Ein einzelner Sitz im geplanten Stiftungsrat der Spitzensport-Agentur sorgt für Streit. Für die Athletinnen und Athleten geht es dabei nicht nur um ein Symbol, sondern um Mitsprache bei der künftigen Steuerung des Leistungssports.
Athleten Deutschland fordert deshalb vom Bundestag, das Sportfördergesetz in den laufenden Beratungen noch anzupassen. Die Organisation will den vorgesehenen Platz im Stiftungsrat für sich sichern.
Was das Sportfördergesetz bisher vorsieht
Nach dem Regierungsentwurf vom 25. März 2026 soll der Stiftungsrat aus neun Mitgliedern bestehen: fünf für den Bund, drei für den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und ein Mitglied für die Länder. Ein eigener gesetzlicher Sitz für eine Athletenvertretung ist darin bislang nicht vorgesehen.
Der Stiftungsrat soll die Grundlinien der neuen Agentur festlegen und ihre Arbeit beaufsichtigen. Einzelne Förderentscheidungen sollen dagegen bei einem unabhängigen Vorstand liegen. Die Besetzung des Gremiums ist deshalb mehr als eine Formalie: Wer dort sitzt, kann Grundsatzfragen mitprägen.
Warum Athleten Deutschland auf den Platz pocht
Athleten Deutschland ist nach eigenen Angaben die vom Bund geförderte Vertretung der Bundeskaderathletinnen und -athleten. Die Organisation bringt regelmäßig die Athletenperspektive in Gesetzgebungsverfahren ein und wird dazu auch im Bundestag als Sachverständige angehört.
Pia Greiten, Präsidentin von Athleten Deutschland, sagte, die Koalition sehe zwar erstmals einen Sitz einer Athletenvertretung im Stiftungsrat vor. Dass Athleten Deutschland diesen Platz nicht erhalten solle, stoße aber auf „großes Unverständnis“. Die Abgeordneten sollten die „Willensbekundung der Athletinnen und Athleten“ respektieren und im Sinne der bestmöglichen Besetzung entscheiden.
Auch Johannes Herber, Geschäftsführer von Athleten Deutschland, äußerte sich deutlich. Eine Entscheidung für die Athletenkommission würde aus seiner Sicht „die Zeit zurückdrehen“ und die Athletenvertretung in Deutschland „um eine Dekade zurückwerfen“, sagte er. Er verweist darauf, dass die Athletenkommission 2017 selbst den Impuls zur Gründung von Athleten Deutschland gegeben habe.
47 Verbände unterstützen die Forderung
Nach Angaben von Athleten Deutschland haben sich Athletenvertreterinnen und -vertreter aus 47 Spitzenverbänden in einer Gemeinsamen Erklärung für den Sitz von Athleten Deutschland ausgesprochen. Dazu zählen demnach auch die Athletenkommissionen des DOSB und des Deutschen Behindertensportverbands (DBS).
Das ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil damit nicht nur eine einzelne Organisation für mehr Gewicht in dem Gremium wirbt. Die Unterstützung zeigt auch, dass die Frage der Repräsentation im Spitzensport breiter diskutiert wird. Eine endgültige Entscheidung ist damit aber noch nicht gefallen.
Warum die Gremienfrage für den Spitzensport wichtig ist
Für den Sportalltag ist die Debatte deshalb relevant, weil Gremienbesetzungen in solchen Reformen oft darüber entscheiden, welche Stimmen in Grundsatzfragen gehört werden. Gerade bei einer neuen Agentur kann das Vertrauen in die Struktur davon abhängen, wie ausgewogen ihre Beteiligung organisiert ist.
Wenn du in einem Verein oder Verband Verantwortung trägst, zeigt der Fall auch, wie stark die Besetzung von Gremien über Einfluss und Legitimation entscheidet. Bei Reformen im Spitzensport geht es nicht nur um Zuständigkeiten, sondern auch darum, ob Betroffene sich in der neuen Struktur wiederfinden.
Jetzt entscheidet die parlamentarische Debatte
Der Bundestag berät das Sportfördergesetz weiter. Wie die Abgeordneten die offene Frage lösen, dürfte zeigen, welchen Stellenwert sie der unmittelbaren Vertretung von Athletinnen und Athleten im neuen Spitzensport-System geben.
Noch offen ist, ob der Gesetzgeber den Entwurf in diesem Punkt ändert. Erst daran wird sich zeigen, ob die Reform nicht nur organisatorisch, sondern auch in ihrer Beteiligungspraxis überzeugt.