– DUH startet Verfahren gegen Gasversorger wegen irreführender „klimaneutraler“ Erdgaswerbung
– Betroffene Versorger nutzen untaugliche Wasserkraft-Emissionsgutschriften ohne echte CO2-Reduktion
– DUH fordert transparente CO2-Fußabdrücke statt irreführender Klimakompensation
DUH deckt irreführende Klimaneutralitätsversprechen von Gasversorgern auf
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat erneut Verfahren gegen mehrere Gasversorger eingeleitet, die fossiles Erdgas fälschlicherweise als „klimaneutral“ bewerben. Im Fokus stehen unter anderem das Stadtwerk am See in Überlingen sowie die Stadtwerke Aalen, Bruchsal, Neustrelitz und Speyer. Diese Unternehmen setzen auf Emissionsgutschriften aus Wasserkraftprojekten im globalen Süden, um den CO2-Fußabdruck ihres Erdgases grün zu waschen. Die DUH kritisiert, dass diese Kompensationsprojekte für eine glaubhafte Klimaneutralität untauglich sind, da sie ohne den Verkauf von CO2-Zertifikaten ohnehin realisiert worden wären und somit keine zusätzliche Klimawirkung entfalten.
Bereits im April 2024 hatte die DUH gegen 15 weitere Gasversorger Verfahren wegen irreführender Werbung eingeleitet. Diese Anbieter nutzten damals Waldschutz- und Kochofenprojekte als Grundlage für ihre Klimaneutralitätsversprechen, die laut DUH ebenfalls nicht den Anforderungen an einen effektiven Klimaschutz gerecht wurden. Die DUH zeigt sich alarmiert über die aktive Verbrauchertäuschung, die vor allem umweltbewusste Kundinnen und Kunden betrifft.
Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH, bringt die Kritik auf den Punkt: „Die Verbraucherinnen und Verbraucher müssen sich darauf verlassen können, wenn ihnen beim Thema Heizen und Tanken klimaneutrale Technologien oder Kraftstoffe versprochen werden. Tatsächlich erleben wir eine aktive Verbrauchertäuschung gerade der umweltbewussten Kundinnen und Kunden, indem man ihnen fossiles Erdgas verkauft, das in Wirklichkeit mit untauglichen Klimakompensationsprojekten grün gewaschen wird.“ Er fordert die Gasversorger auf, transparent über den tatsächlichen CO2-Fußabdruck ihres Erdgasangebots zu informieren und auf ungeeignete Kompensationsmethoden zu verzichten.
Agnes Sauter, Leiterin für Ökologische Verbraucherberatung und Marktüberwachung bei der DUH, hebt die Problematik der Kompensationsprojekte besonders hervor: „Die vermeintliche Kompensation von CO2 im globalen Süden ist hochproblematisch, etwa im Hinblick auf die Dauerhaftigkeit und Zusätzlichkeit von Emissionseinsparungen.“ Sie weist zudem darauf hin, dass bereits drei der zuvor aufgeforderten 15 Unternehmen ihrer Unterlassungsverpflichtung nicht nachgekommen sind – gegen diese Firmen wird die DUH weitere juristische Schritte einleiten.
Parallel zu den Verfahren gelang es der DUH in diesem Jahr, Zusagen von 13 Gasversorgern zu erhalten, ihre Erdgastarife nicht mehr als klimaneutral zu vermarkten. Zugleich bereitet die Organisation eine Unterlassungsklage gegen die E.ON Energie Deutschland GmbH vor dem Landgericht München I vor. Der wachsende Druck auf die Branche soll zu einer verantwortungsbewussteren und ehrlicheren Informationspolitik hinsichtlich des Klimaschutzes führen.
Klimaversprechen oder Verbrauchertäuschung? Kontext, Hintergründe und gesellschaftliche Folgen
Die Debatte um angeblich klimaneutrale Gasprodukte steht im Zentrum der Kritik an der Glaubwürdigkeit von Kompensationsprojekten vor allem im globalen Süden. Die Hauptfrage dabei ist, ob diese Projekte tatsächlich zusätzlich sind oder ob sie ohne die erzielten Einnahmen aus CO2-Zertifikaten ohnehin umgesetzt worden wären. Kritiker weisen darauf hin, dass viele Maßnahmen keine echten Klimaschutzbeiträge leisten, weil die erwarteten Emissionsreduktionen zweifelhaft oder kaum überprüfbar sind.
Was wird aus klimaneutraler Energieversorgung?
Für Verbraucher wird es zunehmend wichtig, den tatsächlichen Klimanutzen energiewirtschaftlicher Produkte nachvollziehen zu können. Eine transparente Kennzeichnung echter Emissionsreduktionen gilt sowohl aus Verbraucherschutz– als auch klimapolitischer Sicht als unverzichtbar. Ohne klare Offenlegung besteht die Gefahr, dass Verbraucher durch vermeintlich klimaneutrale Angebote irregeführt werden. In der Praxis zeigen sich Unsicherheiten besonders bei Kompensationsformen wie Emissionsgutschriften aus tropischen Waldschutzprojekten, bei denen verlässliche Überprüfungs- und Dauerhaftigkeitsmechanismen oft fehlen. Gleichwohl sind auch Biomasseprojekte mit unklaren CO2-Minderungsnachweisen oder Entwicklungsprojekte für Kochöfen, die nur minimale tatsächliche Einsparungen bewirken, Teil der umstrittenen Kompensationsstrategien.
Klimaschutz als Marketingstrategie – wo liegen die Grenzen?
Der Ruf nach besseren Regulierungen wird lauter, um Verbrauchertäuschung zu vermeiden. Zukünftige Vorgaben könnten Anbieter verpflichten, unabhängige Audits vorlegen zu müssen und klarere Transparenzpflichten einzuhalten. Zugleich wächst der gesellschaftliche Druck auf Energieunternehmen, ihre Umweltbilanz offen und nachvollziehbar darzustellen. Wer heute mit klimafreundlichen Versprechen wirbt, muss diese auch mit belastbaren Fakten belegen können. Ansonsten droht das Vertrauen in den Klimaschutz als Marketingstrategie zu schwinden – mit weitreichenden Folgen für das Engagement der Verbraucher und das Ansehen der Branche insgesamt.
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Neue juristische Verfahren gegen Verbrauchertäuschung durch Gasversorger: Deutsche …
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8 Antworten
Immer diese neue regln, man weiß gar nich mehr was richtig is. Heute gut, morgen schlecht.
Ja, ist alles verwirrend! Vielleicht sollen die mal einfachere Reglungen machen.
Ich finde das gut das die DUH sowas überprüft. Wir brauchen ehrliche informationen.
Wasserkraft is doch gut, versteh ich nich warum das jetz auf einmal schlecht sein soll.
Ich verstehe nicht warum die Firmen sowas machen. Wenn es nicht wirklich hilft, dann bringt es doch nichts. Oder?
Hauptsache die leute glauben es. Die meisten schauen garnicht so genau hin. Traurig.
Ja, genau! Ich denke das ist einfach nur lügen für geld. Die wollen nur mehr verkaufen.
Also wenn die DUH sagt das die Projekte nicht gut sind dann glaub ich das. Die Firmen sollten aufhören uns zu verarschen.