Im Fahrbetrieb schneiden Elektroautos bei ihren Nutzern erstaunlich gut ab. Deutlich komplizierter bleibt oft alles, was rund um die Ladesäule passiert – von Preisen über Bezahlwege bis zum Sicherheitsgefühl.
Eine aktuelle Umfrage unter E-Auto-Nutzern in Deutschland zeigt genau diesen Gegensatz. 97 Prozent der Befragten sind mit der Nutzung ihres E-Autos zufrieden oder sehr zufrieden.
Was die Umfrage tatsächlich abbildet
Die Ergebnisse zeigen vor allem die Sicht von Menschen, die bereits Erfahrung mit einem E-Auto haben. Für die Einordnung ist das wichtig, denn die Befragung sagt wenig über Menschen aus, die den Umstieg noch vor sich haben oder sich noch nicht entschieden haben.
Im Auftrag des ADAC wurden im Juni 2026 online 1.060 volljährige Personen befragt, die im Haushalt ein batterieelektrisches Fahrzeug besitzen und es mindestens an zehn Tagen im Jahr selbst nutzen. Fast drei Viertel der Teilnehmenden fahren nach eigenen Angaben erstmals ein Auto mit E-Antrieb im Haushalt.
Von denen, die von einer anderen Antriebsart auf ein Elektroauto als Erstwagen gewechselt sind, empfanden über 90 Prozent diesen Schritt als einfach oder sehr einfach. Für viele scheint der Wechsel also weniger kompliziert zu sein, als es die öffentliche Debatte oft vermuten lässt.
Reichweite ist selten das Hauptproblem, aber sie bleibt ein Thema
Auch mit der Reichweite ihres Fahrzeugs sind die meisten Befragten zufrieden. Ganz reibungslos ist das Bild jedoch nicht. Verbesserungsbedarf sehen viele bei den Unterschieden zwischen warmen Bedingungen von 20 bis 30 Grad Celsius und kalten Bedingungen unter 5 Grad Celsius.
Hinzu kommt die Differenz zwischen Herstellerangabe und tatsächlicher Reichweite. Gerade bei längeren Fahrten spielt außerdem der Planungsaufwand eine Rolle. Die Umfrage legt damit nahe: Im Alltag reicht die Reichweite für viele offenbar aus, bei Wetterwechseln und auf der Langstrecke entstehen aber weiterhin Unsicherheiten.
Beim öffentlichen Laden entscheidet sich die Alltagstauglichkeit
Deutlich kritischer fällt der Blick auf die Ladeinfrastruktur aus. Fast zwei Drittel der Nutzer öffentlicher Ladesäulen sind zwar zufrieden oder sehr zufrieden mit der öffentlichen Ladeinfrastruktur in Deutschland. Gleichzeitig hält rund jeder Vierte die Höhe und die Transparenz der Ladestrompreise für verbesserungswürdig.
Das Laden ist zudem von mehreren Bezahlwegen geprägt. Am häufigsten wird mit Smartphone-App und/oder Ladekarte bezahlt. Mehr als ein Drittel derjenigen, die öffentlich laden, hat bereits direkt an der Ladesäule mit Bank- oder Kreditkarte gezahlt.
Wären alle Bezahlformen gleich teuer, würde jeweils etwa ein Viertel am liebsten per App oder mit Bank- beziehungsweise Kreditkarte zahlen. Nur noch jeder Fünfte würde die Ladekarte eines Anbieters bevorzugen.
Auch bei den Tarifen zeigt sich ein uneinheitliches Bild. 42 Prozent laden ad hoc, also ohne Tarifbindung. 40 Prozent nutzen einen Tarif ohne Grundgebühr, 14 Prozent haben einen Tarif mit Grundgebühr abgeschlossen. Für Nutzer bedeutet diese Vielfalt vor allem eins: Das öffentliche Laden ist oft weniger ein technisches als ein organisatorisches Thema.
Sicherheit an Ladepunkten wird vor allem nachts zum Thema
Ein weiterer Punkt betrifft das Sicherheitsgefühl an öffentlichen Ladestationen. Zwar ist die Zufriedenheit mit der Sicherheit insgesamt gut. Dennoch gaben 56 Prozent der Nutzer öffentlicher Ladestationen an, ihr Ladeverhalten in der Nacht aus Sicherheitsgründen zu verändern. Bei den weiblichen Nutzern sind es sogar 67 Prozent.
Die Befragten nennen vor allem zwei Maßnahmen, die das Sicherheitsgefühl verbessern könnten: Mehr als 60 Prozent wünschen sich eine bessere Beleuchtung oder Videoüberwachung am Ladepark. Unter den Frauen wünscht sich zudem jeweils knapp die Hälfte Personal vor Ort oder eine bessere Standortlage.
Der ADAC verweist darauf, dass sich viele Ladeparks abseits von Rastanlagen befinden. Wer nachts unterwegs ist oder häufiger an weniger frequentierten Orten lädt, achtet offenbar stärker auf Umgebung, Beleuchtung und Lage.
Die Technik überzeugt, die Infrastruktur muss nachziehen
Die Umfrage zeichnet kein Problem mit dem Elektroauto selbst, sondern vor allem mit den Rahmenbedingungen. Das Fahrzeug wird von den meisten Befragten positiv bewertet, die öffentliche Ladeinfrastruktur dagegen bleibt an mehreren Stellen erklärungsbedürftig.
Für den weiteren Hochlauf der Elektromobilität dürfte genau das entscheidend sein: nicht nur, ob das Auto fährt, sondern wie einfach, transparent und sicher sich das Laden unterwegs anfühlt. Die Daten zeigen vor allem eines: Der Umstieg ist für viele bereits gut machbar, doch an der Ladesäule bleibt im Alltag noch Luft nach oben.
Quellen
- ADAC: Umfrage zur Zufriedenheit mit E-Autos
- ADAC-Auswertung zur Zufriedenheit mit E-Autos als PDF
- Presseportal: Methodik der Erhebung