Elektronische Patientenakte (ePA) in Krankenhäusern: Warum der Start 2026 stockt und was auf Patienten zukommt

Krankenhäuser in Deutschland treiben die Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) voran, sehen sich dabei aber mit erheblichen technischen und organisatorischen Hürden konfrontiert. Laut einer aktuellen Umfrage haben zwar 40 Prozent der Häuser mit der Pilotierung begonnen, viele warten jedoch noch auf notwendige Software-Updates. Die flächendeckende Nutzung verzögert sich, wodurch einige Kliniken ab April mit finanziellen Kürzungen rechnen müssen.
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– 40 Prozent der Krankenhäuser pilotieren die ePA, ein deutlicher Anstieg gegenüber sieben Prozent im Spätsommer 2025.
– Die flächendeckende Einführung wird durch langsame Software-Updates und zu ambitionierte Zeitpläne verzögert.
– 43 Prozent der Häuser erwarten eine krankenhausweite Nutzung der ePA erst ab dem dritten Quartal 2026.

ePA in Kliniken: Start mit vielen Hürden

Die Einführung der elektronischen Patientenakte kommt in den Krankenhäusern voran – aber deutlich mühsamer als politisch geplant. Das zeigt eine Blitzumfrage des Deutschen Krankenhausinstituts unter 489 Krankenhäusern vom 25.03.2026. Demnach haben inzwischen 40 Prozent der Häuser mit der Pilotierung der ePA in den Versorgungsprozessen begonnen. Im Spätsommer 2025 lag dieser Wert noch bei sieben Prozent. Zugleich bleibt der Weg zur breiten Nutzung steinig: 90 Prozent der Krankenhäuser haben zwar die technische Inbetriebnahme gestartet, doch 18 Prozent verfügen auch mehr als fünf Monate nach der bundesweiten Nutzungsverpflichtung noch immer nicht über ein Update ihres Krankenhausinformationssystems.

Für Kliniken ist das mehr als ein technisches Detail. Seit Oktober 2025 ist die Nutzung der elektronischen Patientenakte für Arztpraxen und Krankenhäuser verpflichtend. Gleichzeitig drohen Häusern ab 1. April 2026 finanzielle Nachteile, wenn sie TI-Module wie die ePA nicht unterstützen. Damit prallen politische Fristen, unvollständige Software und der eng getaktete Klinikalltag direkt aufeinander.

Die stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Prof. Dr. Henriette Neumeyer, beschreibt den Konflikt so: „Die Krankenhäuser leisten ihren Teil der Hausaufgaben, aber die Lösungen in den Primärsystemen sind noch nicht gut nutzbar. Wenn grundlegende Funktionen wie der automatisierte Datentransfer oder praxistaugliche Lösungen zur Umsetzung von Widersprüchen fehlen, erzeugt das im ohnehin belasteten Klinikalltag einen Mehraufwand, der die Akzeptanz der ePA gefährdet“.

Warum die ePA-Einführung in Kliniken stockt

Der zentrale Engpass liegt laut Umfrage weniger beim grundsätzlichen Willen der Häuser als bei der Praxistauglichkeit der Systeme. Wenn Softwarehersteller nötige Updates nur verzögert ausliefern, können Kliniken die ePA nicht einfach in ihre Abläufe einbauen. Hinzu kommt, dass Funktionen fehlen, die im Alltag entscheidend wären.

Dazu gehören etwa Automatismen, mit denen Dokumente direkt aus dem Krankenhausinformationssystem in die Patientenakte übertragen werden können. Fehlen solche Funktionen, müssen Unterlagen händisch hochgeladen werden. Was nach einer kleinen Zusatzaufgabe klingt, bedeutet in der Versorgung oft zusätzliche Arbeitsschritte in ohnehin komplexen Abläufen. Gerade im Krankenhaus, wo viele Berufsgruppen mit unterschiedlichen Systemen und Prozessen zusammenarbeiten, lässt sich eine neue digitale Anwendung deshalb nicht per Knopfdruck einführen.

Nach Einschätzung der Krankenhäuser war der Zeitplan von Anfang an zu ambitioniert. Die Umfrage verweist darauf, dass die Komplexität der Krankenhausprozesse nicht ausreichend berücksichtigt worden sei. Aus Sicht der Häuser erfolgte auch die Eignungsfeststellung für den bundesweiten Rollout zu früh. Viele Pilothäuser hätten zu diesem Zeitpunkt wegen der aufwendigen technischen Inbetriebnahme noch gar keine belastbaren Erfahrungen mit der ePA-Nutzung in der Versorgung sammeln können.

Erschwerend kommen rechtliche Anforderungen hinzu. Kliniken müssen nicht nur die technische Anbindung sicherstellen, sondern auch mit Widersprüchen von Patientinnen und Patienten gegen die ePA umgehen können. Zudem müssen besonders sensible Daten, etwa gendiagnostische Befunde, geschützt werden. Auch dafür brauchen die Systeme praktikable Lösungen, die sich in den Versorgungsalltag integrieren lassen.

