– Deutsche Netzbetreiber erhalten regulatorisch höchstens 4,28% EK-Zins statt 6,65% EU-Durchschnitt.
– Bis 2035 sind über 200 Milliarden Euro Netzinvestitionen für Modernisierung notwendig.
– Höherer, wettbewerbsfähiger Eigenkapitalzins dringend nötig, um internationale Investoren anzulocken.
Kapital für den Netzausbau: Dringender Handlungsbedarf bei der Eigenkapitalverzinsung
Die aktuelle Diskussion um die Verzinsung von Eigenkapital bei Investitionen in Energienetze offenbart erhebliche Missverständnisse. „Unverständlich ist, dass in der Diskussion um die Kapitalverzinsung für Netzinvestitionen häufig Begriffe durcheinandergeraten. Die regulatorische Verzinsung unterscheidet sich grundlegend von der handelsrechtlichen Rendite.*“
Während die handelsrechtliche Rendite individuell nach unternehmensspezifischen Kriterien berechnet wird, basiert die regulatorische Verzinsung auf einer behördlich festgelegten Größe. Sie gibt vor, in welchem Umfang das eingesetzte Eigenkapital verzinst werden darf und wird nicht frei am Markt erwirtschaftet. „Während die HGB-Rendite unternehmensspezifisch ist, sich nach anderen Maßstäben richtet und zudem durch buchhalterische Einmaleffekte verzerrt werden kann, handelt es sich bei der regulatorischen Verzinsung um eine behördlich festgelegte Größe. Sie wird nicht frei am Markt erwirtschaftet, sondern bestimmt, in welchem Umfang das eingesetzte Eigenkapital verzinst werden darf.*“
Der Wert eines Netzbetreibers für Investoren richtet sich daher maßgeblich nach den regulatorischen Vorgaben. Die entscheidenden Kriterien setzen sich zusammen aus dem kalkulatorischen Anlagevermögen und dem festgelegten Eigenkapitalzins. Dies bildet die zentrale Grundlage für die Investitionsentscheidung. „Für Investoren in Energienetze ist deshalb vor allem der Wert des Netzbetreibers nach regulatorischen Maßstäben ausschlaggebend. Dieser ergibt sich im Wesentlichen aus dem kalkulatorischen Anlagevermögen und dem regulatorisch festgelegten Eigenkapitalzins – und ist damit die entscheidende Grundlage für Investitionsentscheidungen.*“
Der BDEW warnt eindringlich davor, an dieser Stelle zu sparen: „Wir dürfen jetzt nicht am falschen Ende sparen. Denn am Ende können wir uns keinen Deutsche-Bahn-Effekt leisten, weil zu wenig in Infrastruktur investiert wurde.*“ Tatsächlich sichert die hervorragende Versorgungsqualität Deutschlands den Wirtschaftsstandort und die Lebensqualität seiner Bürgerinnen und Bürger. Dabei muss die Netzinfrastruktur so ausgestattet sein, dass sie mehr leisten kann als je zuvor: Sie muss mehr Leitungen, mehr Anschlüsse, stärkere Digitalisierung, höhere Flexibilität sowie verbesserte Geschwindigkeit und Sicherheit bieten. Die Herausforderung ist immens, denn bis 2035 sind Investitionen von über 200 Milliarden Euro notwendig. Daraus folgt, dass die Investitionssummen der Netzbetreiber auf das Vielfache steigen müssen. „Das heißt, die jährlichen Investitionen der Netzbetreiber müssen sich teilweise verdreifachen.*“
Um dieses Kapital zu mobilisieren, sind internationale Geldgeber unerlässlich. Sie müssen Vertrauen in den deutschen Netzmarkt gewinnen, der durch die Bundesnetzagentur streng reguliert wird. Die sogenannten Anreizregeln definieren detailliert, wie Mittel eingesetzt und welche Erträge erlaubt sind. Dieses komplexe Regulierungssystem befindet sich derzeit in einer Überarbeitung. „Um das notwendige Kapital zu mobilisieren, braucht es auch internationale Kapitalgeber, die bereit sind in deutsche Netze zu investieren. Gleichzeitig sind Netzbetreiber durch die Bundesnetzagentur reguliert, müssen sich also an detaillierte Vorgaben zum Mitteleinsatz und zu den ihnen erlaubten Erträgen halten. Dieses gesamte Feld der sogenannten Anreizregulierung ist komplex und wird aktuell von der Bundesnetzagentur überarbeitet.*“
