– Bund der Versicherten warnt vor teuren Geräteschutzversicherungen beim Black Friday.
– Viele Policen erstatten nur den Zeitwert und haben hohe Selbstbeteiligungen.
– Verbraucher sollten unabhängig beraten lassen und Angebote vergleichen.
Black Friday: Gesunde Skepsis lohnt sich – auch bei Geräteschutzversicherungen
Am 25. November 2025 warnt der Bund der Versicherten e. V. (BdV) vor teuren Zusatzpolicen beim Elektronikkauf.* Die Verbraucherorganisation bezieht sich dabei auf eine Online-Umfrage des Preisvergleichsportals idealo unter rund 2.000 Personen zwischen 18 und 64 Jahren (Stand: Oktober 2025). Die Ergebnisse zeigen eine wachsende Skepsis gegenüber Black-Friday-Angeboten: 47 Prozent der Befragten halten viele Angebote für Ladenhüter, 69 Prozent vermuten, dass Händler die Preise vorab erhöhen, um scheinbare Schnäppchen zu erzeugen.
„Diese gesunde Skepsis sollten Verbraucherinnen und Verbraucher auch bei Geräteschutzversicherungen an den Tag legen“,* sagt BdV-Vorständin Bianca Boss. „Was auf den ersten Blick nach Sicherheit klingt, entpuppt sich oft als überflüssige und teure Zusatzleistung.“* Elektronikartikel werden besonders häufig zusammen mit Versicherungen angeboten – ein Konzept, das als Embedded Insurance bezeichnet wird. Die BdV-Expertin warnt: „Das führt dazu, dass Kundinnen und Kunden teilweise gar nicht bemerken, dass sie gerade einen Versicherungsvertrag abgeschlossen haben.“*
Embedded Insurance: Vom Nischenphänomen zum Massenmarkt
Die Integration von Versicherungen in den Elektronikhandel hat sich in den letzten Jahren zu einem festen Bestandteil des deutschen Konsumalltags entwickelt. Was als Randerscheinung begann, ist heute ein etablierter Vertriebsweg, der jedoch zunehmend kritische Fragen aufwirft.
Entwicklung der Verbreitung
Die Zahlen zeigen eine deutliche Wachstumskurve: Bereits 2021 buchten 17 Prozent der Online-Käuferinnen und -Käufer beim Elektronik-Einkauf eine Versicherung direkt mit (Stand: Februar 2022). Bis 2024 stieg dieser Anteil auf rund 22 Prozent aller Versicherungsabschlüsse im Elektronikbereich (Stand: Oktober 2024). Die aktuelle Entwicklung verdeutlicht den Trend: Im Jahr 2025 gaben bereits 29 Prozent der Befragten an, schon einmal unwissentlich eine Geräteschutz- oder Embedded-Insurance-Police beim Elektronikkauf abgeschlossen zu haben (Stand: Oktober 2025)*.
Diese Entwicklung lässt sich anhand folgender Werte nachvollziehen:
| Jahr | Wert | Einheit | Quelle/Stand |
|---|---|---|---|
| 2021 | 17 % | Online-Käufer:innen | Bitkom, Februar 2022* |
| 2024 | 22 % | Versicherungsabschlüsse | Handelsblatt Research Institute, Oktober 2024* |
| 2025 | 29 % | Befragte mit ungewolltem Abschluss | Handelsblatt, Oktober 2025* |
Warum Embedded Insurance kritisch betrachtet wird
Die steigende Verbreitung geht mit wachsender Skepsis einher. Besonders problematisch ist die Tatsache, dass viele Verbraucherinnen und Verbraucher die Versicherungspolicen oft gar nicht als solche erkennen. Die Prämie ist häufig bereits im Gesamtpreis des Produkts enthalten, was zu unbeabsichtigten Vertragsabschlüssen führt.
Hinzu kommen intransparente Konditionen: Im Schadensfall wird meist nur der Zeitwert des Geräts entschädigt, nicht der ursprüngliche Kaufpreis. Bei Elektronikartikeln, die rasch an Wert verlieren, bietet der Versicherungsschutz somit oft keinen angemessenen Schutz. Zusätzlich erschweren zahlreiche Leistungsausschlüsse und eine oft unverhältnismäßig hohe Versicherungsprämie die Attraktivität dieser Policen.
