– 19 % der Fuhrparkfahrzeuge der Wohlfahrtsverbände fahren bereits vollelektrisch (über Durchschnitt)
– Wohlfahrtsverbände fordern politische Förderung für Ladeinfrastruktur und preisgünstige E-Fahrzeuge (unter 20 000 €)
– 60 % der Verbände planen Flottenelektrifizierung, Mangel an Ladeplätzen als größtes Hindernis
Wohlfahrtsverbände als Vorreiter der E-Mobilität fordern gezielte politische Unterstützung
Fast jedes fünfte Fahrzeug in den Fuhrparks der deutschen Wohlfahrtsverbände fährt bereits vollelektrisch – 19 Prozent liegen damit deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt. Diese Zahl stammt aus einer Befragung von 180 Mitgliedsorganisationen und unterstreicht die aktive Rolle, die soziale Einrichtungen in der Mobilitätswende übernehmen. Knapp zwei Drittel der Organisationen (60 Prozent) zeigen ein sehr großes Interesse an der Elektrifizierung ihrer Flotte, weitere 26 Prozent stehen dieser Umstellung offen gegenüber. Diese Bereitschaft ist ein klares Signal: Die soziale Infrastruktur treibt die Verkehrswende mit Nachdruck voran, auch wenn deutliche Herausforderungen bestehen.
Als größte Hemmnisse gelten ein „unzureichendes Angebot bezahlbarer Elektrofahrzeuge unter 20.000 Euro“ und der Mangel an eigener Ladeinfrastruktur. In 15 Prozent der Fälle verfügen die Wohlfahrtsverbände nicht einmal über eigene Stellplätze, weshalb Mitarbeitende oft auf öffentlichen Parkflächen parken müssen, ohne sicheren Zugriff auf Lademöglichkeiten. Als praktische Lösungen sehen die Organisationen Kooperationen mit (halb-)öffentlichen Einrichtungen wie Rathäusern, Kirchen oder Banken, deren Parkplätze für reservierte Ladepunkte genutzt werden könnten. Zudem gewinnen e-Bikes im Arbeitsalltag an Bedeutung und sollten stärker gefördert werden.
Die Wohlfahrtsverbände fordern von der Politik eine gezielte Unterstützung der klimafreundlichen Mobilität im Sozial- und Pflegesektor, auf die zehntausende Pflegekräfte angewiesen sind. Jörg-Andreas Krüger, NABU-Präsident, bringt diese Motivation und die bestehenden Herausforderungen so auf den Punkt: „Die Umstellung auf klimafreundliche Mobilität bleibt eine Herausforderung: Elektrofahrzeuge sind oft noch deutlich teurer als Verbrenner – für gemeinnützige Träger ein echtes Hindernis. Dabei ist das Interesse groß: Die ambulante Pflege mit ihren zehntausenden Fahrzeugen bietet ein riesiges, bisher unterschätztes Klimaschutzpotenzial auf der Straße. Auch zum Schutz von Umwelt und Natur muss die Bundesregierung dabei unterstützen, dieses Potential auszuschöpfen.“
Auch Eva Welskop-Deffaa, Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes, betont die Bedeutung der ambulanten Pflege für die Mobilitätswende: „Die ambulante Pflege mit ihren bundesweit mehreren zehntausend Fahrzeugen ist ein wichtiger Partner für die Mobilitätswende. Wir erwarten von der neuen Bundesregierung, dass sie die darin liegende Chance erkennt und durch eine gezielte Förderung unterstützt. Unkomplizierte und passgenaue Förderprogramme müssen die Besonderheiten gemeinnütziger Träger berücksichtigen. Entbürokratisierung fängt bei der Ladeinfrastruktur an. Die Strompreisgestaltung ist ein weiterer Hebel, um den schnellen Umstieg der Pflegedienste zu unterstützen. Klimapolitik und Heimatpolitik gehen Hand in Hand, wenn es gelingt, die ambulanten Pflegedienste gerade im ländlichen Raum in Sachen E-Mobilität zu fördern. Last but not least: Es braucht preisgünstige vollelektrische Modelle unter 20.000 Euro. Nur so können Pflegekräfte flächendeckend klimafreundlich zu ihren Klientinnen und Klienten gelangen.“
Rüdiger Schuch, Präsident von Diakonie Deutschland, unterstreicht die Bedeutung einer klimafreundlichen Fahrzeugflotte für die soziale Arbeit: „Mit ihren Fahrzeugen bringt die Diakonie ihre Dienstleistungen zu den Menschen, die Hilfe und Unterstützung brauchen, ob im ambulant betreuten Wohnen, in der ambulanten Pflege, im Hospizdienst oder in der Behindertenhilfe. Um diesen wichtigen Teil der sozialen Arbeit klimafreundlich zu gestalten, treiben wir die Elektrifizierung unserer Fahrzeugflotte entschlossen voran. Mit der notwendigen politischen Unterstützung für bezahlbare E-Autos und einer unbürokratischen Förderung der Ladeinfrastruktur können wir einen spürbaren Beitrag zur Mobilitätswende leisten.“
Diese Stimmen verdeutlichen: Die Wohlfahrtsverbände sind nicht nur wichtige Akteure, sondern auch engagierte Anwälte der E-Mobilität. Ihre Forderungen an die Politik zielen auf praktikable, finanzierbare und unbürokratische Lösungen, damit die soziale Mobilität künftig klimafreundlich gestaltet werden kann.