Entscheidend für die Kapitalbeschaffung ist eine Anreizregulierung, die fair und wettbewerbsfähig auf internationaler Ebene ist. Deutschland liegt mit einer zulässigen regulatorischen Eigenkapitalverzinsung von 4,28 Prozent deutlich unter dem europäischen Durchschnitt von 6,65 Prozent. Der Europäische Rechnungshof bestätigt diesen Mangel, der dazu führt, dass Investoren andere Standorte bevorzugen und der dringend benötigte Netzausbau verzögert wird. „Hierzu gehört auch die Anhebung des Eigenkapitalzins (EK-Zins), denn derzeit sind wir bei der regulatorischen EK-Verzinsung Schlusslicht in Europa. Das bestätigt auch der Europäische Rechnungshof. Während der internationale Durchschnitt bei 6,65 Prozent liegt, dürfen Netzbetreiber in Deutschland nicht mehr als 4,28 Prozent kalkulieren. Dies bedeutet im Ergebnis, dass andere Standorte als Deutschland für Investoren attraktiver sind. Hier braucht es dringend eine Anpassung durch die Bundesnetzagentur, da sonst der dringend notwendige Netzausbau ausgebremst wird.*“
Die Forderung nach einer angemessenen Eigenkapitalverzinsung steht somit im Zentrum einer wirtschaftlich bedeutenden Debatte über die Zukunft der deutschen Energienetze und der Wettbewerbsfähigkeit des Standortes.
Milliardeninvestitionen für den Stromnetzausbau: Anreizregulierung, Kapitalverzinsung und Herausforderungen
Der Ausbau der Stromnetze in Deutschland erfordert erhebliche finanzielle Mittel: Bis 2035 sind Investitionen von mehr als 200 Milliarden Euro vorgesehen, um die Infrastruktur an die steigenden Anforderungen anzupassen. Diese Summe übertrifft die bisherigen jährlichen Investitionsvolumina deutlich und verlangt eine entsprechende Regulierung der Netzinvestoren und Betreiber.
Der Begriff der Anreizregulierung spielt dabei eine zentrale Rolle. Er beschreibt das von der Bundesnetzagentur vorgegebene Regelwerk, das den Einsatz von Kapital und die zulässige Verzinsung der Eigenmittel der Netzbetreiber steuert. Anders als bei handelsrechtlichen Kennzahlen, die unternehmensspezifisch und von Bilanzierungsmethoden beeinflusst sein können, steht bei der regulatorischen Eigenkapitalverzinsung eine von der Behörde fetsgelegte Größe im Mittelpunkt. Diese bestimmt konkret, in welchem Umfang das eingesetzte Eigenkapital verzinst werden darf – eine wichtige Grundlage für Investitionsentscheidungen.
Die Bundesregierung und die Bundesnetzagentur haben einen Regulierungsrahmen für die Jahre 2024 bis 2028 verabschiedet, der eine Senkung der Eigenkapitalverzinsung vorsieht. Dies stellt einen deutlichen Unterschied zur vorigen Periode (2019 bis 2023) dar und wirkt sich auf die Attraktivität des Standorts Deutschland für Kapitalgeber aus. Die folgende Tabelle zeigt die aktuellen Zahlen:
| Regulierungsperiode | Mindesteigenkapitalzins | Höchsteigenkapitalzins | Durchschnittlicher Eigenkapitalzins |
|---|---|---|---|
| 2019–2023 | 4,91 % | 6,91 % | ca. 5,56 % |
| 2024–2028 | 3,91 % | 5,82 % | ca. 4,28 % |
Diese Reduzierung führt dazu, dass deutsche Netzbetreiber im europäischen Vergleich derzeit zu den Schlusslichtern gehören. Der Europäische Rechnungshof dokumentiert einen internationalen Durchschnitt von 6,65 Prozent, während Netzbetreiber hierzulande mit einer maximalen regulatorischen Verzinsung von 4,28 Prozent kalkulieren müssen. Dies schafft Wettbewerbsnachteile gegenüber anderen Standorten und erschwert die Mobilisierung von Kapital, das dringend für den Netzausbau benötigt wird.
Was bedeutet Anreizregulierung für Netzbetreiber?
Die Anreizregulierung legt fest, wie viel Kapital Netzbetreiber einsetzen dürfen und welche Rendite sie dafür erhalten. Dabei erfolgt eine genaue Kontrolle des Mitteleinsatzes und der Erträge durch die Bundesnetzagentur, um Transparenz und Effizienz sicherzustellen. Diese Regulierung ist komplex und wird aktuell überarbeitet, um den gestiegenen Anforderungen und der notwendigen Beschleunigung des Netzausbaus gerecht zu werden.