Die Marketingstrategien der Anbieter tragen zur Verwirrung bei: Bezeichnungen wie „PlusSchutz“ verschleiern den Versicherungscharakter und suggerieren einen umfassenden Schutz, der in der Praxis häufig nicht gegeben ist. Diese Entwicklung unterstreicht die Notwendigkeit einer kritischen Auseinandersetzung mit Embedded Insurance-Angeboten.
Statistiken zu Kosten, Leistungsausschluss und Kündigung
Smartphone-Versicherungen werben mit umfassendem Schutz, doch die konkreten Konditionen zeigen ein differenzierteres Bild. Verbraucher zahlen durchschnittlich 60 bis 80 Euro jährliche Prämie (Stand: November 2025). Im Schadensfall kommen zusätzlich Selbstbeteiligungen zwischen 30 und 100 Euro hinzu (Stand: November 2025). Diese Kombination aus laufenden Kosten und Zuzahlungen kann die Wirtschaftlichkeit einer Police schnell infrage stellen, besonders bei günstigeren Geräten.
Kosten und Selbstbeteiligungen
Die finanziellen Aspekte gehen über die reinen Prämien hinaus. Entscheidend ist die Erstattungsgrundlage: Versicherer leisten meist nur den Zeitwert, der bereits nach einem Jahr bis zu 60 Prozent unter dem Kaufpreis liegen kann (Stand: November 2025)*. Bei hochpreisigen Smartphones mit rasantem Wertverfall bedeutet dies eine erhebliche Differenz zwischen ursprünglicher Investition und tatsächlicher Entschädigung.
Leistungsausschlüsse & Erstattung
Die vermeintlich umfassende Absicherung unterliegt klaren Grenzen. Typische Leistungsausschlüsse umfassen vorsätzlich herbeigeführte Schäden, normale Abnutzung sowie Bedienungs- und Softwarefehler (Stand: November 2025)*. Diese Einschränkungen betreffen genau jene Alltagsrisiken, die für viele Verbraucher den Hauptgrund für eine Versicherung darstellen.
Die Kündigungsmodalitäten variieren je nach Anbieter zwischen einem Monat und einem Jahr (Stand: November 2025)*. Diese langen Bindungsfristen erschweren den Wechsel bei unflexiblen Konditionen oder preisgünstigeren Alternativen.
- Durchschnittliche Jahresprämie: 60-80 Euro
- Selbstbeteiligung pro Schaden: 30-100 Euro
- Erstattung: Zeitwert (bis zu 60% Wertverlust nach einem Jahr)
- Kündigungsfristen: 1 Monat bis 1 Jahr
Die Kombination aus regelmäßigen Prämien, Selbstbeteiligungen, eingeschränkter Erstattung und langen Vertragslaufzeiten macht Smartphone-Versicherungen besonders für ältere Geräte oft unwirtschaftlich. Verbraucher sollten diese Faktoren genau gegen die tatsächlichen Risiken ihres Nutzungsverhaltens abwägen.
Eingebettete Versicherungen: Bequemlichkeit mit Nebenwirkungen
Die Integration von Versicherungen in Online-Kaufprozesse zeigt messbare Auswirkungen auf Verbraucherverhalten und Marktdynamik. 29 % der Befragten gaben 2025 an, schon einmal unwissentlich eine Geräteschutz- oder Embedded-Insurance-Police beim Elektronikkauf abgeschlossen zu haben (Stand: Oktober 2025).*
Konsequenzen für Verbraucher
Der Marktanteil eingebetteter Versicherungen hat sich in kurzer Zeit deutlich vergrößert: Von 17 Prozent im Jahr 2021 stieg er auf rund 22 Prozent im Oktober 2024.* Diese beschleunigte Verbreitung geht mit konkreten Problemen für Verbraucherhaushalte einher. Die eingeschränkte Vergleichbarkeit von Angeboten führt dazu, dass Kunden häufig überhöhte Prämien akzeptieren, ohne alternative Konditionen prüfen zu können. Besonders bei Elektrokleingeräten stellt sich die Wirtschaftlichkeit dieser Policen infrage, da im Schadensfall meist nur der stark geminderte Zeitwert erstattet wird.
