– Erster Dresdner Pflegepreis geht an Denise Hermann für ihre Abschlussarbeit.
– Sie gewann sowohl Jury- als auch Publikumspreis beim 23. Dresdner Pflegetag.
– Ihre Arbeit untersucht den Berufseinstieg nach generalistischer Pflegeausbildung.
Erster Dresdner Pflegepreis für herausragende Pflegewissenschaft
Beim 23. Dresdner Pflegetag am 17. November 2025 wurde erstmals der Dresdner Pflegepreis verliehen. Die Auszeichnung ehrt exzellente wissenschaftliche Arbeiten aus der sächsischen Pflegelandschaft. Denise Hermann, Gesundheits- und Krankenpflegerin auf der Palliativstation des Städtischen Klinikums, gewann sowohl den Jury- als auch den Publikumspreis.
Die Thieme Gruppe stiftete das Preisgeld von 500 Euro für den Jurypreis und 200 Euro für den Publikumspreis (Stand: 18.11.2025)*. In ihrer ausgezeichneten Bachelorarbeit setzt sich Hermann mit dem Berufseinstieg von Pflegefachpersonen nach generalistischer Ausbildung auseinander.
Als professionell Pflegende verstehe ich mich als fachlich fundierte Begleiterin, die Menschen in komplexen und schwierigen Lebenssituationen mit Kompetenz, Würde und echter Zuwendung unterstützt – so beschreibt die Preisträgerin ihr berufliches Selbstverständnis. Die Jury lobte in ihrer Laudatio besonders, dass die Arbeit methodisch und inhaltlich überzeugt. Sie bedauert nicht einen Ist-Zustand, sondern forscht, belegt und argumentiert mit erhobenen Zahlen. In der Folge formuliert sie klare Arbeitsaufträge und steht damit für eine zukunftsgerichtete, professionelle Pflege, deren Theorie ganz unmittelbar in die Praxis überführt werden kann und muss.
Ein Bild der Preisverleihung steht in der Pressemitteilung zum Download bereit.*
Warum der Preis jetzt wichtig ist
Pflegewissenschaftliche Abschlussarbeiten schaffen die Brücke zwischen Theorie und Praxis. Der Dresdner Pflegepreis setzt hier an: Er macht Forschung sichtbar und fördert den Transfer in den Pflegealltag. Die Auszeichnung richtet sich an Abschlussarbeiten pflegebezogener Studiengänge an sächsischen Hochschulen und Universitäten sowie an Mitarbeitende sächsischer Krankenhäuser*.
Hintergrund: Professionalisierung in der Pflege
Die Etablierung eines regionalen Preises für pflegewissenschaftliche Arbeiten signalisiert einen Entwicklungsschritt. Noch immer erkennt die Pflegepraxis akademische Qualifikation zu selten als gleichwertig zur praktischen Erfahrung an. Dabei leisten Abschlussarbeiten entscheidende Beiträge zur Professionalisierung:
- Sie identifizieren konkrete Verbesserungspotenziale in der Pflegepraxis
- Sie entwickeln evidenzbasierte Handlungsempfehlungen
- Sie stärken die wissenschaftliche Fundierung pflegerischen Handelns
Der Dresdner Pflegetag bietet hierfür die ideale Plattform. Diese Fachveranstaltung fand 2025 zum 23. Mal statt. Gemeinsam mit dem DBfK Südost e. V. gestalteten die Pflegedirektor:innen aller Dresdner Krankenhäuser ein Programm, das zeigt, wie Zusammenarbeit in der Pflege konkret gelebt wird. In diesem etablierten Rahmen gewinnt der neue Pflegepreis zusätzliche Strahlkraft – ein Zeichen der Wertschätzung wissenschaftlicher Kompetenz in der Pflege.
Regionale Initiativen wie der Dresdner Pflegepreis können Modellcharakter entfalten. Sie demonstrieren, wie durch Anerkennung und Förderung der Praxisbezug pflegewissenschaftlicher Forschung gestärkt wird. In einer Zeit, in der die Pflege vor komplexen Herausforderungen steht, wächst die Bedeutung von Brückenschlägen zwischen Wissenschaft und Versorgung.
