Jugendlicher verankerten Konsum.

Politische Lage und internationale Vorbilder

Während die EU über Gesundheitsrisiken diskutiert, haben einzelne Mitgliedstaaten bereits gehandelt. In der politischen Debatte um Energydrinks zeichnen sich zwei klare Linien ab: konkrete nationale Verbote in Teilen Europas und eine zögerlichere, beratende Phase in Deutschland, die von Empfehlungen verschiedener Gremien geprägt ist.

Internationale Regelungen

Einige europäische Länder setzen nicht auf freiwillige Appelle, sondern auf gesetzliche Verbote. Polen, Lettland und Litauen haben Altersgrenzen von 18 Jahren für Energydrinks eingeführt. Für Polen gilt diese Regelung seit Jahresbeginn 2025 (Stand: Januar 2025)*. Eine solche Altersgrenze bedeutet in der Praxis ein Verkaufsverbot an Minderjährige und verpflichtet Händler zur Alterskontrolle, ähnlich wie bei Tabak oder Alkohol. Diese nationalen Alleingänge zeigen, dass der politische Wille zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor den Risiken der Getränke in Teilen der EU bereits in konkretes Recht gegossen wurde.

Debatte in Deutschland

In Deutschland verläuft der Prozess anders. Bislang existiert kein entsprechendes Gesetz. Stattdessen sammeln und bewerten politische Gremien Informationen. So hat der Deutsche Bundestag seine Wissenschaftlichen Dienste mit der Erstellung eines Sachstands zu Altersbeschränkungen beauftragt*. Dieses Dokument stellt unter anderem fest, dass es in einigen anderen EU-Mitgliedstaaten bereits gesetzliche Verbote gibt.

Die Forderung nach einer solchen Regelung ist dabei nicht neu. Fachgesellschaften und Verbraucherschützer positionieren sich seit Jahren klar. Die Gesellschaft der Europäischen Kinderkardiologen, Expertinnen und Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Verbraucherzentrale Bundesverband sprechen sich seit langem für eine Altersgrenze aus*.

Ein konkretes politisches Signal kam vom Bürgerrat „Ernährung im Wandel“. Dieses vom Bundestag einberufene Gremium empfiehlt eine Altersgrenze von mindestens 16 Jahren mit einer Überprüfung auf eine Erhöhung auf 18 Jahre nach wissenschaftlicher Begutachtung. Zusätzlich sprachen sich die Bürgerinnen und Bürger für gut sichtbare Warnhinweise auf den Produktvorderseiten aus*. Diese Empfehlung zeigt einen möglichen Kompromissweg auf, der eine sofortige Beschränkung mit einer wissenschaftlich begleiteten Evaluierung verbindet.

Altersgrenze für Energydrinks: Zwischen Schutz und Umsetzung

Die Forderung nach einer Altersgrenze für Energydrinks wirft grundlegende Fragen auf: Wie wirksam wäre ein Verbot im Alltag, und welche Argumente stehen dem entgegen? Die Debatte bewegt sich zwischen dem klaren Ziel des Jugendschutzes und praktischen sowie prinzipiellen Einwänden.

Gesundheitsexperten sehen dringenden Handlungsbedarf. Ein Report von foodwatch weist auf den verbreiteten Konsum von Energydrinks unter Jugendlichen hin*. Die gesundheitlichen Folgen sind belegt: Der Konsum kann zu erhöhtem Blutdruck, Herzrhythmusstörungen und einer signifikant niedrigeren Schlafdauer führen. Diese Risiken sind der Grund, warum sich die Gesellschaft der Europäischen Kinderkardiologen, Expertinnen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Verbraucherzentrale Bundesverband seit Jahren für eine Altersgrenze aussprechen*.