Klagen und Verbraucherbeschwerden
Seit Juni 2024 häufen sich Beschwerden über undurchsichtige Kündigungsbedingungen und unklare Kostenstrukturen. Verbraucherschützer verzeichnen eine zunehmende Zahl von Fällen, in denen Versicherungen als Produktfeature getarnt werden und die eigentlichen Vertragsbedingungen erst nach Abschluss ersichtlich sind. Namen wie „PlusSchutz“ verschleiern oft den Versicherungscharakter und suggerieren einen umfassenden Schutz, der in der Praxis häufig nicht gegeben ist.
Die gesellschaftliche Relevanz dieser Entwicklung reicht über individuelle Unzufriedenheit hinaus. Der eingeschränkte Wettbewerb zwischen Versicherungsanbietern führt zu homogenen und oft überteuerten Produkten. Zudem untergräbt die Intransparenz bei Vertragsabschlüssen das Vertrauen in Handel und Versicherungswesen langfristig. Für viele Haushaltsbudgets bedeuten die ungeplanten Versicherungsprämien eine zusätzliche finanzielle Belastung, die im schlimmsten Fall doppelt wirkt: durch die regelmäßige Prämienzahlung und durch ausbleibende Leistungen im Schadensfall.
Ausblick & praktische Hinweise für Verbraucher
Wer beim Kauf elektronischer Geräte auf zusätzlichen Schutz setzen möchte, sollte einige grundlegende Punkte beachten. Die Entscheidung für oder gegen eine Geräteversicherung erfordert sorgfältige Abwägung – besonders bei vermeintlich günstigen Angeboten während Rabattaktionen.
Kurzfristige Maßnahmen für Käufer
Verbraucher können sich mit einfachen Schritten vor unnötigen Kosten schützen. Eine transparente Kostenaufstellung bildet die Basis: Lassen Sie sich alle anfallenden Gebühren separat ausweisen und prüfen Sie, ob die Versicherungsprämie im Gesamtpreis enthalten ist.
Besonderes Augenmerk verdienen die Versicherungsbedingungen. Laut CHECK24 (Stand: November 2025)* sollten Interessenten auf versteckte Ausschlüsse achten – viele Policen decken beispielsweise keine Vorschäden oder bestimmte Beschädigungsarten ab. Ebenso wichtig ist die Klärung der Selbstbeteiligung, die im Schadensfall zusätzlich anfällt.
Die Stiftung Warentest weist darauf hin (Stand: November 2025)*, dass viele Anbieter lediglich den Zeitwert des Geräts erstatten. Bei schnell wertverlierender Elektronik kann dies bedeuten, dass die Versicherungsleistung weit unter dem ursprünglichen Kaufpreis liegt.
Drei praktische Tipps für Verbraucher:
- Unabhängige Beratung einholen und Angebote vergleichen
- Im Kaufprozess nicht zu schnellen Entscheidungen drängen lassen
- Im Zweifel das Geld sparen und bei Schäden über Reparatur entscheiden
Regulatorische Fragen
Die dokumentierten Verbraucherbeschwerden beim Verbraucherzentrale Bundesverband (Stand: Juni 2024)* zeigen Handlungsbedarf auf regulatorischer Ebene. Verbraucherschützer fordern stärkere Transparenzpflichten, insbesondere bei Embedded Insurance – jenen Versicherungen, die direkt in den Kaufprozess integriert sind.
Politisch diskutiert werden könnte künftig die Einführung einheitlicher Kündigungsregeln. Viele Verbraucher berichten von erschwerten Kündigungsbedingungen, da die Versicherungen als Paketbestandteil verkauft werden. Klare Regelungen zu Widerrufsfristen und Kündigungsmodalitäten könnten hier Abhilfe schaffen.
Ebenso im Raum steht die Forderung nach besserer Kennzeichnungspflicht. Bezeichnungen wie "PlusSchutz" verschleiern oft den Versicherungscharakter der Produkte.