Investoren orientieren sich bei ihren Entscheidungen vor allem an der regulatorischen Verzinsung, da sie den Wert des Netzbetreibers maßgeblich beeinflusst. Eine zu niedrige Verzinsung kann als Signal für unattraktive Rahmenbedingungen wirken und so die Bereitschaft ausländischer Kapitalgeber schmälern. Angesichts der umfangreichen Ausbaubedarfe muss Deutschland jedoch Anreize schaffen, um den dringend benötigten Zufluss von Kapital nicht zu gefährden.
Die Infrastruktur muss künftig nicht nur mehr Leitungen und Anschlüsse bieten, sondern auch Digitalisierung, Flexibilität und Sicherheit gewährleisten. Dafür steigen die Anforderungen drastisch, ebenso wie der notwendige Kapitaleinsatz. Experten warnen davor, an falscher Stelle zu sparen, da ein unzureichender Ausbau langfristige Folgen für Versorgungssicherheit und Lebensqualität hätte. Die Anhebung des Eigenkapitalzinses gilt deshalb als ein wichtiger Baustein, um die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Netzbetreiber zu sichern und den Ausbau voranzutreiben.
Deutschland steht vor der Herausforderung, die Balance zwischen angemessener Kapitalverzinsung und effizienten Investitionsausgaben zu finden. Nur so lässt sich die Modernisierung der Netze auf einem Niveau gestalten, das den bestehenden und zukünftigen Anforderungen gerecht wird – unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der Interessen aller Beteiligten.
Wie wettbewerbsfähig ist Deutschland? Internationale Vergleiche und Bewertungen
Die Frage, wie attraktiv der deutsche Wirtschaftsstandort für Investitionen in die Energienetze bleibt, richtet den Blick auch auf den regulatorischen Eigenkapitalzins im internationalen Vergleich. Laut dem Europäischen Rechnungshof und dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) liegt die Zulässigkeit der Eigenkapitalverzinsung in Deutschland deutlich unter dem EU-Durchschnitt. Während international ein durchschnittlicher regulatorischer Eigenkapitalzins von 6,65 Prozent veranschlagt wird, beträgt der für Deutschland zulässige Satz laut Bundesnetzagentur im Jahr 2023 nur 5,07 Prozent brutto bzw. 3,51 Prozent netto vor Steuern. Eine Tabelle aus dem vorherigen Kapitel dokumentiert einen Wert von zuletzt 4,28 Prozent vor Steuern, was dauerhaft zu den niedrigsten Konditionen in Europa zählt.
Diese unterdurchschnittlichen Kapitalkosten wirken sich unmittelbar auf die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts aus. Für Investoren erscheint Deutschland als weniger attraktiv, was den dringend nötigen Netzausbau ausbremst. Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, bringt es auf den Punkt: „Wir dürfen jetzt nicht am falschen Ende sparen. Denn am Ende können wir uns keinen Deutsche-Bahn-Effekt leisten, weil zu wenig in Infrastruktur investiert wurde.“
Regionale Kosten und der internationale Wettstreit
Unterschiede in den Kapitalkosten für erneuerbare Energien zeigen sich zudem regional in Europa. Eine Studie aus dem Jahr 2019 weist darauf hin, dass insbesondere Südeuropa mit höheren Kapitalkosten zu kämpfen hat als Nordeuropa. Diese Divergenzen entstehen durch Risikobewertungen, wirtschaftliche Rahmenbedingungen und regulatorische Unsicherheiten. Die wichtigsten Erkenntnisse daraus lassen sich wie folgt zusammenfassen:
- Südeuropa: Erhebliche Aufschläge bei Kapitalkosten, bedingt durch wirtschaftliche Volatilität und politische Unsicherheiten.
- Nordeuropa: Deutlich geringere Kapitalkosten durch stabile Märkte und klar definierte regulatorische Rahmen.
- Deutschland: Trotz solider Rahmenbedingungen und hohem Versorgungsstandard liegt die regulatorische Eigenkapitalverzinsung unter dem europäischen Mittel, was die internationale Wettbewerbsfähigkeit schmälert.
Die Suche nach einem fairen, wettbewerbsfähigen regulatorischen Rahmen zieht sich wie ein roter Faden durch aktuelle Diskussionen. Sie betrifft nicht nur die Höhe des Eigenkapitalzinses, sondern auch die Transparenz und Verlässlichkeit der Anreizregulierung, wie sie von der Bundesnetzagentur gepflegt und rechtskonform überwacht wird.