Ausbildung und Personalbedarf in Sachsens Pflege
Die Ausbildungssituation in der sächsischen Pflege zeigt positive Entwicklungen, doch der künftige Personalbedarf erfordert weiterhin gezielte Anstrengungen. Ende 2022/2023 verzeichnete der Freistaat Sachsen rund 2.300 beziehungsweise 38,9 Prozent mehr Auszubildende zur Pflegefachfrau und zum Pflegefachmann als noch 2021.* Diese Steigerung setzte sich fort: Zum Jahresende 2024 befanden sich in Sachsen insgesamt 8.714 Personen in Ausbildung zum Pflegefachmann oder zur Pflegefachfrau (Stand: Ende 2024).*
Kernzahlen (Ausbildung & Prognose)
Die aktuellen Ausbildungsdaten zeigen ein differenziertes Bild: Von den 8.714 Auszubildenden 2024 beendeten insgesamt 2.161 Personen ihre Ausbildung.* Der Frauenanteil lag bei etwa 74 Prozent,* während vorzeitig gelöste Ausbildungsverträge etwa 7 Prozent ausmachten.*
Dem gegenüber stehen die Prognosen zum künftigen Personalbedarf. Modellrechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigen für das Jahr 2023 einen Bestand von 20.691 Vollzeitäquivalenten in der stationären Pflege und 14.916 in der ambulanten Pflege in Sachsen.* Bis 2040 wird dieser Bedarf voraussichtlich auf ca. 23.600 Vollzeitäquivalente in der stationären und ca. 16.650 in der ambulanten Pflege ansteigen.* Die Anzahl der Erwerbstätigen im Pflegesektor soll bis 2030 um bis zu ein Drittel zunehmen.*
| Jahr | Bereich | Vollzeitäquivalente | Quelle/Stand |
|---|---|---|---|
| 2023 | stationär | 20.691 | IAB, veröffentlicht 2025 |
| 2023 | ambulant | 14.916 | IAB, veröffentlicht 2025 |
| 2040 (Prognose) | stationär | ca. 23.600 | IAB, veröffentlicht 2025 |
| 2040 (Prognose) | ambulant | ca. 16.650 | IAB, veröffentlicht 2025 |
Eine Studie des IAB Sachsen aus dem Jahr 2025 betont, dass der demografische Wandel zu einem steigenden Bedarf an akademisch qualifizierten Pflegekräften führen wird, während die Absolventenzahlen im Bachelor-Studienweg noch auf niedrigem Niveau verharren.*
Die Zahlen verdeutlichen drei zentrale Herausforderungen:
- Der Ausbau der Ausbildungsplätze muss weiter vorangetrieben werden
- Die akademische Qualifizierung gewinnt zunehmend an Bedeutung
- Der Transfer von theoretischem Wissen in die Praxis wird essenziell
Ausblick: Was jetzt nötig ist
Die Auszeichnung regionaler Pflegeforschung zeigt, dass wissenschaftliche Erkenntnisse Einfluss auf die Praxisentwicklung nehmen können. Damit dieser Transfer nachhaltig wirkt, müssen Politik und Bildungseinrichtungen jetzt die Weichen für eine strukturelle Verankerung solcher Initiativen stellen.
Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) ist die berufliche Interessenvertretung der Gesundheits- und Krankenpflege, der Altenpflege und der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. Als deutsches Mitglied im International Council of Nurses und Gründungsmitglied des Deutschen Pflegerates bringt der Verband die notwendige Expertise mit, um die Diskussion um Forschungstransfer und Qualifizierung fachlich zu begleiten. Die aktuellen Entwicklungen unterstreichen die Dringlichkeit, wissenschaftliche Erkenntnisse systematisch in die pflegerische Versorgung zu überführen.
Hochschulen und Praxispartner sollten gemeinsame Forschungsprojekte initiieren, die unmittelbare Relevanz für die Patientenversorgung besitzen. Die Förderung von Masterstudienplätzen mit Schwerpunkt auf Advanced Nursing Practice würde es Pflegefachpersonen ermöglichen, ihre Expertise gezielt auszubauen und gleichzeitig im Berufsalltag zu verankern. Parallel dazu könnten Stipendienprogramme den Zugang zu akademischer Weiterbildung erleichtern und so dem Fachkräftemangel entgegenwirken.
