Tag des Ehrenamts: DRK fordert mehr Unterstützung für 457.000 Helfer – Zahlen, Trends und politische Maßnahmen

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Zum Tag des Ehrenamts würdigt das Deutsche Rote Kreuz die Arbeit von mehr als 457.000 Ehrenamtlichen in seinen Reihen als unerlässliche Säule des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Präsident Hermann Gröhe dankt für den Einsatz und fordert nachdrücklich politische Schritte, um das Engagement nachhaltig zu stärken. Die Organisation verweist auf eine hohe gesamtgesellschaftliche Engagementquote von 36,7 Prozent.

Inhaltsverzeichnis

– Das DRK betont zum Tag des Ehrenamts dessen zentrale Rolle für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
– Über 457.000 Ehrenamtliche sind im DRK aktiv, und die Politik muss Rahmenbedingungen verbessern.
– Das DRK fordert eine Gleichstellung seiner Helfer mit THW und Feuerwehr sowie verlässliche Finanzierung.

Ehrenamt als tragende Säule der Gesellschaft

Anlässlich des Tags des Ehrenamts unterstreicht das Deutsche Rote Kreuz die fundamentale Bedeutung freiwilligen Engagements für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Der Verband spricht allen Ehrenamtlichen seinen Dank aus.

„Der Blick für Andere, die Unterstützung notleidender Menschen, die Ermöglichung von Teilhabe oder das Eintreten für ein gelingendes Miteinander – alles dies leben hunderttausende Ehrenamtler Tag für Tag. Das Ehrenamt ist eine unerlässliche Säule unseres gesellschaftlichen Zusammenhalts. Deshalb spreche ich allen Ehrenamtlichen meinen Dank und die Hochachtung für ihren Einsatz aus“, sagt DRK-Präsident Hermann Gröhe.

Die aktuellen Erhebungen der Bundesregierung zeigen ein hohes Engagement in der Bevölkerung ab einem Alter von 14 Jahren*.

„Die Zahlen bilden die Erfahrung ab, die wir in der täglichen Arbeit mit den Ehrenamtlichen machen dürfen: In unserer Gesellschaft besteht ein hoher Wille zu freiwilligen und ehrenamtlichen Tätigkeiten. Im Zuge aktueller Auseinandersetzungen über die Notwendigkeit einer stärkeren gesellschaftlichen Beteiligung sollten wir uns also auch darüber unterhalten, wie wir diese Einstellung noch stärker Geltung verschaffen können“, so der DRK-Präsident weiter.

Das DRK sieht die Politik in der Pflicht, geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen. Dazu zählen unter anderem bundesweit flächendeckende Regelungen zur Gleichstellung von Ehrenamtlichen in Hilfsorganisationen mit anderen Einsatzkräften, eine verlässliche Finanzierung von hauptamtlichen Unterstützungsstrukturen sowie die Bereitstellung moderner Liegenschaften und Materialien.

„Die Vorschläge die eine nachhaltige Stärkung des Ehrenamts zur Folge hätten, liegen alle auf dem Tisch. Ich werde mich als Präsident des DRK nachdrücklich dafür einsetzen, dass wir hier einen spürbaren Schritt vorankommen“, sagt Hermann Gröhe.

Das Fundament der Gesellschaft: Warum Ehrenamt so viel bewegt

Ehrenamtliches Engagement ist kein Randphänomen, sondern eine tragende Säule des gesellschaftlichen Lebens in Deutschland. Seine Bedeutung reicht weit über die reine Hilfeleistung hinaus – es stiftet Gemeinschaft, ermöglicht Teilhabe und sichert in vielen Bereichen die Grundversorgung. Die aktuellen Diskussionen um gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Bewältigung von Krisen zeigen: Das Ehrenamt ist kein Selbstläufer, sondern eine Ressource, die Anerkennung und verlässliche Rahmenbedingungen benötigt, um langfristig zu wirken.