Durchsetzung & Alltag

Doch selbst wenn eine gesetzliche Regelung käme, bliebe die Frage der praktischen Umsetzung. Ein Verbot an der Kasse zu kontrollieren, stellt Händler vor Herausforderungen. Wie unterscheidet man einen 16- von einem 18-Jährigen zuverlässig? Testkäufe im Vorfeld der Debatte lieferten ein ernüchterndes Ergebnis: Sie belegten, dass auch Elfjährige problemlos Energydrinks kaufen konnten (Stand: vor Dezember 2025)*. Dies deutet auf erhebliche Kontrollprobleme hin, die die Wirksamkeit einer Altersgrenze infrage stellen könnten. Kritiker einer Regulierung führen zudem Markt- und Freiheitsargumente ins Feld: Sie sehen in einem Verbot einen unverhältnismäßigen Eingriff in die Entscheidungsfreiheit von Jugendlichen und ihrer Eltern sowie einen ungerechtfertigten Eingriff in den Wettbewerb.

Nächste Schritte

Die politische Diskussion ist in Bewegung. Die Anhörung im EU-Parlament im Dezember 2025 hat den Weg für weitere Schritte geebnet. Auf europäischer Ebene könnte die Debatte zu einer harmonisierten Regelung führen, ähnlich wie sie bereits in Mitgliedsstaaten wie Polen, Lettland und Ungarn existiert. In Deutschland liegt der nächste logische Schritt in einer wissenschaftlichen Begutachtung der Sachlage durch die zuständigen Bundestagsausschüsse. Eine mögliche Gesetzesinitiative würde dann eine Abwägung zwischen dem dokumentierten Gesundheitsrisiko und den genannten praktischen sowie wirtschaftlichen Bedenken erfordern.

Für Politik und Verbraucher bleiben zentrale Fragen offen:

  • Wie lässt sich eine Altersgrenze im Einzelhandel praktikabel und wirksam umsetzen?
  • Wo verläuft die Grenze zwischen staatlichem Schutz und elterlicher Verantwortung?
  • Sollte eine Regelung national erfolgen oder auf EU-Ebene harmonisiert werden?

Die Antworten darauf werden den weiteren Weg der Diskussion bestimmen.

Die nachfolgenden Informationen und Zitate stammen aus einer Pressemitteilung von foodwatch e.V.

Weiterführende Quellen:

8 Antworten

  1. … ich habe das Gefühl, dass viele Jugendliche nicht verstehen was sie trinken… Eine Altersgrenze könnte da helfen… Aber wo ziehen wir die Grenze zwischen Schutz und Freiheit? Gibt es da Ideen?

  2. „Herzrhythmusstörungen“ klingt sehr ernst! Ich habe Kinder und mache mir Sorgen über den Konsum von Energydrinks bei Jugendlichen. Was meint ihr: Sollten Eltern mehr Verantwortung übernehmen oder sollte der Staat regulieren?

  3. Die Zahlen sind alarmierend! Zwei Drittel der Jugendlichen trinken also Energydrinks? Das kann doch nicht sein! Was können wir als Gesellschaft tun, um dem entgegenzuwirken? Ich finde die Diskussion darüber wichtig.

    1. Das ist echt erschreckend! Wir müssen auf jeden Fall mehr über die Risiken informieren und vielleicht auch Schulen einbeziehen. Was denkt ihr über Aufklärungskampagnen?

    2. Ich bin ganz deiner Meinung! Aufklärung ist der Schlüssel, aber auch gesetzliche Maßnahmen sind nötig. Vielleicht könnten wir Vorschläge an unsere Politiker senden?

  4. Es ist beunruhigend zu sehen, wie viele Jugendliche Energydrinks konsumieren. Warum ist Deutschland so langsam in dieser Debatte? Könnte eine Altersgrenze wirklich helfen? Ich hoffe, wir bekommen bald Antworten.

    1. Ja, ich denke auch das eine Altersgrenze sinnvoll wäre. Aber wie lässt sich das in den Geschäften umsetzen? Das Beispiel von Polen zeigt, dass es möglich ist, aber die Umsetzung könnte schwierig sein.

  5. Ich finde es wichtig das man über die gesundheitlichen Risiken von Energydrinks redet. Die Ärzte warnen ja nicht umsonst. Es wäre gut zu wissen, wie andere Länder das Problem angegangen sind.

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