Die Entwicklung hin zu mehr Verbraucherschutz zeichnet sich bereits ab – doch bis verbindliche Regelungen greifen, bleibt Eigenverantwortung der wichtigste Schutzmechanismus.
Die folgenden Informationen und Zitate in diesem Beitrag stammen aus einer Pressemitteilung des Bund der Versicherten e. V. (BdV).
Weiterführende Quellen:
- „Im Jahr 2021 buchten etwa 17 % der Online-Käufer:innen in Deutschland beim Elektronik-Einkauf eine Versicherung direkt mit (embedded insurance) (Stand: Februar 2022).“ – Quelle: https://www.bitkom.org/sites/main/files/2022-02/220209_lf_embedded-insurance-2.pdf
- „Der Anteil von Embedded-Insurance-Verträgen im Elektronikbereich in Deutschland stieg 2024 auf rund 22 % aller Versicherungsabschlüsse bei gängigen Händlern (Stand: Oktober 2024).“ – Quelle: https://research.handelsblatt.com/wp-content/uploads/2024/10/2024-HRI_HDI_Embedded-Insurance.pdf
- „29 % der Befragten gaben 2025 an, schon einmal unwissentlich eine Geräteschutz- oder Embedded-Insurance-Police beim Elektronikkauf abgeschlossen zu haben (Stand: Oktober 2025).“ – Quelle: https://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/elektronikversicherung-umfrage-ungewollt/
- „Die durchschnittliche jährliche Prämie für Smartphone-Versicherungen liegt 2025 bei etwa 60 bis 80 Euro, mit Selbstbeteiligungen von 30 bis 100 Euro pro Schadensfall (Stand: November 2025).“ – Quelle: https://www.check24.de/handyversicherung/
- „Geräteschutzversicherungen schließen häufig vorsätzlich herbeigeführte Schäden, normale Abnutzung sowie Bedienungs- und Softwarefehler aus (Stand: November 2025).“ – Quelle: https://www.check24.de/handyversicherung/
- „Kündigungsfristen bei Geräteschutzversicherungen variieren 2025 je nach Anbieter zwischen einem Monat und einem Jahr; manche Policen sind nur jährlich kündbar (Stand: November 2025).“ – Quelle: https://www.test.de/Handyversicherung-im-Vergleich-5821510-0/
- „Die meisten Geräteschutzversicherungen erstatten 2025 nur den Zeitwert von Elektronikgeräten, der nach einem Jahr bis zu 60 % unter dem Kaufpreis liegen kann (Stand: November 2025).“ – Quelle: https://www.test.de/Handyversicherung-im-Vergleich-5821510-0/
- „Verbraucherbeschwerden über undurchsichtige Kündigungsbedingungen und unklare Kosten bei eingebetteten Elektronikversicherungen haben sich 2024 gehäuft (Stand: Juni 2024).“ – Quelle: https://www.vzhh.de/themen/versicherung/elektronikversicherung
5 Antworten
Der Artikel bringt interessante Punkte zur Embedded Insurance zur Sprache. Oft merkt man gar nicht, dass man einen Vertrag unterschreibt! Was denkt ihr über die Zukunft dieser Versicherungsarten?
Die Warnungen vor diesen Zusatzversicherungen sind sehr wichtig. Man denkt oft, man kauft Sicherheit, aber bekommt nur einen hohen Preis für wenig Leistung. Wie kann man sich am besten informieren?
Ich habe auch mal so eine Versicherung abgeschlossen und war enttäuscht über die Leistungen! Man muss echt aufpassen! Gibt es spezielle Vergleichsportale für solche Versicherungen?
Ich finde den Artikel sehr aufschlussreich. Es ist wirklich wichtig, beim Kauf von Elektronik vorsichtig zu sein. Besonders die hohen Selbstbeteiligungen sind oft nicht klar erkennbar. Hat jemand schon Erfahrungen mit solchen Policen gemacht?
Ich stimme zu, viele Leute wissen nicht, dass sie beim Kauf von Geräten auch eine Versicherung abschließen können. Ich denke, das könnte man besser erklären in den Geschäften. Wo kann ich mehr Informationen darüber finden?