Warum Ehrenamt gesellschaftlich wirkt

Die Wirkung freiwilliger Arbeit entfaltet sich auf mehreren Ebenen. Für den Einzelnen bietet sie Sinnstiftung, soziale Einbindung und die Möglichkeit, konkrete Verantwortung zu übernehmen. Für die Gesellschaft schafft sie ein dichtes Netz aus Unterstützung und Solidarität, das staatliche Strukturen ergänzt und oft erst ermöglicht. Im Katastrophenschutz, in der Pflege, bei der Integration oder im Sportverein – ohne das Engagement der Vielen wären viele Angebote schlicht nicht denkbar. Es geht um mehr als nur um Arbeitskraft; es geht um den „Blick für Andere“ und das „Eintreten für ein gelingendes Miteinander“, wie es der DRK-Präsident formuliert. Diese Haltung ist der Kitt, der eine Gesellschaft in unsicheren Zeiten zusammenhält.

Ehrenamtliche Arbeit und ihre Quantität

Das Ausmaß dieser Leistung lässt sich in beeindruckenden Zahlen fassen. Stand 2021 waren in Deutschland rund 17 Millionen ehrenamtliche Tätigkeiten aktiv besetzt.* Besonders im sozialen Bereich ist der Beitrag immens: Etwa 8 Millionen Ehrenamtliche leisteten damals pro Monat schätzungsweise 250 Millionen Arbeitsstunden.* Diese Zahlen verdeutlichen den gewaltigen Umfang einer Leistung, die oft im Verborgenen erbracht wird. Sie macht deutlich, dass es sich bei der Diskussion um die Stärkung des Ehrenamts nicht um eine Nischenfrage handelt, sondern um eine zentrale gesellschaftspolitische Aufgabe. Die Bereitschaft, sich zu engagieren, ist laut Bundesregierung auf hohem Niveau vorhanden. Die Herausforderung besteht nun darin, diese Bereitschaft in nachhaltige Strukturen zu überführen und die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass das Engagement nicht an bürokratischen Hürden oder mangelnder Ausstattung scheitert.

Engagement im Wandel: Neue Daten zeigen Verschiebungen

Die aktuelle Engagementlandschaft zeichnet sich durch dynamische Veränderungen aus. Während die grundsätzliche Bereitschaft zum Ehrenamt hoch bleibt, zeigen neue Daten für das Jahr 2024 deutliche Verschiebungen in der Intensität und der sozialen Zusammensetzung des freiwilligen Engagements. Ein Blick auf die aktuellsten Zahlen offenbart, wo sich Trends verstärken und wo neue Entwicklungen abzeichnen.

Zeitinvestment und Häufigkeit (2024)

Ein zentraler Trend für 2024 ist die gesteigerte Intensität des Engagements bei denjenigen, die bereits aktiv sind. Engagierte investieren wieder mehr Zeit in ihre Tätigkeiten. Gleichzeitig ist auch die Häufigkeit, mit der freiwillige Aktivitäten ausgeübt werden, im Vergleich zum Jahr 2019 angestiegen (Stand: 2024, Quelle: Stiftung für Bürgerschaftliches Engagement)*. Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass bestehendes Engagement nicht nur stabil ist, sondern oft mit größerem persönlichem Einsatz gelebt wird.

Beteiligung nach Bildungsstand (2024)

Die Gesamtbeteiligung am Ehrenamt zeigt für 2024 im Vergleich zu 2019 einen leichten Rückgang. Dieser Rückgang lässt sich jedoch nicht gleichmäßig über alle Bevölkerungsgruppen verteilen. Er geht laut dem Bericht zur Lage von Engagement und Ehrenamt der Bundesregierung allein auf ein gemindertes Engagement von Personen mit hoher formaler Schulbildung zurück. Deren Quote sank von 51 % auf 45,5 % (Stand: 2024)*. Bei Personen mit niedriger oder mittlerer Schulbildung zeigt sich dagegen kein signifikanter Rückgang.

Zentrale Entwicklungen auf einen Blick (Stand 2024):

  • Engagierte investieren wieder mehr Zeit; die Häufigkeit der Aktivitäten ist gegenüber 2019 gestiegen.
  • Die Engagementquote bei Personen mit hoher formaler Schulbildung ist von 51 % auf 45,5 % gesunken.