Praxisforschung muss als integraler Bestandteil der pflegerischen Professionalisierung verstanden werden. Die Politik ist gefordert, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen – von der Finanzierung entsprechender Stellen bis hin zur Anerkennung forschender Tätigkeit als Teil der beruflichen Entwicklung. Bildungseinrichtungen sollten ihre Curricula stärker an den Bedarfen der Versorgungspraxis ausrichten und Kooperationen mit Gesundheitseinrichtungen intensivieren.
Die Zeit ist reif, wissenschaftliche Erkenntnisse konsequent in die Pflegepraxis zu überführen – für eine zukunftssichere Gesundheitsversorgung.
Die hier dargestellten Informationen und Zitate beruhen auf einer Pressemitteilung des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe (DBfK) Südost e.V.
Weiterführende Quellen:
- „Der Freistaat Sachsen verzeichnete Ende 2022/2023 rund 2.300 bzw. 38,9 Prozent mehr Auszubildende zur Pflegefachfrau und zum Pflegefachmann als noch 2021.“ – Quelle: https://www.bibliomed-pflege.de/news/48580-fast-40-prozent-mehr-auszubildende-zur-pflegefachfrau-und-zum-pflegefachmann-in-sachsen
- „Zum Jahresende 2024 befanden sich in Sachsen insgesamt 8.714 Personen in Ausbildung zum/r Pflegefachmann/-frau, 2.161 beendeten die Ausbildung 2024, davon 60 mit Pflegestudium (Bachelor). Der Frauenanteil lag bei 73,9 %. 6,8 % der Ausbildungsverträge wurden 2024 vorzeitig gelöst.“ – Quelle: https://www.statistik.sachsen.de/download/presse-2025/mi_statistik-sachsen-098-2025_ausbildung_pflegefachfrau-pflegefachmann-pflegestudium-2024.pdf
- „Modellprognosen des IAB gehen davon aus, dass in Sachsen bis 2040 in der stationären Pflege ca. 23.600 und in der ambulanten Pflege ca. 16.650 Vollzeitäquivalente benötigt werden (Zahlen für 2023: stationär 20.691; ambulant 14.916). Die Anzahl der Erwerbstätigen im Pflegesektor soll bis 2030 um bis zu ein Drittel steigen.“ – Quelle: https://doku.iab.de/regional/S/2025/regional_s_0125.pdf
- „Eine Studie des IAB Sachsen aus 2025 betont, dass der demografische Wandel zu einem steigenden Bedarf an akademisch qualifizierten Pflegekräften führen wird, während die Absolventenzahlen im Bachelor/Studienweg noch auf niedrigem Niveau verharren.“ – Quelle: https://doku.iab.de/regional/S/2025/regional_s_0125.pdf
8 Antworten
Denise Hermann hat mit ihrer Arbeit wirklich einen wichtigen Punkt angesprochen. Der Berufseinstieg kann so herausfordernd sein! Wie können Hochschulen dabei besser unterstützen?
„Hochschulen sollten vielleicht mehr praktische Erfahrungen in ihre Programme integrieren? Das könnte helfen, die Studierenden besser auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten.“
„Ja genau! Außerdem wäre es gut, wenn sie mehr Feedback von aktuellen Praktikern einholen könnten, um ihre Curricula ständig zu verbessern.“
Es ist ermutigend zu sehen, dass Pflegewissenschaft anerkannt wird. Die Verbindung von Theorie und Praxis ist echt entscheidend. Was denkt ihr, wie können wir den Transfer von Forschungsergebnissen in die Praxis verbessern?
Ich stimme zu! Vielleicht durch Workshops oder Schulungen für das Pflegepersonal? Es wäre hilfreich, wenn auch die Universitäten mehr direkte Kontakte zu Kliniken hätten.
Das klingt nach einer tollen Idee! Zusätzlich könnten Mentoren-Programme hilfreich sein, um den Austausch zwischen erfahrenen und neuen Pflegekräften zu fördern.
Wow, der Dresdner Pflegepreis klingt nach einer großartigen Initiative! Ich hoffe, dass mehr solcher Preise ins Leben gerufen werden. Welche anderen Möglichkeiten gibt es noch, die Pflegeberufe zu fördern und sichtbarer zu machen?
Ich finde es echt super, dass Denise Hermann diesen Preis gewonnen hat! Ihre Arbeit über den Berufseinstieg ist so wichtig. Aber wie können wir sicherstellen, dass solche Themen auch in Zukunft genug Aufmerksamkeit bekommen?