Soziale Flotten als Motor für die gelebte Mobilitätswende
Die Elektrifizierung der Fahrzeugflotten in den sozialen Verbänden setzt einen bedeutenden Impuls für die Mobilitätswende in Deutschland. Mit beinahe jedem fünften vollelektrischen Fahrzeug in den Fuhrparks bewegen sich Wohlfahrtsorganisationen deutlich über dem Durchschnitt des Landes. Diese Entwicklung hat nicht nur technische, sondern vor allem gesellschaftliche und politische Dimensionen: So fungieren soziale Flotten als Beispiel für nachhaltige Mobilität und zeigen, wie Klimaschutz handfest mit sozialer Infrastruktur verknüpft werden kann. Die Umstellung erfolgt nicht ohne Herausforderungen, ist aber zentral, um wichtige Nachhaltigkeitsziele zu erreichen und die Versorgung in Pflege und Sozialdiensten zukunftssicher zu gestalten.
E-Mobilität: Soziale Innovation mit Signalwirkung
Die Bereitschaft zur Elektrifizierung ist in den Verbänden hoch: 60 Prozent der genannten Organisationen zeigen großes Interesse, ihre Fahrzeugflotten umzurüsten, weitere 26 Prozent sind zumindest offen für den Wechsel. Damit wird deutlich, dass der soziale Sektor eine Vorreiterrolle einnimmt und die E-Mobilität umfassend als Innovation begriffen wird, die über den reinen Technologiewechsel hinausgeht. Für viele Mitarbeitende, insbesondere in der ambulanten Pflege, ist Mobilität ein Schlüssel zur Erfüllung ihrer Aufgaben vor Ort. Deshalb stehen die Wohlfahrtsverbände für eine klimafreundliche Ausrichtung ihrer Dienstfahrzeuge, um gleichzeitig den Zugang zu Menschen in ländlichen Regionen sicherzustellen.
Doch die Umstellung auf E-Fahrzeuge ist nicht nur eine Frage der Technik, sie bringt auch spezifische Herausforderungen mit sich:
- fehlende oder unzureichende eigene Ladeinfrastruktur
- begrenztes Angebot bezahlbarer Fahrzeuge, besonders unter 20.000 Euro
- mangelnde Parkmöglichkeiten mit Ladeanschluss, insbesondere an Einsatzorten oder für Mitarbeitende
Dies erschwert den Wechsel trotz großer Bereitschaft. Die soziale Infrastruktur muss daher politisch und organisatorisch gestärkt werden. So schlagen die Wohlfahrtsverbände Partnerschaften mit öffentlichen und (halb-)öffentlichen Einrichtungen vor, etwa mit Rathäusern, Kirchen oder Banken, um deren Parkplätze für reservierte Ladepunkte zu nutzen. Auch alternative elektrische Verkehrsformen wie E-Bikes gewinnen in der Praxis an Bedeutung und ergänzen die Mobilitätsangebote gerade im Bereich der ambulanten Pflege.
Weichenstellungen für Pflege und ländliche Regionen
Die E-Flotten der Wohlfahrtsverbände sind mehr als eine technologische Umstellung – sie sind eng mit gesellschaftlichen Herausforderungen verbunden. Besonders im ländlichen Raum ist die Mobilitätssicherung essentiell für die Versorgung pflegebedürftiger Menschen. Gleichzeitig bildet die pflegerische Versorgung mit zehntausenden Fahrzeugen ein großes Potenzial für die CO₂-Reduktion im Verkehrssektor. Eine beschleunigte Digitalisierung der Flotten wirkt damit direkt auf eine verbesserte Lebensqualität in den Regionen und leistet einen substanziellen Beitrag zum Klimaschutz.
Politische Unterstützung ist ein entscheidender Hebel, um diesen Wandel voranzubringen. Die Verbände fordern konkret:
- Förderung preisgünstiger Elektrofahrzeuge für gemeinnützige Träger
- Maßnahmen zur Entbürokratisierung und eine attraktive Gestaltung der Ladeinfrastruktur
- energetische Anreizsysteme, etwa bei der Strompreisgestaltung
- gezielte Förderprogramme, die die Besonderheiten sozialer Organisationen berücksichtigen
Die Umsetzung solcher Maßnahmen sichert nicht nur die flächendeckende Mobilität im Sozial- und Pflegesektor, sondern sendet auch eine gesellschaftspolitische Botschaft aus: Klimaschutz und soziale Fürsorge bedingen einander. Jörg-Andreas Krüger vom NABU bringt es auf den Punkt: „Die ambulante Pflege mit ihren zehntausenden Fahrzeugen bietet ein riesiges, bisher unterschätztes Klimaschutzpotenzial auf der Straße.“
In der Verbindung von nachhaltiger Technik, politischer Förderung und praktischer Anwendung entsteht eine Mobilitätswende, die über den sozialen Bereich hinaus Wirkung entfaltet. Die Entwicklung zeigt, wie Verbände und Politik gemeinsam dazu beitragen können, nachhaltige Mobilität in allen Lebensbereichen zu verankern – von der Großstadt bis ins ländliche Umfeld.
Die Informationen und Zitate dieses Beitrags basieren auf der Pressemitteilung des Deutschen Caritasverbandes e.V.
3 Antworten
Es ist wichtig, dass wir auch im ländlichen Raum an E-Mobilität denken. Ohne Unterstützung für günstige E-Autos wird das nichts. Welche Erfahrungen habt ihr mit E-Fahrzeugen in der Pflege gemacht?
Ich finde es wirklich beeindruckend, dass 19% der Fahrzeuge in den Wohlfahrtsverbänden bereits elektrisch sind. Das zeigt, dass soziale Organisationen eine Vorreiterrolle im Klimaschutz übernehmen. Was denkt ihr über die Vorschläge für mehr Ladeinfrastruktur?
Ja, die Ladeinfrastruktur ist echt ein großes Problem! Ich hoffe, die Politik hört endlich auf die Forderungen der Verbände und setzt etwas um.