Diese aktuellen Zahlen unterstreichen, dass sich die Engagementlandschaft weiter ausdifferenziert. Während einige Gruppen ihr Engagement intensivieren oder sogar ausbauen, zeigt sich bei anderen eine gewisse Entlastung oder Neuorientierung. Für Organisationen bedeutet dies, ihre Ansprache und Gewinnungsstrategien kontinuierlich an diese sich verändernden Realitäten anzupassen.

Politische Weichenstellungen für das Ehrenamt

Die gesellschaftliche Bedeutung des Ehrenamts ist unbestritten.* Die politische Herausforderung besteht darin, dieses Engagement durch passende Rahmenbedingungen nicht nur zu würdigen, sondern auch praktisch zu erleichtern und abzusichern. Die Diskussion konzentriert sich auf konkrete Maßnahmen, die bürokratische Hürden abbauen, finanzielle Sicherheit bieten und die rechtliche Stellung Ehrenamtlicher stärken sollen.

Maßnahmen zur Stärkung des Ehrenamts

Ein zentraler Ansatzpunkt ist die Vereinfachung und Absicherung auf rechtlicher Ebene. Viele Engagierte und Vereinsvorstände sehen sich mit komplexen Haftungsfragen konfrontiert, die den Einsatz bremsen können. Eine konkrete politische Antwort darauf ist die Anpassung des Gemeinnützigkeitsrechts. Mit dem Kabinettbeschluss vom September 2025 erhöht die Bundesregierung die Vergütungsgrenze für das vereinsrechtliche Haftungsprivileg auf 3.300 Euro jährlich (Stand: September 2025).* Diese Regelung stellt ehrenamtliche Tätigkeit in Vereinen in einem erweiterten Umfang von persönlichen Haftungsrisiken frei.

Praktisch bedeutet dies: Ehrenamtliche, die in ihrer Funktion für den Verein handeln, müssen für Schäden nicht mit ihrem Privatvermögen einstehen, sofern ihre jährliche Aufwandsentschädigung diese Grenze nicht überschreitet. Diese Maßnahme mindert nicht nur ein existenzielles Risiko für die Engagierten selbst, sondern verringert auch den administrativen Aufwand für Vereine, die oft umfangreiche Versicherungen abschließen oder komplexe Rechtsberatung in Anspruch nehmen mussten. Sie schafft so mehr Rechtssicherheit und fördert die Bereitschaft, Verantwortung in Vereinsvorständen zu übernehmen.

Konkrete politische Entscheidungen 2025

Die beschlossene Erhöhung der Vergütungsgrenze ist ein Beispiel für eine direkt wirksame gesetzgeberische Initiative. Sie zeigt, wie politische Instrumente ansetzen können, um ehrenamtliche Strukturen zu entlasten. Weitere zentrale Forderungen aus der Zivilgesellschaft, wie sie auch das Deutsche Rote Kreuz formuliert, zielen auf ähnlich konkrete Verbesserungen ab. Dazu gehören bundesweit einheitliche Regelungen zur Gleichstellung von Helferinnen und Helfern anerkannter Hilfsorganisationen mit Einsatzkräften von Technischem Hilfswerk und Feuerwehren, eine verlässliche Finanzierung hauptamtlicher Unterstützungsstrukturen sowie die Bereitstellung moderner Infrastruktur.

Die politische Debatte im Jahr 2025 verdeutlicht, dass es weniger an Vorschlägen mangelt, sondern an deren zügiger und flächendeckender Umsetzung. Die bereits getroffene Entscheidung zur Haftungsprivilegierung markiert einen Schritt in diese Richtung. Sie entfaltet ihre Wirkung unmittelbar in der Vereinspraxis und sendet ein Signal der Wertschätzung, das über symbolischen Dank hinausgeht. Ob weitere angekündigte Vorhaben folgen, wird zeigen, wie nachhaltig die Stärkung des Ehrenamts als gesellschaftspolitische Priorität verankert wird.

