– ver.di-Studie am 28. April deckt erhebliche Defizite im Arbeits- und Gesundheitsschutz auf.
– Nur 36 % der Dienstleistungsbeschäftigten erhalten regelmäßige Gefährdungsbeurteilungen trotz gesetzlicher Pflicht.
– 87 % der Beschäftigten im Dienstleistungssektor erleben Mehrfachbelastungen, vor allem Zeitdruck.
Neue ver.di-Studie beleuchtet Missstände im Arbeits- und Gesundheitsschutz im Dienstleistungssektor
Anlässlich des Welttags für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz am 28. April veröffentlicht die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di eine Studie, die den Zustand des Arbeits- und Gesundheitsschutzes im deutschen Dienstleistungssektor kritisch hinterfragt. Dabei wird deutlich, dass gesetzliche Vorgaben in vielen Betrieben kaum umgesetzt werden. „Wir haben es in Deutschland mit einem von Arbeitgeberseite sträflich vernachlässigten Arbeits- und Gesundheitsschutz in den Betrieben zu tun“.
Nur 36 Prozent der Beschäftigten berichten von einer regelmäßigen Gefährdungsbeurteilung – trotz klarer gesetzlicher Verpflichtung der Arbeitgeber. Besonders erschreckend ist, dass selbst in der öffentlichen Verwaltung weniger als die Hälfte der Beschäftigten von einer solchen Überprüfung profitieren. Die Wahrnehmung der Arbeitssituation spiegelt sich in den Zukunftsaussichten wider: Lediglich 54 Prozent glauben, unter den aktuellen Bedingungen das Rentenalter erreichen zu können.
Die Studie zeigt außerdem, dass 87 Prozent der Beschäftigten Mehrfachbelastungen erleben, wobei der Gesundheits- und Erziehungsbereich den Spitzenwert einnimmt. Zeitdruck ist dabei die häufigste Belastungsquelle, die körperliche und psychische Gesundheit der Beschäftigten gefährdet. Vor diesem Hintergrund fordert Rebecca Liebig: „Von Guter Arbeit scheinen Unternehmen und Verwaltungen meilenweit entfernt. Dabei brauchen wir gerade im wachsenden Dienstleistungssektor dringend gut qualifizierte, motivierte und vor allem gesunde Fachkräfte, um die anstehenden Transformationsprozesse zu meistern. Deshalb muss in der Arbeitswelt gelten: Wer Gute Arbeit will, muss in Prävention investieren.“
Arbeitsschutzmängel als gesellschaftliches und wirtschaftliches Risiko
Mängel im Arbeitsschutz sind längst nicht nur ein individuelles Problem am Arbeitsplatz, sondern ein strukturelles und gesellschaftliches Risiko mit weitreichenden Folgen. Insbesondere im Dienstleistungssektor, der heute den Arbeitsmarkt maßgeblich prägt, zeigt sich, wie entscheidend eine strategisch durchdachte Prävention ist. Fehlender oder ineffektiver Arbeitsschutz gefährdet nicht nur die Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten, sondern stellt auch eine Herausforderung für die Wettbewerbsfähigkeit des gesamten Wirtschaftsstandorts dar.
Die sozialen Auswirkungen sind erheblich: Arbeitsbedingte Erkrankungen und Unfälle führen zu langen Ausfallzeiten, mindern die Lebensqualität und erzeugen zusätzlichen Druck auf das Gesundheitssystem. Für Unternehmen wiederum bedeuten diese Risiken Ausfälle, Produktivitätsverluste und steigende Kosten. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Beteiligung der Beschäftigten an der Entwicklung und Umsetzung von Präventionsmaßnahmen an Bedeutung, denn nur durch ihre aktive Mitwirkung lassen sich praxisgerechte und wirksame Lösungen etablieren.
Warum Prävention jetzt wichtiger wird
Die Notwendigkeit, Prävention im Arbeitsschutz konsequenter zu verfolgen, wird durch den strukturellen Wandel der Arbeitswelt weiter verschärft. Dienstleistungstätigkeiten sind oft durch höhere psychische Belastungen, weniger standardisierte Arbeitsabläufe und eine Vielzahl unterschiedlicher Arbeitsorte gekennzeichnet. In diesem Kontext muss Arbeitsschutz dynamischer und anpassungsfähiger werden, um den neuen Herausforderungen gerecht zu werden. Prävention schafft die Grundlage für nachhaltige Arbeitsfähigkeit und sichert langfristig den Erfolg von Unternehmen und Volkswirtschaft.
Chancen für bessere Arbeitsbedingungen
Eine verbesserte Präventionskultur kann weit mehr sein als reine Schadensbegrenzung. Sie eröffnet Chancen für eine positive Arbeitsumgebung, die Motivation und Gesundheit der Beschäftigten fördert. Notwendig sind hier sowohl gesetzgeberische Initiativen als auch eine verstärkte Zusammenarbeit von Unternehmen, Gewerkschaften und staatlichen Stellen. Die politische Diskussion dreht sich daher verstärkt um:
- Ausbau digitaler Instrumente zur Risikoerfassung und Gesundheitsförderung
- Stärkung der Beteiligungsrechte von Beschäftigten im Betrieb
- Förderung von Weiterbildung und Kompetenzentwicklung in Arbeitsschutzfragen
- Schaffung von flexiblen, aber sicheren Arbeitsbedingungen insbesondere im mobilen Arbeiten
Die konsequente Umsetzung solcher Maßnahmen kann die Arbeitswelt nicht nur sicherer machen, sondern auch innovativer und resilienter gegenüber zukünftigen Herausforderungen. Arbeitsschutz ist daher nicht nur ein Schutzfaktor, sondern ein zentraler Baustein für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die wirtschaftliche Stabilität.
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