Wichtige Bilanz für Deutschland bleibt, dass Finanzierungsbedingungen neben der technologischen Leistungsfähigkeit und Qualität der Netzinfrastruktur ein entscheidender Faktor für die künftige Wettbewerbsfähigkeit sind. Die Anpassung des Eigenkapitalzinses auf ein europäisches Niveau gilt als zentral, um deutsche Netzinvestitionen im internationalen Wettbewerb zu bestehen und zu fördern.
Wer die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen des Netzausbaus bis 2035 schultert, ist auch von attraktivem Kapital abhängig. Die daraus folgende Infrastrukturqualität sichert Deutschlands Position im Energie- und Wirtschaftsmarkt und stützt die Lebensqualität. Ohne eine Anpassung der regulatorischen Bedingungen droht jedoch, dass Investoren verstärkt auf andere europäische Standorte ausweichen.
Chancen, Herausforderungen und gesellschaftliche Bedeutung des Netzausbaus
Seit 2009 steuert die Anreizregulierung in Deutschland die Rahmenbedingungen für die Energieversorger und Netzbetreiber. Ihr Ziel liegt darin, Investitionskosten zu senken, die Effizienz zu steigern und gleichzeitig eine moderne, leistungsfähige Netzinfrastruktur sicherzustellen. Dieses Regulierungssystem orientiert sich an der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Betreiber, setzt Anreize zu kosteneffizientem Handeln und begrenzt die zulässigen Erträge, um den Kapitalbedarf der Netze im Gleichgewicht mit gesellschaftlichen Interessen zu halten.
Die Praxis zeigt jedoch, dass die gleichmäßige Verteilung von Investitionen über alle Netzabschnitte zu einer kostensteigernden Wirkung führt. Eine Studie aus dem Jahr 2020 hat aufgezeigt, dass genau diese Verteilung die Wirtschaftlichkeit negativ beeinflusst, weil nicht jeder Netzabschnitt gleichermaßen von Investitionen profitiert. Dort, wo Flexibilität und Digitalisierung fehlen, entstehen höhere Kosten, die nicht immer unmittelbar mit einer Verbesserung der Netzqualität korrelieren.
Mit dem Ausbau erneuerbarer Energien wächst zudem die Komplexität des Netzbetriebs. Laut Untersuchungen aus dem Jahr 2014 führen die sogenannten Profilkosten, die durch die schwankende Einspeisung von Solar- und Windkraft entstehen, zu neuen Herausforderungen. Diese Kosten spiegeln die Mehrbelastung wider, die durch die Integration volatiler Erzeugungsanlagen auf das bestehende Netz entsteht. Hinzu kommen Herausforderungen durch die zunehmende Digitalisierung, die einerseits enorme Effizienzgewinne ermöglichen, andererseits aber auch Investitionen in intelligente Steuerungs- und Kommunikationssysteme erforderlich macht.
Besonders relevant wird die Flexibilisierung im Netzbetrieb. Eine Studie von 2021 zeigt, wie die Flexibilisierung der Frequenzregelreserve die Wirtschaftlichkeit von Elektrofahrzeugflotten verbessert. Dabei können durch intelligente Steuerung nicht nur Lastspitzen vermieden, sondern auch die Netzinfrastruktur besser ausgelastet werden. Diese Entwicklung eröffnet das Potenzial, erneuerbare Energien stärker zu integrieren, denn durch dynamische Anpassungen und dezentrale Steuerungen lassen sich Schwankungen besser ausgleichen.
Das Zusammenspiel von Digitalisierung und Flexibilität stellt somit eine zentrale Chance dar, den Netzausbau wirtschaftlicher und effizienter zu gestalten. Gleichzeitig wächst der Investitionsbedarf erheblich. Nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) erfordern allein die nötigen Erweiterungen und Modernisierungen bis 2035 Investitionen von mehr als 200 Milliarden Euro. Die Regulierung muss hierbei ein Gleichgewicht finden zwischen angemessener Kapitalverzinsung und der Sicherstellung eines zukunftsfähigen Netzes.
Die gesetzten Rahmenbedingungen prägen daher nicht nur den Ausbau und Betrieb der Netze, sondern auch die gesellschaftliche Akzeptanz und Leistungsfähigkeit der gesamten Energiewende. Flexibilität, Digitalisierung und eine moderne Regulierung bilden dabei die Grundlage für eine robuste Infrastruktur, die künftig wesentlich mehr leisten muss – von der Integration erneuerbarer Quellen bis hin zur Bewältigung steigender Anschlusszahlen und der Sicherung einer stabilen Versorgung.