Ausblick und Handlungsoptionen

Die Diskussion um die Zukunft des Ehrenamts ist längst nicht beendet. Die Vorschläge, die eine nachhaltige Stärkung des Ehrenamts zur Folge hätten, liegen alle auf dem Tisch. Jetzt geht es darum, diesen Impuls aufzunehmen und in konkrete Schritte zu übersetzen.*

Was jetzt zu tun ist

Die nächsten Monate sind entscheidend, um aus Worten Taten werden zu lassen. Eine zentrale Aufgabe liegt in der Politik: Die angekündigten Maßnahmen zur Stärkung des Ehrenamts müssen zügig und verbindlich umgesetzt werden. Das betrifft vor allem die geforderte bundesweite Gleichstellung von Ehrenamtlichen in Hilfsorganisationen mit anderen Einsatzkräften. Nur mit klaren und verlässlichen Regelungen lassen sich langfristige Planungssicherheit und Anerkennung schaffen.

Gleichzeitig ist die gesamte Gesellschaft gefordert, das Ehrenamt wertzuschätzen und zu unterstützen.*

Wie Interessierte aktiv werden können

Der eigene Einstieg in ein Ehrenamt ist oft der direkteste Weg, etwas zu bewegen. Wer sich engagieren möchte, findet vielfältige Möglichkeiten.*

Lokale Freiwilligenagenturen oder Bürgerbüros in den Rathäusern bieten häufig Übersichten über Bedarfe in der unmittelbaren Nachbarschaft, von der Nachbarschaftshilfe bis zum Umweltprojekt.*

Wer noch unsicher ist, kann mit einem Probeeinsatz oder einer kurzfristigen Mitarbeit bei einem Event beginnen. Viele Organisationen stellen Schnupperangebote bereit, um die Arbeit kennenzulernen.*

Wichtig ist, ein Feld zu wählen, das den eigenen Interessen und zeitlichen Möglichkeiten entspricht. Denn nachhaltiges Engagement basiert auf Freude und Überzeugung. Jeder neue Helfer, jede neue Helferin stärkt nicht nur eine Organisation, sondern trägt aktiv zum gesellschaftlichen Zusammenhalt bei – heute und in der Zukunft.

Die vorliegenden Informationen basieren auf einer Pressemitteilung des Deutschen Roten Kreuzes.

Weiterführende Quellen:

9 Antworten

  1. Ich finde die Idee der Gleichstellung von Helfern richtig gut! Jeder sollte die gleiche Anerkennung bekommen für seine Arbeit. Was haltet ihr von der aktuellen Situation der ehrenamtlichen Helfer?

    1. Es wird oft nicht genug über deren Arbeit gesprochen! Ich denke, mehr Öffentlichkeitsarbeit könnte helfen.

  2. Das Ehrenamt sollte echt mehr Wertschätzung bekommen! Es macht einen großen Unterschied im Leben vieler Menschen. Welche Erfahrungen habt ihr mit ehrenamtlicher Arbeit gemacht? Das würde mich interessieren!

    1. Ich habe selbst ein paar Monate ehrenamtlich gearbeitet und fand es sehr bereichernd! Es gibt einem so viel zurück.

  3. Ich bin total begeistert von den vielen Ehrenamtlichen in Deutschland! Es zeigt wirklich den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. Wie denkt ihr über die Vorschläge des DRK? Glaubt ihr, dass sie umgesetzt werden?

  4. Ich finde es gut, dass das DRK so auf das Ehrenamt hinweist. Es ist wirklich eine große Hilfe in der Gesellschaft. Was denkt ihr, was die Politik konkret tun kann, um Ehrenamtliche zu unterstützen?

    1. Die Finanzierung ist ein wichtiges Thema! Ohne Geld können viele Projekte nicht stattfinden. Vielleicht sollte es mehr Zuschüsse für Ehrenamtliche geben.

    2. Ja genau! Und auch die Anerkennung ist wichtig. Vielleicht könnten mehr Veranstaltungen zur Würdigung von Ehrenamtlichen organisiert werden.

  5. Das Ehrenamt wird oft unterschätzt, aber es ist echt wichtig für unsere Gesellschaft. Ich finde, dass wir mehr darüber reden sollten, wie man die Rahmenbedingungen verbessern kann. Welche Ideen habt ihr dazu?

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