Pflicht, Fristen und Druck auf die Häuser

Dass viele Krankenhäuser trotz offener Baustellen mit Hochdruck an der Einführung arbeiten, hat auch mit dem regulatorischen Rahmen zu tun. Die ePA-Nutzung ist seit Oktober 2025 verpflichtend. Damit wurde aus einem Digitalisierungsprojekt ein verbindlicher Bestandteil der Versorgung.

Der Druck steigt zusätzlich, weil Krankenhäuser den Telematikzuschlag verlieren, wenn sie bis zum 1. April 2026 TI-Module wie die ePA nicht unterstützen. Für die Häuser entsteht damit eine doppelte Belastung: Sie müssen Fristen einhalten, obwohl die technische Lieferfähigkeit nicht vollständig in ihrer Hand liegt. Genau darin zeigt sich ein strukturelles Problem der Digitalisierung im Gesundheitswesen: Politische Vorgaben können schneller gesetzt werden, als Software in der Versorgung tatsächlich stabil nutzbar wird.

Das entlastet die Krankenhäuser nicht von ihrer Verantwortung, erklärt aber, warum der Umsetzungsdruck so hoch ist. Wenn technische Abhängigkeiten, organisatorische Umstellungen und finanzielle Risiken zusammenkommen, wird die ePA-Einführung für viele Häuser zu einem Transformationsprozess unter Zeitdruck.

Was Patientinnen und Patienten 2026 erwarten können

Trotz aller Startprobleme bleibt die elektronische Patientenakte gesundheitspolitisch ein zentrales Projekt. Ihr Nutzen hängt allerdings daran, dass Informationen im Alltag tatsächlich zuverlässig verfügbar sind und ohne zusätzliche Reibungsverluste verarbeitet werden können. Je besser die Systeme zusammenspielen, desto eher kann die ePA dazu beitragen, Informationen im Behandlungsverlauf schneller bereitzustellen und Doppelarbeit zu vermeiden.

Für Patientinnen und Patienten dürfte die ePA im Laufe von 2026 noch sichtbarer werden. Sie soll um einen elektronischen Medikationsplan mit Dosierungs- und Einnahmehinweisen ergänzt werden. Gerade an den Schnittstellen zwischen ambulanter und stationärer Versorgung könnte das relevant werden, wenn behandelnde Stellen auf konsistente Angaben zugreifen können.

Ob dieses Potenzial im Klinikalltag ankommt, hängt aber von denselben Voraussetzungen ab, die den Start derzeit erschweren: funktionierende Software, praktikable Prozesse und ausreichend Zeit für die Integration in die Versorgung.

Ausblick: Rollout zieht sich bis in den Herbst

Wie lang der Umbau noch dauern dürfte, zeigt der Blick auf die Erwartungen der Häuser. Zum Stand 25.03.2026 gehen 43 Prozent der befragten Krankenhäuser davon aus, dass eine krankenhausweite Nutzung der ePA erst ab dem dritten Quartal 2026 möglich sein wird. Von einer kurzfristig flächendeckenden Anwendung kann also noch keine Rede sein.

Prof. Dr. Henriette Neumeyer formuliert den Anspruch und das Problem gleichermaßen: „Die Einführung der ePA im Krankenhaus ist ein echtes Transformationsprojekt, im Rahmen dessen viele prozessuale und organisatorische Anpassungen vorgenommen werden müssen. Die Krankenhäuser können nicht einfach einen Schalter umlegen, und dann funktioniert es. Nach der späten Bereitstellung der Lösungen benötigen die Krankenhäuser nun Zeit für die technische Inbetriebnahme und prozessuale Integration der ePA, damit sie ihr Potential in der Krankenhausversorgung entfalten kann. Alle Beteiligten haben erkannt, dass die technische Inbetriebnahme der ePA und ihre Einbindung in die Abläufe eines Krankenhauses deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen als ursprünglich angenommen. Künftige Umsetzungsfristen sollten diesem Umstand stärker Rechnung tragen, um unrealistische Erwartungen zu vermeiden und die Akzeptanz der ePA zu erhöhen“.

Wie groß die Tragweite dieser Verzögerungen ist, zeigt ein Blick auf den Sektor: Die Deutsche Krankenhausgesellschaft verweist für 2023 auf 1.841 Krankenhäuser, die jährlich 17,5 Millionen stationäre Patientinnen und Patienten sowie rund 24 Millionen ambulante Behandlungsfälle versorgen. In den Häusern arbeiten 1,4 Millionen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, der Jahresumsatz liegt bei 150 Milliarden Euro. Die ePA ist damit nicht nur ein IT-Projekt, sondern Teil eines tiefgreifenden Umbaus in einem zentralen Bereich des Gesundheitswesens – und dieser Umbau wird offenkundig länger dauern als zunächst vorgesehen.

Dieser Beitrag stützt sich auf Informationen aus einer Pressemitteilung der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG).

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