Zukunft der Netzinfrastruktur: Reformbedarf und Debatten zur Finanzierung
Die Entwicklung einer leistungsfähigen Netzinfrastruktur stellt eine der größten Herausforderungen für die kommenden Jahre dar. Bereits im Jahr 2015 legte die Bundesnetzagentur einen umfassenden Evaluierungsbericht zur Anreizregulierung vor, der die Grundlage für tiefgreifende Reformen bildet. 2016 wurde daraufhin die Novellierung der Anreizregulierung beschlossen, um die Rahmenbedingungen für Netzbetreiber zu aktualisieren und den dynamischen Anforderungen des Marktes besser gerecht zu werden.
Aktuell steht die Überarbeitung des Anreizregimes erneut im Mittelpunkt der Diskussion, wie im Statement des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) deutlich wird. Die Deutsche Energiebranche hebt hervor, dass diese Anpassung entscheidend ist, um einen fairen und wettbewerbsfähigen Rahmen für Investitionen zu schaffen. Die Regulierung beeinflusst maßgeblich, wie Netzbetreiber ihr Eigenkapital verzinsen dürfen, was wiederum direkten Einfluss auf die Mobilisierung von Kapital für den Netzausbau hat.
Die Debatte um die Eigenkapitalverzinsung zeigt vielfältige Perspektiven auf. Die BDEW-Vorsitzende Kerstin Andreae betont: „Die regulatorische Verzinsung unterscheidet sich grundlegend von der handelsrechtlichen Rendite. Während die HGB-Rendite unternehmensspezifisch ist, handelt es sich bei der regulatorischen Verzinsung um eine behördlich festgelegte Größe.“ Diese Zahl ist nicht das Ergebnis freien Marktes, sondern definiert den Spielraum für die Verzinsung des eingesetzten Eigenkapitals der Netzbetreiber. Gegenwärtig liegt Deutschland bei der regulatorischen Eigenkapitalverzinsung mit 4,28 Prozent deutlich unter dem europäischen Durchschnitt von 6,65 Prozent, wie der Europäische Rechnungshof festgestellt hat. Diese Differenz birgt das Risiko, wichtige Investoren abzuschrecken, da andere Länder attraktivere Rahmenbedingungen bieten.
Vor diesem Hintergrund ist der Ruf nach intelligenten Anreizsystemen lauter geworden. Die systematische Förderung von Investitionen muss über transparente und realistische Vorgaben erfolgen, die sowohl Sicherheit für Kapitalgeber schaffen als auch den öffentlichen Auftrag einer verlässlichen Energieversorgung wahren. Dabei spielt auch die Einbindung internationaler Investoren eine zunehmende Rolle. Für einen erfolgreichen Netzausbau sind Investitionen von über 200 Milliarden Euro bis 2035 erforderlich, eine Summe, die weit über die bisherigen jährlichen Ausgaben hinausgeht. Die Bundesnetzagentur muss deshalb sicherstellen, dass die Anreizregulierung mit den technischen, wirtschaftlichen und klimabezogenen Herausforderungen Schritt hält.
Experten diskutieren verschiedene Reformoptionen: Neben der Anhebung des Eigenkapitalzinses stehen auch flexible Modelle zur Diskussion, die Förderanreize mit verbesserten Effizienzvorgaben kombinieren. Ziel bleibt es, das regulatorische Umfeld so zu gestalten, dass es langfristig Investitionsanreize setzt, ohne gleichzeitig das Kostenbewusstsein der Netzbetreiber außer Acht zu lassen. Die Balance zwischen ausreichend attraktiven Renditen und der Verantwortung gegenüber Verbrauchern und Staat erfordert eine fein austarierte Regulierung.
Damit der Netzausbau nicht ausgebremst wird, empfiehlt der BDEW eine grundsätzliche Anpassung der Rahmenbedingungen. Nur so lässt sich verhindern, dass Deutschland als Investitionsstandort an Bedeutung verliert und notwendige Modernisierungen und Digitalisierungsschritte im Energiesektor ins Stocken geraten. Die kommende Reformphase wird zeigen, wie die Bundesnetzagentur diesen Spagat zwischen Investoreninteressen und öffentlichen Anforderungen meistert und welche Rolle intelligente Anreizsysteme dabei spielen.
Die vorliegenden Inhalte und Zitate stammen aus einer Pressemitteilung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW).
Weiterführende Quellen:
- „Die regulatorische Eigenkapitalverzinsung für Netzbetreiber in Deutschland wurde für die Regulierungsperiode 2024–2028 auf 5,07 % für Neuanlagen und 3,51 % für Altanlagen vor Steuern festgelegt.“ – Quelle: https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Fachthemen/ElektrizitaetundGas/Aktuelles_enwg/EKZ/artikel.html
- „In der Regulierungsperiode 2019–2023 lag die regulatorische Eigenkapitalverzinsung für Neuanlagen bei 6,91 % und für Altanlagen bei 5,12 % vor Steuern.“ – Quelle: https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Fachthemen/ElektrizitaetundGas/Aktuelles_enwg/EKZ/artikel.html
- „Laut einer Studie von 2019 weisen die Kapitalkosten für Investitionen in erneuerbare Energien in Europa regionale Unterschiede auf, wobei Südeuropa höhere Kosten aufweist als Nordeuropa.“ – Quelle: https://arxiv.org/abs/1903.04768
- „Eine Untersuchung von 2020 zeigt, dass eine gleichmäßigere Verteilung von Investitionen in einem vollständig erneuerbaren europäischen Stromsystem die Kosten um bis zu 4 % erhöhen kann.“ – Quelle: https://arxiv.org/abs/2007.08379
- „Die Anreizregulierung in Deutschland wurde 2009 eingeführt, um Netzbetreiber zu Kostensenkungen und Effizienzsteigerungen zu motivieren.“ – Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Anreizregulierung
- „Eine Studie von 2014 quantifiziert die Profilkosten, die durch die Integration fluktuierender erneuerbarer Energien in das deutsche Stromnetz entstehen, und diskutiert Möglichkeiten zur Kostenreduktion.“ – Quelle: https://arxiv.org/abs/1407.7237
- „Die Bundesnetzagentur hat am 21. Januar 2015 dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie einen Evaluierungsbericht zur Anreizregulierung übergeben, der Vorschläge zur Weiterentwicklung enthält.“ – Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Anreizregulierung
- „Im August 2016 wurde die Novellierung der Anreizregulierung verabschiedet, um Investitionen in die Verteilernetze zu fördern und gleichzeitig den Effizienzgedanken zu wahren.“ – Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Anreizregulierung
- „Eine Untersuchung von 2021 zeigt, dass die Flexibilisierung der Frequenzregelreserve die Wirtschaftlichkeit des Betriebs von Elektrofahrzeugflotten in Deutschland positiv beeinflusst.“ – Quelle: https://arxiv.org/abs/2107.03489
- „Der Netzregelverbund in Deutschland wurde 2008 eingeführt, um die Zusammenarbeit der Übertragungsnetzbetreiber bei der Frequenzregelung zu verbessern.“ – Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Netzregelverbund
6 Kommentare
„Die Herausforderungen sind riesig“ heißt es hier. Ich finde auch, dass ohne einen fairen Wettbewerb keine guten Lösungen kommen werden. Was denkt ihr darüber? Wie können wir diese Probleme angehen?
Die Zahlen zur Eigenkapitalverzinsung sind schockierend niedrig! Wir müssen sicherstellen, dass Investoren wieder Interesse an deutschen Netzen haben. Was denkt ihr über die Rolle der internationalen Investoren in diesem Prozess?
Es ist schlimm zu sehen, dass Deutschland hinterherhinkt bei der Eigenkapitalverzinsung. Ich stimme dem BDEW zu, wir dürfen nicht am falschen Ende sparen! Wie können wir als Bürger helfen, um Druck auf die Politik auszuüben?
Ja genau! Wir sollten unsere Stimmen erheben und mehr Druck machen! Wenn die Infrastruktur nicht besser wird, wo soll das nur hinführen? Ich hoffe wirklich auf Veränderungen in der Politik.
Das ist echt besorgniserregend, was hier geschrieben steht. Wenn wir bis 2035 so viel investieren müssen, wie soll das dann gehen? Ich denke, die Regierung muss da echt ran und was ändern. Wer hat Ideen oder Vorschläge?
Ich finde das Thema sehr wichtig. Die niedrige Eigenkapitalverzinsung ist echt ein Problem für Investitionen. Warum kann Deutschland nicht wettbewerbsfähig sein? Wir brauchen mehr Klarheit über diese Anreizregulierung. Hat jemand weitere Infos dazu?